Deutsches Literaturarchiv Marbach – Wikipedia
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Deutsches Literaturarchiv und Schiller-Nationalmuseum (März 2004)
Marbach
aus der Luft; unterhalb Bildmitte: Gebäude DLA,
Schiller-Nationalmuseum
und
Literaturmuseum der Moderne
(v.
l.
n.
r., Juli 2011)
Das
Deutsches Literaturarchiv Marbach
wurde in
Friedrich Schillers
Geburtsort
Marbach am Neckar
als
Deutsches Literaturarchiv
(DLA) am 12. Juli 1955 gegründet; im April 2005 wurde es umbenannt. Sein Träger ist der Verein
Deutsche Schillergesellschaft
e. V.
Das Archiv ist das größte deutsche
Literaturarchiv
in einer freien Trägerschaft und ist Mitglied im
Südwestdeutschen Bibliotheksverbund
Gegenwart
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Es bildet zusammen mit dem
Schiller-Nationalmuseum
, dem
Literaturmuseum der Moderne
und dem Collegienhaus die einheitliche Institution
Deutsches Literaturarchiv Marbach
mit
seinen sammelnden Abteilungen (Handschriftenabteilung mit Cotta-Archiv, Bibliothek, Bilder und Objekte),
der Museums-Abteilung und
der Direktions- und Verwaltungsabteilung.
Ziele
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Das Deutsche Literaturarchiv Marbach (DLA) ist eine der bedeutendsten Literaturinstitutionen weltweit. Es ist eine außeruniversitäre Forschungseinrichtung mit hohem Infrastruktur-Anteil und zugleich ein Institute of Advanced Study mit eigenem Forschungs- und Fellowprogramm. In seinen Sammlungen sichert es eine Fülle kostbarster und bedeutsamster Quellen der Literatur- und Geistesgeschichte von 1750 bis zur Gegenwart. In seinen Museen und durch seine Veranstaltungen vermittelt es Literatur, weckt Interesse am vertieften Lesen, schult die Interpretationsfähigkeit und Diskussionslust. Der Literaturforschung soll mittels verstärkter Digitalisierung entscheidender Vorschub geleistet werden.
Sammlung
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Die
Sammlungen
der
Deutschen Literatur von 1750 bis zur Gegenwart
umfassen:
Handschriften
1600 Handschriftenbestände (Nachlässe, Vorlässe, Verlagsarchive, Sammlungen)
Schwerpunkte: deutschsprachige Literatur- und Geistesgeschichte des 18. und 19. Jahrhunderts (Hauff, Hölderlin, Kerner, Mörike, Schiller, Schubart, Uhland, Wieland u.
a.), Literatur um 1900 (Hofmannsthal, Rilke, Schnitzler u.
a.), Expressionismus, zwanziger Jahre und Exil (Benn, Döblin, Kafka, Kraus, Tucholsky u.
a.), klassische Moderne und Gegenwart (Celan, Ernst Jünger, Kästner, Pastior, Sebald), Schriftstellerinnen (Domin, Kaschnitz, Lasker-Schüler, Kirsch, Köhler, Morgner, Novak, Tergit u.
a.), fremdsprachige Literatur mit Bezug zur deutschen Kultur
Philosoph/-innen (Arendt, Blumenberg, Gadamer, Gehlen, Heidegger, Jaspers, Löwith u.
a.)
Germanist/-innen und Gelehrte (Alewyn, Auerbach, Elias, Koselleck, Petersen, Szondi u.
a.)
Bibliothek
1,6 Mio. Medieneinheiten mit digitaler Bibliothek (elektronische Zeitschriften, E-Books, Volltextdatenbanken)
Quellen- und Forschungsliteratur zur deutschsprachigen Literatur seit 1750, zur Philologie, Fachgeschichte und Editionswissenschaft, zur Buch-, Theater- und Verlagsgeschichte
Auktions-, Autographen- und Antiquariatskataloge, Buchumschläge, Verlagsprospekte
Über 220 Autor/-innen- und Gelehrtenbibliotheken, Sammler- und Verlagsarchivbibliotheken sowie Spezialsammlungen zu den Genres der Unterhaltungsliteratur seit 1850 mit Provenienzerschließung
Umfangreiche Sammlung und inhaltliche Erschließung literarischer Zeitschriften der Moderne seit 1880
Kommentierte Bibliografien zu einzelnen Autoren (Döblin, Kracauer, Schiller)
Archivierung literarischer Internetquellen im Portal ›Literatur im Netz‹
Bilder und Objekte
450.000 bildliche und gegenständliche Sammlungsstücke seit 1750
Größte Porträtsammlung zur deutschen Literatur- und Geistesgeschichte seit dem 18. Jahrhundert mit Schwerpunkt württembergischer Klassizismus und Klassische Moderne
Skulpturen (Büsten, Statuetten und Reliefs); Totenmasken; Gemälde und Miniaturen; Zeichnungen; Druckgraphiken und Scherenschnitte; Fotografien; Plakate; historische Buchumschläge; Erinnerungsstücke (Schreibgeräte, Möbel, Porzellan, Textilien)
Rund 500 Bildkonvolute aus Autor/-innen-Nachlässen und Verlagsarchiven
Universitäre Forschungskooperationen im Rahmen der Forschungslinie ›Schreibwerkzeuge, Literaturträger und literarische Objekte: Materiale Hermeneutik‹
Verlagsarchive
55 Verlagsarchive, darunter S. Fischer, Hanser, Insel, Luchterhand, Piper, Reclam, Rowohlt u.
a.
Geschäftsarchiv der J. G. Cotta’schen Verlagsbuchhandlung und ihrer Tochterfirmen und Nachfolger
Siegfried Unseld Archiv: Archive der Verlage Suhrkamp und Insel. Rund 9.200 Archivkästen mit Manuskripten, Druckvorlagen und Korrespondenzen der Verlagsautoren, umfangreiches Pressearchiv, Produktionsbibliothek
Redaktionsarchive
Mediendokumentation
Veröffentlichungen
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In folgenden Reihen und Zeitschriften sind Forschung und Bestände des Deutschen Literaturarchivs hauptsächlich dokumentiert:
Aus dem Archiv
(bis 2018)
Deutsches Literaturarchiv. Verzeichnisse – Berichte – Informationen
(bis 2005)
Jahrbuch der Deutschen Schillergesellschaft – Internationales Organ für Neuere deutsche Literatur
Marbacher Bibliothek
(bis 2008)
Marbacher Faksimile-Drucke
(bis 2006)
Marbacher Kataloge
(bis 2018)
Marbacher Magazine
Marbacher Schriften
(bis 1996)
Marbacher Schriften. Neue Folge
Marbacher Wissenschaftsgeschichte
(bis 2004)
Spuren
Ferne Spuren
Veröffentlichungen der Deutschen Schillergesellschaft
Zeitschrift für Ideengeschichte
Collegienhaus
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Die Deutsche Schillergesellschaft konnte dank mäzenatischer Hilfe und öffentlicher Zuwendungen 1993 ein
Collegienhaus
(mit 30 Appartements) für das Deutsche Literaturarchiv eröffnen. Es ist gedacht für forschende Gäste, Autoren, Stipendiaten und trägt sich wirtschaftlich selbst.
Literaturmuseum der Moderne
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Das Literaturmuseum der Moderne in Marbach
Im Jahr 2004 entstand in unmittelbarer Nachbarschaft zu Schiller-Nationalmuseum, Deutschem Literaturarchiv und Collegienhaus als viertes Gebäude das
Literaturmuseum der Moderne (LiMo)
. Es wurde vom britischen Architekten
David Chipperfield
geplant. Die Übergabe des neuen Gebäudes fand am 9. Januar 2006 statt, die offizielle Eröffnung am 6. Juni 2006 in Anwesenheit des
Bundespräsidenten
Horst Köhler
. Das Museum zeigt auf 1.000 m² Exponate aus den Beständen des Deutschen Literaturarchivs zum 20. Jahrhundert und zur Gegenwart. Im Juni 2015 wurde die komplett überarbeitete Dauerausstellung neu eröffnet. Das Literaturmuseum der Moderne, ebenso wie das Schiller-Nationalmuseum, wird von
Vera Hildenbrandt
geleitet.
Deutsches Literaturarchiv und Schiller-Nationalmuseum: gemeinsame Geschichte
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Die Geschichte des Deutschen Literaturarchivs ist untrennbar verbunden mit der Entstehung und Geschichte des
Schiller-Nationalmuseums
und der seines Trägervereins, der
Deutschen Schillergesellschaft
Blick auf den Haupteingang des Schiller-Nationalmuseums
Vorgeschichte im 19. Jahrhundert
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Von „Schillerdenkmal“ und „Schillerhaus“: der „Marbacher Schillerverein“
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Der
Stuttgarter Liederkranz
veranstaltete in der Residenzstadt
Stuttgart
am 9. Mai 1825 die erste
Schiller Gedächtnißfeyer
. Dabei wurden erste Vorstellungen über ein zu errichtendes Schillerdenkmal geäußert, die in Friedrich Schillers Geburtsort Marbach Befremden auslösten. Im Mittelpunkt der Marbacher Schiller verehrenden Kreise stand zu dieser Zeit der Amtsrichter
Gottlob Rooschüz
(1785–1847), der Vater der Schriftstellerin
Ottilie Wildermuth
. Er initiierte 1835 den
Marbacher Schillerverein
als erste deutsche Dichtergesellschaft.
Schillerdenkmal
auf der Schillerhöhe
1839 errichtete der Stuttgarter Liederkranz ein
Schillerdenkmal
auf dem Alten Schlossplatz (heute Schillerplatz) in Stuttgart.
Schillers Geburtshaus, 1850 von
Eberhard Emminger
gemalt
Der
Marbacher Schillerverein
kaufte Schillers Geburtshaus und eröffnete es 1859 als museale Gedenkstätte
Schillerhaus
. 1876 wurde das
Schillerdenkmal
auf der Marbacher
Schillerhöhe
errichtet, gegossen aus 32 Zentnern erbeuteter französischer Kanonen, überlassen von
Kaiser
Wilhelm I.
Schillers Geburtshaus heute
1889 warb
Wilhelm Dilthey
(1833–1911) für die Errichtung neuer Institutionen der Literaturpflege (Vortrag veröffentlicht in den
Preußischen Jahrbüchern
): Nach der Erlangung der politischen Einheit sehe man auch die „ganze deutsche Vergangenheit in einer neuen Beleuchtung“, und damit auch „die Literatur mit anderen Augen“. Es entstünden „aus der Pietät gegen unsere Schriftsteller und aus dem Bedürfnis unserer Forschung neue Anforderungen, […] die sich auf Erhaltung, Sammlung und zweckentsprechende Eröffnung der Quellen beziehen…. Die Hauptquelle für unsere neue Literatur sind natürlich die Bücher selber…Neben die Bücher treten als andere Quelle die Handschriften…Der handschriftliche Nachlaß der Schriftsteller ist […] unschätzbar […] Genuß und Verständnis unserer Literatur empfängt aus diesen Handschriften eine unberechenbare wertvolle Bereicherung, und die wissenschaftliche Erkenntnis ist an ihre möglichst ausgiebige Benutzung schlechthin gebunden […].Diesen Aufgaben genügen die gegenwärtigen Einrichtungen nicht. Nur Archive ermöglichen die Erhaltung der Handschriften, ihre angemessene Vereinigung und ihre richtige Verwertung. Wir müssen also einen weiteren Schritt in der Organisation unserer Anstalten für historische Forschung tun. Neben die Staatsarchive […] müssen Archive für Literatur treten.“ 1823 hatte bereits
Goethe
in seinem Essay
Archiv des Dichters und Schriftstellers
auf die Bedeutung eines gepflegten Schriftstellerarchivs hingewiesen. 1889 wurde in
Weimar
das
Goethe- und Schiller-Archiv
eingerichtet, nachdem Goethes letzter Enkel 1885 den Nachlass Goethes, das Haus, die Sammlungen und das Archiv dem Weimarischen Staat einerseits und der
Großherzogin Sophie
andererseits vermacht hatte und 1889 Schillers dichterischer Nachlass hinzukam.
1890 fand in Stuttgart anlässlich des
Vierten allgemeinen Neuphilologentags
eine „Ausstellung von verschiedenen Ausgaben, Handschriften, Briefen und Bildnissen schwäbischer Dichter“ statt (Cottas
Allgemeine Zeitung
vom 27. Mai 1890). Der hierfür Verantwortliche,
Otto Güntter
(1858–1949) schreibt in seinen Erinnerungen
(Mein Lebenswerk)
, wie er während seiner Studienaufenthalte in London (1882/1883) in den Lesesälen des
British Museums
die reichhaltigen Handschriftensammlungen und in der
National Portrait Gallery
im damaligen
South Kensington Museum
die „Bildnisse und Büsten hervorragender Engländer, […] Briefe und andere Schriftstücke, sowie Gegenstände aus ihrem Besitz“ besichtigte. „So etwas sollten wir Deutsche auch haben, oder doch wenigstens jedes deutsche Land für sich“ (S. 10).
Traugott Haffner
(1853–1903), der Marbacher Bürgermeister und Vorsitzende des Marbacher Schillervereins, besuchte die Stuttgarter Ausstellung und war sehr angetan. Bei der Schillerfeier am 9. Mai 1890 waren ihm von Schillers Enkelin Familienbildnisse übergeben worden, die sich nicht mehr im kleinen
Schillerhaus
unterbringen ließen. Beides, die Stuttgarter Ausstellung und die wachsende Sammlung, brachten ihn auf den Gedanken, in Marbach ein
Schiller-Museum
zu errichten. Der Schulmeister
Johann Georg Fischer
(1816–1897) vermittelte ihm den Kontakt zum Stuttgarter Bankier und Sammler
Kilian von Steiner
(1833–1903), der half, die Sammlungen des Schillervereins durch Stiftungen auszubauen.
Schwäbischer Schillerverein und Schiller-Archiv und -Museum
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1891 entwickelten diese drei Persönlichkeiten den
Plan des Schillermuseums und -archivs als Bildungs- und Forschungsstätte für die neuzeitliche Literatur Schwabens
1892 finanzierte Steiner für den
Marbacher Schillerverein
den Erwerb einer großen Sammlung von einer Nachfahrin von Schillers Schwester, und nachdem auch
König Wilhelm II. von Württemberg
(der 1890 auch die Günttersche Ausstellung besucht hatte) von Steiner und Haffner für das Projekt gewonnen werden konnte, äußerte er am 8. Mai 1895 anlässlich des 60-jährigen Jubiläums des Marbacher Schillervereins zur Feier am 9. Mai seine Sympathie zum Plan der „Unterbringung eines Schiller-Archivs und -Museums in einem selbständigen Bau“. Der König wollte hierbei tatkräftig mitwirken, wünschte die Umbenennung in
Schwäbischer Schillerverein
und dass die Mitgliederliste des neuen Vereins mit seinem Namen eröffnet werde (zit. nach
Der Postillion, Amts- und Anzeigenblatt für den Oberamtsbezirk Marbach
vom 9. Mai 1895). Im Schreiben des Königs klang die künftige Nutzung der Sammlungen für Bildung und Wissenschaft bereits an. Der Sitz des
Schwäbischen Schillervereins
war Marbach und Stuttgart. Am 1. April 1897 gab es bereits unter den Stiftern 13 Fürstlichkeiten, 63 Körperschaften (Gemeinden) und 82 Privatpersonen, unter den ordentlichen Mitgliedern 65 Körperschaften und 975 Privatpersonen, insgesamt also fast 1.200 Mitglieder, darunter auch
Bismarck
und die Mitglieder der Weimarer großherzoglichen Familie. Auf der Marbacher
Schillerhöhe
wurden nun großzügige, vorausschauende Grundstückskäufe getätigt und die Sammlungen stark erweitert. Dabei waren jetzt schon
Handschriften
und
Nachlässe
anderer Schriftsteller:
Hölderlin
Uhland
etc.
1899/1900 rückte die Verwirklichung des Museumsbaus näher: Mit der Planung konnte begonnen werden, nachdem deren Finanzierung durch Stiftungen, Mitgliederbeiträge und eine 10
% der voraussichtlichen Baukosten umfassende Dotation des württembergischen Königs gesichert war. Am 29. Mai 1901 war die Grundsteinlegung des
Schiller-Archivs und -Museums
. Die Sammlung wurde weiter ausgebaut, der Nachlass
Justinus Kerners
kam 1902 hinzu. Aber es hatten auch erste Kontakte zu lebenden Schriftstellern begonnen, die durch Dotationen des Vereins an diesen gebunden werden sollten. So erhielt
Wilhelm Raabe
zu Weihnachten 1896 eine Ehrengabe in Höhe von 2.500
Mark. Am 10. November 1903, an Schillers Geburtstag, wurde das neue Museum eingeweiht. Im Mai 1904 wurde Otto Güntter Leiter von Museum und Archiv und Stellvertreter des Vereinsvorsitzenden. Vereinsvorsitzende waren in den Jahren 1895–1918, also bis zum Ende der Monarchie, die jeweiligen Kabinettchefs des Königs, danach übernahm Güntter auch den Vorsitz des Vereins.
1905 fand eine Feier zu Schillers hundertstem Todestag und 1909 eine zur hundertfünfzigsten Wiederkehr von Schillers Geburtstag.
Die Schillerforschung erhielt ihren wichtigen Platz, die Sammlungen wurden erheblich ausgebaut, was einen Erweiterungsbau dringend erforderlich erscheinen ließ. Es erschien die Volksausgabe von
Schillers Werken
zum Preis von 1
Mark.
Zwischen den Weltkriegen
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Schiller-Nationalmuseum
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Nach dem
Ersten Weltkrieg
, der als
verloren
schmerzhaft empfunden wurde, warb der Vorstand des Vereins Otto Güntter im Mai 1920 um neue Mitglieder mit den Worten: „Der wertvollste Besitz des deutschen Volkes und der einzige, den ihm niemand rauben kann, sind seine geistigen Güter. Zu ihnen hinzuführen hat sich der Schwäbische Schillerverein, der im Mai 1920 auf 25
Jahre seines Bestehens zurückblicken kann, zur Aufgabe gesetzt. Er sucht diese zu erfüllen durch seine Veröffentlichungen und durch die ständige Ausstellung im Schillermuseum in Marbach, in dem unter dem größten unter ihnen auch die andern Dichter aus Schillers Heimat vereinigt sind und das eine Volksbildungsstätte im besten Sinne des Wortes genannt werden darf. – Die Not unseres Volkes gibt den Bestrebungen des Schwäbischen Schillervereins erhöhte Bedeutung. Aus den reichen Schätzen seines Schrifttums kann das deutsche Volk innere Kraft gewinnen und damit die Zuversicht, daß es sich aus seiner Erniedrigung wieder erheben werde.“
Am 13. Mai 1922 wurde die Umbenennung des Museums in
Schiller-Nationalmuseum
beschlossen: „Die Pflege des Schillerschen Geistes […] und […] Erhaltung und Förderung der […] Erinnerungsstätte (sind) eine gemeindeutsche, nationale Sache.“ Auch das Weimarer Goethe-Museum wurde 1927 in
Goethe-Nationalmuseum
umbenannt.
Neben dem politischen Aspekt verdeutlichen diese Umbenennungen aber auch den Anspruch auf „nationale“ finanzielle Unterstützung. Am 19. März 1927 regte der
Abgeordnete
Theodor Heuss
in einer
Plenarsitzung
des
Deutschen Reichstags
an, dem Schiller-Nationalmuseum einen „Reichszuschuß“ zu gewähren. Bis 1938 bestand daraufhin die gesamtstaatliche Förderung der Marbacher Institute, unter der Bedingung, dass auch das Württembergische Kultusministerium seinen finanziellen Beitrag erbrachte.
Mit dem Erwerb des Nachlasses von
Cäsar Flaischlen
1930 kamen Handschriften von Dichtern, Künstlern und Gelehrten der Jahrhundertwende (
Theodor Fontane
Hugo von Hofmannsthal
etc.) in den Besitz des Archivs und Museums. Seine Bedeutung wuchs weit über die schwäbischen Grenzen hinaus.
1933–1945: Vom Schwäbischen Schillerverein zur Schillergesellschaft
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Mithilfe von staatlichen Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen wurde 1933/1934 der seit längerem angestrebte Erweiterungsbau des Museumsgebäudes geschaffen, den Otto Güntter in seinem Jahresbericht vor der Mitgliederversammlung des Schwäbischen Schillervereins im Mai 1934 rühmte: „Wenn am 10. November das neue Deutschland den 175. Geburtstag Schillers begehen wird, werden die Blicke der Deutschen aller Welt nach der Stätte gerichtet sein, an welcher unserem Volke der große nationale Dichter geschenkt wurde, dessen Bedeutung für Deutschlands Erhebung und Erneuerung
Hans Fabricius
in seinem Buche
Schiller als Kampfgenosse Hitlers
eindringlich gewürdigt hat […] Einen Höhepunkt der festlichen Veranstaltung wird die Weihe des erweiterten deutschen Nationalmuseums für Schiller bilden.“
Im Gremium des Vereinsausschusses hatte die
Gleichschaltung
bereits begonnen: Kilian Steiners Sohn
Adolf Mut Steiner
musste aus „rassischen Gründen“ ausscheiden, der Stuttgarter
NSDAP
-Stadtrat Fritz Cuhorst wurde sein Nachfolger.
Am 21. Juni 1934 gab es die
Schillerverehrung der deutschen Jugend
, laut Jahresbericht des Vereins: „Eine eindrucksvolle Feier zum Gedächtnis Friedrich Schillers war die auf alle deutschen Sender übertragene Huldigung der deutschen Jugend am Denkmal des Dichters vor dem Schiller-Nationalmuseum am Abend des
Sonnwendtages
, 21. Juni 1934. In fünf Staffelläufen, an denen sich 25.000
Hitlerjungen
beteiligten, (gaben) die jugendlichen Vertreter der deutschen Stämme dem Ausdruck, was Schiller ihnen bedeutet.“ Der Verein war nicht offizieller Mitveranstalter!
Bei der nationalsozialistisch geprägten Feier des 175. Geburtstags Schillers am 10. November 1934 trat der Schillerverein als Mitveranstalter auf.
Ende 1938 zog sich Otto Güntter von der Leitung des Vereins und des Museums zurück.
1939 bis 1945 war der Jurist und Schriftsteller
Georg Schmückle
Vereinsvorsitzender und Museumsdirektor sowie gleichzeitig Kulturreferent beim Reichsstatthalter von Württemberg.
Die Sammlungen wurden kriegsbedingt ausgelagert in ein Salzbergwerk bei
Heilbronn
. Die Räume des Museums wurden von Stuttgarter Behörden genutzt.
1943 erschien der erste Band der
Schiller-Nationalausgabe
als Gemeinschaftswerk des Weimarer Goethe- und Schiller-Archivs und des Marbacher Schiller-Nationalmuseums:
Gedichte in der Reihenfolge ihres Erscheinens 1776–1799
Mit Wirkung vom 7. Oktober 1943 wurde in der Vereinssatzung, ohne Mitwirkung der Mitglieder, der Name des Schwäbischen Schillervereins in
Schiller-Gesellschaft
geändert.
Nach dem Zweiten Weltkrieg
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Deutsche Schillergesellschaft
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Im Juli 1945 wurde Georg Schmückle seines Amtes enthoben, Mut Steiner wurde in das beratende Gremium zurückgeholt.
Erwin Ackerknecht
(1880–1960), Pionier des Volkshochschulwesens und der Volksbüchereibewegung während der Zeit der Weimarer Republik, wurde Direktor des Museums (bis Oktober 1953).
Am 20. September 1947 konnte das Museum bereits wiedereröffnet werden. Der Trägerverein nannte sich nun offiziell
Deutsche Schillergesellschaft
, und im Mai 1948 wurde Ackerknecht dessen Vorsitzender.
1948/1949 erschienen vier weitere Bände der
Schiller-Nationalausgabe
, die gemeinsam mit dem Goethe- und Schiller-Archiv in Weimar herausgegeben wurden.
Um den Erwerbungsetat aufzustocken, fanden an den württembergischen Schulen bis 1955 jährliche Sammlungen eines
Schillergroschens
statt. Ackerknecht veranstaltete erste Jahresausstellungen aus den Beständen des Museums.
Bernhard Zeller
wurde am 1. November 1953 Archivar des Museums; er richtete innerhalb der Schausammlungen Wechselausstellungen ein.
Wilhelm Hoffmann
, bis dahin Direktor der
Württembergischen Landesbibliothek
, wurde 1954 Präsident der Deutschen Schillergesellschaft (bis 1979). Im gleichen Jahr übergab der Verlag der
Stuttgarter Zeitung
das
Cotta’sche
Zeitungs-, Zeitschriften- und Produktionsarchiv als Leihgabe dem Museum.
Deutsches Literaturarchiv seit 1955
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Am 7. Mai 1955 stellten Hofmann und Zeller dem beratenden Ausschuss erstmals die
Erweiterungspläne des Schiller-Nationalmuseums zu einem Deutschen Literaturarchiv
vor, der diese billigte. Bernhard Zeller wurde zum Direktor des Schiller-Nationalmuseums berufen. Am 8. Mai 1955, dem 150. Todestag Schillers, hielt
Thomas Mann
auf Einladung der Deutschen Schillergesellschaft in Stuttgart seine
Rede über Schiller
. (Er wiederholte sie am 14. Mai in Weimar.)
Am 12. Mai 1955 wurden in Stuttgart im Beisein von Repräsentanten des Landes und der Stadt die Gründung und Finanzierung des Deutschen Literaturarchivs beschlossen, unter der Voraussetzung, dass sich Bund, Land und die Stadt Stuttgart am Jahresetat (damals 120.000 DM) beteiligten. Heute wird das Archiv zu 95 Prozent durch Bund und Land finanziert.
In Marbach fand am 24. Januar 1956 eine Tagung von Germanisten, Bibliothekaren und Archivaren statt. Während dieser wurde die Entschließung
Wesen und Aufgaben eines Literaturarchivs
verabschiedet. Deren Kernpunkte waren unter anderem: erstens die „Sicherung dichterischer und schriftstellerischer Nachlässe und Handschriften […] zu gewährleisten, weitere Zersplitterung und Verlust (zu) verhindern“; zweitens wurde „empfohlen, das Schiller-Nationalmuseum in Marbach und das Goethe- und Schiller-Archiv in Weimar weiter auszubauen, um damit im Westen wie im Osten Deutschlands ein Literaturarchiv überregionalen Charakters zu schaffen“.
1957 erschien der erste Band des
Jahrbuchs der Deutschen Schillergesellschaft
, das laut Editorial „der wissenschaftlichen Erforschung deutscher Literatur vom Beginn der Neuzeit bis zu einer der Geschichtserkenntnis bereits zugänglichen Gegenwart“ dienen solle.
Die Reihen
Jahresausstellungen
wurden 1958 mit
Die Großen und die Vergessenen
begonnen. Einer von ihnen, der Exilierte
Kurt Pinthus
, besuchte auch die Ausstellung und ließ sich später in Marbach nieder, wo er am 11. Juli 1975 starb. Die große Ausstellung 1960
Expressionismus
. Literatur und Kunst 1910–1923
(von
Paul Raabe
und
Ludwig Greve
aufgebaut) machte Epoche: Die von den Nationalsozialisten Verfemten wurden neu entdeckt; die Ausstellung wanderte anschließend nach München, Berlin, New York, Hamburg und Florenz. Der Katalog begründete einen neuen Standard: Er dokumentierte nicht mehr allein die Ausstellung, sondern wurde ergänzt durch Quellenveröffentlichungen aus dem Archiv. Mit den weiteren Jahresausstellungen vervollkommnete das Archiv diesen Katalogtyp:
Stefan George
1968,
Fontane
1969,
Hölderlin
1970,
Als der Krieg zu Ende war
1973,
Jugend in Wien
1974,
Rilke
1975 etc. Die Kataloge werden zum größten Teil bis heute lieferbar gehalten.
Die
Stuttgarter Zeitung Verlagsgesellschaft
schenkte am 9. November 1961 die ursprüngliche Leihgabe
Archiv des Cotta-Verlages
„als unveräußerlichen Bestandteil“ des Literaturarchivs.
Am 25. April 1970 fand die Grundsteinlegung für den Neubau des
Deutschen Literaturarchivs
statt; die Fertigstellung war im September 1972. Entworfen wurde der Neubau von den Stuttgarter Architekten Elisabeth Kiefner, Jörg Kiefner und
Wolfgang Lauber
. Im Jahr 2018 wurde der Neubau unter Denkmalschutz gestellt.
Deutsches Literaturarchiv Marbach
Bernhard Zeller betonte am 10. November 1970, dem 75. Jahrestag der Gründung des
Schwäbischen Schillervereins
, die Unabhängigkeit der Gesellschaft, des Museums und des Archivs durch die freie Trägerschaft; denn Museen und Archive dieser Größenordnung seien in Deutschland in der Regel staatliche oder kommunale Einrichtungen.
Ab Herbst 1972 erschienen die ersten Bände der Reihe
Deutsches Literaturarchiv: Verzeichnisse – Berichte – Informationen
mit Bestandsverzeichnissen, Findbüchern und Bibliographien (zum Beispiel von
Siegfried Kracauer
Kurt Tucholsky
etc.). Außerdem wurde eine
Arbeitsstelle für die Erforschung der Geschichte der Germanistik
eingerichtet.
Der Neubau des Deutschen Literaturarchivs wurde am 16. Mai 1973 im Beisein von Bundes- und Landesprominenz offiziell eröffnet. Dabei erinnerte
Eberhard Lämmert
an Diltheys oben zitierten Aufruf, Literaturarchive und Staatsarchive gleich wichtig zu erachten.
Nachdem 1979/1980 Museum und Archiv durch einen weiteren Neubau unterirdisch verbunden und auch das Museum erstmals grundlegend renoviert worden waren, konnte die Fläche für
Ständige Ausstellungen
um über 50
% vergrößert werden. Die klassischen Marbacher Sammlungen und die neueren Abteilungen, die durch die Gründung des
Deutschen Literaturarchivs
rasch gewachsen waren, konnten sich nun in sechs Abteilungen neu präsentieren:
Wieland und Schubart
Schiller
Hölderlin
, die schwäbischen Romantiker
Kerner – Uhland – Schwab – Hauff und ihr Verhältnis zu Mörike
, die verlagsgeschichtliche Ausstellung zu
Cotta
und
Das 20. Jahrhundert – Von Nietzsche bis zur Gruppe 47
. Die regelmäßigen Jahresausstellungen können seither in eigenen Räumen gezeigt werden.
Am 12. September 1980 feierte das
Deutsche Literaturarchiv
sein 25-jähriges Bestehen.
Martin Walser
sprach in seiner Festansprache vom Archiv als der „Kirche des unterirdischen Himmels.“ Dieser sei, „wenn er sich treu bleibt, subversiv“.
Im selben Jahr erschienen die ersten Bände zweier großer Editionen:
Briefwechsel zwischen Goethe und seinem Verleger Cotta
und
Werke, Briefe und Tagebücher von Wilhelm Waiblinger
. 1980 wurde auch die
Arbeitsstelle für literarische Museen, Archive und Gedenkstätten in Baden-Württemberg
eingerichtet.
1983 erschien das erste Verzeichnis der Archivbestände, verfasst von
Ingrid Kussmaul
, das bereits 600 Nachlässe aufführte (1955 waren es erst 150 gewesen).
1985 benannte
Ulrich Ott
, der Nachfolger
Bernhard Zellers
, in seiner Antrittsrede die Aufgaben der Marbacher Institute: „
Marbach
leistet zwar Dienste. Sammeln, Bewahren, Erschließen, Vermitteln und Darbieten sind seine Aufgaben. Diese Dienste aber erschöpfen sich nicht im Nach-Vollziehen. Nachlässe in Marbach sind nicht bloß Nachgelassenes. Sie treten hier in ein neues Leben ein, werden zu Konstellationen verknüpft, die ohne die Arbeit und die Wirkung dieses Hauses in ihnen verborgen blieben. […] Konstellationen der Literatur zu entbergen, […] das scheint mir die Aufgabe zu sein, die im Mittelpunkt Marbachs steht.“
1988 gelang die
spektakuläre Übernahme
des Process-Manuskripts von Franz Kafka.
Marbach wurde damit zu einer der wichtigsten Sammelstätten für
Franz Kafka
Kafkas Briefe an Milena
, sein
Brief an den Vater
und weitere Briefe, die Erzählung
Der Dorfschullehrer
und, 1994 ergänzt, die
Kafka-Sammlung Hélène Zylberberg
befinden sich in Marbach. Das Deutsche Literaturarchiv Marbach und die Bodleian Library in Oxford erwarben die Briefe Franz Kafkas an seine Schwester Ottilie (Ottla) gemeinsam. Eine entsprechende Einigung konnte noch vor der geplanten Versteigerung des Konvoluts am 19. April 2011 mit den Erben Ottlas sowie dem Auktionshaus J. A. Stargardt erzielt werden.
Die Besonderheiten von Marbach fasste Ulrich Ott am 15. Mai 1993 vor der Mitgliederversammlung der Deutschen Schillergesellschaft zusammen: „Die Marbacher Sammlungen dokumentieren […] das literarische Leben in den Lebensbeziehungen und in der sozialen Verflechtung der Autoren, die literarische Produktion, ihre Vermittlung und Rezeption – kurz: das Netzwerk des literarischen Lebens. Ich glaube nicht, daß es ein anderes Literaturarchiv gibt, in welchem […] der Gesamtbestand so viel mehr bedeutet als die Summe der Einzelbestände. […] In der Verwendung der Sammlungen herrscht in Marbach ein konstanter Doppelaspekt, nämlich einerseits die Nutzung durch Forschung, andererseits die Nutzung zur Bildung, nämlich durch öffentliche Präsentation […] Dieses gleichberechtigte und sich gegenseitig befruchtende Neben- und Miteinander von Bildungs- und Forschungsauftrag, von Museum und Archiv ist nur noch in Weimar gegeben – aber in Marbach steht das einzige
allgemeine
Literaturmuseum im deutschen Sprachraum. […] Es bleibt als Besonderheit von Marbach auch der universelle Anspruch innerhalb der gestellten Aufgabe. Wir fühlen uns bleibend gerade im 20. Jahrhundert bis zur Gegenwart für die deutschsprachige Literatur insgesamt zuständig, ohne anderen Archiven speziellerer Ausrichtung irgend ihre Aufgaben streitig machen zu wollen […]“
1994 wurde der Erweiterungsbau des Deutschen Literaturarchivs bezogen. Am 13./14. Mai 1995 verband die Deutsche Schillergesellschaft ihre Feier zum 100-jährigen Bestehen im Beisein des Bundespräsidenten mit einem Festakt zum 40-jährigen Bestehen des
Deutschen Literaturarchivs
Im November 2004 wurde
Ulrich Raulff
neuer Direktor. In seiner Amtszeit wurde 2006 das
Literaturmuseum der Moderne
(LiMo) als zweites Museumsgebäude eröffnet, das mit seinen Dauer- und Wechselausstellungen aus den Beständen des Archivs seine Schwerpunkte im Bereich der Literatur des 20. und 21. Jahrhunderts setzt (siehe oben Absatz 1.5). Das Schiller-Nationalmuseum widmet sich seit einer zweijährigen Umbauphase vorrangig der Literatur des 18. und 19. Jahrhunderts. Durch einen Ankauf gingen 2009 das
Suhrkamp
-Archiv und das
Insel
-Archiv in den Bestand des Deutschen Literaturarchives über. Mit der
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
wurde zugleich eine enge Kooperation zur Erforschung der Bestände vereinbart.
Außerdem beteiligt sich das Archiv an der Erstellung des Online-Nachschlagewerks
Deutsche Biographie
10
Nach dem Ausscheiden von Ulrich Raulff hat
Sandra Richter
zum 1. Januar 2019 als Direktorin das Literaturarchiv übernommen.
11
Sie wies im Juni 2019 darauf hin, dass ein weiterer Erweiterungsbau aus Platzgründen nötig sei.
12
Seit Anfang 2019 ist das DLA an dem Projekt „Netzwerk literarische Erfahrung“ beteiligt, das zusammen mit dem
Goethe-Haus
, dem
Leibniz-Institut für Wissensmedien
und dem
Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik
durchgeführt wird.
13
14
2020 wurde der virtuelle Ausstellungs- und Forschungsraum des DLA, www.literatursehen.com, eröffnet.
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Nachlass von Rio Reiser
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Der Nachlass von
Rio Reiser
befindet sich seit 2019 im Besitz des DLA und ist damit der erste Musikernachlass in den Marbacher Archiven. Gestiftet wurde das unter anderem aus vielen Audiobändern, Tagebüchern, Notizheften, Songentwürfen, Interviews, Videos, Schallplatten und einem Keyboard bestehende künstlerische Erbe von Reisers Brüdern. Anfang 2024 wurde der Nachlass Reisers vom DLA geöffnet.
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Nach- und Vorlässe (Auswahl)
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Die große Bedeutung des Marbacher Literaturarchivs sei hier an einer kleinen Auswahl von
Vor- und Nachlässen
oder
Teilnachlässen
(TN) dokumentiert:
A–F
Ilse Aichinger
Jean Améry
Alfred Andersch
Berthold Auerbach
Gottfried Benn
Rudolf G. Binding
Johannes Bobrowski
Rudolf Borchardt
Hermann Broch
Paul Celan
Peter Otto Chotjewitz
Alfred Döblin
Hilde Domin
Günter Eich
Norbert Elias
Michael Ende
Hans Magnus Enzensberger
Paul Ernst
Max Eyth
Hans Fallada
(TN),
Iring Fetscher
Richard Friedenthal
Fritz Rudolf Fries
Uwe Friesel
G–H
Hans-Georg Gadamer
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Hartmut Geerken
Arnold Gehlen
Robert Gernhardt
(literarischer Nachlass),
Claire Goll
(TN),
Yvan Goll
(TN),
Ludwig Greve
Undine Gruenter
Peter Hacks
Peter Handke
(Tagebücher),
Käte Hamburger
Margarete Hannsmann
Ferdinand Hardekopf
Felix Hartlaub
Rudolf Hartung
Walter Hasenclever
Wilhelm Hauff
Martin Heidegger
Ernst Heimeran
Hartmut von Hentig
Günter Herburger
Max Herrmann-Neiße
Stephan Hermlin
Hermann Hesse
Theodor Heuss
(TN),
Jakob van Hoddis
(TN),
Ricarda Huch
Peter Huchel
Richard Huelsenbeck
I–K
Heinrich Eduard Jacob
Karl Jaspers
Peter Jokostra
Ernst Jünger
(TN),
Franz Jung
(TN),
Franz Kafka
(große Sammlung),
Joachim Kaiser
Mascha Kaléko
Hermann Kasack
Marie Luise Kaschnitz
Karl Kerényi
Justinus Kerner
Harry Graf Kessler
Heinar Kipphardt
Sarah Kirsch
Jochen Klepper
Siegfried Kracauer
Karl Krolow
L–Q
Heinrich Mann
(TN),
Richard May
(TN),
Konrad Merz
Karl Mickel
Eduard Mörike
Irmtraud Morgner
(TN),
Paul Mühsam
Wolf von Niebelschütz
Hans Erich Nossack
Oskar Pastior
Reinhard Piper
Ernst Penzoldt
(TN),
Kurt Pinthus
Theodor Plivier
R–S
Benno Reifenberg
Rio Reiser
Franziska Gräfin zu Reventlow
(TN),
Werner Riegel
Jonny Rieger
Thomas Ring
Joachim Ritter
Joseph Roth
(TN),
Peter Rühmkorf
Hans Sahl
Hans Joachim Schädlich
Bernhard Schlink
Arthur Schnitzler
TN
),
Rudolf Alexander Schröder
W. G. Sebald
Joachim Seyppel
Max Sidow
Carl Sternheim
Emil Szittya
Peter Szondi
T–Z
Gabriele Tergit
Kurt Tucholsky
(große Sammlung),
Franz Tumler
Ludwig Uhland
(TN),
Peter Urban
Berthold Viertel
Werner Vordtriede
Christian Wagner
(TN),
Martin Walser
Gert Westphal
Wolfgang Weyrauch
Engelbert Wittich
Ror Wolf
(Ror-Wolf-Archiv),
Paul Zech
(TN),
Carl Zuckmayer
Verlagsarchive
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Im Deutschen Literaturarchiv befinden sich die Verlagsarchive von
Deutscher Verlags-Anstalt
S. Fischer
Insel
Piper
Rowohlt
Suhrkamp
, des literarischen
Hermann Luchterhand Verlags
und das wichtigste Verlagsarchiv des 19. Jahrhunderts, das historische Archiv der
Cotta’schen Verlagsbuchhandlung
. Außerdem werden die Redaktionsarchive von
Merkur
text + kritik
und
Die Wandlung
betreut.
Literatur
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Wilhelm Dilthey
Archive für Literatur.
In:
Deutsche Rundschau.
Band 58 (1889), S. 360–375
Otto Güntter:
Mein Lebenswerk
(mit
Teil 1: Entstehung und Entwicklung des Schiller-Nationalmuseums
und
Teil 2: Erwerbungen und Stiftungen 1904–1939, zugleich Überblick über den Gesamtbestand an Handschriften und Bildnissen
). Klett, Stuttgart 1948.
Marbacher Chronik – Zur Geschichte der Deutschen Schillergesellschaft, des Schiller-Nationalmuseums und des Deutschen Literaturarchivs 1953–1979.
Hrsg. von den Mitarbeitern. Deutsches Literaturarchiv – Verzeichnisse Berichte Informationen Bd. 8, 2. durchgesehene Aufl., Marbach 1979.
Ingrid Kussmaul:
Die Nachlässe und Sammlungen des deutschen Literaturarchivs Marbach am Neckar. Ein Verzeichnis.
Deutsche Schillergesellschaft, Marbach 1983 (Erweiterte Neuauflage in zwei Bänden: 1999)
Das Marbacher Collegienhaus
. Mit Beiträgen von Eberhard Lämmert, Dieter Herrmann und Ulrich Ott, 2. durchgesehene Aufl., Marbach 1993,
ISBN 3-929146-15-0
Bernhard Zeller:
Marbacher Memorabilien – Vom Schiller-Nationalmuseum zum Deutschen Literaturarchiv 1953–1973
. Marbach 1995,
ISBN 3-929146-35-5
Jan Eike Dunkhase
Provinz der Moderne. Marbachs Weg zum Deutschen Literaturarchiv
. Klett-Cotta, Stuttgart 2021,
ISBN 978-3-608-96446-2
Das Deutsche Literaturarchiv – Erweiterungsbau
. Mit Beiträgen von Eberhard Lämmert, Ulrich Ott, Jörg Kiefner und Wolfgang Lauber, Marbach 1995,
ISBN 3-929146-37-1
Marbach – Rückblick auf ein Jahrhundert 1895–1995.
Mit Beiträgen von Otto K. Deutelmoser, Heinz Georg Keppler, Eberhard Lämmert, Ulrich Ott und Friedrich Pfäfflin, (=
Marbacher Schriften,
43). Marbach 1996,
ISBN 3-933679-14-1
Marbach: Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile. Zur Geschichte des Schiller-Nationalmuseums und des Deutschen Literaturarchivs 1979–1999
. Marbacher Magazin Extra Ausgabe, Marbach 1999,
ISBN 3-933679-32-X
Bernhard Zeller:
Marbacher Memorabilien II – Aus der Museums- und Archivarbeit 1972-1986
. Marbach 2000,
ISBN 3-933679-50-8
Marbach – Schillerhöhe. Hundert Jahre Architektur für Literatur.
Mit Beiträgen von Heike Gfrereis, Ulrich Ott und Alexander Schwarz. Marbach 2003,
ISBN 3-933679-90-7
Paul Raabe
Mein expressionistisches Jahrzehnt – Anfänge in Marbach am Neckar
. Arche, Zürich/Hamburg 2003,
ISBN 3-7160-2328-0
Frank Druffner, Martin Schalhorn:
Götterpläne und Mäusegeschäfte. Schiller 1759–1805
(=
Marbacher Katalog,
58). Marbach 2005,
ISBN 3-937384-11-1
Deutsches Literaturarchiv Marbach (Hrsg.):
Denkbilder und Schaustücke – Das Literaturmuseum der Moderne
(=
Marbacher Katalog.
60). Deutsche Schillergesellschaft, Marbach 2006,
ISBN 3-937384-19-7
Elisabeth Szymczyk:
Das Deutsche Literaturarchiv in Marbach. Ein Altbau und sein Anbau
. In:
INSITU. Zeitschrift für Architekturgeschichte
3 (1/2011), S. 133–142.
Siehe auch
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Arbeitskreis selbständiger Kultur-Institute
Weblinks
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Commons
: Schiller-Nationalmuseum und Deutsches Literaturarchiv Marbach
– Sammlung von Bildern
Literatur von und über Deutsches Literaturarchiv Marbach
im Katalog der
Deutschen Nationalbibliothek
Deutsches Literaturarchiv Marbach
www.literatursehen.com
, virtueller Ausstellungs- und Forschungsraum des Deutschen Literaturarchivs Marbach
Einzelnachweise
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Suche
Deutsche ISIL-Agentur und Sigelstelle.
Abgerufen am 14.
Januar 2024
„Aus den Archiven heraus die Literaturforschung stärken“
, abgerufen am 11. September 2025.
Sinkende Lesekompetenz: Deutsches Literaturarchiv will mit Projekten gegensteuern
(Staatsanzeiger)
, abgerufen am 11. September 2025.
Redaktionsarchive
, auf dla-marbach.de
Mediendokumentation
, auf dla-marbach.de
Jürgen Kaube:
Ende eines Leuchtturms?
faz.net vom 8. März 2012, abgerufen am 9. März 2012
Deutsches Literaturarchiv in Marbach wird Kulturdenkmal.
Süddeutsche Zeitung
26.
März 2018
abgerufen am 25.
August 2020
ARD
Memento
vom 22. November 2016 im
Internet Archive
Kafka - Der letzte Prozess, 20. November 2016, 10:40 Uhr, 51 min., ab 26. min., abgerufen am 21. November 2016
Presseerklärung des Deutschen Literaturarchives vom 30. Oktober 2009
Über das Projekt
, Abfragedatum: 8. Mai 2015.
Sandra Richter wird neue Direktorin in Marbach (Börsenblatt)
, abgerufen am 11. September 2025
N.N.:
Marbachs Literaturarchiv platzt aus allen Nähten.
Ludwigsburger Kreiszeitung, 21. Juni 2019, abgerufen am 22. Juni 2019
Jan Wiele
Im direkten Kontakt mit der Ewigkeit
in: FAZ 16. Februar 2019, Seite 13 (Sandra Richter als neue Direktorin vorgestellt)
, abgerufen am 17. Juni 2019.
Netzwerk literarische Erfahrung ins Leben gerufen, Seite des MPI empirische Ästhetik
, abgerufen am 17. Juni 2019.
LITERATUR sehen.
Deutsches Literaturarchiv Marbach
abgerufen am 9.
August 2021
Karin Gramling:
Pionier des deutschen Punks: Nachlass von Rio Reiser im Deutschen Literaturarchiv Marbach.
In:
SWR Kultur.
19.
Januar 2024
abgerufen am 9.
Januar 2025
Christian Kempf:
Nachlass von Musiker in Marbach: Forscher und Fans können Rio Reiser neu entdecken (Fotostrecke).
In:
Stuttgarter Zeitung.
18.
Januar 2024
abgerufen am 9.
Januar 2025
Gabriele Szczegulski:
Der neue König des Archivs.
In:
Marbacher Zeitung.
Stuttgarter Nachrichten,
15.
August 2019
abgerufen am 9.
Januar 2025
Klang-Zeitkapsel am 20. Januar 2024: Der musikalische Nachlass von Rio Reiser im Deutschen Literaturarchiv.
In:
Deutsches Literaturarchiv Marbach.
15.
Januar 2024
abgerufen am 9.
Januar 2025
Deutsches Literaturarchiv in Marbach erwirbt Gadamer-Nachlass
, Pressemitteilung, 2. Mai 2004.
48.93602
9.25665
Koordinaten:
48°
56′
9,7″

15′
23,9″
Normdaten
(Körperschaft):
GND
10155895-8
GND Explorer
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AKS
LCCN
n80139719
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148472025
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