Chat – Wikipedia
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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter
Chat (Begriffsklärung)
aufgeführt.
Chat
IPA
tʃæt
anhören
; von
englisch
to chat
„plaudern, sich unterhalten“) oder
Online-Chat
bezeichnet die elektronische
Kommunikation
mittels
geschriebenem Text
in
Echtzeit
, meist über das
Internet
. Die erste Ausprägung des Online-Chats bot ab 1980 der US-amerikanische
Internetdienstanbieter
Compuserve
in Form des „CB-Simulators“. Auch das
Usenet
und im weiteren Sinn der
CB-Funk
hatten Chat-Funktionen.
Arten
Die ursprünglichste Form des Internet-Chats ist der reine Textchat, bei dem nur
Zeichen
ausgetauscht werden können. Mittlerweile kann – je nach System – eine Ton- und/oder Videospur dazukommen bzw. den Textchat ersetzen. Man spricht dann von „
Audio-
“ bzw. „
Videochat
“.
Heute werden, technisch gesehen, hauptsächlich drei Chatformen unterschieden:
Der
Internet Relay Chat
(IRC) wurde in den 1980er Jahren von dem finnischen Studenten Jarkko Oikarinen entwickelt. Er benötigt eigene
Chat-Server
; diese Server sind meistens untereinander vernetzt. Zudem wird eine
Client-Software
benötigt, die entweder auf den Rechnern der chattenden Personen installiert ist oder aber über einen
Browser
gestartet wird, z.
B. ein
Java
-Web-Client
. Für die Steuerung des Clients werden spezielle IRC-Kommandos verwendet.
Der
Webchat
, bei dem man direkt im Webbrowser chatten kann, es wird meist keine weitere Software benötigt. Webchats sind meistens auf die jeweilige Website beschränkt. Diese Form wird auch in
Live-Support-Systemen
genutzt, die zum Teil weitere Dienste wie
IP-Telefonie
oder Funktionen zur
Fernwartung
beinhalten.
Bei
Instant Messaging
wird der Chat in der Regel nicht in einem öffentlichen
Chatraum
geführt, sondern nur zwischen denjenigen, die sich mittels der entsprechenden Software untereinander als mögliche Gesprächspartner identifiziert haben. Jedoch sind auch öffentliche
XMPP
Chaträume weit verbreitet, welche wie IRC's genutzt werden.
Chatten per
E-Mail
mit „Chat over IMAP“ (COI). COI erweitert die
SMTP
- und
IMAP
-Konzepte um Chat-Funktionen, die Nutzung erfolgt mittels Apps wie z.
B. „
Delta Chat
“/ „OX-COI“.
IRC
und
Instant Messaging
beinhaltet meistens weitere Funktionalitäten wie das Erstellen von Gesprächsprotokollen („chat logs“) oder das Übermitteln von
Dateien
und
Hyperlinks
. Allen drei Varianten ist gemeinsam, dass meistens nicht unter bürgerlichem Namen gechattet wird, sondern unter einem Pseudonym (
Nickname
). Im
IRC
und in
Web-Chats
ist der Austausch meistens in Chaträumen bzw. Channels organisiert, die sich speziellen Themen widmen. Chats mit mehr als zwei Chattern finden in Chaträumen statt.
Nach einer Erhebung des
Statistischen Bundesamtes
nutzten 2009 46
Prozent der 10- bis 15-jährigen Internetnutzer Chats,
Blogs
oder
Internetforen
als Kommunikationsmittel. Bei Studenten und Schülern beträgt dieser Anteil 89
Prozent.
Chatiquette
Zu beachten ist die
Chatiquette
. Hierbei handelt es sich um spezielle Regeln für die
Umgangsformen
in einem Chat. Um Missverständnisse aufgrund der fehlenden visuellen Kommunikation zwischen den Teilnehmern zu vermeiden, sollten diese Regeln eingehalten werden.
Allgemeine Regeln für die Umgangsformen im Internet beschreibt die
Netiquette
Chatter-Treffen
Da man sich in einem Chat nur „virtuell“ unterhalten kann, werden von manchen Chat-Communitys oder auch Privatpersonen sogenannte Chatter-Treffen (CT) organisiert. Hier treffen sich die Chatter dann auch im wirklichen Leben, um sich auszutauschen oder organisatorische Dinge zu besprechen. Treffen, bei denen sich Mitglieder eines Chat-Kanals (z.
B. IRC-Channel) treffen, nennt man Channelparty.
Die ersten Chatter-Treffen Europas fanden schon 1987 statt und nannten sich
Relay-Partys
entsprechend dem Vorläufer von
IRC
Bitnet Relay
Gefahren und Probleme
Falsche Identitäten
Nutzer können sich in Chats nie sicher sein, ob das Gegenüber auch wirklich das ist, wofür er oder sie sich ausgibt. Dies gilt auch für Chats, in denen die Benutzer Steckbriefe besitzen. Scheinbar persönliche Informationen und Fotos stimmen nicht unbedingt mit der realen Person überein, da die Registrierungsdaten üblicherweise nicht verifiziert werden. Chatter, die sich für etwas ausgeben, was sie nicht sind, nennt man
Fakes
oder Catfish.
So kann es vorkommen, dass jemand mit einem Mann spricht, der sich als eine Frau ausgibt etc. Hierbei kann es auch zum
Romance Scam
(‚Liebesschwindel‘) kommen. Selbst wenn eine
Verifizierung
stattfindet, muss diese nicht zuverlässig sein. Nach Wolak et al. sollten gerade Kinder und Jugendliche auf diesen möglichen Unterschied zwischen „Online-Persönlichkeit“ und Realität hingewiesen werden, insbesondere in Bezug auf die Gefahr durch Sexualstraftäter („Online predator“).
Chatsucht
Der Spaß am Chatten kann zu einer
Chatsucht
werden. Dies wird häufig bei Personen beobachtet, die gerade begonnen haben zu chatten. Vor allem bei Personen mit einem gestörten sozialen Umfeld kann sich dieses Problem verfestigen. Die Chatsucht kann in Verbindung mit einer
Onlinesucht
auftreten. Begünstigt wird dies durch die Anonymität, so dass man sich anderen Teilnehmern gegenüber als Persönlichkeit ausgeben kann, die man im tatsächlichen Leben nicht ist. Dies kann zu
Realitätsverlust
führen, da man sich auch außerhalb des Chatrooms für die im Chat erstellte Person halten kann.
Kommunikation im Chat
Die Kommunikation im Chat findet fast gleichzeitig
synchron
statt und nicht über eine lange Zeit versetzt
asynchron
),
wie z.
B. in der
E-Mail
-Kommunikation. Die teilnehmenden Chatter tippen ihre Gesprächsbeiträge in ein Eingabefeld und schicken sie durch eine Eingabe ab. Ab dem Zeitpunkt seiner Zustellung an die Adressatenrechner ist der Beitrag für alle im selben Chatraum präsenten Chat-Beteiligten fast sofort sichtbar; bis zum Zeitpunkt seiner Verschickung ist bei den meisten Chat-Systemen aber die Aktivität des Tippens für die Partner ersichtlich. Ferner können sich Beiträge überlappen. Die Kommunikation im Chat teilt – trotz ihrer medial schriftlichen Realisierung – mehr Merkmale mit dem mündlichen Gespräch als mit Texten, ihre charakteristischen Unterschiede zum mündlichen Gespräch bestehen aber in mehr als lediglich der Tatsache, dass Chat-Beiträge im Gegensatz zu Gesprächsbeiträgen getippt werden. Wegen der kommunikativen Rahmenbedingungen ist trotz der
synchronen
Präsenz der Kommunikationsbeteiligten vor ihren Rechnern keine
simultane
Verarbeitung von Verhaltensäußerungen zur Laufzeit ihrer Hervorbringung möglich; in diesem Punkt unterscheidet sich die Chat-Kommunikation vom mündlichen Gespräch (vgl. z.
B. Beißwenger 2007).
Sprache im Chat
Hauptartikel
Netzjargon
Im Chat steht eine korrekte Verwendung der Sprache auf syntaktischer und orthographischer Ebene nicht im Vordergrund.
Anakoluthe
(Konstruktionsbrüche),
Aposiopesen
(Satzbrüche) sowie umgangssprachliche Kontraktionen, Ellipsen, Interjektionen, dialektale und soziolektale Ausdrücke verleihen der Sprache im Chat einen Slang-Charakter. Tippfehler und grammatikalische Fehler sind häufig, Satzzeichen spielen fast keine Rolle, und oft wird konsequent klein geschrieben. „Das Ökonomieprinzip steht […] eindeutig als Maxime der Äußerungsproduktion im Vordergrund.“
Die fehlenden parasprachlichen Mittel werden ersetzt durch
Emoticons
(etwa
:-) als
Smiley
),
Akronyme
lol
aughing
ut
oud
„lautes Lachen“) oder durch Abkürzungen.
Fremdsprachen lernen im Chat
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Möchte man als Lernender das Medium Chat nutzen, um seine Fremdsprachenkenntnisse zu verbessern, sollte man aufgrund der besonderen Kommunikations- und Sprachmerkmale von Chats Räume wählen, die extra dafür eingerichtet wurden, sogenannte Lernchats oder didaktische Chat-Räume.
Software und Protokolle
Bekannte Chatsoftware und Protokolle sind:
AOL Instant Messenger
(AIM)
BlackBerry Messenger Enterprise
Delta.chat
Discord
Facebook Messenger
Gadu-Gadu
Google Hangouts
ICQ
(OSCAR)
iMessage
Internet Relay Chat
(IRC)
Knuddels
(Online-Community)
Kullo
Multi User Dungeon
Pichat
PSYC
Signal
SILC
Skype
RetroShare
TeamSpeak
(TS)
Telegram Messenger
Threema
WhatsApp
Windows Live Messenger
(früher
MSN
) – mittlerweile durch Skype ersetzt
Wire
Xfire
XMPP
Yahoo Messenger
Cryptocat
freie Software
für
Ende-zu-Ende-verschlüsselten
Onlinechat
Chatprogramme, die mehrere Protokolle unterstützen:
Adium
Digsby
GMX/Web.de Multimessenger
Kopete
Miranda IM
Miranda NG
Pidgin
QIP
Trillian
Siehe auch
Liste von mobilen Instant-Messengern
Chatbot
Groupware
Internetforum
– ähnlich einem Chat, nur meist nicht in Echtzeit
Leetspeak
Mikroblogging
Shoutbox
Literatur
Michael Beißwenger
Sprachhandlungskoordination in der Chat-Kommunikation
(=
Linguistik – Impulse & Tendenzen
26). de Gruyter, Berlin u.
a. 2007,
ISBN 978-3-11-020050-8
(Zugleich: Dortmund, Univ., Diss., 2007).
Rainer Geers:
Der Faktor Sprache im unendlichen Daten(t)raum. Eine linguistische Betrachtung von Dialogen im Internet Relay Chat.
In:
Bernd Naumann
(Hrsg.):
Dialogue analysis and the mass media
(=
Beiträge zur Dialogforschung
20). Proceedings of the international conference, Erlangen, April 2 – 3, 1998. Niemeyer, Tübingen 1999,
ISBN 3-484-75020-0
, S. 83–100.
Gerit Götzenbrucker, Roman Hummel:
Zwischen Vertrautheit und Flüchtigkeit. Beziehungsdimensionen in computervermittelten Konversationen am Beispiel von Chats, MUDs und Newsgroups.
In: Michael Beißwenger (Hrsg.):
Chat-Kommunikation. Sprache, Interaktion, Sozialität & Identität in synchroner computervermittelter Kommunikation. Perspektiven auf ein interdisziplinäres Forschungsfeld.
Ibidem-Verlag, Stuttgart 2001,
ISBN 3-89821-147-9
, S. 201–224.
Martin Haase, Michael Huber, Alexander Krumeich, Georg Rehm:
Internetkommunikation und Sprachwandel.
In: Rüdiger Weingarten (Hrsg.):
Sprachwandel durch Computer.
Westdeutscher Verlag, Opladen 1997,
ISBN 3-531-12940-6
, S. 51–85.
Eva Platten:
Die Bedeutung von Chats für das Fremdsprachenlernen.
Uni Gießen 2001, Diplomarbeit
online verfügbar
(PDF; 560
kB).
Jan van Loh:
Schwebende Zeichen. Chats – Psychoanalyse – literales Stadium
(=
Kaleidogramme
62). Kadmos, Berlin 2010,
ISBN 978-3-86599-109-6
(Zugleich: Berlin, Humboldt-Univ., Diss.).
Weblinks
Commons
: Chat
– Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Chat
– Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Wiktionary: chatten
– Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Linkkatalog zum Thema Chat
bei
curlie.org
(ehemals
DMOZ
Linkkatalog zum Thema Chats und Foren
bei
curlie.org
(ehemals
DMOZ
Linkkatalog zum Thema Webchat
bei
curlie.org
(ehemals
DMOZ
„Bibliography on Chat Communication“ (Bibliographie zur internationalen Chat-Forschung)
Lehrerhandbuch Chatten im Fremdsprachenunterricht
Memento
vom 22. Februar 2012 im
Internet Archive
Chat-Info Website
heise.de/...../Chatten-per-Mail-Open-Source-Veteranen-wollen-WhatsApp-Konkurrenz-machen
: Stefan Krempl in c’t Magazin, Artikel vom 27. März 2019
Einzelnachweise
Private Haushalte in der Informationsgesellschaft (IKT).
(PDF)
In:
Fachserie 15 Reihe 4.
Statistisches Bundesamt,
2009
abgerufen am 16.
Februar 2010
Tim Ziemer:
Was heißt Catfishing auf Deutsch? Bedeutung einfach erklärt.
In:
Chip
18.
September 2019
abgerufen am 5.
Mai 2020
Janis Wolak,
David Finkelhor
, Kimberly J. Mitchell, Michele L. Ybarra:
Online „predators“ and their victims: Myths, realities, and implications for prevention and treatment.
In:
American Psychologist
2008, Band 63, Nr. 2 (Feb–Mär); Crimes Against Children Research Center, University of New Hampshire
Geers, 1999, S. 5.
Normdaten
(Sachbegriff):
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