Deutschland – Wikipedia
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Dieser Artikel behandelt den Staat. Zu weiteren Bedeutungen siehe
Deutschland (Begriffsklärung)
Bundesrepublik Deutschland
Flagge
Wappen
Amtssprache
Hauptstadt
Berlin
Staats- und Regierungsform
parlamentarischer
Bundesstaat
(Bundesrepublik)
Verfassung
Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland
Staatsoberhaupt
Bundespräsident
Frank-Walter Steinmeier
Regierungschef
Bundeskanzler
Friedrich Merz
(CDU)
Regierung
Bundesregierung
Merz
CDU
CSU
SPD
Parlament(e)
Deutscher Bundestag
und
Bundesrat
Staatsreligion
keine
Fläche
357.684
62.
km²
Einwohnerzahl
83.497.147
(30. Sep. 2025)
Bevölkerungsdichte
233
44.
Einwohner pro km²
Bevölkerungs
entwicklung
+0,36
(2023)
pro Jahr
Bruttoinlandsprodukt
Total (nominal)
Total (
KKP
BIP/Einw. (nom.)
BIP/Einw. (KKP)
2024
4,7 Billionen
USD
3.
6,0 Billionen USD
6.
56.087 USD
18.
71.797 USD
22.
Index der menschlichen Entwicklung
(HDI)
0,959
5.
) (2023)
Währung
Euro
(€/EUR)
Errichtung
1. Januar 1871:
Deutsches Reich
(völkerrechtlich am 1. Juli 1867 als
Norddeutscher Bund
23. Mai 1949: Bundesrepublik Deutschland
Grundgesetz
(siehe Abschnitt „
Staatsgründung
“)
National
hymne
Das Lied der Deutschen
dritte Strophe
Nationalfeiertag
3. Oktober
Tag der Deutschen Einheit
Zeitzone
UTC+1
MEZ
UTC+2
MESZ
(März bis Oktober)
Kfz-Kennzeichen
ISO 3166
DE
, DEU, 276
Internet-TLD
.de
Telefonvorwahl
+49
weitere Amtssprachen:
als
Regionalsprache
Niederdeutsch
als
Minderheitensprachen
Dänisch
Nordfriesisch
Saterfriesisch
Obersorbisch
Niedersorbisch
Romanes
durch das
Behindertengleichstellungsgesetz
(BGG) außerdem berücksichtigt:
Deutsche Gebärdensprache
(DGS)
Politische Gliederung Deutschlands
Vorlage:Infobox Staat/Wartung/NAME-DEUTSCH
Deutschland
anhören
; Vollform des Staatsnamens seit 1949:
Bundesrepublik Deutschland
) ist ein
Bundesstaat
in
Mitteleuropa
. Es besteht aus 16
Ländern
und ist als
freiheitlich-demokratischer
und
sozialer
Rechtsstaat
verfasst
. Die 1949 gegründete Bundesrepublik Deutschland stellt die jüngste Ausprägung des 1871 erstmals gegründeten
deutschen
Nationalstaats
dar. Im Rahmen der
Wiedervereinigung Deutschlands
wurde
Berlin
1990
Bundeshauptstadt
und 1991 zum Parlaments- und
Regierungssitz
bestimmt
Das Land grenzt an neun Nachbarstaaten und liegt in der
gemäßigten Klimazone
zwischen
Nord-
und
Ostsee
im Norden sowie
Bodensee
und
Alpen
im Süden. Deutschland hat circa 83,5 Millionen Einwohner
und zählt bei einer Fläche von
357.684
Quadratkilometern mit durchschnittlich
233
Einwohnern pro Quadratkilometer zu den
dicht besiedelten
Flächenstaaten. Die
bevölkerungsreichste deutsche Stadt
ist Berlin; weitere Metropolen mit mehr als einer Million Einwohnern sind
Hamburg
München
und
Köln
. Der größte
Ballungsraum
ist das
Ruhrgebiet
mit 5,1 Millionen Einwohnern.
Funde des
Homo heidelbergensis
sowie zahlreicher
prähistorischer Kunstwerke
aus der späteren
Altsteinzeit
belegen, dass seit 600.000 Jahren Menschen auf dem Gebiet des heutigen Deutschland leben, einige Steinwerkzeuge wurden auf über 1,3 Millionen Jahre datiert.
Während der
Jungsteinzeit
, um 5600 v.
Chr., wanderten die
ersten Bauern
aus
Vorderasien
ein. Die
Römer
bezeichneten die Siedlungsgebiete der
germanischen Stämme
in der
Antike
als
Germania magna
. Durch die Eroberungen
Karls des Großen
wurden weite Teile des heutigen Deutschlands um 800 erstmals in einem Herrschaftsgebiet zusammengefasst. Infolge der Teilungen des
Fränkischen Reichs
unter Karls Enkeln entstand im 9.
Jahrhundert das
Ostfrankenreich
, das ab dem 10.
Jahrhundert auch als
Regnum Teutonicum
bezeichnet wurde und aus dem das bis 1806 bestehende
Heilige Römische Reich Deutscher Nation
hervorging. An dessen Stelle wiederum trat 1815 der
Deutsche Bund
, der sich aus lose miteinander verbundenen souveränen Staaten zusammensetzte. Nach der gescheiterten
Märzrevolution
von 1848 kam es erst 1871 zur
Gründung
eines deutschen Nationalstaats, des
Deutschen Reichs
Die
rasche Entwicklung vom Agrar- zum Industriestaat
vollzog sich während der
Gründerzeit
in der zweiten Hälfte des 19.
Jahrhunderts. Nach dem
Ersten Weltkrieg
wurde 1918 die Monarchie abgeschafft und eine demokratische
Republik
konstituiert. Ab 1933 führte die
nationalsozialistische Diktatur
zu politischer und rassistischer Verfolgung und gipfelte in der
Ermordung von sechs Millionen Juden
und Angehörigen anderer Minderheiten wie
Sinti und Roma
. Der vom
NS-Staat
1939 begonnene
Zweite Weltkrieg
endete 1945 mit der Niederlage der
Achsenmächte
. Das von den
Siegermächten
besetzte Land wurde 1949
geteilt
, nachdem bereits 1945 seine
Ostgebiete
teils unter
polnische
, teils
sowjetische
Verwaltungshoheit
gestellt worden waren. Der
Gründung der Bundesrepublik
als demokratischer
westdeutscher
Teilstaat mit
Westbindung
am 23.
Mai 1949 folgte die Gründung der sozialistischen
Deutschen Demokratischen Republik
(DDR) am 7.
Oktober 1949 als
ostdeutscher
Teilstaat unter sowjetischer
Hegemonie
. Die
innerdeutsche Grenze
war nach dem Berliner
Mauerbau
(ab 13.
August 1961) abgeriegelt. Nach der
friedlichen Revolution in der DDR
1989 erfolgte die Lösung der
deutschen Frage
durch die Wiedervereinigung beider Landesteile am
3.
Oktober 1990
, womit auch die Außengrenzen Deutschlands als endgültig anerkannt wurden. Durch den Beitritt der fünf
ostdeutschen Länder
sowie die Wiedervereinigung von
Ost-
und
West-Berlin
zur heutigen Bundeshauptstadt zählt die Bundesrepublik Deutschland seit 1990 sechzehn Bundesländer.
Die Bundesrepublik Deutschland ist Gründungsmitglied der Europäischen Union und ihrer Vorgänger (
Römische Verträge
1957) sowie deren bevölkerungsreichstes Land. Mit 21
anderen
EU-Mitgliedstaaten
bildet sie eine Währungsunion, die
Eurozone
. Deutschland ist Mitglied der
UN
, der
OECD
, der
OSZE
, der
NATO
, der
G7
, der
G20
und des
Europarates
. Bereits 1951 eröffnete der
Hohe Flüchtlingskommissar
(UNHCR) ein Verbindungsbüro in der damaligen Bundeshauptstadt
Bonn
, seit 1991 unterhalten die Vereinten Nationen dort ihren deutschen Sitz („UNO-Stadt“).
Die Bundesrepublik Deutschland gilt als einer der politisch einflussreichsten Staaten Europas und ist ein gesuchtes Partnerland auf globaler Ebene.
Gemessen am nominalen Bruttoinlandsprodukt
ist Deutschland die größte Volkswirtschaft Europas und die drittgrößte der Welt nach den
Vereinigten Staaten
und
China
(Stand 2024).
10
Die Deutschen waren 2024 die
drittgrößte Export-
und
Importnation
11
Sie bilden eine
Informations-
und
Wissensgesellschaft
, deren Entwicklung von
Automatisierung
Digitalisierung
und
disruptiven Technologien
geprägt ist. Die Verbesserung des
deutschen Bildungssystems
und die
nachhaltige Entwicklung
des Landes gelten als zentrale Aufgaben der Standortpolitik. Gemäß dem
Index der menschlichen Entwicklung
zählt Deutschland zu den sehr hoch entwickelten Ländern.
12
13
Muttersprache der Bevölkerungsmehrheit ist
. Daneben gibt es
Regional- und Minderheitensprachen
und Einwohner mit anderen Muttersprachen, von denen die häufigsten
Türkisch
und
Polnisch
sind.
14
Begriffsgeschichte:
und
Deutschland
Hauptartikel
*þeudiskaz – deutsch (Etymologie)
In der Berliner Handschrift des
Sachsenspiegels
von 1369 steht (auf
Mittelniederdeutsch
): „Iewelk
düdesch lant
hevet sinen palenzgreven“ („jegliches deutsche Land hat seinen
Pfalzgrafen
“)
Die
etymologischen
Vorformen des Adjektivs
, etwa das
germanische
*þeudisk
oder das
althochdeutsche
thiutisk
, bedeuteten ursprünglich „zum Volk gehörig“ und bezogen sich auf die Dialekte des
kontinental-westgermanischen Dialektkontinuums
. Die Bezeichnung
Deutschland
wird seit dem 15.
Jahrhundert verwendet, ist in einzelnen Schriftstücken aber schon früher bezeugt; in der
Frankfurter Übersetzung
der
Goldenen Bulle
(um 1365) heißt es
Dutschelant.
Davor sind nur Wortfügungen des
Attributs
mit
Land
belegt, beispielsweise in der unbestimmten Singularform „ein deutsches Land“ oder der bestimmten Pluralform „die deutschen Länder“, nicht aber in der bestimmten Singularform „das deutsche Land“. Gemeint waren Länder mit einer Führungsschicht, die sich auf den politischen Herrschaftsanspruch des
(Ost-)Fränkischen
, ab dem 10.
Jahrhundert des
Heiligen Römischen Reiches
(962–1806) bezog. Die Bezeichnung wurde damit vor allem für (vor-)staatliche Gebilde im deutschen
Sprach
- oder Herrschaftsgebiet verwendet, das über Jahrhunderte große Veränderungen erlebte.
Das
Heilige Römische Reich,
ursprünglich nur als „
Reich
“ (
lateinisch
Imperium
) bezeichnet, erhielt mehrere Namenszusätze: „Heilig“ seit Mitte des 12.
Jahrhunderts, „Römisch“ seit Mitte des 13. Jahrhunderts und seit dem ausgehenden 15. Jahrhundert „Deutscher Nation“
(Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation).
Erst im 16. Jahrhundert kam die Bezeichnung
„Teutschland“
für die vorher so bezeichneten „deutschen Lande“ auf.
15
Bald bürgerte sich in der zeitgenössischen Literatur eine Gleichsetzung von
Reich
und
Teutschland
ein, die schließlich als Synonyma verwendet wurden (etwa durch den Hallenser Juristen
Johann Peter von Ludewig
1735).
16
Ein Bewusstsein, dass nicht der jeweilige
Territorialstaat
, sondern Deutschland als Ganzes als
Vaterland
anzusehen sei, begann sich erst in den
napoleonischen Kriegen
auszubreiten. Zuvor hatte etwa
Friedrich Schiller
streng zwischen einem geistigen und einem politischen Deutschland unterschieden:
„Deutschland, aber wo liegt es? Ich weiß das Land nicht zu finden.
Wo das gelehrte beginnt, hört das politische auf.“
Friedrich Schiller
Xenien
in: „
Musen-Almanach
für das Jahr 1797“
Auch die Möglichkeit einer geeinten Nation sah er skeptisch:
„Zur Nation euch zu bilden, ihr hoffet es, Deutsche, vergebens.
Bildet, ihr könnt es, dafür freier zu Menschen euch aus.“
Friedrich Schiller, ebenda
Deutsche Größe,
so der Titel eines unvollendeten Gedichts aus dem Jahr 1801, sah er allein im Geistigen.
17
Noch 1813 sprach
Achim von Arnim
von Deutschland als einem „hohlen Wortideale“, dem er „alles Herrliche der einzelnen deutschen Völker“ (im Plural) gegenüberstellte.
18
1806 erschien im Verlag von
Johann Philipp Palm
die umfangreiche antifranzösische Flugschrift
Deutschland in seiner tiefen Erniedrigung
. Das einsetzende politische Verständnis des Namens
Deutschland
ging zunächst nur von einer kleinen Gruppe von Intellektuellen und Politikern wie
Ernst Moritz Arndt
Friedrich Ludwig Jahn
Johann Gottlieb Fichte
oder
Heinrich Friedrich Karl vom und zum Stein
aus, entfaltete aber bereits während der
Befreiungskriege
eine erhebliche Mobilisierungswirkung.
19
Auch das
Kaisertum Österreich
und das
Königreich Preußen
bezogen sich nun positiv auf Deutschland: Erzherzog
Karl von Österreich-Teschen
erließ 1809 zu Beginn des
Fünften Koalitionskriegs
einen Aufruf
An die deutsche Nation,
in dem er versicherte: „Unsere Sache ist die Sache Deutschlands“.
20
Der preußische König
Friedrich Wilhelm III.
kündigte in der
Proklamation
von Kalisch am 19. März 1813 „den Fürsten und Völkern Deutschlands die Rückkehr der Freiheit und Unabhängigkeit“ an.
21
Dieses Deutschland wurde als der deutsche
Sprachraum
definiert (Arndt:
Des Deutschen Vaterland
1813; ähnlich noch 1841
Hoffmann von Fallerslebens
Lied der Deutschen
).
22
Es wurde nicht mehr als Reich, sondern als
Nation
verstanden; die deutsche Nationalbewegung setzte sich in den folgenden Jahrzehnten dafür ein, alle deutschen Territorien in einem
Nationalstaat
zusammenzufassen. Dies misslang zunächst; auf dem
Wiener Kongress
1814/15 wurden stattdessen die Territorialstaaten wiederhergestellt und in einem
Staatenbund
zusammengefasst, dem
Deutschen Bund
23
Dieser wurde ebenfalls als Deutschland bezeichnet, umfasste aber einige mehrheitlich nicht-deutschsprachige Territorien wie
Böhmen und Mähren
, während andere, mehrheitlich deutschsprachige Gebiete wie
Ostpreußen
nicht dazugehörten. Gleichwohl blieb die Nationalbewegung zunächst ein Elitenprojekt. Massenwirksamkeit entfaltete sie erst in der
Rheinkrise
1840.
24
Ab der
Reichsgründung 1871
setzte ein Bedeutungswandel ein, von
Deutschland
als Kulturnation hin zur Staatsbezeichnung, unter geografischer Einschränkung auf das heutige Gebiet:
Das
Kaisertum Österreich
wurde 1871 nicht Teil des Deutschen Reichs. Die deutschsprachigen Bewohner Österreichs empfanden sich aber auch weiterhin als Deutsche. Als am Ende des
Ersten Weltkriegs
der Vielvölkerstaat zerfiel, wollten die
Deutschösterreicher
sich dem Deutschen Reich anschließen. Das untersagte jedoch der
Vertrag von Saint-Germain
. So begannen sich unterschiedliche nationale Identitäten zu entwickeln. Die Begriffe
und
Deutschland
wurden zunehmend nur mit dem Deutschen Reich identifiziert. Dieser Prozess wurde zunächst unterbrochen, als 1938 unter
nationalsozialistischer Herrschaft
der
Anschluss Österreichs
an das Deutsche Reich erfolgte. Die Distanzierung vom Nationalsozialismus nach dem
Zweiten Weltkrieg
führte in Österreich zur Distanzierung vom Begriff
Deutschland
und zur Festigung einer eigenen nationalen
Identität der Österreicher
. Im Zuge der politischen Neuorganisation des fortbestehenden Gesamtstaates lehnte der
Parlamentarische Rat
in Westdeutschland eine Fortführung des Staatsnamens
Deutsches Reich
wegen seines „aggressiven Akzents“ ab und verwendete erstmals
Deutschland
als Staatsbezeichnung in der damals konstituierten „
Bundesrepublik
Deutschland“. In den Beratungen sagte
Theodor Heuss
1948: „Mit dem Wort
Deutschland
geben wir dem Ganzen ein gewisses
Pathos
… sentimentaler und nicht machtpolitischer Art.“
25
Die
Deutsche Demokratische Republik
nutzte
Deutschland
nicht im Staatsnamen, aber als synonyme Bezeichnung für
DDR
in Art.
1 der
Verfassung von 1949
. Später verwendete die DDR fast nur noch das Adjektiv
beziehungsweise den Namenszusatz „…
der DDR“ für staatliche Hoheitsbezeichnungen. Mit der
deutschen Einheit
1990 konnte
Deutschland
zur amtlichen Kurzform der Staatsbezeichnung werden.
26
Siehe auch
Deutsch in anderen Sprachen
Geographie
Hauptartikel
Geographie Deutschlands
Physische Geographie
Lage Deutschlands in
Europa
Die
naturräumlichen Großregionen
sind von Nord nach Süd: das
Norddeutsche Tiefland
, die
Mittelgebirgszone
und das
Alpenvorland
mit den
Alpen
Geologie
Hauptartikel
Geologie Deutschlands
Oberflächengeologie Deutschlands
Deutschland gehört geologisch zu
Westeuropa
, das heißt zu jenem Teil des Kontinents, der dem
präkambrisch
konsolidierten „Ur-Europa“ (Osteuropa einschließlich eines Großteils Skandinaviens, vgl.
Baltica
) erst im Verlauf des
Phanerozoikums
sukzessive durch
Kontinent-Kontinent-Kollisionen
Gebirgsbildungen
) angegliedert wurde. Die entsprechenden Krustenprovinzen (
Grundgebirgsprovinzen
) werden klassisch vereinfachend (Ost-)
Avalonia
(vgl.
kaledonische Gebirgsbildung
) und
Armorica
(vgl.
variszische Gebirgsbildung
) genannt. Die jüngste Krustenprovinz ist das Alpen-Karpaten-
Orogen
(vgl.
alpidische Gebirgsbildung
), an dem Deutschland nur mit dem äußersten Süden Bayerns Anteil hat und das im Gegensatz zu den beiden anderen tektonischen Provinzen ein aktives Orogen darstellt.
Die heutige Oberflächengeologie Deutschlands, das heißt das Muster aus verschieden alten und verschieden aufgebauten Gesteinskomplexen, wie es in
geologischen Karten
vielfach abgebildet ist, entstand erst im Verlauf der letzten 30 bis 20 Millionen Jahre im jüngeren
Känozoikum
und wurde von zwei Ereignissen maßgeblich geprägt: der
Alpidischen Gebirgsbildung
und dem
Quartären Eiszeitalter
Das Quartäre Eiszeitalter formte die vergleichsweise eintönige Oberflächengeologie Norddeutschlands und des
Alpenvorlandes
mit ihren
Moränen
ablagerungen und sonstigen Begleiterscheinungen
großflächiger Vergletscherungen
(vgl.
glaziale Serie
).
Die Oberflächengeologie der Mitte und des überwiegenden Teils des Südens Deutschlands ist das Ergebnis bedeutender bruchtektonischer Hebungen und Senkungen, die auf die Fernwirkung der Alpidischen Gebirgsbildung zurückgehen. Hierbei wurden teils alte (überwiegend
Paläozoikum
), variszisch gefaltete Grundgebirgskomplexe (Schiefergebirge und
Kristallin
) aus dem Untergrund herausgehoben und großflächig freigelegt (u.
a.
Rheinisches Schiefergebirge
Harz
Erzgebirge
), teils sank die Erdkruste ein und bildete Sedimentationsräume, die mehr oder weniger mächtige känozoische Sedimentabfolgen aufnahmen (
Oberrheingraben
Niederrheingraben
Hessische Senke
Molassebecken
). Eine tektonische Zwischenstellung nehmen die Tafelländer mit ihren ungefalteten
mesozoischen
Schichtenfolgen ein, dominiert von
Trias
und
Jura
Thüringer Becken
Süddeutsches Schichtstufenland
).
Relief
Die
Zugspitze
in
Bayern
ist mit 2962 Metern über Normalhöhennull die höchste Erhebung Deutschlands
Das geologisch junge
Faltengebirge
der Alpen ist das einzige
Hochgebirge
, an dem Deutschland Anteil hat. Die deutschen Alpen, die sich zur Gänze im Bundesland
Bayern
befinden, weisen die einzigen Gebirgsgipfel mit mehr als
2000
ü.
NHN
auf. Der Gipfel der
Zugspitze
2962
ü.
NHN
), den sich Deutschland mit Österreich teilt, ist der höchstgelegene Punkt des Landes.
Mittelgebirgslandschaft: Wald und Wiesen bei
Wüstems
im
Taunus
Die deutschen
Mittelgebirge
erstrecken sich vom Nordrand der
Mittelgebirgsschwelle
bis zum Alpenrand und zum
Oberrhein
mit dem Bodensee. Sie nehmen tendenziell von Nord nach Süd an Höhe und Ausdehnung zu. Höchster Mittelgebirgsgipfel ist der
Feldberg
im
Schwarzwald
1493
ü.
NHN
), gefolgt vom
Großen Arber
im
Bayerischen Wald
1456
ü.
NHN
). Gipfel über
1000
ü.
NHN
besitzen außerdem das
Erzgebirge
, das
Fichtelgebirge
, die
Schwäbische Alb
und der
Harz
, der sich recht isoliert als nördlichstes unter den höchsten deutschen Mittelgebirgen mit dem
Brocken
auf
1141
ü.
NHN
erhebt. Nördlich der Mittelgebirgsschwelle erreichen nur noch einige Berge innerhalb der eiszeitlichen
Endmoränenzüge
mehr als
100
ü.
NHN
, von denen die
Heidehöhe
in
Schraden
Südlicher Landrücken
im brandenburgisch-sächsischen Grenzgebiet) mit
201
ü.
NHN
der höchste ist.
Die tiefste allgemein zugängliche Landesstelle Deutschlands liegt bei
3,54
unter
NHN
in einer
Senke
bei
Neuendorf-Sachsenbande
in der
Wilstermarsch
(Schleswig-Holstein).
27
Ebenfalls in diesem Bundesland befindet sich die tiefste
Kryptodepression
: Sie liegt mit
39,6
unter
NHN
am Grund des
Hemmelsdorfer Sees
nordöstlich von
Lübeck
. Der tiefste künstlich geschaffene Geländepunkt liegt bei
267
unter
NHN
am Grund des
Tagebaus Hambach
östlich von
Jülich
in Nordrhein-Westfalen.
Siehe auch
Liste der höchsten Berge in Deutschland
und
Liste der Gebirge und Höhenzüge in Deutschland
Klima
Hauptartikel
Klima in Deutschland
Deutschland gehört vollständig zur
gemäßigten Klimazone
Mitteleuropas im Bereich der
Westwindzone
und befindet sich im Übergangsbereich zwischen dem
Seeklima
in Westeuropa und dem
Kontinentalklima
in
Osteuropa
. Das
Klima
in Deutschland wird unter anderem vom
Golfstrom
beeinflusst, durch den das durchschnittliche Temperaturniveau für die Breitenlage ungewöhnlich hoch ist.
Die mittlere
Jahresdurchschnittstemperatur
, bezogen auf die Normalperiode 1961–1990,
28
beträgt im bundesweiten Gebietsmittel 8,2
°C, die mittleren Monatsdurchschnittstemperaturen liegen zwischen −0,5
°C im Januar und 16,9
°C im Juli. Der mittlere jährliche Niederschlag beträgt 789
Millimeter. Die mittlere monatliche Niederschlagshöhe liegt zwischen 49
Millimetern im Februar und 85
Millimetern im Juni.
Die tiefste offiziell anerkannte in Deutschland gemessene Temperatur betrug −37,8
°C; sie wurde 1929 in
Wolnzach
registriert. Die bisher höchste Temperatur betrug 41,2
°C und wurde am 25. Juli 2019 in
Duisburg-Baerl
und in
Tönisvorst
am Niederrhein gemessen.
29
Siehe auch
Zeitreihe der Lufttemperatur in Deutschland
und
Liste der Temperaturrekorde in Deutschland
Klimawandel
Vergleich der Temperaturentwicklung in Deutschland (
DWD
) und weltweit (
NOAA
) im Zeitraum 1881 bis 2019
Hauptartikel
Folgen der globalen Erwärmung in Deutschland
Auswertungen der Wetterbeobachtungen zeigen, dass die mittlere Temperatur in Deutschland im Zeitraum 1881 bis 2022 um ca. 1,7
°C gestiegen ist (linearer Trend), während der weltweite Temperaturanstieg (über See- und Landflächen) im gleichen Zeitraum nur 1,1
°C betrug.
30
Gegenwärtige
Prognosen
für das
Klima in Deutschland
stellen bis zur Mitte des 21. Jahrhunderts einen Anstieg um 2,3
°C im Jahresmittel in Aussicht, der sich bis 2100 weiter auf 4,7
°C erhöhen könnte (bis 6
°C in Sommermonaten).
31
32
Bis 2050 könnte der volkswirtschaftliche Schaden 900 Milliarden Euro betragen, zuzüglich Folgekosten durch gesundheitliche Schäden, vorzeitige Todesfälle und
sozioökologische Kettenreaktionen
33
34
Gewässer
Von den sechs
Strömen
mit den größten Einzugsgebieten entwässern
Rhein
Elbe
Weser
und
Ems
über die
Nordsee
und die
Oder
über die
Ostsee
in den
Atlantik
, während die
Donau
ins
Schwarze Meer
fließt und somit
hydrographisch
dem
Mittelmeer
zuzurechnen ist. Die Einzugsgebiete dieser beiden Systeme werden durch die
europäische Hauptwasserscheide
voneinander getrennt.
Der
Rhein
und
Burg Rheinstein
in
Trechtingshausen
Der in der Schweiz entspringende Rhein dominiert den Südwesten und Westen. Auf 865 Kilometern fließt er durch bzw. an der Grenze zu Deutschland, bevor er über die Niederlande in die Nordsee mündet. Seine wichtigsten deutschen Zuflüsse sind
Neckar
Main
Mosel
und
Ruhr
. Der Rhein hat eine große wirtschaftliche Bedeutung und ist eine der am stärksten befahrenen
Wasserstraßen
Europas. Die Donau entwässert im Süden auf 647 Kilometern fast das gesamte deutsche
Alpenvorland
und fließt weiter nach Österreich und
Südosteuropa
. Ihre wichtigsten deutschen Zuflüsse sind
Iller
Lech
Isar
und
Inn
. Den Osten Deutschlands durchfließt auf 725 Kilometern die in Tschechien entspringende Elbe. Ihre wichtigsten deutschen Nebenflüsse sind
Saale
und
Havel
. Auf 179 Kilometern ist die Oder, wie im weiteren Verlauf auch ihr wichtigster Zufluss, die
Neiße
, der
Grenzfluss zu Polen
. Einzig das Einzugsgebiet der 452 Kilometer langen Weser liegt vollständig in Deutschland. Sie speist sich aus den Flüssen
Werra
und
Fulda
und entwässert den mittleren Norden. Die Ems durchfließt auf 371 Kilometern den äußersten Nordwesten des Landes. Ihr Einzugsgebiet erstreckt sich auch auf Teile der Niederlande.
Die natürlichen
Seen
sind überwiegend glazialen Ursprungs. Daher finden sich die meisten der großen Seen im Alpenvorland, in der
Holsteinischen Schweiz
und in
Mecklenburg
. Der größte vollständig zum
deutschen Staatsgebiet
gehörende See ist die
Müritz
, die Teil der
Mecklenburgischen Seenplatte
ist. Der größte See mit deutschem Anteil ist der
Bodensee
, an den auch Österreich und die Schweiz grenzen. Im Westen und Osten Deutschlands gibt es viele, durch die
Rekultivierung
von
Braunkohletagebauen
oder
Industriebrachen
entstandene, künstliche Seen, wie das
Leipziger Neuseenland
oder den
Dortmunder
Phoenix-See
Siehe auch
Liste von Seen in Deutschland
und
Liste von Flüssen in Deutschland
Inseln
Die größte deutsche Insel,
Rügen
, liegt in
Vorpommern
in der Ostsee
(Abb.:
Kap Arkona
Im
Wattenmeer
, der niederländischen, deutschen und dänischen Nordseeküste unmittelbar vorgelagert, liegen die
Friesischen Inseln
. Während die
Nordfriesischen Inseln
Festlandsreste sind, die durch Landsenkung und nachfolgende Überflutung von der Küste getrennt wurden, handelt es sich bei den
Ostfriesischen Inseln
um
Barriereinseln
, die aus durch küstenparallele Strömungen sowie Wellen- und Gezeitendynamik angespülten Sedimenten entstanden. Das inmitten der
Deutschen Bucht
gelegene
Helgoland
ist die am weitesten vom Festland entfernt liegende bewohnte deutsche Insel. Sie geht auf den Aufstieg eines
Salzstockes
im Untergrund der Nordsee zurück.
Die größten deutschen Inseln in der Ostsee sind (von West nach Ost)
Fehmarn
Poel
Hiddensee
Rügen
und
Usedom
. Rügen ist zugleich die größte deutsche Insel. Größte
Halbinsel
ist
Fischland-Darß-Zingst
. Mit Ausnahme von Fehmarn sind diese Landflächen Teil einer
Boddenküste
, das heißt einer nacheiszeitlich gefluteten und nachfolgend durch
Anlandungsvorgänge
modifizierten
Grundmoränenlandschaft
Die größten und bekanntesten
Inseln in Binnengewässern
sind
Reichenau
Mainau
und
Lindau
im Bodensee sowie die
Herreninsel
im
Chiemsee
Siehe auch
Liste deutscher Inseln
und
Liste deutscher Binneninseln
Flora
Die
Lüneburger Heide
in
Niedersachsen
Der Naturraum Deutschland liegt in der
kühlgemäßigten Klimazone
; von West nach Ost kennzeichnet seine natürliche
Vegetation
den Übergang vom
Westseitenseeklima
zum
Kontinentalklima
. Die
Flora
wäre
ohne menschlichen Einfluss
hauptsächlich von
Laub- und Mischwäldern
geprägt, ausgenommen nährstoffarme oder trockene Standorte wie Felskuppen,
Heideniederungen
und
Moorlandschaften
sowie die
alpinen
und
subalpinen
Hochlagen, die äußerst vegetationsarm sind und in ihrem Klima der
kaltgemäßigten Klimazone
ähneln.
Örtlich weist die Flora in Deutschland eine hohe
Diversifikation
durch Standortfaktoren des Geländes und der
mesoklimatischen
Lage auf. Der Gesamtbestand der in Deutschland wild lebenden Pflanzenarten wird auf über 9.500
Arten
geschätzt, davon sind fast 3.000 Arten
Samenpflanzen
, 74
Farnpflanzen
, über 1.000
Moose
und etwa 3.000
Kieselalgen
. Dazu kommen rund 14.000
Pilz-
und 373
Schleimpilzarten
35
Insbesondere auf Brach- und Störflächen finden sich heute eine Reihe
eingeführter Arten
wie die
Robinie
und das
Drüsige Springkraut
Altwald im
Nationalpark Müritz
im Sommer. Rund 32 Prozent der deutschen Landfläche sind bewaldet.
Derzeit bedeckt der
Wald in Deutschland
rund 30 Prozent der Landfläche. Damit ist Deutschland eines der waldreichsten Länder in der Europäischen Union. Die aktuelle Baumartenzusammensetzung entspricht nur zum geringen Teil den natürlichen Gegebenheiten und wird hauptsächlich von der
Forstwirtschaft
bestimmt. Die häufigsten Baumarten sind mit 26,0 Prozent Flächenanteil die
Gemeine Fichte
, gefolgt von der
Waldkiefer
mit 22,9 Prozent, der
Rotbuche
mit 15,8 Prozent und den
Eichen
mit 10,6 Prozent.
36
Rund die Hälfte der Staatsfläche wird
landwirtschaftlich
genutzt; laut
Statistischem Bundesamt
waren es 179.578
Quadratkilometer am 31.
Dezember 2024.
37
Neben der Nutzung als
Dauergrünland
wird auf einem Großteil
Ackerbau
betrieben, seit der
Stein-
bzw. der
Bronzezeit
überwiegend mit
Nutzpflanzen
, die nicht natürlich in Mitteleuropa vorkommen (die meisten der
Getreidearten
aus dem
Vorderen Orient
Kartoffel
und
Mais
aus Amerika). In den Flusstälern, unter anderem von Main, Mosel,
Ahr
und Rhein, wurde die Landschaft vielfach für den Weinanbau umgestaltet.
Die Bewahrung der Natur ist in Deutschland öffentliche Aufgabe und in
Art.
20a
Grundgesetz verankertes
Staatsziel
. Dem
Naturschutz
dienen 16
Nationalparks
(siehe
Nationalparks in Deutschland
), 19
Biosphärenreservate
, 105
Naturparks
sowie tausende von
Naturschutzgebieten
Landschaftsschutzgebieten
und
Naturdenkmälern
Fauna
Der
Seeadler
, ein geschützter
Greifvogel
In Deutschland sind etwa 48.000
Tierarten
nachgewiesen, darunter 104 Säugetier-, 328 Vogel-, 13 Reptilien-, 22 Lurch- und 197 Fischarten sowie über 33.000 Insektenarten, womit das Land „aufgrund der erdgeschichtlichen Entwicklung und der geographischen Lage zu den eher artenärmeren Gebieten“ zählt.
38
Zu diesen Arten kommen über 1.000 Krebs-, fast 3.800 Spinnen-, 635 Weichtiere sowie über 5.300 andere Wirbellose.
Zu den in Deutschland heimischen wilden
Säugetieren
zählen unter anderem
Rehe
Wildschweine
Rot-
und
Damhirsche
sowie
Füchse
Marder
und
Luchse
Biber
und
Otter
sind seltene Bewohner der Flussauen, mit teilweise wieder steigenden Beständen. In den
bayerischen Alpen
leben
Alpensteinbock
Alpenmurmeltier
und die
Gämse
; letztere ist auch in verschiedenen Mittelgebirgen anzutreffen. Andere Großsäuger, die in früherer Zeit auf dem Gebiet des heutigen Deutschlands lebten, wurden ausgerottet:
Wildpferd
Auerochse
(15. Jahrhundert),
Wisent
(16. Jahrhundert),
Braunbär
(19.
Jahrhundert),
Wolf
(19.
Jahrhundert),
Elch
(20.
Jahrhundert). Während Elche heute gelegentlich aus Nachbarländern zuwandern, haben sich Wölfe aus
Polen
kommend wieder fest in Deutschland etabliert und um die Jahrtausendwende erstmals Nachwuchs geboren. Im Zeitraum 2023/2024 existierten in Deutschland insgesamt 209 bestätigte Rudel, 46 Paare und 19 territoriale Einzeltiere, die größtenteils in den Ländern Sachsen, Brandenburg, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern leben.
39
40
2013 wurde eine Herde Wisente im
Rothaargebirge
ausgewildert und hat sich inzwischen auf etwa 40 Tiere vermehrt. Im Oktober 2019 wurde im Landkreis
Garmisch-Partenkirchen
ein vermutlich aus Italien zugewanderter Braunbär von einer Wildtierkamera fotografiert. In den darauf folgenden Monaten konnte das Tier mehrfach erneut nachgewiesen werden.
41
Bärensichtungen gab es in den folgenden Jahren im deutschen Alpenraum immer wieder. Im Jahr 2023 lagen 13 Bärennachweise in verschiedenen Landkreisen vor.
42
Bereits im Jahr 2006 war mit dem „Problembären“
Bruno
ein Bär nach Deutschland zugewandert. Inzwischen leben auch ursprünglich
hier heimische Luchse
wieder in Deutschland, allerdings in geringer
Bestandsdichte
, weil sie immer wieder Opfer von
Wilderei
und Straßenverkehr werden.
Vom
Seeadler
, der als Vorlage für das deutsche
Wappentier
gilt, gibt es wieder etwa 500 Paare, vor allem in
Mecklenburg-Vorpommern
und
Brandenburg
. Der
Steinadler
kommt nur noch in den
Bayerischen Alpen
vor, wo auch der dort ausgerottete
Bartgeier
aus der Schweiz und Österreich wieder Einzug hält. Die häufigsten
Greifvögel
sind heute
Mäusebussard
und
Turmfalke
, der Bestand an
Wanderfalken
ist deutlich geringer. Über die Hälfte des Gesamtbestandes an
Rotmilanen
brütet in Deutschland, ist aber aufgrund der intensiven Landwirtschaft rückläufig. Dagegen profitieren viele
Vögel
als
Kulturfolger
von der Anwesenheit des Menschen, insbesondere die in Städten lebenden
Stadttauben
Amseln
(frühere Waldvögel),
Spatzen
und
Meisen
, für deren Überleben auch die
Winterfütterung
sorgt, sowie
Krähen
und
Möwen
auf
Müllkippen
. Das Wattenmeer ist Rastplatz für zehn bis zwölf Millionen
Zugvögel
pro Jahr.
Seehund
auf der Nordseeinsel
Helgoländer Düne
Der früher in den Flüssen häufige
Lachs
wurde im Zuge der
Industrialisierung
weitgehend ausgerottet, aber in den 1980er-Jahren im
Rhein
wieder angesiedelt. In Deutschland wurde der letzte
Stör
1969 gefangen. In vielen Teichen werden die von den
Römern
eingeführten
Karpfen
gehalten. Die von Berufsfischern Mitte des 20. Jahrhunderts als Beutekonkurrenten nahezu ausgerotteten und inzwischen geschützten Arten
Seehund
und
Kegelrobbe
– letztere das größte in Deutschland heimische Raubtier – sind heute wieder mit einigen tausend Exemplaren an den deutschen Küsten vertreten. In Nord- und Ostsee kommen acht
Walarten
vor, darunter der
Schweinswal
, und mit dem
Gemeinen Delfin
auch eine
Delfinart
Die artenarme
Reptilienfauna
umfasst beispielsweise
Ringelnatter
Kreuzotter
Zauneidechse
und die vom Aussterben bedrohte
Europäische Sumpfschildkröte
Amphibien
wie
Salamander
Frösche
Kröten
Unken
und
Molche
stehen in Deutschland alle unter Artenschutz, und die Hälfte der rund 20 Arten wird auf der nationalen
Roten Liste bedrohter Tierarten
geführt.
43
Zu den – teils
invasiven
Neozoen in Deutschland
(eingeschleppten Tierarten) gehören
Waschbär
Marderhund
Bisamratte
Nutria
Halsbandsittich
Kanadagans
und
Nilgans
Siehe auch
Liste der Vögel Deutschlands
Humangeographie
Kulturlandschaft in einer ländlichen Region des am dichtesten besiedelten Flächenlandes
Nordrhein-Westfalen
: Siedlungen, landwirtschaftlich genutzte Flächen, Waldflächen und ein Stausee
Deutschland hat insgesamt neun
Nachbarstaaten
: Im Norden grenzt Deutschland
an Dänemark
, im Nordosten
an Polen
, im Osten
an Tschechien
, im Südosten
an Österreich
, im Süden
an die Schweiz
, im Südwesten
an Frankreich
, im Westen
an Luxemburg
und
an Belgien
und im Nordwesten
an die Niederlande
. Die Grenzlänge beträgt insgesamt 3876
Kilometer.
44
In Deutschland werden insgesamt 51
Prozent der Landesfläche
landwirtschaftlich
genutzt (2016),
Wälder
bedecken weitere 30
Prozent. 14
Prozent werden als Siedlungs- und Verkehrsfläche genutzt. Wasserflächen kommen auf zwei Prozent, die restlichen drei Prozent verteilen sich auf sonstige Flächen, zumeist
Ödland
und auch
Tagebaue
37
Verwaltungsgliederung
Die
föderal aufgebaute Bundesrepublik
besteht aus 16
Gliedstaaten
, die offiziell als
Länder
(Bundesländer) bezeichnet werden. Die
Stadtstaaten
Berlin und Hamburg bestehen jeweils aus gleichnamigen
Einheitsgemeinden
, während die
Freie Hansestadt Bremen
, als dritter Stadtstaat, mit
Bremen
und
Bremerhaven
zwei separate Stadtgemeinden umfasst. Im Unterschied zu anderen Föderalstaaten gibt es in Deutschland keine
bundesunmittelbaren Gebiete
Die
Gemeinden
sind die kleinsten
demokratisch
verfassten, rechtlich selbstständigen
Gebietskörperschaften
und Verwaltungseinheiten Deutschlands.
45
Sie haben aufgrund ihrer genossenschaftlichen Prägung, die bis ins
Mittelalter
zurückreicht, eine lange Tradition.
46
Heute sind die Gemeinden in Deutschland, mit Ausnahme der Stadtstaaten und der meisten
kreisfreien Städte
, in
Landkreisen
und anderen
Gemeindeverbänden
zusammengefasst.
47
Es existieren 401 Gebietskörperschaften auf Kreisebene, davon 294 Kreise sowie 107 kreisfreie Städte. Sie sind untergliedert in insgesamt 10.747 Gemeinden (Stand Januar 2026),
Tendenz sinkend
, sowie 194 größtenteils unbewohnte
gemeindefreie Gebiete
. Kreise und Gemeinden unterliegen dem
Kommunalverfassungsrecht
des jeweiligen Bundeslandes und sind daher bundesweit unterschiedlich organisiert. Der Landkreis ist damit sowohl überörtliche kommunale Gebietskörperschaft als auch untere staatliche Verwaltungsbehörde, er hat eine eigene
Vertretungskörperschaft
, den
Kreistag
Art.
28
Abs.
1 S.
2 GG), und nimmt verschiedene Aufgaben der „überörtlichen Gemeinschaft“ für die kreisangehörigen Gemeinden wahr.
48
Die Kommunen sind
staatsrechtlich
Teil der Länder, womit sie deren Aufsichts- und
Weisungsrecht
unterliegen und demnach über keine eigene
staatliche Hoheitsmacht
verfügen.
49
Die
Selbstverwaltungsgarantie
des Art.
28 Abs.
2 GG – einerseits eine sogenannte
institutionelle Rechtssubjektsgarantie,
woraus folgt, dass es Gemeinden im Staatsaufbau überhaupt geben muss, andererseits ein subjektiv-öffentliches Recht mit Verfassungsrang – unterscheidet zwischen den Gemeinden, denen dieses Recht vollumfänglich zugesprochen wird, und den Gemeindeverbänden (Landkreisen), denen es in lediglich abgestufter Form zugesprochen wird. Somit besteht für die Aufgabenabgrenzung zwischen Gemeinden und Kreisen ein klares Regel-Ausnahme-Verhältnis zugunsten der Gemeinden (
Subsidiaritätsprinzip
).
50
Das
Bundesverfassungsgericht
hat hinsichtlich der „Angelegenheiten der örtlichen Gemeinschaft“, also der in Art.
28 Abs.
2 Satz
1 GG gewährleisteten Befugnis, in diesem Aufgabenbereich die Geschäfte eigenverantwortlich zu führen (sogenannte
objektive Rechtsinstitutionsgarantie
), den Vorrang der Gemeindeebene vor der Kreisebene nach Maßgabe der Gesetze festgestellt: Hiernach gilt für die Gemeinden „als Essentiale“ und „identitätsbestimmendes Merkmal der gemeindlichen Selbstverwaltung“ das Prinzip der „‚Universalität‘ des gemeindlichen Wirkungskreises“,
51
im Gegensatz zur speziellen Kompetenz der Gemeindeverbände kraft ausdrücklicher gesetzlicher Zuweisung, womit es auch keine feststehenden Gemeindeverbands
hoheiten
gibt.
52
Siehe auch
Kommunale Selbstverwaltung (Deutschland)
Land
Hauptstadt
Fläche
in km²
Einwohner
Einwohner
pro km²
Baden-Württemberg
Baden-Württemberg
Stuttgart
35.748
11.245.898
53
0.
315
Bayern
Bayern
München
70.541
13.248.928
54
0.
188
Berlin
Berlin
000.
891
3.685.265
55
4.132
Brandenburg
Brandenburg
Potsdam
29.654
2.556.747
56
0.0
86
Bremen
Bremen
Bremen
000.
420
00.
704.881
57
1680
Hamburg
Hamburg
000.
755
1.862.565
58
2.530
Hessen
Hessen
Wiesbaden
21.116
6.280.793
59
0.
297
Mecklenburg-Vorpommern
Mecklenburg-Vorpommern
Schwerin
23.295
1.573.597
60
0.0
68
Niedersachsen
Niedersachsen
Hannover
47.710
8.004.489
61
0.
168
Nordrhein-Westfalen
Nordrhein-Westfalen
Düsseldorf
34.112
18.034.454
62
0.
529
Rheinland-Pfalz
Rheinland-Pfalz
Mainz
19.858
4.129.569
63
0.
208
Saarland
Saarland
Saarbrücken
00
2.571
1.012.141
64
0.
394
Sachsen
Sachsen
Dresden
18.450
4.042.422
65
0.
219
Sachsen-Anhalt
Sachsen-Anhalt
Magdeburg
20.555
2.135.597
66
0.
104
Schleswig-Holstein
Schleswig-Holstein
Kiel
15.804
2.959.517
67
0.
187
Thüringen
Thüringen
Erfurt
16.202
2.100.277
68
0.
130
Deutschland
Deutschland
Berlin
357.684
83.577.140
0.
237
Politische Gliederung Deutschlands in
Länder
Regierungsbezirke
Kreise
und
kreisfreie Städte
Ballungsgebiete
Historische Entwicklung und Verteilung der aktuellen und ehemaligen Großstädte im Dezember 2024
Karte der
Bevölkerungsdichte
auf Ebene der Landkreise und kreisfreien Städte sowie der Inseln in Nord- und Ostsee, in Deutschland im Jahr 2018
In Deutschland werden Verdichtungs- und Ballungsräume (
Agglomerationen
) nicht statistisch genau abgegrenzt. Es gibt (Stand 31. Dezember 2024) 80 Großstädte (ab 100.000 Einwohner), davon 15 mit mehr als 500.000 Einwohnern, historisch bedingt überwiegend im Westen und Südwesten Deutschlands. Diese entlang des Rheins verlaufenden Ballungsräume bilden den Mittelteil der zentralen europäischen Bevölkerungskonzentration (
Blaue Banane
). Die meisten Agglomerationen sind monozentrisch, das
Ruhrgebiet
hingegen ist eine (polyzentrische)
Konurbation
. Mit seinen zahlreichen Zentren hat Deutschland, anders als etwa die Nachbarländer
Österreich
mit seiner Hauptstadt
Wien
und
Dänemark
mit
Kopenhagen
, keine
Primatstadt
. Trotz der Vielzahl großer Städte lebte zum 31. Dezember 2024 etwas weniger als ein Drittel (26,8
Millionen) der Einwohner Deutschlands in Großstädten. Nahezu 15 Millionen Einwohner leben in den 15 deutschen Städten mit mehr als einer halben Million Einwohnern, was etwa 18
% aller Einwohner entspricht.
69
70
Auf dem Gebiet Deutschlands wurden von der
Ministerkonferenz für Raumordnung
zwischen 1995 und 2005 insgesamt elf
Europäische Metropolregionen
festgelegt. Diese gehen über die entsprechenden Agglomerationen weit hinaus. Zum Beispiel gehören Köln/Düsseldorf/Dortmund/Essen zur
Metropolregion Rhein-Ruhr
, Leipzig/Halle/Chemnitz zur
Metropolregion Mitteldeutschland
. Eine weitere ist die
Metropolregion Rhein-Neckar
um Ludwigshafen/Mannheim/Heidelberg, die neben dieser Agglomeration auch Teile der
Pfalz
und des
Odenwaldes
umfasst.
Alle deutschen Städte mit über 500.000 Einwohnern mitsamt der Agglomeration und der Metropolregion
Siedlungsgebiet
Stadt
Agglomeration
71
Metropolregion
Berlin
3.685.265
4.630.000
6.120.000
Hamburg
1.862.565
2.820.000
5.425.000
München
1.505.005
2.210.000
5.990.000
Köln
1.024.621
4.910.000
10.680.000
Frankfurt am Main
756.021
2.710.000
5.720.000
Düsseldorf
618.685
4.910.000
10.680.000
Stuttgart
612.663
2.360.000
5.300.000
Leipzig
611.850
1.200.000
2.400.000
Dortmund
603.462
5.610.000
10.680.000
10
Bremen
586.271
0.
990.000
2.730.000
11
Essen
574.682
5.610.000
10.680.000
12
Dresden
564.904
0.
830.000
2.400.000
13
Nürnberg
529.508
1.350.000
3.560.000
14
Hannover
522.131
1.130.000
3.830.000
15
Duisburg
502.270
5.610.000
10.680.000
Stand: 31. Dezember 2024
Die 15 größten Städte Deutschlands
Berlin
Hamburg
München
Köln
Frankfurt am Main
Düsseldorf
Stuttgart
Leipzig
Dortmund
Bremen
Essen
Dresden
Nürnberg
Hannover
Duisburg
Siehe auch
Liste der Groß- und Mittelstädte in Deutschland
und
Metropolregionen in Deutschland
Bevölkerung
Demografie
Hauptartikel
Demografie Deutschlands
Bevölkerungsaufbau nach Alter im Jahr 2021
Bevölkerungsentwicklung
72
Jahr
Einwohnerzahl
Jahr
Einwohnerzahl
1950
69.346.000
1990
79.753.227
1955
71.350.000
1995
81.817.499
1960
73.147.000
2000
82.259.540
1965
76.336.000
2005
82.437.995
1970
78.069.000
2010
81.751.602
1975
78.465.000
2015
82.175.684
1980
78.397.000
2020
83.155.031
1985
77.661.000
2024
83.557.140
Nach Fortschreibung des
Zensus 2022
lebten am 31.
Dezember 2024 in Deutschland 83.557.140
Einwohner
73
auf einer Fläche von 357.381 Quadratkilometern.
Das Land gehört mit knapp 237
Menschen pro Quadratkilometer zu den dicht besiedelten
Flächenstaaten
Zum Jahresende 2023 waren 50,7 Prozent der Bevölkerung Frauen und 49,3 Prozent Männer.
73
Im Jahr 2019 waren 18,4
Prozent der Einwohner unter 20
Jahre, 24,6
Prozent zwischen 20 und 40
Jahre und 28,4
Prozent zwischen 40 und 60
Jahre alt. Im Alter von 60
bis 80
Jahren waren 21,7
Prozent der Bevölkerung, 6,8
Prozent waren älter.
74
Das Durchschnittsalter steigt seit der Wiedervereinigung 1990 kontinuierlich und lag 2023 bei 44,6 Jahren.
75
Deutschland gehört damit zu den ältesten Gesellschaften der Welt. Nach dem Zensus 2022 lebten zum Stichtag 15. Mai 2022 82.711.282 Menschen in Deutschland.
76
Neben der
Familie
als der am häufigsten angestrebten Form des Zusammenlebens sind viele Lebensmodelle in der deutschen Gesellschaft vertreten.
77
Die Anzahl der lebend geborenen Kinder lag im Jahr 2015 bei 737.575, das war die höchste Geburtenzahl seit 15
Jahren. Dies entspricht einer
Geburtenrate
von 1,50
Kindern pro Frau bzw. 9,6
Geburten pro 1000 Einwohner.
78
Im selben Zeitraum wurden 925.200 Sterbefälle registriert, etwa 11,2
Fälle pro 1000 Einwohner.
79
Bis 2022 lag die Geburtenrate in jedem Jahr über 1,50
Kindern pro Frau, ist jedoch danach bis 2024 auf 1,35
Kinder pro Frau gesunken.
78
Weil seit 1972 die
Sterberate
alljährlich über der Geburtenrate liegt, wird politisch die Orientierung zu einer
familienfreundlichen
, kinder- und nachwuchsfördernden Gesellschaft mit
Mehrkindfamilien
angestrebt (
Pronatalismus
). Als zentrale Voraussetzung dafür werten Experten die
Vereinbarkeit von Familie und Beruf
. Bei fortgesetzt niedrigen Geburtenraten, insbesondere in Bevölkerungsschichten mit mittleren und höheren Bildungsabschlüssen, wurden für Deutschland soziale, ökonomische und geopolitische Probleme vorhergesagt (Stand 2012).
80
Etwa 71,633 Millionen Personen in Deutschland besaßen zum Stichtag 30.
September 2024 die
deutsche Staatsangehörigkeit
. Dies entspricht 84,5 Prozent der Wohnbevölkerung.
73
Hatten im Jahr 2017 rund 18,9
Millionen Personen (23 Prozent der Gesamtbevölkerung) einen
Migrationshintergrund
81
82
waren es 2022 mit 23,8 Millionen Menschen 28,7 Prozent der Gesamtbevölkerung, die einen Migrationshintergrund hatten.
83
84
Davon waren fast zwei Drittel Zugewanderte und mehr als die Hälfte deutsche Staatsangehörige.
84
Im Jahr 2022 hatten in der Altersgruppe der unter 15-Jährigen 41 Prozent einen Migrationshintergrund, in der Altersgruppe der 15- bis 49-Jährigen hatten 36 Prozent einen Migrationshintergrund und in der darüberliegenden Altersklasse (50+) waren es 19 Prozent.
85
84
Als Personen mit Migrationshintergrund zählten im Zensus 2011 alle Ausländer sowie alle
Deutschen
, die nach 1955 auf das Gebiet der heutigen Bundesrepublik Deutschland zugewandert sind oder mindestens einen nach 1955 zugewanderten Elternteil haben. Unter ihnen bilden mit Stand 2009 die
Aussiedler und Spätaussiedler
die größte Gruppe, gefolgt von Bürgern der
Türkei
, anderer Staaten der Europäischen Union und des ehemaligen
Jugoslawien
86
Zwischen 1950 und 2002 wurden insgesamt 4,3 Millionen Menschen, entweder im Land geboren oder lange dort lebend, auf eigenen Antrag
eingebürgert
Das
Institut der deutschen Wirtschaft
(IW) prognostizierte 2017, die Bevölkerung Deutschlands werde durch Einwanderung weiter wachsen und im Jahr 2035 rund 83,1
Millionen Menschen umfassen.
87
Im Jahr 2018 wuchs die deutsche Bevölkerung um 227.000 Einwohner, womit Deutschland die Marke von 83 Millionen Einwohnern überschritt.
88
Im Jahr 2019 wuchs sie um 147.000 Personen (+0,2
%) auf 83,2 Millionen.
89
Ende September 2020 lag die Einwohnerzahl bei 83.190.556.
90
Im Jahr 2022 überstieg die Bevölkerungszahl Deutschlands erstmals den Wert von 84 Millionen, zum 30. Juni 2022 lag sie laut Statistischem Bundesamt bei 84.080.000 Einwohnern.
91
Deutschland ist
de facto
seit Jahrzehnten, seit 1958 mit kurzen Unterbrechungen, ein
Einwanderungsland
92
93
Die höchste Nettozuwanderung ihrer Geschichte hatte die Bundesrepublik Deutschland im Jahr 2022, als knapp 1,5 Millionen Menschen mehr zu- als fortzogen.
92
84
Ausländische Bevölkerung in Deutschland (Stand: 31. Dezember 2024)
94
Rang
Nationalität
Bevölkerung
Anteil unter
allen Ausländern
Ethnien
1.
Turkei
Türkei
1.544.480
11,0
Türkeistämmige in Deutschland
2.
Ukraine
Ukraine
1.334.005
9,5
Ukrainer in Deutschland
3.
Syrien
Syrien
0.
975.060
6,9
Syrer in Deutschland
4.
Rumänien
Rumänien
0.
909.755
6,5
Rumänen in Deutschland
5.
Polen
Polen
0.
864.980
6,2
Polen in Deutschland
6.
Italien
Italien
0.
636.730
4,5
Italiener in Deutschland
7.
Afghanistan
Afghanistan
0.
442.020
3,1
Afghanistanstämmige in Deutschland
8.
Bulgarien
Bulgarien
0.
432.080
3,1
Bulgaren in Deutschland
9.
Kroatien
Kroatien
0.
425.810
3,0
Kroaten in Deutschland
10.
Griechenland
Griechenland
0.
353.730
2,5
Griechen in Deutschland
Siehe auch
Einwanderung: Einwanderung nach Deutschland
Blaue Karte EU
und
Zuwanderungsgesetz
Sprachen
Kenntnisse der deutschen Sprache in den Ländern der
Europäischen Union
im Jahr 2006
In Deutschland ist hauptsächlich die
deutsche Sprache
Hochdeutsch
) verbreitet. Sie wird als
Standardsprache
in den überregionalen Medien und als
Schriftsprache
verwendet; als Sprache des Alltags wird Deutsch in vielen Regionen fast ausschließlich gesprochen (oft regional leicht eingefärbt). Der Übergang zu den
deutschen Dialekten
ist fließend. Bei den
Amtssprachen innerhalb Deutschlands
ist Deutsch die wichtigste
Verwaltungssprache
95
Die Zuständigkeit liegt im Grundsatz in der
Kulturhoheit der Länder
, der Gesamtstaat legt solche Sprachen nur zur Erfüllung seiner eigenen Aufgaben fest. Sofern europäisches Recht anwendbar ist, können vor Gericht Anträge und Schriftstücke in jeder
Amts-
oder
Gerichtssprache
jedes Mitgliedslands der
Europäischen Union
gestellt werden. Angestammte
nationale Minderheiten
sind
Dänen
Friesen
Sorben
und
Sinti und Roma
. Einige Regional- und Minderheitensprachen dürfen als Amts-, Gesetzes- oder Gerichtssprachen verwendet werden. Grundlage ist die
Europäische Charta der Regional- oder Minderheitensprachen
, nach der Deutschland
Niederdeutsch
als Regionalsprache und folgende Minderheitensprachen anerkennt:
Dänisch
(etwa 50.000 Sprecher, sowohl
Reichsdänisch
, überwiegend in der Variante
Sydslesvigdansk
, als auch
Sønderjysk
),
Friesisch
(etwa 10.000,
Nordfriesisch
in Schleswig-Holstein,
Saterfriesisch
in Niedersachsen),
Sorbisch
(etwa 30.000,
Obersorbisch
in Sachsen,
Niedersorbisch
in Brandenburg) und
Romanes
der Roma (etwa 200.000 in ganz Deutschland). Andere neue oder in Deutschland kaum noch gesprochene Minderheitensprachen wie
Jiddisch
oder die
jenische Sprache
wurden nicht in die Charta aufgenommen.
96
Die Sprachen von Zuwanderern fallen ausdrücklich nicht unter die Charta.
97
Die von
Gehörlosen
verwendete
Deutsche Gebärdensprache
(DGS) wurde mit Einführung des
Behindertengleichstellungsgesetzes
(BGG) im Jahr 2002 in Deutschland als eigenständige Sprache anerkannt.
98
In früherer Zeit existierten im Gebiet des heutigen Deutschland noch weitere Minderheitensprachen wie die
polabische Sprache
(im 18.
Jahrhundert ausgestorben) oder noch früher das
Moselromanische
(im 11.
Jahrhundert ausgestorben).
Die erste vollständige
Bibelübersetzung ins Deutsche
, 1534
Das
Goethe-Institut
betreibt weltweit Niederlassungen zur Vermittlung der deutschen Sprache (Bild: Zentrale in München)
Die niederdeutsche Sprache wird sowohl sprachwissenschaftlich (der grammatischen und lexikalischen Substanz nach) als auch politisch und rechtlich teilweise als eigenständige Sprache aufgefasst; sie verhält sich allerdings soziolinguistisch wie ein Dialekt und ist daher auch als „Scheindialekt“ des Deutschen bezeichnet worden und insofern als eine regionale
Varietät
(siehe
Niederdeutsche Sprache: Die Stellung des Niederdeutschen
). Niederdeutsch hatte 2007 etwa 2,6 Millionen aktive Sprecher, passive Kenntnis hatten etwa drei Viertel der Bevölkerung des Sprachgebiets.
99
2016 war das passive Verstehen bei knapp der Hälfte der Einwohner des Sprachgebietes gut bis sehr gut, in Mecklenburg-Vorpommern 70 Prozent, in Schleswig-Holstein knapp 60 Prozent, in Niedersachsen knapp 50 Prozent.
100
Aktiv beherrschten die Niederdeutsche Sprache in Mecklenburg-Vorpommern knapp 21 Prozent, in Schleswig-Holstein knapp 25 Prozent, in Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt jeweils knapp 12 Prozent und in Brandenburg knapp 3 Prozent.
101
Norddeutsche verwenden die niederdeutsche Sprache oder regionale Mundarten tendenziell weniger ausgeprägt, während im
mittel-
und
oberdeutschen
Raum der Gebrauch der
fränkischen
bairischen
und
alemannischen Mundarten
selbst im akademischen Milieu verbreiteter ist.
Immer wieder brachten
Zuwanderer
ihre Sprachen mit, zum Beispiel die
Ruhrpolen
im 19.
Jahrhundert. Während die Nachkommen der älteren Zuwanderungswellen sich inzwischen sprachlich weitgehend angepasst haben, verwenden Zuwanderer der vergangenen Jahrzehnte (etwa
Gastarbeiter
) untereinander neben dem Deutschen noch häufig ihre Muttersprache.
Nach dem Deutschen ist keine der anerkannten Minderheitensprachen, sondern
Russisch
die Sprache mit der größten Anzahl an Muttersprachlern (drei bis vier
Millionen), insbesondere verbreitet unter
Kontingentflüchtlingen
und unter
Russlanddeutschen
, zu denen auch deutsche oder
plautdietsche
Muttersprachler gehören (→
Russlandmennoniten
). An dritter Stelle steht
Türkisch
(etwa zwei
Millionen), an vierter Stelle
Polnisch
102
Ein Teil der älteren jüdischen Bevölkerung, der aus der ehemaligen
Sowjetunion
(UdSSR) zugewandert ist, spricht auch Jiddisch; jedoch fand zumeist schon vor der Auswanderung keine Weitergabe dieser Sprache an nachfolgende Generationen mehr statt, sodass sie durch Russisch bzw. Deutsch verdrängt wurde.
Haredim
, die heutigen Hauptträger der jiddischen Sprache in
Israel
und den
USA
, machen in Deutschland nur eine kleine Minderheit der jüdischen Gemeinden aus. Die Zahl der Personen, welche vor allem Polnisch als Alltagssprache verwenden, wird als relativ hoch vermutet. Aufgrund der starken
Assimilation
der polnischen und polnischstämmigen Bevölkerungsgruppe ist der Gebrauch des Polnischen außerhalb des eigenen Haushalts jedoch verhältnismäßig selten.
Die an öffentlichen Schulen in Deutschland vorrangig gelehrte
Fremdsprache
ist
Englisch
. Als zweite Fremdsprache werden häufig
Französisch
Latein
oder
Spanisch
angeboten, seltener auch Russisch oder
Italienisch
– je nach schulischem Angebot und den Vorgaben der einzelnen Bundesländer. In der ehemaligen DDR war Russisch ab der
5. Klasse
die vorherrschende Fremdsprache im Schulunterricht. Englisch wurde zwar ebenfalls unterrichtet, spielte jedoch eine deutlich untergeordnete Rolle.
103
Religionen
Martin Luther
(1483–1546), Gemälde von
Lucas Cranach dem Älteren
, 1528
Traditionen
Wie der Großteil West- und Mitteleuropas ist das heutige Deutschland bis zur
Spätantike
zurückreichend christlich-abendländisch und seit dem 18. Jahrhundert aufgeklärt-wissenschaftlich geprägt. Dem liegen Einflüsse aus der antiken griechischen und römischen Kultur ebenso zugrunde wie jüdische und christliche Traditionen, die sich seit Beginn der Christianisierung
Nordwesteuropas
, ab etwa dem 4.
Jahrhundert, mit germanischen Traditionen vermischt hatten. Das Judentum ist in Deutschland schon in römischer Zeit nachweisbar, wurde aber immer wieder Opfer von
Pogromen
und erzwungener Konversion, in der schlimmsten Form durch die
Shoah
der
NS-Zeit
. Das Gebiet Deutschlands wurde seit dem frühen Mittelalter
christianisiert
. In der
fränkischen
Zeit wurde im Reich Karls des Großen die Missionierung, teilweise durch Zwang, abgeschlossen. Mit
Martin Luthers
Thesenanschlag 1517 begann die christliche
Reformation
und in der Folge die Bildung
protestantischer Konfessionen
, die in Deutschland neben der katholischen Konfession die religiöse Landschaft prägen. Aufgrund der Regelung
cuius regio, eius religio
(d.
h. der Landesherr bestimmt, welcher Religion die Untertanen anzugehören haben) war die konfessionelle Landschaft über Jahrhunderte stark zersplittert, mit nahezu rein katholischen und evangelischen Regionen in unmittelbarer Nachbarschaft zueinander. Der Zustrom der Heimatvertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg, die zunehmende Mobilität der Bevölkerung sowie anhaltende
Suburbanisierung
und
Säkularisierung
haben diese Kontraste jedoch im 20. und 21. Jahrhundert verwischt.
Verhältnis von Staat und Religion
Die
Religionsfreiheit in Deutschland
garantiert
Art.
des Grundgesetzes, individuell als
Grundrecht
und institutionell im Verhältnis von Religion und Staat. So werden die weltanschauliche Neutralität des Staates und das
Selbstbestimmungsrecht
der
Religionsgemeinschaften
festgeschrieben. Auf dieser Basis ist das Verhältnis von Religionsgemeinschaften und Staat partnerschaftlich; es gibt also keine strikte
Trennung von Kirche und Staat
, sondern in vielen sozialen und schulisch-kulturellen Bereichen bestehen Verflechtungen, beispielsweise über eine kirchliche, aber staatlich mitfinanzierte Trägerschaft von Kindergärten, Schulen, Krankenhäusern oder Pflegeheimen. Ebenso berufen sich einige deutsche Parteien auf die christliche Tradition des Landes. Die christlichen Kirchen besitzen den Status von
Amtskirchen
und sind
Körperschaften des öffentlichen Rechts
, aufgrund des geltenden
Staatskirchenrechts
jedoch
sui generis
Als
öffentlich-rechtlichen Religionsgesellschaften
sollen den Kirchen bestimmte Gestaltungsmöglichkeiten eingeräumt werden, ohne dass sie dabei einer Staatsaufsicht unterliegen; stattdessen wird sowohl der kirchliche
Öffentlichkeitsauftrag
teilweise in
Kirchenverträgen
mit den Ländern oder den entsprechenden Regelungen in den
Landesverfassungen
anerkannt als auch die besondere, originäre
Kirchengewalt
rechtlich bekräftigt. Bestimmte christliche Kirchen sowie die jüdischen Gemeinden erheben eine
Kirchensteuer
, die der
Staat
gegen eine Aufwandsentschädigung einzieht und an die jeweiligen Kirchen beziehungsweise an den
Zentralrat der Juden in Deutschland
weiterleitet. Des Weiteren ist der
Religionsunterricht
laut Grundgesetz fakultatives, aber dennoch ordentliches Unterrichtsfach in den öffentlichen Schulen (mit Ausnahme von Bremen, Berlin und Brandenburg). Dieses Fach wird oft von einem Vertreter einer der beiden großen Kirchen unterrichtet.
Konfessionszugehörigkeit nach
Zensus 2022
(gelb: römisch-katholisch, violett: evangelisch, grün: keiner öffentlich-rechtlichen Religionsgemeinschaft zugehörig; dunkel: absolute Mehrheit, hell: relative Mehrheit)
Bevölkerungsanteile
Hauptartikel
Religionen in Deutschland
Fast 47
% der Bevölkerung gehörten 2024 keiner
Glaubensgemeinschaft
an; fast 48
% der Bevölkerung gehörten 2024 einer
christlichen Konfession
an: der
römisch-katholischen Kirche
23,7
% (überwiegend in West- und Süddeutschland), der
evangelischen Kirche
Lutheraner
Reformierte
und
Unierte
) 21,5
%, anderen christlichen Kirchen wie
orthodoxen
und
altorientalischen Kirchen
, den
Zeugen Jehovas
, der
neuapostolischen Kirche
und den
Freikirchen
insgesamt ca. 2,5
%.
104
Ende 2023 stellte in keinem der 16 Bundesländer eine der beiden großen Kirchen (römisch-katholisch, evangelisch) die absolute Mehrheit der Einwohner; in zehn Ländern war eine absolute Mehrheit der Bevölkerung weder Mitglied der katholischen noch der evangelischen Kirche.
105
Die Anzahl der Gottesdienstbesucher ist wesentlich geringer als die Anzahl der Kirchenmitglieder. An den sogenannten Zählsonntagen (zweiter Fastensonntag und zweiter Sonntag im November) des Jahres 2016 besuchten 2,4 Millionen Menschen (2,9
% der Gesamtbevölkerung) die katholischen Gottesdienste
106
und 0,8 Millionen (1
%) jene der evangelischen Kirche. An hohen kirchlichen Feiertagen, insbesondere zu
Heiligabend
, nehmen deutlich mehr Menschen an Gottesdiensten teil.
107
Das
Syrische Christentum
ist durch den kontinuierlichen Zuzug von
Assyrern
aus
Mesopotamien
mit ca. 130.000 Mitgliedern eine stetig wachsende christliche Konfession in Deutschland.
108
Davon gehören rund 100.000 Assyrer der
Syrisch-Orthodoxen Kirche von Antiochien
an.
109
Ende 2024 lebten in Deutschland etwa 3,3 Millionen
Muslime
. Ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung betrug 3,9
%.
110
Etwa die Hälfte hat einen türkischen Migrationshintergrund. Als Dachverband der vielen islamischen Organisationen und Ansprechpartner für Außenstehende wurde der
Koordinierungsrat der Muslime in Deutschland
gegründet.
Die
Deutsche Buddhistische Union
geht von etwa 270.000
Buddhisten in Deutschland
aus. Die Hälfte davon sind eingewanderte
Asiaten
. Dies entspricht 0,3 Prozent der Bevölkerung.
111
Etwa 200.000
Juden
leben in Deutschland,
112
dies entspricht 0,25 Prozent der Bevölkerung (Stand 2022). Davon sind etwa die Hälfte in
jüdischen Gemeinden
organisiert. Seit den 1990er-Jahren verzeichnen diese einen starken Zuwachs durch Zuwanderer aus den ehemaligen
Ostblockstaaten
, vor allem aus der
Ukraine
und
Russland
Geschichte
Hauptartikel
Geschichte Deutschlands seit 1990
und
Geschichte Deutschlands
Urgeschichte, Kelten, Germanen und Römer
Hauptartikel
Geschichte der Römer in Germanien
Der
Löwenmensch
aus der Stadel-Höhle im
Hohlenstein
Lonetal
, entstanden zwischen 39.000 und 33.000 v.
Chr.
Karte der germanischen Stämme Mitteleuropas mit dem römischen Limes und den Legionslagern um 50 n.
Chr.
Die
Himmelsscheibe von Nebra
aus der frühen
Bronzezeit
Der älteste
fossile
Beleg für die Anwesenheit der
Gattung
Homo
auf deutschem Gebiet – der
Unterkiefer von Mauer
– ist rund 600.000 Jahre alt, er wurde nach seinem Fundort in der Nähe von
Heidelberg
als
Homo heidelbergensis
benannt.
113
Die mindestens 300.000 Jahre alten
Schöninger Speere
sind die ältesten vollständig erhaltenen
Jagdwaffen
der Menschheit und haben das Bild der kulturellen und sozialen Entwicklung des frühen Menschen revolutioniert, ebenso wie die
Fundstätte Bilzingsleben
mit einem der ältesten Bauwerke und dem vielleicht ältesten Kunstwerk der Welt.
114
Zu den
Neandertalern
, nach einem Fundort im
Neandertal
, östlich von
Düsseldorf
, benannt, gesellte sich vor 45.000 (maximal 47.500) Jahren der aus Afrika zugewanderte
Homo sapiens
, der anatomisch moderne Mensch – nachweisbar in der
Ilsenhöhle
im heutigen Thüringen.
115
Die Neandertaler verschwanden zwar, doch ließ sich belegen, dass beide zumindest einige gemeinsame Nachkommen hatten. Die
jungpaläolithische Kleinkunst
der
Schwäbischen Alb
ist die älteste bekannte Kunst der Menschheit.
116
Aus Vorderasien kommende
jungsteinzeitliche
Bauern, die mit ihrem Vieh und ihren Kulturpflanzen über Anatolien und den Balkan zuwanderten (
Linearbandkeramiker
), verdrängten ab etwa 5700/5600 v.
Chr. die
Jäger und Sammler
der
Mittelsteinzeit
aus der Südhälfte Deutschlands. Erst um 4000 v.
Chr. wurden die aneignenden Kulturen der Jäger, Sammler und Fischer auch in Norddeutschland von bäuerlichen, nun durchgehend sesshaften Kulturen abgelöst; als letzte Kultur der Jäger in Norddeutschland gilt die
Ertebølle-Kultur
Mit über 1000 Jahren Verzögerung begann auf deutschem Gebiet die
Bronzezeit
um 2200 v.
Chr. Zu ihren bedeutendsten Funden zählt die
Himmelsscheibe von Nebra
. Mit Beginn der
Hallstattzeit
(1200–1000 v.
Chr.) waren Süd- und Mitteldeutschland von
Kelten
besiedelt, als bedeutendstes Metall begann sich das Eisen durchzusetzen. Um 600 v.
Chr. kam es in
Norddeutschland
zur Herausbildung der
Jastorf-Kultur
, die als
germanische
Kultur angesehen wird. Der Begriff „Germanen“ (lateinisch
Germani
) wurde im 1.
Jahrhundert v.
Chr. von antiken Autoren erstmals erwähnt. Es handelt sich hierbei um einen
ethnographischen
, wenig präzisen Sammelbegriff, der aus methodischen Gründen nicht als Bezeichnung für ein einheitliches Volk missverstanden werden darf.
117
Von 58 v.
Chr. bis etwa 455 n.
Chr. gehörten die Gebiete links des
Rheins
und südlich der
Donau
zum
Römischen Reich
, von etwa 80 bis 260 n.
Chr. auch ein Teil
Hessens
sowie der größte Teil des heutigen Baden-Württemberg südlich des
Limes
. Diese römischen Gebiete verteilten sich auf die Provinzen
Gallia Belgica
Germania superior
Germania inferior
Raetia
und
Noricum
. Dort gründeten die Römer Legionslager, eine Reihe von Städten wie
Trier
Köln
Augsburg
und
Mainz
– die
ältesten Städte Deutschlands
. Verbündete germanische Stämme sicherten diese
Provinzen
, zudem wurden Siedler aus anderen Reichsteilen hier sesshaft.
Der außerhalb der römischen Provinzen
Germania Inferior
und
Germania Superior
liegende Teil des Siedlungsgebiets der Germanen wurde von den Römern in der
frühen und hohen Kaiserzeit
und in der Spätantike als
Germania magna
bezeichnet.
118
Versuche, den Einflussbereich weiter in dieses germanische Gebiet auszudehnen, scheiterten mit der
Varusschlacht
im Jahr 9 n.
Chr. Die Bemühungen der Römer zur Errichtung von Provinzen bis zur
Elbe
endeten schließlich.
Tacitus
’ frühestens im Jahr 98 entstandene Schrift
Germania
ist die älteste Beschreibung der germanischen Stämme.
Völkerwanderung und Frühmittelalter (375–962)
Hauptartikel
Völkerwanderung
und
Deutschland im Mittelalter
Nach dem Einfall der
Hunnen
um 375 setzte die Völkerwanderung ein. Gleichzeitig bildeten sich im Übergang von der Spätantike zum
Frühmittelalter
mehrere Großstämme heraus, nämlich die der
Franken
Alamannen
Sachsen
Bayern
und
Thüringer
. Wichtig in der neueren Forschung ist in diesem Kontext der komplexe Vorgang der
Ethnogenese
der unterschiedlichen
gentes
(Stämme). Die Entstehung von ethnischen Identitäten (
Ethnizität
) in der Spätantike bzw. dem beginnenden Frühmittelalter im Zusammenhang mit der sogenannten Völkerwanderung
119
wird heute nicht mehr als biologische Kategorie verstanden. Identitäten entstehen vielmehr in einem wechselhaften sozialen Prozess, bei dem mehrere Faktoren eine Rolle spielen.
120
Das Ziel der in das Imperium eingedrungenen Gruppen war vor allem Teilhabe am Wohlstand des Imperiums, dessen Strukturen und Kultur sie keineswegs zerstören wollten. Doch die folgenden militärischen Konflikte und innerrömische Machtkämpfe führten zu einem politischen Erosionsprozess des Westreichs.
121
Im Zuge des Untergangs
Westroms
(der letzte Kaiser in Italien wurde 476 abgesetzt) kam es zur Bildung germanisch-romanischer Nachfolgereiche auf dem Boden des westlichen Imperiums.
122
Das
Oströmische Reich
(„Byzanz“) bestand hingegen bis 1453 fort und unterhielt weiterhin Kontakte in den Westen.
In die weitgehend entvölkerten Gebiete des heutigen
Ostdeutschlands
wanderten im 7.
Jahrhundert
slawische Stämme
ein. Erst im Zuge der
hochmittelalterlichen
Ostsiedlung
wurden sie assimiliert. West- und Mitteleuropa wurden von dem am Ende des 5.
Jahrhunderts entstandenen
Frankenreich
dominiert, das heutige Norddeutschland von den Sachsen und Slawen. Alle heute zu Deutschland gehörigen Gebiete des Frankenreichs lagen im östlichen Teilreich
Austrasien
. Unter den
Merowingern
kam es allerdings wiederholt zu dynastischen Konflikten.
Die Gebietsaufteilung im
Vertrag von Verdun
(843)
Mitte des 8. Jahrhunderts trat im Frankenreich
Pippin der Jüngere
aus der Dynastie der
Karolinger
die Königsnachfolge der bis dahin herrschenden Merowinger an. Nach der Unterwerfung und Zwangsmissionierung der Sachsen und Eroberungen in Italien, Nordspanien und im östlichen Grenzraum unter
Karl dem Großen
wurde das
Vielvölkerreich
neu organisiert. Kirchenorganisation und Kulturförderung knüpften partiell an römische Traditionen an (
Karolingische Renaissance
). Zu Weihnachten 800 ließ sich Karl vom Papst in
Rom
zum Kaiser krönen und erhob damit Anspruch auf die Nachfolge des Römischen Reiches (
Translatio imperii
), was zur Konkurrenz mit den byzantinischen Kaisern führte (
Zweikaiserproblem
). Nach Karls Tod 814 kam es zu Kämpfen unter seinen Nachkommen, die 843 im
Vertrag von Verdun
zur Dreiteilung des Reiches in das
Ostfrankenreich
unter
„Ludwig dem Deutschen“
, das
Westfrankenreich
und
Lotharingien
führten.
123
Im ostfränkischen Reich bildeten sich um 900 fünf große Herzogtümer heraus, nämlich die Stammesherzogtümer
Sachsen
Baiern
Schwaben
Franken
und
Lothringen
. Im 10. Jahrhundert starb die karolingische Dynastie in West- wie auch in Ostfranken aus, beide Reichsteile blieben politisch fortan getrennt. Die
Schlacht auf dem Lechfeld
beendete 955 jahrzehntelange
Ungarneinfälle
, führte zu einem Prestigegewinn König
Ottos
, der 962 in Rom zum Kaiser gekrönt wurde, und zur Zuordnung des
Erzengels Michael
als
Schutzpatron
der Deutschen.
Vom Ostfrankenreich zum Heiligen Römischen Reich (962–1806)
Hauptartikel
Heiliges Römisches Reich
Das Reichsgebiet im 10. Jahrhundert (rot umrandet)
Die Dynastie der
Ottonen
war für die Ausformung des
Ostfrankenreichs
wesentlich, sie gilt aber nicht mehr als Beginn der eigentlichen „deutschen“ Reichsgeschichte. Der damit verbundene Prozess zog sich vielmehr mindestens bis ins 11. Jahrhundert hin.
124
Der Begriff
regnum Teutonicorum
(„Königreich der Deutschen“) findet sich erstmals zu Beginn des 11.
Jahrhunderts in den
Quellen
, er war aber nie Titel des Reiches
(Imperium),
sondern diente den Päpsten zur Relativierung des Herrschaftsanspruchs der
römisch-deutschen Könige
125
Im Jahr 951 nahm
Otto I.
die
langobardische
Königswürde an. Dies verband das
Regnum Teutonicum
mit
Reichsitalien
. 962 wurde Otto zum Kaiser gekrönt, damit vereinte er die römisch-deutsche Königswürde mit dem Anspruch auf das
westliche „römische“ Kaisertum
Reichsidee
). Dieses
römisch-deutsche Reich
nahm unter den Ottonen eine
hegemoniale
Stellung im westlichen Europa ein. 1024 traten die
Salier
die Königsnachfolge an, die bis zum Ende des Mittelalters stets an eine Wahl durch verschiedene
Große
des Reichs gekoppelt war.
Die Art und Weise, wie weltliche und geistliche Macht miteinander verzahnt wurden, nennt man heute teilweise „
Reichskirchensystem
“. Die Frage, wer Bischöfe einsetzen durfte, führte zum
Investiturstreit
mit dem
reformierten
Papsttum, zum
Gang nach Canossa
1077 und zur Zwischenlösung des
Wormser Konkordats
1122. Einen Höhepunkt erreichte die Auseinandersetzung zwischen Kaiser und Papst in
staufischer
Zeit, insbesondere unter
Friedrich II.
Er gab im deutschen Reichsteil viele
Regalien
auf. Mit seinem Tod 1250 brach die staufische Königsherrschaft zusammen; das folgende
Interregnum
vergrößerte die Macht der Fürsten. Das Kaisertum bestand als politischer Ordnungsfaktor fort, verlor aber auf europäischer Ebene zunehmend an Einflussmöglichkeiten.
Der
Aachener Dom
diente bis 1531 als
Krönungsstätte
für 31 deutsche Herrscher. Der dortige
Königsthron
(rechts) wurde in den 790er-Jahren für
Karl den Großen
errichtet.
In Form der
Territorialstaaten
verselbstständigten sich zahlreiche Feudalherrschaften zu Lasten der königlich-kaiserlichen Macht, die aber nie stark ausgeprägt gewesen und deshalb auf
konsensuale Herrschaft
mit den
Großen
des Reiches angewiesen war. Kaiser
Heinrich VI.
war Ende des 12. Jahrhunderts mit dem Versuch gescheitert, durch den
Erbreichsplan
die
Erbmonarchie
einzuführen. Während sich das Westfrankenreich zum französischen Zentralstaat entwickelte, blieb das ostfränkische oder römisch-deutsche Reich durch
Landesherren
und das Recht der
Königswahl
geprägt.
In der Mitte des 13. Jahrhunderts setzte sich im Heiligen Römischen Reich – die Bezeichnung
Sacrum Imperium (Heiliges Reich)
wurde bereits 1157 gebraucht,
Sacrum Imperium Romanum (Heiliges Römisches Reich)
ist erstmals urkundlich gesichert 1184 belegt (die ältere Forschung ging von 1254 aus)
126
– die Auffassung durch, dass einem Kollegium von
Kurfürsten
die
Wahl des Königs
zustehe, was durch die
Goldene Bulle
1356 verbindlich festgeschrieben wurde. Bis zu seinem Ende 1806 blieb das Reich somit formal eine Wahlmonarchie. Obwohl die Kaiser wiederholt versuchten, ihre Position zu stärken, blieb das Reich ein
supranationaler
Verband vieler verschieden großer
Territorien
sowie
Reichsstädte
Das
spätmittelalterliche
14. und 15. Jahrhundert war vom Wahlkönigtum geprägt: Drei große Familien – die
Habsburger
, die
Luxemburger
und die
Wittelsbacher
– verfügten über den größten Einfluss im Reich und über die größte
Hausmacht
. Als bedeutendster König gilt
Karl IV.
, der eine geschickte
Hausmachtpolitik
betrieb. Trotz Krisen wie der
Pest
Schwarzer Tod
), der
Agrarkrise
und des
abendländischen Schismas
florierten die Städte und der Handel; es begann der Übergang in die
Renaissance
. Im Reich traten die Habsburger das Erbe der Luxemburger an, die 1437 in männlicher Linie ausstarben, und stellten bis zum Ende des Reichs fast kontinuierlich die römisch-deutschen Herrscher. Durch geschickte Politik sicherten sich die Habsburger zusätzliche Territorien im Reich und die spanische Königskrone: Habsburg stieg damit zur europäischen Großmacht auf.
Das
Heilige Römische Reich
im Jahr 1648 nach Abschluss des
Westfälischen Friedens
An der Wende zum 16. Jahrhundert betrieb Kaiser
Maximilian
I.
eine umfassende
Reichsreform
, die den
Reichstag
, die Gerichtsbarkeit (Schaffung von
Reichskammergericht
und
Reichshofrat
) und die innere Ordnung durch den
Ewigen Landfrieden
und die Einteilung in
Reichskreise
stärkte. Durch das Scheitern des
Gemeinen Pfennigs
und des
Reichsregiments
blieb die Reform aber unvollständig. Ab 1519 verfolgte Kaiser
Karl
V.
, zugleich
spanischer König
mit überseeischem
Kolonialreich
, das Konzept einer
Universalmonarchie
. Seine Vorherrschaft in Europa begründete den jahrhundertelangen
habsburgisch-französischen Gegensatz
Im Jahr 1517 stieß
Martin Luther
durch Forderungen nach innerkirchlichen und theologischen Reformen und eine anti-päpstliche Haltung die
Reformation
an, was zur Herausbildung „
protestantischer
Konfessionen
führte. Der Katholizismus reagierte mit der
Gegenreformation
, doch behaupteten sich die neuen evangelischen Kirchen in weiten Teilen des Reiches. Der
Augsburger Religionsfrieden
1555 schaffte einen vorläufigen Ausgleich: Die Landesherren durften bestimmen, welche Konfession für ihre Untertanen galt
(cuius regio, eius religio).
Konfessionelle und machtpolitische Gegensätze lösten den
Dreißigjährigen Krieg
(1618–1648) mit vielen Todesopfern und verheerten Landschaften aus, beendet durch den
Westfälischen Frieden
, der den Einfluss der Territorien gegenüber dem Kaiser stärkte und festschrieb (siehe
Jüngster Reichsabschied
). Die
Reichsfürsten
durften nunmehr eigene Truppen aufstellen und konnten mit auswärtigen Mächten
Verträge
abschließen. Das Reich wurde dadurch de facto zu einem
Staatenbund
de jure
blieb es ein monarchisch geführtes und ständisch geprägtes Herrschaftsgebilde. Ab 1663 wandelte sich der Reichstag zu einem permanenten Gesandtenkongress (
Immerwährender Reichstag
), der in
Regensburg
tagte.
Im Rahmen seiner
Reunionspolitik
führte
Ludwig XIV.
ab 1688 den
Pfälzischen Erbfolgekrieg
, der 1697 mit dem
Frieden von Rijswijk
endete. Frankreich wirkte als Vorbild des
Absolutismus
, der im Reich nicht die königliche Zentralgewalt, sondern einzelne Fürstentümer zu bürokratisch organisierten Staaten werden ließ. Manche Herrscher, insbesondere
Friedrich II. von Preußen
, öffneten sich dem philosophischen Zeitgeist und führten Reformen durch (
Aufgeklärter Absolutismus
). Der politische Aufstieg
Preußens
im 18. Jahrhundert führte zum
Dualismus
mit dem Hause Habsburg. Nach der
Französischen Revolution
besetzten deren Truppen das
linke Rheinufer
. Nach dem Sieg
Napoleon Bonapartes
im Zweiten
Koalitionskrieg
kam es 1803 zum
Reichsdeputationshauptschluss
. 1806 legte der letzte Kaiser
Franz
II.
die Krone nieder, womit das Reich erlosch.
Rheinbund, Deutscher Bund, Norddeutscher Bund (1806–1871)
Hauptartikel
Rheinbund
Deutscher Bund
Deutsche Revolution 1848/1849
und
Norddeutscher Bund
Der
Deutsche Bund
1815–1866
Unter Napoleons Einfluss war zwischen 1801 und 1806 die Anzahl der Länder im Gebiet des „Alten Reiches“ von rund 300 auf etwa 60 verringert worden. Frankreich annektierte den deutschen Westen und Nordwesten und schuf deutsche
Vasallenstaaten
, deren Throne Napoleon mit Familienangehörigen besetzte (
Großherzogtum Berg
Königreich Westphalen
Großherzogtum Frankfurt
). Das
Königreich Sachsen
entstand 1806 im
Frieden von Posen
. Einige deutsche Staaten baute Napoleon zu Bündnispartnern auf, vor allem das 1805 im
Frieden von Pressburg
neugeschaffene
Königreich Bayern
Württemberg
und
Baden
, indem er sie um die Gebiete der
säkularisierten
und
mediatisierten
Kleinstaaten erweiterte und in dem mit Frankreich verbündeten
Rheinbund
vereinigte. Dieser folgte mit den von Napoleon besiegten Gegnern
Preußen
und
Österreich
dem dadurch dreigeteilten, als Machtfaktor ausgeschalteten Heiligen Römischen Reich nach. Die „
Franzosenzeit
“ brachte den Rheinbundstaaten erhebliche Modernisierungsanstöße, unter anderem bürgerliche Freiheiten, durch die Einführung des
Zivilrechtsbuchs
Code civil
. Auch in Preußen wurden ab 1806 tiefgreifende
Reformen
unternommen, um aus
Untertanen
Staatsbürger
(vgl.
Citoyen
) und den Staat wieder handlungs- und wehrfähig zu machen.
Ab 1809 regte sich Widerstand gegen französische Besatzung und Herrschaft; diverse Aufstände, etwa von
Andreas Hofer
in
Tirol
und
Ferdinand von Schill
in Preußen, wurden zunächst niedergeschlagen. Nach Napoleons Niederlage im
Russlandfeldzug 1812
begannen Preußen und Österreich im Bündnis mit dem
Russischen Reich
die
Befreiungskriege
(1813–1815), die das deutsche
Nationalgefühl
stärkten, zunächst unter protestantischen Akademikern, etwa im
Lützower Freikorps
, das auch als Ursprung der Farben
Schwarz-Rot-Gold
gilt.
127
Die meisten Rheinbundstaaten schlossen sich den Verbündeten an, die nach dem Sieg bei der
Leipziger Völkerschlacht
1813 Napoleon bis 1815 endgültig besiegten.
Anschließend
restaurierte
der
Wiener Kongress
(1814–1815) weitgehend die monarchische Herrschaft. Im
Deutschen Bund
, einem von Österreich und Preußen dominierten
Staatenbund
, organisierten sich 38 Staaten (→
Drittes Deutschland
) mit dem Frankfurter
Bundestag
als Entscheidungsgremium. 1833/1834 wurde der
Deutsche Zollverein
unter preußischer Vormacht geschaffen. Im
Vormärz
unterdrückte die alte Herrschaftselite das wirtschaftlich erstarkende
Bürgertum
Demagogenverfolgung
), das weiter politische Teilhabe und die Bildung eines Nationalstaats forderte, so 1817 beim studentischen
Wartburgfest
und 1832 beim
Hambacher Fest
mit dem Hissen von Schwarz-Rot-Gold, den späteren Nationalfarben.
Nationalversammlung
in der
Frankfurter Paulskirche
, 1848/49: das erste frei gewählte deutsche Parlament
1867: Der Norddeutsche Bund
Mit der bürgerlichen
Märzrevolution 1848
mussten viele konservative Politiker abtreten, unter ihnen der epochenprägende österreichische Staatskanzler
Fürst Metternich
. Unter dem Revolutionsdruck in Berlin akzeptierte der Deutsche Bundestag die Wahl der
Frankfurter Nationalversammlung
. Sie richtete eine Regierung ein und erließ die
Paulskirchenverfassung
, die einen föderativen Nationalstaat als „
Deutsches Reich
“ mit
konstitutioneller Monarchie
und das Ausscheiden Österreichs aus Deutschland beinhaltete.
128
Doch der preußische König
Friedrich Wilhelm IV.
lehnte die ihm
angetragene Kaiserkrone
ab. Nach Niederschlagung des
Maiaufstands
endete die Revolution am 23.
Juli 1849 mit der Einnahme der
Festung Rastatt
durch preußische Truppen. Das Scheitern der
demokratischen Bewegung
führte zu Flucht und Auswanderung der
Forty-Eighters
und zu einer
Reaktionsära
in den deutschen Staaten.
Anfang der 1860er-Jahre brach der Konflikt Preußens mit Österreich um die Vormacht im Deutschen Bund auf (
deutscher Dualismus
), der in Preußens Sieg im
Deutschen Krieg
1866 endete. Der Deutsche Bund
wurde aufgelöst
Preußen annektierte
etliche Gebiete nord- und mitteldeutscher Kriegsgegner. 1866 wurde unter Vorherrschaft Preußens der
Norddeutsche Bund
zunächst als
Militärbündnis
gegründet. Seine Verfassung von 1867 machte ihn zum souveränen
Bundesstaat
und bildete die Grundlage für die
kleindeutsche Lösung
129
Deutsches Reich (1871–1945)
Deutsches Kaiserreich (1871–1918)
Hauptartikel
Deutsches Kaiserreich
Die Proklamierung des deutschen Kaiserreiches
1871, Gemälde
Anton von Werners
Im
Deutsch-Französischen Krieg
traten die süddeutschen Staaten dem Norddeutschen Bund bei (1. Januar 1871). Dieser Bund wurde so zum deutschen
Nationalstaat
ohne Österreich und ersten Bundesstaat in Deutschland.
130
129
Am 18. Januar 1871 nahm der preußische König
Wilhelm
I.
in Versailles den
Kaisertitel
an, den er mit der neuen Verfassung erhalten hatte. Dies wurde später als
Reichsgründungstag
gefeiert.
Deutsches Reich
1871–1918, Landkarte
Otto von Bismarck
, seit
1862 preußischer Ministerpräsident
, hatte die Reichsgründung betrieben und wurde erster
Reichskanzler
. Die
Bismarcksche Reichsverfassung
stützte die Macht der konstitutionellen Monarchie, war aber auch auf Modernisierung ausgelegt und ambivalent; Gesetze zur Schule und Zivilehe waren teils liberal. Für den
Reichstag
galt ein
allgemeines Wahlrecht
(für Männer). Gegen die katholische Kirche führte Bismarck den
Kulturkampf
, gegen die
Sozialdemokratie
erließ er ab 1878 die
Sozialistengesetze
und versuchte, die Arbeiter durch eine
Sozialgesetzgebung
an den Staat zu binden. Die
Hochindustrialisierung in Deutschland
sorgte für Wirtschafts- und Bevölkerungswachstum,
Landflucht
und eine breite Steigerung des Lebensstandards; Deutschland stieg zur größten Volkswirtschaft Europas auf.
Berliner Schloss
, Hauptresidenz der deutschen Kaiser
Die
Bündnispolitik Otto von Bismarcks
zielte auf die Isolierung Frankreichs mit Deutschland als halbhegemonialer Macht in der Mitte Europas. Nachdem deutsche Kaufleute und Vereine private Kolonialpolitik betrieben hatten, eignete sich das Reich 1884 afrikanische Gebiete an. Diese
deutschen Kolonien
wurden als „Schutzgebiete“ bezeichnet. Neben Kolonialbegeisterung gab es allerdings auch Skepsis und Ablehnung, zeitweise sogar von Bismarck. Die Gebiete wurden ausgebeutet; einige deutsche Kolonialherren begingen Verbrechen an den Einheimischen, zum Beispiel im
Völkermord an den Herero und Nama
(1904–1908).
Im „
Dreikaiserjahr
“ 1888 wurde
Wilhelm
II.
Deutscher Kaiser und begründete das Zeitalter des militärisch geprägten
Wilhelminismus
. Er forderte für das Deutsche Reich die Anerkennung der bisherigen Großmächte („
Platz an der Sonne
“) und bemühte sich um neue Kolonien und
Flottenaufbau
im
Imperialismus
. Das
Vereinigte Königreich Großbritannien und Irland
schloss allerdings in einem neuen Bündnissystem (
Triple Entente
) statt Frankreich nun Deutschland aus.
Die
Julikrise
von 1914 mündete in den
Ersten Weltkrieg
, einen verlustreichen
Mehrfrontenkrieg
; mehr als zwei Millionen deutsche Soldaten starben, rund 800.000 Zivilisten verhungerten. Auch in anderen Ländern führte der Krieg zu vielen Toten und politischen Umwälzungen.
Weimarer Republik (1919–1933)
Hauptartikel
Weimarer Republik
Deutsches Reich 1919–1937
Mit der
Novemberrevolution
und der
Ausrufung
der
Republik
am 9.
November 1918 endete das
Deutsche Kaiserreich
, das mit seiner Kapitulation die Niederlage im Ersten Weltkrieg einräumte. Nach der Wahl der verfassunggebenden
Nationalversammlung
bei der erstmals Frauen aktiv und passiv
wahlberechtigt
waren
– trat die
Weimarer Verfassung
am 14.
August 1919 in Kraft. Im
Friedensvertrag von Versailles
wurden erhebliche Gebietsabtretungen, die
Alliierte Rheinlandbesetzung
und
Reparationen
auf Grundlage einer festgeschriebenen deutschen
Alleinschuld am Krieg
bestimmt. Die
Freie Stadt Danzig
und das
Memelland
wurden dem
Völkerbund
unterstellt. Diese Ausgangslage belastete das politische Klima; Rechtsextreme verbreiteten die
Dolchstoßlegende
gegen die „
Novemberverbrecher
“, was zu
politischen Morden
und
Putschversuchen
führte (
Kapp-Putsch
1920 und
Hitlerputsch
1923). Auch
kommunistische
Aufstände wie der
Ruhraufstand
1920, die
Märzkämpfe in Mitteldeutschland
1921 und der
Hamburger Aufstand
1923 sorgten für Instabilität. Unzureichende Reparationsleistungen nahmen Belgien und Frankreich zum Anlass für die
Ruhrbesetzung
von 1923 bis 1925.
Philipp Scheidemann
ruft vom
Reichstagsgebäude
am 9.
November 1918 die Republik aus
In den kurzen „
goldenen Zwanzigern
“ blühte die Kultur und ab 1924 auch die
Konjunktur
Berlin
war mit über vier Millionen Einwohnern die drittgrößte und eine der dynamischsten Städte der Welt. Die
Prosperität
endete 1929 mit der
Weltwirtschaftskrise
, auf deren Höhepunkt 1932 es in Deutschland mehr als sechs Millionen
Arbeitslose
gab, die größtenteils in Elend lebten. Radikale Parteien fanden starken Zulauf, sodass es für die gemäßigten Parteien zunehmend schwieriger wurde, stabile Regierungen zu bilden. Nach dem sehr deutlichen Wahlsieg der Nationalsozialisten bei der
Reichstagswahl 1930
verfügten die in rascher Folge wechselnden Reichskanzler über keine parlamentarische Mehrheit mehr; ihre
Präsidialkabinette
waren vom
Reichspräsidenten
Paul von Hindenburg
und dessen
Notverordnungen
abhängig. Die
Deflationspolitik
des Reichskanzlers
Heinrich Brüning
verschärfte die wirtschaftliche Krise. Dessen Nachfolger
Franz von Papen
(Juni–November 1932) unterstellte die demokratische Regierung Preußens einem Reichskommissar (
Preußenschlag
) und ließ Neuwahlen abhalten, bei denen die Nationalsozialisten noch stärker wurden.
Reichskanzler
Kurt von Schleicher
versuchte, eine
Machtübernahme
Adolf Hitlers
durch eine „
Querfront
“ von
Gewerkschaften
und Teilen der Nationalsozialisten zu verhindern; von Papen aber überredete den widerwilligen Hindenburg, Hitler am 30.
Januar 1933 zum Reichskanzler zu ernennen. Am 27.
Februar kam es zum –
bis heute unaufgeklärten
Reichstagsbrand
, den Hitler zur „
Reichstagsbrandverordnung
“ nutzte, mit der auf unbestimmte Zeit die
Grundrechte
außer Kraft gesetzt wurden. Die folgenden Massenverhaftungen politischer Gegner, insbesondere von Kommunisten und Sozialdemokraten, prägten die
Reichstagswahl am 5. März 1933
, bei der die NSDAP die absolute Mehrheit knapp verfehlte und mit der reaktionären
DNVP
weiterregierte. Die endgültige Machtübernahme erfolgte kurz darauf, als der Reichstag mit den Stimmen der bürgerlichen Parteien, allein gegen die Stimmen der
SPD
, das
Ermächtigungsgesetz vom 24. März 1933
verabschiedete und damit Hitlers Regierung auch die
Gesetzgebung
überließ.
Nationalsozialistische Diktatur (1933–1945)
Hauptartikel
NS-Staat
und
Zeit des Nationalsozialismus
Großdeutsches Reich
mit besetzten Gebieten, 1943–1945
Die
NSDAP
errichtete im Deutschen Reich innerhalb einiger Monate einen
totalitären
Einparteienstaat
unter der Führung Adolf Hitlers und der
Gleichschaltung
der Institutionen. Missliebige Personen und politische Gegner, insbesondere Kommunisten, Sozialdemokraten und Gewerkschafter, wurden aus allen Behörden entfernt,
erste Konzentrationslager
, ab 1935 unter Aufsicht der
Inspektion der Konzentrationslager
, wurden errichtet,
Bücher verbrannt
131
und missliebige Kunst als „
entartet
“ diffamiert.
NS-Propaganda
durchdrang auch das Privatleben; bereits auf Kinder wurde Druck ausgeübt, den Parteiorganisationen beizutreten. Im Oktober 1933 verkündete Hitler den Austritt Deutschlands aus dem Völkerbund. Er sicherte seine Herrschaft im Inneren, indem er während der
Röhm-Morde
am 30. Juni 1934 innerparteiliche Gegner und ehemalige Weggefährten ermorden ließ, wobei die SA zugunsten der Hitler bedingungslos ergebenen
SS
entmachtet wurde. Die Generalität der
Reichswehr
legte auf ihn persönlich den
Führereid
ab. Die
Gestapo
wurde als politische Polizei zur Bekämpfung der politischen und ideologischen Gegner eingesetzt.
Von Beginn an hatte Hitler zwei Ziele, einen Angriffs- und
Vernichtungskrieg
zur Schaffung von „
Lebensraum im Osten
“ und die
Verfolgung der Juden
, die mit Diskriminierung, Demütigung und Ausgrenzung begann und als „
Endlösung der Judenfrage
“ im
Holocaust
endete. 1934 begann die
Aufrüstung der Wehrmacht
. Eine expansive Geldpolitik und Schuldenwirtschaft waren auf baldige Kriegsführung ausgerichtet. Mit dem
Reinhardt-Programm
wurde die
Arbeitslosigkeit
gesenkt; dies wurde von der Bevölkerung als Einlösung wirtschaftlicher Versprechen begrüßt. Die
deutschen Juden
wurden immer schlechter gestellt; die
Nürnberger Gesetze
1935 bestraften Beziehungen zwischen „
Ariern
“ und Juden als „
Rassenschande
“ schwer. Juden verloren alle öffentlichen Ämter, wurden willkürlich verfolgt, bestohlen und erpresst und schließlich mit einem völligen Berufsverbot belegt, jüdisches Vermögen
arisiert
(→
Verfahren um jüdische Vermögen bei Schweizer Banken
). Immer häufiger wurden auch Juden in Konzentrationslager eingewiesen. Viele fassten den Entschluss zur
Emigration
, die meisten aber blieben in Deutschland.
Foto vom Torhaus
des
Vernich
tungs
lagers Auschwitz-Birkenau
, Ansicht von innen, 1945 (Aufnahme:
Stanisław Mucha
Zerstörtes
Köln
am Ende des
Bombenkrieges
, April 1945
Die rassistische NS-Ideologie zur Schaffung einer „gesunden“ „
Volksgemeinschaft
“ (vgl.
Herrenrasse
) richtete sich gegen zwei weitere Gruppen,
Roma
und Slawen, als „
Untermenschen
“. Nicht als „
fremdrassig
“, aber als die
„Gesundheit“ des „Volkskörpers“
bedrohend angesehen, wurden auch
Homosexuelle
Behinderte
und „
Asoziale
“ vom Regime drangsaliert und ermordet. Zugleich feierte das Regime
Propaganda
erfolge; 1936 verbesserten die
Olympischen Spiele
das Ansehen im Ausland, das entmilitarisierte
Rheinland
wurde
besetzt
. Die Expansion begann mit dem erzwungenen
Anschluss Österreichs
im März 1938, worauf Deutschland als
Großdeutsches Reich
bezeichnet wurde. Das
Münchner Abkommen
im Oktober 1938 besiegelte die Annexion des
Sudetenlandes
. Mit der
Zerschlagung
der
Tschecho-Slowakischen Republik
im März 1939 brach Hitler sein Versprechen, das Sudetenland sei seine letzte territoriale Forderung. Damit wurde klar, dass die
Appeasement-Politik
der Westmächte gegenüber Deutschland ein Fehler gewesen war.
Nachdem das Deutsche Reich am 1. September 1939 den
Überfall auf Polen
begonnen hatte, erklärten
Großbritannien
Kanada
Australien
Indien
Neuseeland
Südafrika
und
Frankreich
Deutschland den Krieg. Der
Zweite Weltkrieg
forderte in sechs Jahren etwa 55 bis 60 Millionen Tote. Deutschland gelangen zunächst einige als „
Blitzkrieg
“ bezeichnete militärische Erfolge.
Polen
wurde im
Nichtangriffspakt
zwischen Hitler und
Stalin
aufgeteilt, die
Wehrmacht
warf anschließend ihre Armeen nach Westen, überfiel in der „
Weserübung
“ Dänemark und Norwegen und im „
Westfeldzug
“ die neutralen Staaten Luxemburg, Belgien und die Niederlande und besetzte 1940 innerhalb von sechs Wochen große Teile Frankreichs. Hitlers Popularität erreichte ihren Höhepunkt.
Noch vor Kriegsbeginn verschärfte das Dritte Reich die Judenverfolgung. Im Laufe des Jahres 1938 wurden deutsche Juden aus dem Wirtschaftsleben ausgeschaltet und mittels verschiedener Verordnungen um ihr Vermögen gebracht.
132
Am 9. November 1938 wurden im Zuge der
Novemberpogrome
jüdische Geschäfte und Synagogen verwüstet. 1941 wurde die Ausreise von Juden verboten. Seither mussten sie den „
Judenstern
“ tragen, und im gesamten deutschen Machtbereich begann ihre
systematische Ermordung
. Viele starben wegen unzureichender Versorgung und Seuchen bei der
Zwangsarbeit
. Die mit der Ausführung vor allem beauftragte SS errichtete auf ehemals polnischem oder sowjetischem Gebiet
Vernichtungslager
, in denen die meisten Opfer, in
Viehwaggons
herangebracht, sofort vergast wurden (siehe
Aktion Reinhardt
). Allein in den
Gaskammern und Krematorien der Konzentrationslager Auschwitz
wurden über eine Million Menschen ermordet. Insgesamt beläuft sich die Zahl der ermordeten Juden auf mindestens sechs Millionen.
133
Mit dem
Unternehmen Barbarossa
begann am 22. Juni 1941 der
Russlandfeldzug (1941–1945)
. Das deutsche Heer marschierte auf die
sowjetische Hauptstadt
vor und wurde in der
Schlacht um Moskau
im Dezember 1941 gestoppt. Nachdem das kriegsverbündete
Kaiserreich Japan
(→
Achsenmächte
) im selben Monat die amerikanische Marine im
Angriff auf Pearl Harbor
überfallen hatte, erklärte Deutschland auch den
Vereinigten Staaten von Amerika
den Krieg. Mangelnde Ressourcen und die Übermacht des Gegners ließen bald die Kriegswende eintreten, die sich in der verlorenen
Schlacht von Stalingrad
mit der völligen Aufreibung der
deutschen 6.
Armee
manifestierte. Je unvermeidlicher die Niederlage wurde, desto härter wurde die Politik nach innen geführt. In seiner
Sportpalastrede
vom 18. Februar 1943 proklamierte
Joseph Goebbels
den „
totalen Krieg
“, während die deutschen Armeen an fast allen Fronten zurückwichen und zahlreiche deutsche Städte durch den
Bombenkrieg
zerstört wurden. Zwei Tage vor der Eroberung der deutschen Hauptstadt durch die
Rote Armee
in der
Schlacht um Berlin
nahm sich Hitler am 30.
April 1945 im
Führerbunker
das Leben. Die
bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht
folgte am 8.
Mai.
Deutschland unter alliierter Besatzung (1945–1949)
Hauptartikel
Deutschland 1945 bis 1949
und
Besatzungszone
Am 23.
Mai 1945 verhaftete die britische Armee die
letzte Reichsregierung
unter
Karl Dönitz
im
Sonderbereich Mürwik
bei
Flensburg
. Überlebende politische, militärische und wirtschaftliche Hauptverantwortliche wurden ab November 1945 wegen ihrer individuellen Verantwortung für
Kriegsverbrechen
und
Verbrechen gegen die Menschlichkeit
in den
Nürnberger Prozessen
angeklagt.
Die vier Besatzungszonen gemäß
Potsdamer Abkommen
, das
Saarprotektorat
und die unter polnische und sowjetische
Verwaltung
gestellten
Ostgebiete
Die Teilnehmer der
Potsdamer Konferenz
, 1945
Deutschland wurde in den
Grenzen vom 31. Dezember 1937
aufgeteilt; am 5. Juni 1945 legten die
vier Siegermächte
– USA, UdSSR, Großbritannien und
schließlich auch Frankreich
– Besatzungszonen fest und übten sodann westlich der
Oder-Neiße-Linie
die
Hoheitsgewalt
in ihrer jeweiligen Zone und gemeinsam mittels einer
Alliierten Kommandantur
über
Groß-Berlin
aus. Die
deutschen Ostgebiete
, ein Viertel der Reichsfläche, bewohnt von einem Fünftel der Reichsbevölkerung, waren bereits vor Kriegsende nach ihrer Eroberung durch die
Rote Armee
der Verwaltung der
Volksrepublik Polen
und im nördlichen
Ostpreußen
jener der
Sowjetunion
unterstellt worden (
Oblast Kaliningrad
). Auf Betreiben Stalins billigten die Westmächte dies im
Potsdamer Abkommen
wie auch die begonnene
Vertreibung der Deutschen aus Mittel- und Osteuropa
. Die
Republik Österreich
wurde in den Grenzen von 1938 wiederhergestellt und ebenfalls in vier
Besatzungszonen aufgeteilt
. 1946/1947 wurde das
Saarland
aus dem Besatzungsgebiet ausgegliedert und unter direkte französische Verwaltung gestellt.
Die Vier Mächte bemühten sich anfangs noch um eine gemeinsame Besatzungspolitik. Einig war man sich über eine
Demilitarisierung
Entnazifizierung
und
Zerschlagung der Kartelle
; schon bei der Frage, was unter
Demokratie
zu verstehen sei, zeigten sich Differenzen zwischen der Sowjetunion und den Westmächten, die sich im beginnenden
Kalten Krieg
verschärften. In den drei Westzonen stellten die Westalliierten die für den Wiederaufbau bedeutende
Montanindustrie
unter das
Ruhrstatut
. Mit der
Währungsreform
im Juni 1948 und der zeitgleichen Aufhebung der Preisbindung und Bewirtschaftung setzte der
Wirtschaftsdirektor der Westzonen
Ludwig Erhard
eine vor allem psychologisch bedeutsame wirtschaftliche Zäsur; mit der wenige Tage später folgenden Währungsreform in der
sowjetisch besetzten Zone Deutschlands
und der
Berlin-Blockade
durch die UdSSR vertiefte sich die Trennung zwischen Ost und West.
Bundesrepublik Deutschland und DDR (1949–1990)
Hauptartikel
Deutsche Teilung
Geschichte der Bundesrepublik Deutschland (bis 1990)
und
Geschichte der Deutschen Demokratischen Republik
Deutschland entsprechend der ab 1958 von der Sowjetunion und der DDR vertretenen
Drei-Staaten-Theorie
, die sich nicht durchgesetzt hat: Bundesrepublik, West-Berlin und DDR
Die Bundesrepublik Deutschland wurde am 23.
Mai 1949 in den drei westlichen Besatzungszonen gegründet und das
Grundgesetz
als provisorische Verfassung in Kraft gesetzt, dessen Präambel für eine Übergangszeit ein
Wiedervereinigungsgebot
enthielt; Bonn wurde Regierungssitz. In der
sowjetischen Besatzungszone
wurde viereinhalb Monate später die Deutsche Demokratische Republik gegründet. Beide Teilstaaten sahen sich jeweils in der Kontinuität eines
gesamtdeutschen
Staates und
erkannten den jeweils anderen nicht an
134
Beide blieben unter
Kontrolle der Besatzungsmächte
. Mit der Integration in die entgegengesetzten Militärbündnisse von
NATO
und
Warschauer Pakt
erhielten sie 1955 ihre formale Unabhängigkeit (siehe
Pariser Verträge
Souveränitätserklärung der UdSSR für die DDR
). Voraussetzung dafür war, dass im Juli 1951 die drei Westmächte die formelle Beendigung des Kriegszustandes mit Deutschland beschlossen; die Sowjetunion erklärte dies erst im Januar 1955, worauf weitere Staaten im östlichen Europa folgten.
135
Den Alliierten verblieben die Verantwortung für
Deutschland als Ganzes
und ihre Rechte in Berlin.
Während in der DDR eine staatlich gelenkte
Planwirtschaft
aufgebaut wurde, entschied sich die Bundesrepublik für die sogenannte
soziale Marktwirtschaft
mit geringem staatlichem Einfluss. Die sowjetische
Besatzungsmacht
sorgte mit hohen Reparationsforderungen (vor allem
Demontagen
) für schwierige Startbedingungen auf dem Gebiet der DDR, während in der Bundesrepublik mit ausländischer Hilfe (
Marshallplan
) ein „
Wirtschaftswunder
“ einsetzte, das zu anhaltend hohen Wachstumsraten, Vollbeschäftigung und Wohlstand führte.
Im Westen orientierte man sich beim
Neu- und Wiederaufbau der Städte
an der
Charta von Athen (CIAM)
von 1933, während im Osten die nach sowjetischem Vorbild entwickelten
16 Grundsätze des Städtebaus
verbindlich wurden. Im Ergebnis folgte der Wiederaufbau in beiden deutschen Staaten dennoch dem Leitbild der
autogerechten Stadt
Wohnen
und
Gewerbe
wurden damit häufig voneinander getrennt. Fortan wurden auch zahlreiche
suburbane
Satellitenstädte
(„Schlafstädte“) geplant. Diese Art der Stadtentwicklung wurde bereits früh als verfehlt erkannt.
136
Die
Berliner Mauer
am Bethaniendamm in
Berlin-Kreuzberg
(West-Berlin), 1986
Bornholmer Straße in West-Berlin am 10. November 1989. Einen Tag nach dem
Fall der Mauer
bereitet ein Spalier Besuchern aus der DDR einen ersten Empfang.
Der
Eiserne Vorhang
durch Mitteleuropa teilte auch Deutschland; die andauernde
Flucht in die Bundesrepublik
ließ die DDR die
innerdeutsche Grenze
zunehmend abriegeln, bis sie 1961 unter dem langjährigen SED-Generalsekretär
Walter Ulbricht
durch den Bau der
Berliner Mauer
vollständig geschlossen wurde, was selbst familiäre Kontakte zwischen West- und Ostdeutschland stark erschwerte. Wer die Flucht aus der DDR trotzdem versuchte,
handelte ungesetzlich
und wurde gewaltsam aufgehalten (siehe
Schießbefehl
, Grenz- und
Mauertote
).
Außenpolitisch setzte der langjährige Bundeskanzler
Konrad Adenauer
für die
teilsouveräne
Bundesrepublik die
Westintegration
und die Beteiligung am wirtschaftlichen Zusammenschluss Westeuropas durch, der mit der
Montanunion
1952 begann. Der
Élysée-Vertrag
von 1963 begründete die
deutsch-französische Freundschaft
als Motor der
europäischen Integration
. Die DDR wurde im September 1950 Vollmitglied im östlichen
Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe
(RGW).
Im Innern der DDR setzte die
marxistisch-leninistische
Sozialistische Einheitspartei Deutschlands
(SED) ihre führende Rolle bei der Verwirklichung des
Sozialismus
1968 (u.
a. mit Hilfe von
Massenorganisationen
wie der
FDJ
) auch
verfassungsrechtlich
durch;
freie Wahlen
gab es nicht, der
Aufstand vom 17. Juni 1953
wurde niedergeschlagen. Abweichende Meinungen wurden durch
Zensur
und die umfassende Überwachung der Geheimpolizei
Staatssicherheit
verfolgt; dagegen bildete sich Protest in einer
Dissidenten- und Bürgerrechtlerbewegung
, die sich durch die
Ausbürgerung Wolf Biermanns
1976 radikalisierte. In der sich durch
Westernisierung
liberalisierenden Bundesrepublik verstärkten sich Forderungen nach einem gesellschaftlichen Wandel und nach
Vergangenheitsbewältigung
, da die NS-Eliten weitgehend unbehelligt geblieben waren – insbesondere durch die
westdeutsche Studentenbewegung der 1960er-Jahre
. Gegen die 1966 gebildete
Große Koalition
mit ihren
Notstandsgesetzen
entstand eine
außerparlamentarische Opposition
. Die
sozialliberale Koalition
unter
Willy Brandt
baute ab 1969 den Sozialstaat und gesellschaftliche Freiheiten aus; die auf
Entspannung
mit Osteuropa zielende „
Neue Ostpolitik
“ brachte Brandt 1971 den
Friedensnobelpreis
und Kritik von konservativer Seite ein.
Im Jahr 1973 wurden Bundesrepublik und DDR
Mitgliedstaaten der UNO
. Die Planwirtschaft der DDR hatte neben zunehmenden Versorgungsproblemen (
Mangelwirtschaft
) mit der demographischen Entwicklung zu kämpfen, der der von 1971 bis 1989 regierende
Erich Honecker
durch massive Familienförderung begegnete. Die
Frauen- und Familienpolitik der DDR
gilt ebenso wie die erreichte soziale Gleichheit und Sicherheit als teilweise erfolgreich. Die 1970er-Jahre waren in der Bundesrepublik durch steigende Verschuldung und Arbeitslosigkeit nach der
Ölkrise
und dem Terror der linksradikalen
Rote Armee Fraktion
geprägt. Bundeskanzler
Helmut Schmidt
(SPD) verlor wegen seiner Unterstützung des
NATO-Doppelbeschlusses
– angegriffen von der Friedensbewegung, Teil der entstehenden
Neuen Sozialen Bewegungen
– den Rückhalt in seiner Partei und wurde 1982 von
Helmut Kohl
(CDU) abgelöst, der 1989 die Chance zur Wiedervereinigung Deutschlands ergriff.
Die Unzufriedenheit der DDR-Bevölkerung war im ständigen, durch das
Westfernsehen
unterstützten Systemvergleich angewachsen. Ende der 1980er-Jahre bildete sich mit der
Reformpolitik
Michail Gorbatschows
in der Sowjetunion auch in der DDR eine Protestbewegung, die in der
maroden DDR
im Herbst 1989 durch eine Ausreisebewegung über den löchrig gewordenen Eisernen Vorgang und durch
Massendemonstrationen
die politische Führung unter Druck setzte („
Wir sind das Volk
“) und zum Rücktritt Honeckers führte. Am 9.
November 1989 führte die Gewährung der
Reisefreiheit
durch die DDR-Führung zu einem Massenansturm und zur Öffnung der Grenzübertrittsstellen der
Berliner Mauer
. Kohl lenkte die Entwicklung ab seinem
Zehn-Punkte-Programm
Ende November in Richtung nationaler Einheit („
Wir sind ein Volk
“) unter Erhaltung der militärischen und politischen Westbindung. Bei der ersten freien
Volkskammerwahl vom 18. März 1990
gewann das von der
Ost-CDU
geführte Parteienbündnis „Allianz für Deutschland“, das auf eine schnelle Wiedervereinigung setzte. Diese wurde in den nächsten Monaten im
Einigungsvertrag
und mit den Vertretern der Alliierten im Rahmen der „
Zwei-plus-Vier-Gespräche
“ ausgehandelt.
Wiedervereinigtes Deutschland (seit 1990)
Hauptartikel
Geschichte Deutschlands seit 1990
Deutschlands Außengrenzen seit der Wiedervereinigung 1990; die innerstaatlichen Grenzen zeigen den Stand nach dem 29. Juni 1993
Die
deutsche Wiedervereinigung
wurde am 3. Oktober 1990 mit dem Beitritt der DDR zur Bundesrepublik Deutschland vollzogen; dieser
Tag der Deutschen Einheit
wurde
Nationalfeiertag
. Der 1991 in Kraft getretene
Zwei-plus-Vier-Vertrag
regelte die
deutsche Frage
abschließend: Die
Vier Mächte
gaben ihre Hoheitsbefugnisse auf, bis Ende 1994 verließen ihre Truppen das Land, das wiedervereinigte Deutschland erhielt seine volle staatliche
Souveränität
. Es verpflichtete sich zur Abrüstung auf maximal 370.000 Soldaten. Mit dem am 14.
November 1990 in Warschau unterzeichneten
deutsch-polnischen Grenzvertrag
erkannte Deutschland die
Oder-Neiße-Grenze
an; das Territorium östlich davon wurde damit völkerrechtlich endgültig polnisch. Das wurde durch eine Politik der Aussöhnung mit den östlichen Nachbarn ergänzt, zuerst
1991 mit Polen
, dann
1997 mit Tschechien
. Außenpolitisch setzte sich die Bundesregierung unter Bundeskanzler Kohl für eine
vertiefte Integration
mit Bildung der
Europäischen Union
, der anschließenden
EU-Osterweiterung
und der
Euro
-Einführung ein.
Sozioökonomische Daten der 1990er-Jahre: Starker Bevölkerungsverlust und Massenarbeitslosigkeit in den
neuen Bundesländern
Der Bundestag machte 1991
Berlin zur Hauptstadt
, in die Regierung und Parlament 1999 zogen (siehe
Reichstagsgebäude
und
Regierungsviertel
). Nach kurzem Wiedervereinigungsboom waren die 1990er-Jahre von wirtschaftlicher Stagnation, Massenarbeitslosigkeit und „
Reformstau
“ geprägt. Insbesondere die
neuen Länder
entwickelten sich nach der Einführung der
Marktwirtschaft
nicht so schnell wie erhofft („
blühende Landschaften
“). Von 1991 bis 1993 kam es zu einer
Welle von Ausschreitungen gegen Asylbewerber
. Erst in den 2000er-Jahren stabilisierten sich die neuen Länder sozial und wirtschaftlich.
Bei der
Bundestagswahl 1998
verlor Kohls
schwarz-gelbe Koalition
ihre Bundestagsmehrheit, die bisherigen Oppositionsparteien SPD und
Bündnis 90/Die Grünen
bildeten die erste
rot-grüne Koalition
unter Bundeskanzler
Gerhard Schröder
(SPD), die tiefgreifende Veränderungen in der Sozial-, Renten- und Gesundheitspolitik durchsetzte. Ökologie erhielt stärkeres Gewicht, etwa mit dem Beginn des
Atomausstiegs
. Zu den gesellschaftspolitischen Liberalisierungen zählten das
Lebenspartnerschaftsgesetz
und ein neues
Staatsbürgerschaftsrecht
. Der erste Kampfeinsatz deutscher Soldaten seit dem Zweiten Weltkrieg
– 1999 im
Kosovokrieg
– markierte einen Wendepunkt der Außenpolitik. Nach den
Terroranschlägen vom 11. September 2001
sicherte Schröder den Vereinigten Staaten die „uneingeschränkte Solidarität“ zu; Deutschland nahm am
Krieg in Afghanistan
teil, aber nicht am
Irakkrieg
, was den „Friedenskanzler“ Schröder populär machte.
Die zweite Amtszeit Schröders ab 2002 war von der
Agenda 2010
und damit verbunden den Arbeitsmarktreformen des
Hartz-Konzepts
geprägt. Sozialleistungen für Arbeitslose wurden reduziert und an individuelle Fördermaßnahmen gekoppelt, was von Betroffenen als ungerecht empfunden wurde. Dies führte zu
deutschlandweiten Protesten
und indirekt zu einer vorgezogenen
Bundestagswahl 2005
, worauf
Angela Merkel
(CDU) als erste Bundeskanzlerin Deutschlands an die Regierung kam. Ihre
große Koalition
war mit dem Zusammenbruch von Banken während der
Weltfinanzkrise
und der folgenden
Großen Rezession
konfrontiert. Nach deren Überwindung erlebte Deutschland einen andauernden Wirtschaftsboom und einen nachhaltigen Rückgang der Arbeitslosigkeit.
Eurokrise
(ab 2010) und
Flüchtlingskrise in Europa ab 2015
stellen seitdem die wichtigsten Herausforderungen der Politik dar, deren Bewältigung der Wirtschaftsboom wesentlich erleichtert. Beide Ereignisse führten jedoch auch zu erheblichen gesellschaftlichen Zerwürfnissen und zu einem Erstarken
EU-skeptischer
und islamfeindlicher Bewegungen (
Pegida
Alternative für Deutschland
). Mit der
Legalisierung gleichgeschlechtlicher Ehen
, der standesamtlichen Einführung eines
dritten Geschlechts
und der Einstellung der
Einberufung zum Wehrdienst
in der Bundeswehr strebte Deutschland in den 2010er-Jahren nach weitergehender Liberalisierung seiner Gesellschaft.
Angela Merkel beendete die letzte ihrer vier Amtszeiten während der
COVID-19-Pandemie
, auf die Deutschland mit vorübergehenden Einschränkungen des wirtschaftlichen, kulturellen und öffentlichen Lebens reagierte und ihre Bekämpfung mit nationalen Impfprogrammen, unter anderem mit dem neuartigen, in Deutschland entwickelten
mRNA-Impfstoff
Tozinameran
, begann. Die überwiegende Mehrheit der Deutschen trug die
Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie
mit. Jedoch wurden einerseits soziale und wirtschaftliche Verwerfungen innerhalb der deutschen Gesellschaft, des deutschen Gesundheitssystems sowie technologische Rückstände Deutschlands im Vergleich zu anderen westlichen Ländern durch die Pandemie offenkundig. Andererseits mobilisierten Protestbewegungen gegen die Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie und sprachen dabei gezielt
Ängste in der Bevölkerung in Bezug auf Impfungen
an. Nach der
Bundestagswahl 2021
wurde Merkel von
Olaf Scholz
(SPD) und die bis dahin in Koalitionen regierende CDU von einer
rot-grün-gelben Koalition
Ampelkoalition
) abgelöst. Mit ihr setzten sich die
digitale Transformation
Deutschlands sowie die wegen des
Klimawandels
begonnene
Verkehrs-
und
Energiewende
hin zu nachhaltigen Energieträgern fort.
Der
russische Überfall auf die Ukraine 2022
führte zu umfassenden
Wirtschaftssanktionen des Westens gegen Russland
, an denen sich auch Deutschland beteiligte. Unter anderem stoppte Deutschland die Inbetriebnahme der Gaspipeline
Nord Stream 2
, die zusammen mit der ersten
Nord-Stream
-Pipeline im September 2022 durch einen
Anschlag
teilweise zerstört wurde. Die deutsche Wirtschaft, die sich von russischem Gas abhängig gemacht hatte, musste vorübergehend eine starke Teuerung im Energiesektor hinnehmen. Deutschland unterstützte die
Ukraine finanziell und mit der Lieferung von Rüstungsgütern
im Wert von mehreren Milliarden Euro sowie im Rahmen der
European Union Military Assistance Mission Ukraine
durch die militärische Fort- und Ausbildung ukrainischer Soldaten in Deutschland. Mehr als eine Million ukrainische Kriegsflüchtlinge suchten in Deutschland Schutz. Die
Ukrainer in Deutschland
wurden dadurch mit insgesamt rund 1,2 Millionen Einwohnern (Stand Ende 2023) die
zweitgrößte ausländische Bevölkerungsgruppe
, nach den
Türken in Deutschland
(siehe Tabelle im Abschnitt
Demografie
).
137
Die veränderte Sicherheitslage in Europa führte zu einem verstärkten Engagement Deutschlands an der NATO-Ostgrenze, unter anderem in
Litauen
, wo die
Panzerbrigade 45
stationiert wird. Ebenfalls plante
Verteidigungsminister
Boris Pistorius
im Sommer 2024, dass junge Männer in Zukunft über ihre Bereitschaft zum Dienst an der Waffe Auskunft geben müssen.
138
Durch den Bruch der Ampelkoalition kam eine Abstimmung über dieses Vorhaben nicht mehr zustande, Pistorius’ Vorhaben trat als
Neuer Wehrdienst
erst 2026 in Kraft und betrifft alle Männer ab Geburtsjahrgang 2008.
139
Die
erste Koalition
aus
SPD
Bündnis 90/Die Grünen
und
FDP
in der 24. deutschen Bundesregierung
endete vorzeitig
nach 3
Jahren und 15 Tagen, als am 6. November 2024 Bundeskanzler Olaf Scholz nach einer langen Reihe von Konflikten zwischen den Koalitionspartnern dem Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier vorschlug,
Finanzminister
Christian Lindner
zu entlassen. In der Folge traten auch die anderen Bundesminister aus der FDP, mit Ausnahme von
Volker Wissing
, zurück. Scholz schmähte die Arbeit Christian Lindners öffentlich und dessen FDP wurde von den Koalitionspartnern und der öffentlichen Meinung überwiegend als Hauptverantwortlicher für den Koalitionsbruch benannt.
140
141
Planungen der FDP, das Ende der Koalition vorzeitig herbeizuführen, soll es laut einer Berichterstattung von
Die Zeit
schon im September 2024 gegeben haben. Scholz fragte am 16. Dezember 2024 den Bundestag, ob dieser ihm noch
vertraue
, und verlor die Abstimmung wie von ihm geplant, damit
vorgezogene Neuwahlen
abgehalten werden können. Am 27. Dezember 2024 verkündete Bundespräsident Steinmeier die Auflösung des Bundestags und setzte den Wahltermin auf den 23. Februar 2025 fest. Bei dieser Wahl erlitten die bisherigen Regierungsparteien SPD, Grüne und FDP Stimmenverluste. In der Folge wurde erneut eine
schwarz-rote Koalition
gebildet.
Am 6. Mai 2025 wurde
Friedrich Merz
zum zehnten Bundeskanzler Deutschlands gewählt. Er ist der erste deutsche Bundeskanzler, der nicht im ersten Wahlgang gewählt wurde. Der andauernde Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine sowie die
zweite Amtszeit Donald Trumps
als Präsident der USA lösten nachhaltige geopolitische Umwälzungen aus. Der US-Präsident einigte sich mit EU-Kommissionschefin
Ursula von der Leyen
auf zum Teil höhere
Zölle
, die deutsche Exporte gefährdeten,
142
und stellte wiederholt die Beistandsbereitschaft der Vereinigten Staaten in einem NATO-Bündnisfall infrage.
143
Um diesen Herausforderungen zu begegnen, plante die neue Bundesregierung, deutlich mehr
Schulden
aufzunehmen, als es das Grundgesetz zu dieser Zeit erlaubt hätte. Infolgedessen lockerte die Koalition aus CDU/CSU und SPD mit Unterstützung der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen die im Grundgesetz verankerte
Schuldenbremse
. Dies geschah nach der
Bundestagswahl 2025
, jedoch noch vor der konstituierenden Sitzung, also mit den Stimmverhältnissen des
20. Bundestags
. Sowohl die Vorgehensweise als auch die inhaltlichen Änderungen wurden kontrovers in deutschen Medien diskutiert.
144
145
Politik
Hauptartikel
Föderalismus in Deutschland
und
Rechtslage Deutschlands nach 1945
Staatsgründung
Reichstagsgebäude
in
Berlin
, Sitz des
Deutschen Bundestages
; davor die
Fahne der Einheit
, die seit dem
3. Oktober 1990
ununterbrochen weht
Die Bundesrepublik Deutschland ist als
Staat
und
Völkerrechtssubjekt
nach
herrschender Lehre
und
ständiger Rechtsprechung
des
Bundesverfassungsgerichts
identisch mit dem
Deutschen Reich
und seinem Vorläufer, dem
Norddeutschen Bund
, und steht damit seit 1867 in einer staatlichen Kontinuität (siehe
Rechtslage Deutschlands nach 1945
). Die
historisch verschiedenen Verfassungen
geben Auskunft über das Selbstverständnis des jeweiligen Staates. Nachdem Deutschland 1945 von den Vier Mächten, den Siegermächten des Zweiten Weltkriegs, besetzt worden war, wurde das
Grundgesetz
der in
Westdeutschland
entstandenen Bundesrepublik am 23.
Mai 1949 verkündet und zum Folgetag in Kraft gesetzt. Es war durch die
deutsche Teilung
und bis 1955 durch das
Besatzungsstatut
in seinem Geltungsbereich beschränkt. Im östlichen Teil Deutschlands wurde am 7.
Oktober 1949 die DDR als eigener Staat gegründet und erhielt eine
Verfassung
, die 1968 ersetzt und 1974 revidiert wurde. Den provisorischen Charakter verlor das Grundgesetz mit der
Wiedervereinigung
, indem die DDR seinem Geltungsbereich zum 3. Oktober 1990 beitrat. Mit dem Ende der
Viermächteverantwortung
erlangte das vereinte Deutschland volle Souveränität.
Staatsgebiet
Das
Staatsgebiet
Deutschlands ergibt sich aus der Gesamtheit der Staatsgebiete seiner Länder. Das
Hoheitsgebiet
wurde zweimal durch Beitritt nach
Artikel 23 Satz 2 Grundgesetz alter Fassung
erweitert: 1957 um das
Saarland
, 1990 um das
Beitrittsgebiet
der DDR sowie Berlins (
Ostteil Berlins
und
West-Staaken
).
146
Nicht zum Staatsgebiet gehört die
ausschließliche Wirtschaftszone
in Nord- und Ostsee. Der Verlauf der Staatsgrenze ist heute bis auf Teile des
Bodensees
festgelegt.
Das einzige in Deutschland existierende
Kondominium
ist das
gemeinschaftliche deutsch-luxemburgische Hoheitsgebiet
, welches die Flüsse
Mosel
Sauer
und
Our
an der Grenze zwischen dem Großherzogtum
Luxemburg
und der Bundesrepublik Deutschland (mit den Ländern
Rheinland-Pfalz
und
Saarland
) bilden.
147
Es geht zurück auf die
Wiener Kongressakte
vom 9. Juni 1815, deren Regelungen im Jahr 1984 in einem Grenzvertrag bestätigt wurden.
148
Das Gebiet ist jeweils das einzige
gemeindefreie Gebiet
der Länder Rheinland-Pfalz und Saarland.
Fortdauernd umstritten ist die
Deutsch-Niederländische Grenzfrage
im Bereich des
Ems
Dollart
-Gebiets (→
Ems Dollart Region
), weil beide Nachbarstaaten ihre unvereinbaren Rechtsstandpunkte zum Grenzverlauf aufrechterhalten.
149
Innerhalb Deutschlands ist der Verlauf der Ländergrenzen zwischen
Schleswig-Holstein
Niedersachsen
und eventuell
Hamburg
im Bereich der
Unterelbe
nicht abschließend geklärt worden. Für diesen Bereich haben die Länder durch
Verwaltungsabkommen
und
Staatsverträge
Verwaltungs- und Gerichtszuständigkeiten geregelt, die
Gebietshoheit
ist damit aber nicht geklärt.
150
Nicht restlos geklärt ist auch die Auseinandersetzung der Länder
Baden-Württemberg
und
Hessen
um die staatsrechtliche Zugehörigkeit der in Baden-Württemberg eingegliederten Gemeinde
Bad Wimpfen
Exklavische
Teile des deutschen Staatsgebietes sind das baden-württembergische
Büsingen am Hochrhein
, das von der Schweiz umschlossen wird und zum
Schweizer Zollgebiet
gehört, sowie einige kleine nordrhein-westfälische Gebiete, die durch die wenige Meter breite belgische
Vennbahn
-Trasse vom Hauptgebiet Deutschlands abgetrennt sind.
Politisches System
Hauptartikel
Politisches System der Bundesrepublik Deutschland
Politisches System der Bundesrepublik Deutschland
Das Grundgesetz (GG) ist die
Verfassung
der Bundesrepublik Deutschland.
Staatsoberhaupt
ist der
Bundespräsident
mit vor allem repräsentativen Aufgaben. Er wird von der
Bundesversammlung
gewählt.
Im protokollarischen Rang
folgen ihm der
Präsident des Deutschen Bundestages
, der
Bundeskanzler
, der jeweils amtierende
Präsident des Bundesrates
, der den Bundespräsidenten vertritt, und der
Präsident des Bundesverfassungsgerichts
Sitz
des
Verfassungsorgans
Bundesregierung
ist die
Bundeshauptstadt
Berlin (
Abs.
Berlin/Bonn-Gesetz
).
Artikel
20 GG
legt – durch die
Ewigkeitsklausel
gesichert – fest, dass Deutschland als
demokratischer
sozialer
Rechtsstaat
und
föderativ
organisiert
sein muss. Das
Regierungssystem
ist eine
parlamentarische Demokratie
. Die Bundesstaatlichkeit ist in zwei
Ebenen
im
politischen System
gegliedert: die
Bundesebene
, die den Gesamtstaat Deutschland nach außen vertritt, und die Länderebene, die in jedem der 16
Bundesländer
existiert. Jede Ebene besitzt eigene
Staatsorgane
der
Exekutive
(ausführende Gewalt),
Legislative
(gesetzgebende Gewalt) und
Judikative
(rechtsprechende Gewalt). Die Länder wiederum bestimmen die Ordnung ihrer Städte und Gemeinden; beispielsweise sind fünf Länder in insgesamt 22
Regierungsbezirke
untergliedert. Die Länder haben sich eigene
Verfassungen
gegeben; ihnen kommt grundsätzlich Staatsqualität zu, sie sind jedoch beschränkte Völkerrechtssubjekte, die nur mit Einwilligung der Bundesregierung eigene Verträge mit anderen Staaten eingehen dürfen (
Art.
32
Abs.
3,
Art.
24
Abs.
1 GG). Die Bundesrepublik kann als die
staatsrechtliche
Verbindung ihrer Bundesländer angesehen werden und erhält erst dadurch Staatscharakter, ist also
Bundesstaat im eigentlichen Sinne
(siehe auch
Föderalismus in Deutschland
).
Siehe auch
freiheitliche demokratische Grundordnung
Vertikale Staatsstruktur Deutschlands
Legislative
Gesetzgebungsorgane
des Bundes sind der
Deutsche Bundestag
, der
Bundesrat
und im
Verteidigungsfall
unter weiteren Voraussetzungen der
Gemeinsame Ausschuss
. Bundesgesetze werden vom Bundestag mit
einfacher Mehrheit
beschlossen. Sie werden wirksam, wenn der Bundesrat keinen
Einspruch
eingelegt oder
zugestimmt
hat (
Art.
77
GG). Eine
Änderung des Grundgesetzes
ist nur mit der
Zweidrittelmehrheit
der Mitglieder des Bundestages und des Bundesrates möglich (
Art.
79
Abs.
2 GG). In den Bundesländern entscheiden die
Landesparlamente
über die Gesetze ihres Landes. Obwohl die Abgeordneten nach dem Grundgesetz
nicht weisungsgebunden
sind (
Art.
38
GG), dominieren in der Praxis der
Gesetzgebung
Vorentscheidungen in den
Parteien
, die an der politischen Willensbildung mitwirken (
Art.
21
GG).
Bundespräsident
Frank-Walter Steinmeier
Bundeskanzler
Friedrich Merz
Die
Zuständigkeit
zur Gesetzgebung liegt bei den Bundesländern, wenn nicht eine Gesetzgebungsbefugnis des Bundes besteht (
Art.
70
bis 72 GG) – nämlich eine
ausschließliche
oder in bestimmten Fällen der
konkurrierenden Gesetzgebung
Exekutive
Die
Exekutive
wird auf Bundesebene durch die
Bundesregierung
gebildet, die aus dem
Bundeskanzler
als
Regierungschef
und den
Bundesministern
besteht. Alle
Bundesministerien
haben einen
Dienstsitz
in Berlin und einen in der
Bundesstadt Bonn
; einige haben ihren ersten Dienstsitz in Bonn. Auf Länderebene leiten die
Ministerpräsidenten
, in den
Stadtstaaten
Hamburg
und
Bremen
die Präsidenten des Senats, in Berlin der
Regierende Bürgermeister
die Exekutive. Auch die Länder sind
parlamentarische Demokratien
, deren Regierungschefs durch die
Landtage
Bürgerschaften
bzw. das
Abgeordnetenhaus von Berlin
gewählt werden. Die Verwaltungen des Bundes und der Länder werden jeweils durch die
Fachminister
geleitet.
Der Bundeskanzler wird auf Vorschlag des Bundespräsidenten vom Bundestag mit der Mehrheit seiner Mitglieder gewählt (
Art.
63
GG), seine Amtszeit endet mit der Wahlperiode des Bundestages (
Art.
69
Abs.
2 GG). Vor deren Ablauf kann der Bundeskanzler gegen seinen Willen nur dadurch aus dem Amt scheiden, dass der Bundestag mit der Mehrheit seiner Mitglieder einen Nachfolger wählt (
Art.
67
GG, sogenanntes
konstruktives Misstrauensvotum
). Die Bundesminister werden auf Vorschlag des Bundeskanzlers ernannt (
Art.
64
Abs.
1 GG), sie und der Bundeskanzler bilden die Bundesregierung (
Art.
62
GG), deren
Richtlinienkompetenz
der Bundeskanzler innehat (
Art.
65
Satz 1 GG). Die Führungsaufgabe in der deutschen „Kanzlerdemokratie“ kommt dem Bundeskanzler zu.
151
Der Kanzler nominiert auch den deutschen Kandidaten für das Amt eines
EU-Kommissars
Die Ausübung der staatlichen Befugnisse und die Ausführung der Bundesgesetze obliegt grundsätzlich den Bundesländern, sofern das Grundgesetz keine abweichende Regelung trifft oder zulässt (
Art.
30
Art.
83
GG).
Staatshaushalt
Hauptartikel
Bundeshaushaltsplan (Deutschland)
und
Steuerrecht (Deutschland)
Bundeshaushaltsplan 2011. Die
Einzelpläne
für
Sozialausgaben
und
Bundesschulden
vertilgen allein über die Hälfte der jährlichen Finanzen.
Der
Staatshaushalt
wies im Jahr 2021 Einnahmen durch Steuern, steuerähnliche Abgaben und Gebühren von 1629 Milliarden
Euro
sowie Ausgaben von 1762 Milliarden Euro auf.
152
Von den Einnahmen waren 833 Milliarden Euro Steuereinnahmen von Bund, Ländern, Gemeinden und der
EU
153
Aufgrund der auf etwa 33 Millionen gestiegenen Anzahl von sozialversicherungspflichtigen
Erwerbstätigen
und steigender Löhne liegen wichtige
Steuereinnahmen
wie die
Einkommensteuer
und die
Umsatzsteuer
auf einem weiter prozentual hohen Niveau für den Staat.
153
Die
Staatsverschuldung Deutschlands
betrug im Jahr 2021 entsprechend dem Bericht der
Deutschen Bundesbank
etwa 2500 Milliarden Euro.
154
Bei einem Bruttoinlandsprodukt von etwa 3600 Milliarden Euro für 2021 entsprach die Staatsschuldenquote damit etwa 70
Prozent des
Bruttoinlandsprodukts
155
156
Im Jahr 2005 betrugen die Staatsschulden der Bundesrepublik Deutschland 1541 Milliarden Euro.
157
Bei einem Bruttoinlandsprodukt von etwa 2281 Milliarden Euro für 2005 entsprach dies einer Staatsschuldenquote von 67
%.
158
Die Bundesrepublik, deren Staatsanleihen
Bundesanleihen
genannt werden, erhält von den drei großen
Ratingagenturen
Standard & Poor’s
Moody’s
und
Fitch
die bestmögliche
Bonität
. Die Nachfrage nach den als sichere Anlage geltenden Wertpapieren hat in den 2010er-Jahren die Zinsen deutlich gesenkt und teilweise zu
Negativzinsen
geführt, was einen Hauptgrund für Deutschlands Haushaltsüberschuss darstellte.
159
Neben verschiedenen
Verkehrsteuern
(zum Beispiel
Umsatzsteuer
) erzielt der Staat einen Großteil seiner Einnahmen aus Steuern vom
Einkommen
und Ertrag: Hierzu zählen
Einkommen-
Körperschaft-
sowie
Gewerbesteuer
. Insofern Produkte oder Dienstleistungen der
Umsatzsteuer
unterliegen, beträgt der Steuersatz in Deutschland 19 (allgemeiner Satz) oder 7
Prozent (ermäßigter Satz, zum Beispiel Lebensmittel). Umgangssprachlich und im
EU-Recht
wird die Umsatzsteuer auch
Mehrwertsteuer
genannt. Laut einer
OECD
-Studie aus dem Jahr 2014 haben Deutsche durch die hohen Steuern und weitere Abgaben wie Sozialversicherungsbeiträge die weltweit höchste
Abgabenlast
, noch vor den
skandinavischen
Sozialstaaten
160
Dabei wurde allerdings lediglich die Besteuerung der Einkommen betrachtet. Betrachtet man die
Abgabenquote
(Verhältnis der Steuern und Sozialabgaben zum Bruttoinlandsprodukt), so liegt Deutschland laut einer Studie der OECD aus dem Jahr 2021 auf Platz 9 der OECD-Staaten.
161
Laut einer von der
UNO
veröffentlichten Studie gehört Deutschland zu den Ländern mit der höchsten Bereitschaft, durch Steuern
öffentliche Güter
zu finanzieren.
162
Der Bund kann teilweise Kredite über lange Laufzeiten (bis zu zehn Jahren) zu negativen Zinsen aufnehmen.
163
Parteienlandschaft
Hauptartikel
Politische Parteien in Deutschland
und
Geschichte der Parteien in Deutschland
Zweitstimmen der Bundestagswahlen seit 1949 und Bundesregierungen
Parteien wirken gemäß
Art.
21
GG an der politischen Willensbildung des Volkes mit. Das Parteienspektrum wird durch die im Bundestag vertretenen Parteien geprägt, ihm gehören seit seinem Bestehen die beiden
Volksparteien
an, nämlich die
Unionsparteien
(in
Fraktionsgemeinschaft
CDU
und
CSU
) und die
SPD
. Von den anderen Parteien sind dort nach der
Bundestagswahl 2025
die
AfD
Bündnis 90/Die Grünen
Die Linke
sowie der
SSW
vertreten; der SSW zog
2021
erstmals seit der
Bundestagswahl 1949
wieder in den Bundestag ein.
Alle genannten Parteien sind in den
Fraktionen des Europäischen Parlaments
vertreten. Nahezu allen einflussreichen Parteien stehen
Jugendorganisationen
zur Seite; weitere politische
Vorfeldorganisationen
umfassen etwa
Schülervertreter
Studentenverbände
, Frauen- und Seniorenorganisationen, Wirtschaftsvereine, Kommunalorganisationen und internationale Verbände.
Parteinahe Stiftungen
bestimmen den politischen Diskurs – rechtlich unabhängig von den Parteien – mit.
Europapolitik
Demonstration vor der EZB im Herbst 2014
Deutschland ist Gründungsmitglied des
Europarates
und der
Europäischen Gemeinschaften
, die mittels zunächst vorwiegend wirtschaftlicher
Integration
in den 1990er-Jahren zur politischen
Europäischen Union
(EU) zusammenwuchsen. Die Bundesrepublik Deutschland trat 1990 der
Europäischen Währungsunion
bei und ist Teil des
Europäischen Binnenmarktes
. Seit 2002 ist der
Euro
als Zahlungsmittel eingeführt und hat in der Bundesrepublik die
Deutsche Mark
abgelöst. Deutschland ist zudem Teil des
Schengenraums
und der justiziellen und polizeilichen Zusammenarbeit mithilfe von
Europol
und
Eurojust
. Die
Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik
der EU bestimmt die deutsche Außenpolitik mit. Den Rechtsrahmen der deutschen
Europapolitik
in der EU setzt
Artikel 23 des Grundgesetzes
In Deutschland haben das
Europäische Patentamt
(München) und mehrere EU-Institutionen ihren Sitz: die
Europäische Zentralbank
in Frankfurt am Main, die
EU-Versicherungsaufsichtsbehörde
ebenfalls in Frankfurt und die
Europäische Agentur für Flugsicherheit
in Köln.
Deutschland hatte dreizehnmal den
Vorsitz
im
Rat der Europäischen Union
inne,
164
165
zuletzt im
zweiten Halbjahr 2020
unter dem Motto „Gemeinsam. Europa wieder stark machen.“
166
Politische Indizes
Von
Nichtregierungsorganisationen
herausgegebene politische Indizes
Name des Index
Indexwert
Weltweiter Rang
Interpretationshilfe
Jahr
Fragile States Index
24,0
von 120
166
von 179
Stabilität des Landes: nachhaltig
0 = sehr nachhaltig / 120 = sehr alarmierend
2024
167
Demokratieindex
8,73
von 10
13
von 167
Vollständige Demokratie
0 = autoritäres Regime / 10 = vollständige Demokratie
2024
168
Freedom in the World Index
95
von 100
Freiheitsstatus: frei
0 = unfrei / 100 = frei
2025
169
Rangliste der Pressefreiheit
83,5
von 100
11
von 180
Zufriedenstellende Lage für die Pressefreiheit
100 = gute Lage / 0 = sehr ernste Lage
2025
170
Korruptionswahrnehmungsindex
(CPI)
77
von 100
10
von 180
0 = sehr korrupt / 100 = sehr sauber bzw. unbestechlich
2025
171
Positiver Friedensindex
(PPI)
1,533
von 5
20
von 163
1 = am einträchtigsten / 5 = am wenigsten friedlich
2025
172
Außen- und Sicherheitspolitik
Hauptartikel
Außenpolitik der Bundesrepublik Deutschland
Plenarsaal des Europäischen Parlaments in Brüssel. Deutschland ist einer von 27
Mitgliedstaaten der Europäischen Union
Die Bundesrepublik ist Gründungsmitglied der
G8
und
G20
G8-Gipfeltreffen
in
Heiligendamm
, 2007)
Die Leitlinien deutscher Außenpolitik sind die Westbindung und die europäische Integration.
Sicherheitspolitisch
zentral ist die Mitgliedschaft im transatlantischen Verteidigungsbündnis
NATO
seit 1955.
Während des
Kalten Krieges
war der Spielraum westdeutscher Außenpolitik begrenzt. Als eines der wichtigsten Ziele galt die
Wiedervereinigung
. Militäreinsätze im
Ausland
kamen nicht in Frage. Laut Grundgesetz darf sich die Bundeswehr an
Angriffskriegen
nicht beteiligen, ihre Aufgabe besteht lediglich in der Landes- und Bündnisverteidigung. Die von der sozialliberalen Koalition ab 1969 initiierte „
Neue Ostpolitik
“ unter dem Motto
Wandel durch Annäherung
die wichtige Verbündete zunächst skeptisch sahen, konnte eigenständige Akzente setzen und wurde von der liberalkonservativen Regierung Helmut Kohls ab 1982 fortgeführt. Seit der Wiedervereinigung trägt Deutschland international größere Verantwortung; seit 1991 nimmt die
Bundeswehr
unter Aufsicht des Bundestages und zusammen mit verbündeten Armeen an friedenserhaltenden und -erzwingenden Einsätzen außerhalb Deutschlands und des Territoriums der NATO-Verbündeten teil (
Out-Of-Area
-Einsätze). Die rot-grüne Bundesregierung Gerhard Schröders lehnte den
Irakkrieg
2003 ab und stellte sich damit gegen den wichtigen Verbündeten, die Vereinigten Staaten.
Traditionell spielt Deutschland zusammen mit Frankreich eine führende Rolle in der Europäischen Union. Deutschland treibt die Bemühungen voran, über die
Wirtschafts- und Währungsunion
hinaus eine einheitliche, wirkungsvolle
europäische Außen- und Sicherheitspolitik
zu schaffen. Weitere außenpolitische Ziele sind die Verwirklichung des
Kyoto-Protokolls
zum Klimaschutz sowie die weltweite Anerkennung des
Internationalen Strafgerichtshofs
. Besonderes Interesse hat Deutschland an einer friedlichen Lösung des
Nahostkonflikts
, die es vor allem durch informelle Kontaktmöglichkeiten zwischen den beteiligten Parteien unterstützt. Zusammen mit den Verbündeten Großbritannien und Frankreich bemüht sich die Bundesrepublik, den
Iran
im Dialog dazu zu bewegen, auf die Weiterführung seines
Kernenergieprogramms
zu verzichten.
Am 13.
Juli 2016 verabschiedete die Bundesregierung das
neue Weißbuch
zur Sicherheitspolitik und zur Zukunft der Bundeswehr als oberstes sicherheitspolitisches Grundlagendokument Deutschlands.
173
Militär
Hauptartikel
Bundeswehr
Das Hoheitszeichen der Bundeswehr: Das
Eiserne Kreuz
. Es geht auf die
Befreiungskriege
von 1813 bis 1815 zurück.
Nach ihrer Gründung 1949 durfte die Bundesrepublik Deutschland aufgrund des
Besatzungsstatuts
zunächst keine eigenen Streitkräfte aufstellen. Unter dem Eindruck des
Koreakrieges
und der
Sowjetisierung
Osteuropas wurde es der Bundesrepublik im Rahmen der
Wiederbewaffnung
jedoch gestattet, zunächst 1951 den paramilitärischen
Bundesgrenzschutz
als Grenzpolizei und ab 1955 vollwertige Streitkräfte aufzustellen, um der
NATO
beizutreten. Die Aufstellung dieser
Bundeswehr
als Voraussetzung des Beitritts war somit ein bedeutender Beitrag zur
Westbindung
und damit zur internationalen Anerkennung der Bundesrepublik, aber innenpolitisch unter dem Eindruck des Zweiten Weltkriegs
höchst umstritten
. Nach der Wiedervereinigung 1990 wurden Teile der
Nationalen Volksarmee
(NVA) der DDR in diese Streitkräfte eingegliedert. Von 1956 bis 2011 kam in der Bundesrepublik gemäß Art. 12a des Grundgesetzes für alle Männer ab dem vollendeten 18. Lebensjahr eine
allgemeine Wehrpflicht
zur Anwendung. Sie wurde 2011 ausgesetzt und durch den
freiwilligen Wehrdienst
ersetzt. Seit 2001 haben auch Frauen uneingeschränkten Zugang zum Dienst in den Streitkräften. Ihr Anteil beträgt rund 13
Prozent der Soldaten (Stand Juli 2023).
174
Rund 1.600 deutsche Soldaten befanden sich 2023 im Ausland im Einsatz (Stand September 2023).
175
Die Bundeswehr gliederte sich zunächst in die
Teilstreitkräfte
Heer
Luftwaffe
und
Marine
. Im Mai 2024 kam mit dem – vorher bereits als Organisationsbereich existenten –
Cyber- und Informationsraum
eine vierte Teilstreitkraft hinzu. Daneben bestehen die unterstützenden Organisationsbereiche
Streitkräftebasis
und
Zentraler Sanitätsdienst
. Nach dem Ende des
Kalten Krieges
wurde die Gesamtstärke der Bundeswehr von rund 500.000 bis 2015 schrittweise auf unter 180.000 Soldaten reduziert, nachdem im
Zwei-plus-Vier-Vertrag
eine maximale Friedensstärke von 370.000 deutschen Soldaten völkerrechtlich bindend festgelegt worden war. Mit der Aussetzung der
Wehrpflicht
2011 war zudem eine umfassende Reform der Bundeswehr verbunden, die in erster Linie die Festsetzung einer maximalen personellen Stärke von 185.000 Soldaten und 55.000 zivilen Mitarbeitern bedeutete.
176
Zudem wurden die Stückzahlen des schweren Geräts (
Kampfpanzer
Artillerie
) deutlich reduziert. Hintergrund dieser Strukturänderungen war die Fokussierung der Bundeswehr auf die Teilnahme an internationalen UN- und NATO-Missionen seit Mitte der 1990er-Jahre, für die weniger militärisches Personal und vor allem leichteres und rascher verlegbares Material benötigt wurden. Mit der
Annexion der Krim durch Russland 2014
sowie dem
Krieg in der gesamten Ukraine seit 2022
änderte sich der Aufgabenschwerpunkt der Bundeswehr zurück zur Landes- und Bündnisverteidigung im Rahmen von NATO und EU.
Die Bundeswehr ist als erste Armee eines deutschen Nationalstaates eine
Parlamentsarmee
, über deren Einsätze ausschließlich der Bundestag auf Vorschlag der Bundesregierung entscheidet. Oberbefehlshaber („
Inhaber der Befehls- und Kommandogewalt
“) ist in Friedenszeiten der jeweilige
Bundesminister der Verteidigung
; im
Verteidigungsfall
geht diese Funktion auf den
Bundeskanzler
über. Das Traditionsverständnis der Bundeswehr distanziert sich sowohl von der
Wehrmacht
der
NS-Zeit
als auch von der NVA. Es bezieht sich auf die
Preußische Heeresreform
um 1810, die Befreiungskriege gegen Napoleon, den militärischen
Widerstand gegen den Nationalsozialismus
und ihre eigene Geschichte (siehe
Traditionserlass
).
177
Für die Soldaten gilt das Leitbild des „
Bürgers in Uniform
“. Als bedeutendstes militärisches Zeremoniell gilt der
Große Zapfenstreich
; öffentlichkeitswirksam sind die häufig außerhalb militärischer Anlagen durchgeführten
Vereidigungen und Gelöbnisse
der Soldaten.
Die Bundesrepublik Deutschland gab im Jahr 2024 71,75 Milliarden Euro für die Bundeswehr aus.
178
Damit gehört Deutschland zu den zehn Staaten der Welt mit den höchsten
Verteidigungsetats
; die deutschen Ausgaben liegen mittlerweile mit einem Anteil von etwa 2,12 Prozent des Bruttoinlandsprodukts über dem Durchschnitt von 2,02
% der europäischen NATO-Staaten und Kanadas. Der Durchschnitt unter Einbeziehung der Vereinigten Staaten beträgt 2,71
%.
179
Deutschland
Verteidigungshaushalt/Verteidigungsausgaben in Mrd. Euro
Jahr
2012
2013
2014
2015
2016
2017
2018
2019
2020
2021
2022
2023
2024
2025
2026
Verteidigungshaushalt
180
31,87
33,26
32,44
32,97
34,29
37,00
38,52
43,23
45,65
46,93
50,40
50,12
51,95
62,31
82,69
Verteidigungshaushalt inkl. Sondervermögen
50,49
181
58,53
181
71,75
182
86,37
183
108,20
184
Verteidigungsausgaben nach NATO-Kriterien
2012–2013
185
2014–2025
186
36,17
34,59
34,75
35,90
37,60
40,27
42,13
46,94
51,40
52,43
58,27
67,62
86,64
Anteil am BIP nach NATO-Kriterien in
2012–2013
187
2014–2025
188
1,31
1,23
1,19
1,19
1,20
1,23
1,25
1,35
1,51
1,45
1,51
1,61
2,00
Die Angaben der NATO für 2024 sind geschätzt.
Feuerwehr
Feuerwehrleute im Einsatz in
Mörfelden-Walldorf
(Hessen)
In der
Feuerwehr in Deutschland
waren im Jahr 2023 rund 1.385.000 aktive Mitglieder, davon über 1.028.000
freiwillige Feuerwehrleute
, 39.500
Berufsfeuerwehrleute
, 34.000
Werkfeuerwehrleute
und 357.000 Jugendliche und Kinder organisiert. Sie sind in knapp 24.000 Freiwilligen Feuerwehren, 114 Berufsfeuerwehren, 728 Werkfeuerwehren sowie 24.254
Jugendfeuerwehren
tätig. Die deutschen Feuerwehren wurden im selben Jahr zu über 4.500.000 Einsätzen alarmiert. Hierbei waren 286.622 Brände zu löschen, war fast 800.000 Mal
technische Hilfe
zu leisten, in der rettungsdienstlichen Notfallrettung bei rund 2.450.000 sowie bei 985.000 weiteren Einsätzen tätig zu werden.
189
Darüber hinaus gehören zusätzlich mehrere Millionen fördernde Mitglieder den örtlichen
Feuerwehrvereinen
an.
190
Die Feuerwehren sind über
Kreisfeuerwehrverbände
, ggf.
Bezirksfeuerwehrverbände
und
Landesfeuerwehrverbände
zum
Deutschen Feuerwehrverband
zusammengeschlossen, der sie im Weltfeuerwehrverband
CTIF
vertritt.
Polizei und Nachrichtendienste
Hauptartikel
Deutsche Polizei
und
Nachrichtendienste des Bundes
Polizeihubschrauber
im Einsatz für die
Bundespolizei
(Grenzschutz)
Zuständig für die
innere Sicherheit
der Bundesrepublik sind aufgrund des
Föderalismus in Deutschland
grundsätzlich die Bundesländer und damit insbesondere die
Landespolizeien
und
Landeskriminalämter
. Innerhalb der Polizei wird häufig weiter unterschieden zwischen
Schutzpolizei
Bereitschaftspolizei
Kriminalpolizei
, Spezialeinheiten (wie dem
Spezialeinsatzkommando
(SEK) oder dem
Mobilen Einsatzkommando
(MEK)) sowie den
Ordnungsbehörden
. Zur Wahrung der öffentlichen Ordnung werden diese zusätzlich in einigen Kommunen durch
Ordnungsämter
unterstützt.
Dennoch existieren auch auf Bundesebene mehrere Organisationen zum Schutz der öffentlichen Sicherheit. Dazu gehört insbesondere die
Bundespolizei
(ehemals
Bundesgrenzschutz
), die etwa Aufgaben des
Grenzschutzes
, der
Bahnpolizei
und der
Terrorabwehr
übernimmt und dazu auch die Spezialeinheit
GSG
unterhält, sowie das
Bundeskriminalamt
, das unter anderem besonders schwere Straftaten verfolgt. Beide sind direkt dem
Bundesministerium des Innern und für Heimat
nachgeordnet. Hinzu kommen die Vollzugsbehörden der
Bundeszollverwaltung
(etwa der
Zollfahndungsdienst
, das
Zollkriminalamt
und die
Zentrale Unterstützungsgruppe Zoll
), die für die Durchsetzung von fiskalischen, handels- und arbeitsrechtlichen Regeln zuständig sind und dem
Bundesministerium der Finanzen
unterstehen.
In Deutschland bestehen außerdem drei Nachrichtendienste des
Bundes
: Der zivile
Bundesnachrichtendienst
(BND) als Auslands
nachrichtendienst
sammelt zivile und militärische Informationen über das Ausland und wertet diese aus. Zuständig für Aufgaben des
Verfassungsschutzes
und die
Spionageabwehr
sind als Inlandsnachrichtendienste das
Bundesamt für Verfassungsschutz
(BfV), der
Militärische Abschirmdienst
(MAD) für den Geschäftsbereich des
Bundesministeriums der Verteidigung
(BMVg) und in den Bundesländern je eine
Landesbehörde für Verfassungsschutz
. Polizeiliche Vollzugsbefugnisse haben die Nachrichtendienste in Deutschland aufgrund des
Trennungsgebotes
nicht.
Kriminalität
Hauptartikel
Kriminalität in Deutschland
Diagrammvorlage:
Definition
Hilfe
Erfasste Fälle von
Diebstahl insgesamt
in den Jahren 1987–2021 als
Häufigkeitszahl
(pro 100.000 Einwohner)
191
Deutschland gehört zu den sichersten Ländern der Welt.
192
Wie in allen wohlhabenden Ländern der
westlichen Welt
gab es von Anfang der 1960er- bis Anfang der 1990er-Jahre einen Anstieg der Kriminalität und bis 2014 einen
Rückgang
, vor allem bei
Gewaltkriminalität
und
Diebstahl
193
2023 erreichte die Gewaltkriminalität jedoch ihren höchsten Stand seit 15 Jahren.
194
Für Vergleiche der Gewaltneigung über lange Zeiträume und große räumliche Distanzen hinweg wird die Rate der Tötungsdelikte pro Jahr als Index verwendet.
195
Deutschland kam hierbei im Jahr 2018 auf 0,9 Fälle pro 100.000 Einwohner
, was dem Durchschnitt in Westeuropa entspricht. Der Durchschnitt in Gesamt-Europa lag bei 2,8 Fällen pro 100.000 Einwohner, der globale Durchschnitt bei 5,8. Ostasiatische Staaten liegen durchschnittlich bei 0,5, Singapur bei nur 0,2 Fällen pro 100.000 Einwohner.
196
Detaillierte, flächendeckende Daten werden seit 1953 (bis 1990 nur für die Altbundesländer) in der
Polizeilichen Kriminalstatistik
erfasst. Einen Höhepunkt der
Straftaten insgesamt
gab es 1993. Bis 2021 ist die Rate um
27
Prozent gefallen. Die Rate der Diebstähle sank von 1993 bis 2021 um
65
Prozent. Der Höhepunkt bei
angezeigten
Gewaltdelikten wurde jedoch nicht in den 1990er-Jahren, sondern 2007 erreicht. Der Rückgang lag hier bis 2021 bei
25
Prozent.
191
Es wird von einer steigenden Anzeigebereitschaft beziehungsweise einer sich verringernden
Dunkelziffer
ausgegangen, vor allem bei
Gewalt gegen Frauen
197
In Deutschland gingen im Jahr 2024 laut einer Studie des
Instituts der deutschen Wirtschaft
mindestens 3,3 Millionen Menschen einer
Schwarzarbeit
nach.
198
Recht
Erster Senat
des
Bundesverfassungsgerichts
in der bis 15. Juni 1989 bestehenden Zusammensetzung mit Präsident
Roman Herzog
. Das Adlerrelief im Sitzungssaal des Gerichts schuf 1969
Hans Kindermann
Ursprung
Das deutsche Recht gehört dem
kontinentalen Rechtskreis
an und hat sich über die meiste Zeit seines Bestehens ohne die Ordnung durch einen deutschen Nationalstaat entwickelt. Es beruht daher auf dem historisch überlieferten
deutschen Recht
das auf
germanische Stammesgesetze
und mittelalterliche Rechtssammlungen wie den
Sachsenspiegel
zurückgeht, und der
Rezeption des römischen Rechts
ab dem 12. Jahrhundert, das wegen seiner Exaktheit und Universalität als überlegen galt. Außer wenigen Rechtssetzungen wie der
Constitutio Criminalis Carolina
1532 war das Heilige Römische Reich von
Partikularrechten
geprägt. Erst im Lauf des 19. Jahrhunderts wurde eine Rechtsvereinheitlichung begonnen und im Deutschen Bund 1861 ein
Allgemeines Deutsches Handelsgesetzbuch
sowie im Kaiserreich unter anderem das
Reichsgericht
1877 und die
Reichsjustizgesetze
1879 eingeführt. 1900 trat das
Bürgerliche Gesetzbuch
in Kraft.
Diktatur und Nachkriegszeit
Der
Nationalsozialismus
pervertierte das Recht zum Mittel der Gewaltherrschaft, wofür die Terrorurteile des
Volksgerichtshofs
, die
Nürnberger Gesetze
und zahlreiche weitere
Rechtsakte
stehen, welche erst durch alliiertes
Besatzungsrecht
, eine nicht-deutsche
Rechtsquelle
199
wieder aufgehoben wurden. Auch wenn das Besatzungsrecht seinerseits in fünf Bundesgesetzen wieder aufgehoben wurde und seine Bestimmungen weitestgehend Eingang in deutsches Recht fanden, ist die deutsche
Rechtspflege
bis zum heutigen Tag um die Wiederherstellung des vom nationalsozialistischen
Unrechtsstaat
zerschlissenen Rechts bemüht. Beispielsweise ist die aus der Zeit des Nationalsozialismus stammende strafrechtliche Definition von
Mord
unter deutschen Rechtspflegern umstritten. Die im Dritten Reich verschärfte Fassung des
175
führte auch in der Bundesrepublik zu einer ausgedehnten Verfolgung von
Homosexualität
; er wurde erst 1969 reformiert und 1994 aus dem Strafgesetzbuch gestrichen.
In der DDR wurde das Recht durch die
Einparteienherrschaft
der SED gelenkt; die
Gewaltenteilung
und Unabhängigkeit der Gerichte, die von der
Verfassung
vorgeschrieben waren, wurden in der
Verfassungswirklichkeit
umgangen.
200
In der Rechtspflege und der Gesetzgebung bemühte sich die DDR über die Zeit ihrer Existenz, sich von der bürgerlichen Rechtstradition, die im Kaiserreich begründet und in der Bundesrepublik fortgesetzt wurde, zu entfernen und rechtshistorisch eigenständige Rechtsquellen zu schaffen. Anders als die Bundesrepublik lehnte die DDR juristisch sowohl die Identität mit dem
Deutschen Reich
als auch dessen
Rechtsnachfolge
ab. Im
Zivilgesetzbuch der DDR
, das 1976 in Kraft trat, standen die „Versorgungsbeziehungen“ der Bürger im Vordergrund.
201
Fragen des
Eigentums
wurden unter deutlichen Vorzeichen der sozialistischen Planwirtschaft geregelt, eine Definition von
Besitz
gab es mit der Einführung des Zivilgesetzbuches nicht mehr.
Durch den
Beitritt der DDR
endeten sowohl die Entwicklung als auch der Fortbestand des DDR-Rechts. Außer bei Altfällen in der Rechtspflege übt das Straf- und Zivilrecht der DDR auf das deutsche Recht der Gegenwart keinen Einfluss mehr aus. Durch Artikel
9 des
Einigungsvertrags
gingen einige Gesetze und Verordnungen aus der DDR in das Landesrecht der
neuen Länder
über.
Die
Todesstrafe
wurde in Deutschland mit
Art.
102
des Grundgesetzes schon bei seiner Verkündung abgeschafft. In der DDR erfolgte die Abschaffung erst 1987, wenige Jahre vor ihrem Ende.
Gegenwart
Die Bundesrepublik Deutschland versteht sich als
Rechtsstaat
Art.
20
Art.
28
Abs.
1 Satz
1 GG), was bedeutet, dass staatliche Tätigkeit nur durch das Recht begründet werden kann und durch das Recht begrenzt wird. Inhalt deutscher Gesetze ist deshalb üblicherweise zuerst die Grenze ihres Wirkungskreises, bevor Recht begründet wird. Beispielsweise werden im
des
Strafgesetzbuchs
alle Taten straffrei gestellt, die zum Zeitpunkt der Tat durch das Gesetz nicht strafbar waren. Wer durch die öffentliche Gewalt in seinen Rechten verletzt wird, hat das Recht, bei Gericht um Rechtsschutz hiergegen nachzusuchen (
Art.
19
Abs.
4 GG). Die
Richter
unterliegen bei der
Rechtsprechung
keinerlei Weisungen und sind von anderen Gewalten staatlicher oder politischer Art unabhängig. Deutschland kennt
Schöffengerichte
und
Strafkammern
, in denen Urteile durch
ehrenamtliche Richter
und
Berufsrichter
gemeinsam gefällt werden, sofern die Straferwartung bei Verbrechen vier Jahre nicht übersteigt.
Geschworenengerichte
wurden in Deutschland 1924 abgeschafft. Umfangreiche
Prozessordnungen
wie die
Strafprozessordnung
und die
Zivilprozessordnung
bestimmen den genauen Ablauf der Gerichtsprozesse, aber auch der vor-, außer- und nachgerichtlichen Verfahren.
Die Rechtsprechung wird im Wesentlichen von
Gerichten
der Bundesländer ausgeübt: In
Zivil-
und
Strafsachen
durch die
Amtsgerichte
, die
Landgerichte
und die
Oberlandesgerichte
ordentliche Gerichtsbarkeit
); an
Fachgerichtsbarkeit
gibt es die
Arbeits-
Verwaltungs-
Sozial-
und
Finanzgerichtsbarkeit
. Für den gewerblichen Rechtsschutz besteht das
Bundespatentgericht
. Als Rechtsmittelgerichte dienen die obersten Gerichtshöfe des Bundes (
Art.
95
GG): Der
Bundesgerichtshof
als oberstes Zivil- und Strafgericht, das
Bundesarbeitsgericht
, das
Bundesverwaltungsgericht
, das
Bundessozialgericht
und der
Bundesfinanzhof
. Über verfassungsrechtliche Streitigkeiten urteilen die
Verfassungsgerichte
der Länder und das
Bundesverfassungsgericht
Art.
93
GG), dessen Entscheidungen Gesetzeskraft entfalten können und so andere Gerichte binden (vgl.
31
Bundesverfassungsgerichtsgesetz
).
Verfassungsrechtsprechung durch EU-Gerichte
Zunehmende Bedeutung haben das
Europarecht
und die Rechtsprechung des
Gerichtshofs der Europäischen Union
. Infolge langjähriger
Verträge
Deutschlands mit der Europäischen Union und der darauf beruhenden Rechtsaktivitäten wird deutsches Recht erheblich durch Unionsrecht beeinflusst. Im Dezember 2021 erklärte der
Europäische Gerichtshof
in einem unionsweit wegweisenden Urteil, dass das von ihm gesprochene Recht auch die Rechtsprechung der Verfassungsgerichte der Mitgliedstaaten außer Kraft setzen könne. Damit beansprucht der Europäische Gerichtshof nach Beobachtern auch, die letzte Instanz der Rechtsprechung der Mitgliedstaaten zu sein; diese könnten sich nun nicht länger in Abgrenzung zu EU-Recht auf ihre Verfassung berufen.
202
Dem Urteil gingen verschiedene Konflikte zwischen der Europäischen Union und ihren Mitgliedstaaten über die letztinstanzliche, verfassunggebende Rechtsprechung – unter anderem ein (eingestelltes) Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland aufgrund eines dem EuGH widersprechenden Urteils seines Bundesverfassungsgerichts zur Finanzaufsicht
203
– voraus.
Unabänderliches Recht
Relativ neu in der deutschen Rechtsgeschichte ist die Existenz unabänderlichen Rechts. In der deutschen Verfassung schützt die
Ewigkeitsklausel
(Art. 79 Abs.
3 GG) ihren Wesenskern. Diese Klausel kann auch durch eine verfassungsändernde Mehrheit in Bundestag und Bundesrat nicht geändert oder abgeschafft werden, da sie sonst sinnlos wäre. Änderungen des Grundgesetzes, die gegen die durch die Klausel geschützten Normen verstoßen, dürfen nach Artikel 100 Absatz 1 des Grundgesetzes (nur) durch das Bundesverfassungsgericht für nichtig erklärt werden. In diesem Fall war das Gesetz bereits ab seiner Verkündung nichtig.
204
Wirtschaft
Hauptartikel
Wirtschaft Deutschlands
Grundlagen
Containerschiff
im
Hamburger Hafen
. Am Warenwert gemessen ist Deutschland im Jahr 2018 der drittgrößte
Exporteur
und
Importeur
der Welt (siehe
Welthandel
).
Mit einem nominalen
Bruttoinlandsprodukt
von etwa 4,7
Billionen
US-Dollar
im Jahr 2024 ist Deutschland die größte
Volkswirtschaft
Europas und die drittgrößte der Welt.
205
Gemessen am nominalen
BIP pro Kopf
steht Deutschland international an 18., in der Europäischen Union an 8.
Stelle (Stand 2024).
206
Gemessen am Warenwert war das Land 2023 der drittgrößte Importeur und Exporteur der Welt.
207
Das
Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen
zählt Deutschland zu den Ländern mit sehr hoher menschlicher Entwicklung.
208
Im
Global Competitiveness Index
belegte es 2024 den 8.
Platz.
209
Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit speist sich vor allem aus der hohen Zahl an kleinen und mittleren Unternehmen (
Mittelstand
), die gerade in spezialisierten Bereichen der Industrie zu den Weltmarktführern gehören.
210
Die Gesamtwirtschaftsleistung wird zu 2,1 Prozent im primären
Wirtschaftssektor
Landwirtschaft
), 24,4
Prozent im sekundären (Industrie) und 73,5
Prozent im tertiären (Dienstleistung) erbracht. 2014 verzeichnete Deutschland mit durchschnittlich etwa 42,6
Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten einen Höchststand.
211
Die Zahl der Erwerbslosen lag im Schnitt 2014 bei 2,898 Millionen.
212
Deutschland wies gemäß dem
Statistischen Bundesamt
2019 eine
Arbeitslosenquote
von 5,6
Prozent auf.
213
Ein wichtiger
Faktor
zur Schaffung neuer Arbeitsplätze ist das
Unternehmer- und Gründertum
, worüber unter anderem der jährliche
KfW
-Gründungsmonitor Auskunft gibt.
214
Europäische Union
EFTA
-Staaten mit Zugang zum Europäischen Binnenmarkt mit Ausnahmen
DCFTA
mit eingeschränktem Zugang
Europäische Zollunion
(EUCU)
Europäische Union
Deutschland verfügt über verschiedene
Rohstoffvorkommen
und weist eine lange
Bergbautradition
auf (unter anderem
Kohle
Edelsalze
Industrieminerale
und
Baustoffe
sowie
Silber
Eisen
und
Zinn
). Die Industrie ist auf globale Rohstoffimporte angewiesen.
Das
Humanpotenzial
mit guter Bildung und die
Innovationskultur
gelten als Voraussetzungen für den Erfolg der deutschen Wirtschaft und
Wissensgesellschaft
215
Als weltweit konkurrenzfähigste Branchen der deutschen Industrie gelten die
Automobil
-,
Nutzfahrzeug
-,
elektrotechnische
Maschinenbau
- und
Chemieindustrie
. Global bedeutend sind auch die
Luft- und Raumfahrttechnik
, die
Finanzbranche
– etwa mit dem
Finanzplatz Frankfurt am Main
216
– und die
Versicherungswirtschaft
, insbesondere die
Rückversicherungen
. Der Stellenwert der
Kultur- und Kreativwirtschaft
nimmt zu.
Als Mitglied der
Europäischen Union
gehört Deutschland zum größten
Binnenmarkt
der Welt mit zusammen rund 500
Millionen Einwohnern und einem nominalen BIP von 17,6
Billionen US-Dollar (2011). Deutschland ist auch Teil der
Eurozone
, einer Währungsunion mit 19 Mitgliedsländern und etwa 337
Millionen Einwohnern. Deren Zahlungsmittel ist der
Euro
, dessen Währungspolitik von der Europäischen Zentralbank (EZB) gesteuert wird und der zweitwichtigste
Reservewährung
der Welt ist sowie gemessen am Bargeldwert die weltgrößte Währung im Umlauf.
Die Arbeitslosenquote in Deutschland gehört zu den niedrigsten in der EU; sie beträgt 3
%, nur in Polen und Tschechien liegt sie niedriger. Der Durchschnitt aller EU-Länder beträgt 6,1
%, während die OECD-Länder eine Arbeitslosenquote von 4,8
% aufweisen (Stand März 2023).
217
Die
Einkommensungleichheit
in Deutschland lag 2005 knapp unter dem OECD-Durchschnitt.
218
2008 betrug ein mittleres
verfügbares Einkommen
1.252 bei einem
Gini-Index
von 0,29.
219
Die
Vermögensverteilung in Deutschland
ist mit einem Gini-Index von 0,78 deutlich stärker konzentriert als die Verteilung der Einkommen. Laut der
Credit Suisse
belief sich die Summe der Privatvermögen 2016 auf 12,4 Billionen Dollar. Im Durchschnitt verfügte jede erwachsene Person in Deutschland 2016 über ein Vermögen von 185.175 US-Dollar (
Median
-Vermögen: 42.833 US-Dollar). Das ist weltweit Platz 27 und weniger als in den meisten Nachbarländern Deutschlands – eine Ursache oder Folge (je nach Interpretation) ist ein niedriger Anteil an Immobilieneigentum.
220
2016 gab es in Deutschland 1.637.000 Millionäre und 2017 insgesamt 114 Milliardäre (in US-Dollar), die weltweit dritthöchste Anzahl.
221
Außenhandel und Wirtschaftsentwicklung
Exporte Deutschlands nach Produktkategorie
Frankfurt am Main
ist ein internationales Verkehrs- und Wirtschaftszentrum sowie Sitz der
Europäischen Zentralbank
Die deutsche Volkswirtschaft verzeichnete von 1986 bis 1988 sowie 1990 und von 2003 bis 2008 einen höheren
Exportüberschuss
als jedes andere Land („
Exportweltmeister
“).
222
Deutschland war in den 2010er-Jahren durchgehend das Land mit dem dritthöchsten Wert an Exporten weltweit.
223
Die Exporte erreichten im Jahr 2020 einen Gesamtwert von 1.205 Milliarden Euro, der Warenwert der Importe betrug 1.025 Milliarden Euro – ein Überschuss der
Außenhandelsbilanz
von 180 Milliarden Euro.
224
Der
Leistungsbilanzüberschuss
war 2016 der höchste weltweit und lag bei über 7
Prozent der Wirtschaftsleistung, was teilweise auf Kritik aus dem In- und Ausland stößt.
225
Die wichtigsten Handelspartner (Im- und Exporte) im Jahr 2020 waren die
Volksrepublik China
(213 Milliarden Euro Handelsvolumen), die
Niederlande
(173 Milliarden Euro), die
Vereinigten Staaten
(172 Milliarden Euro),
Frankreich
(147 Milliarden Euro),
Polen
(123 Milliarden Euro) und
Italien
(114 Milliarden Euro). Die größten Exportmärkte waren die USA, die VR China, Frankreich und die Niederlande. Mehr als die Hälfte seines Außenhandels führte Deutschland mit den Staaten der Europäischen Union.
226
Der Wert aller Exporte von Gütern und Dienstleistungen machte 2019 47
Prozent der Wirtschaftsleistung aus, was unter den größeren Volkswirtschaften ein hoher Wert ist.
227
Das Land ist deshalb potenziell anfällig für Schwankungen im globalen Handel, auch wenn der Aufschwung der letzten Jahre vor allem konsumgetrieben war.
Deutschland wurde Ende 2008 und 2009 von der
internationalen Finanzkrise
erfasst, was zu einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts 2009 um 5,6
Prozent führte. Anschließend wuchs die deutsche Volkswirtschaft wieder deutlich um 4,1 und 3,7 Prozent (2010 und 2011) und 2012 und 2013 moderater mit jeweils 0,5 Prozent. 2014 beschleunigte sich das Wirtschaftswachstum wieder auf 1,9
Prozent und 2015 und 2016 weiter auf 1,7 bzw. 1,9 Prozent.
228
Für das Jahr 2017 lag das Wachstum bei 2,2
Prozent.
229
Die
COVID-19-Pandemie
führte 2020 zu einem Einbruch der Wirtschaftsleistung um 4,6 Prozent. Im folgenden Jahr erholte sich die Wirtschaft wieder etwas und es wurde ein Wachstum von 2,7 Prozent verzeichnet.
230
Zwischen 2000 und 2011 lag die jährliche durchschnittliche Inflationsrate bei minimal 0,3
Prozent (2009) und bei maximal 2,6
Prozent (2008).
231
Anfang 2015 verzeichnete Deutschland durch den niedrigen Ölpreis erstmals seit 2009 eine leichte Deflation (−0,3
%).
232
Nach Jahren mit relativ moderaten Preissteigerungen erreichte die Inflationsrate in Deutschland im Rahmen der
weltweiten Energiekrise
2022 ihr höchstes Niveau seit den 1950er-Jahren mit Preissteigerungen im zweistelligen Bereich.
233
Siehe auch
Wirtschaft in Deutschland vor dem Hintergrund der Globalisierung
Liste der Länder nach Exporten
und
Liste der Länder nach Bruttoinlandsprodukt
Automobilindustrie
Fahrzeugentwicklung und Fertigung stellen Schlüsselindustrien in Deutschland dar.
Deutschland ist weltweit für die Entwicklung und Produktion von innovativen und hochwertigen
Pkws
bekannt. Das Automobil wurde 1886 von
Carl Benz
in Deutschland erfunden,
234
was den Grundstein für die Entwicklung der gegenwärtig drittgrößten
Automobilindustrie
der Welt legte. Heute sind Konzerne wie
Volkswagen
Mercedes-Benz
und
BMW
ein wichtiger Bestandteil der deutschen Wirtschaft. Die deutsche Autoindustrie erwirtschaftete 2017 mit ca. 800.000 Mitarbeitern in Deutschland mehr als 400 Milliarden Euro Umsatz,
235
236
Informationstechnik und Telekommunikation
Die
Informations- und Kommunikationstechnik
(IKT) gilt als wesentlicher
Standortfaktor
. Die Digitalisierung der deutschen Wirtschaft wird unter dem Projektnamen
Industrie 4.0
vorangetrieben. Das umsatzstärkste in Deutschland tätige Telekommunikationsunternehmen ist die
Deutsche Telekom
SAP
, die
Software AG
und
DATEV
zählen zu den bedeutendsten
Softwareherstellern
der Welt mit Hauptsitz in Deutschland. Im Hardwarebereich ist vor allem die Entwicklung von Bedeutung, etwa bei
Infineon
und
FTS
. Neben angestammten Unternehmen der IKT-Branche gewinnen
innovative
StartUps
und
E-Ventures
in Deutschland an Bedeutung.
2017 hatten 88
Prozent der Bevölkerung einen
Internetzugang
; etwa 87
Prozent konnten dabei auf einen
Breitbandanschluss
zurückgreifen.
237
Siehe auch
Internet in Deutschland
und
Deutscher Mobilfunkmarkt
Energie
Hauptartikel
Deutsche Energiewirtschaft
Primärenergieverbrauch in Deutschland
238
239
Energieträger
1990
(%)
2019
(%)
2022
(%)
Mineralöl
35,1
35,3
35
Gas
15,5
25,0
24
Erneuerbare Energien
1,3
14,7
17
Braunkohle
21,5
9,1
10
Steinkohle
15,5
8,8
10
Kernenergie
11,2
6,4
Sonstige
0,7
0,8
Deutschland war im Jahr 2010 der viertgrößte Produzent an
Primärenergie
in Europa und wurde auf Rang 24 unter den Energieproduzenten der Welt gelistet.
240
2012 betrug der
Primärenergieverbrauch
in Deutschland 13.757
PJ
(2005: 14.238 PJ).
241
Daran gemessen ist das Land der zweitgrößte nationale Energieverbraucher in Europa und der
siebtgrößte in der Welt
. Die
Stromversorgung
wurde im Jahr 2026 von ca. 840
Unternehmen
mit Hauptsitz in Deutschland gewährleistet.
242
Erneuerbare Energien
lieferten im Jahr 2016 29,2
Prozent der
Bruttostromproduktion
243
13,4
Prozent des
Endenergiebedarfs
im Wärmesektor und 5,1
Prozent der
Kraftstoffe
244
Im Rahmen der
Energiewende
ist geplant, bis 2050 den Anteil der erneuerbaren Energien am
Stromverbrauch
auf 80
Prozent zu steigern, den Primärenergieverbrauch gegenüber 2008 um 50
Prozent zu senken und den
Treibhausgasausstoß
in Einklang mit den EU-Zielen um 80–95 Prozent gegenüber 1990 zu reduzieren.
245
Insgesamt sollen 2050 mindestens 60
Prozent des Energieverbrauchs durch erneuerbare Energien gedeckt werden.
246
Tourismus
Hauptartikel
Tourismus in Deutschland
Die
Welterbestätten in Deutschland
sind bedeutende Besuchsziele für Kultur- und Naturtouristen
Deutschland stand 2023 mit knapp 35 Millionen ausländischen Übernachtungsgästen im Jahr auf Platz 8 der
meistbesuchten
Länder der Erde.
247
Etwa 4.000 der 11.116 Gemeinden Deutschlands sind in Tourismusverbänden organisiert, 310 davon sind als
Heilbäder
Seebäder
und
Kurorte
anerkannt. Es stehen 6.135
Museen
, 366
Theater
, 34
Freizeit- und Erlebnisparks
, 45.000
Tennisplätze
, 648
Golfplätze
, 190.000
km
Wanderwegnetz
, 40.000 Kilometer
Radfernwege
sowie
Ferien- und Themenstraßen
zur Verfügung.
Von herausragender Bedeutung ist der
Geschäfts- und Kongresstourismus
; Deutschland ist der international bedeutendste
Messestandort
mit mehreren
Weltleitmessen
248
Die
Internationale Tourismus-Börse Berlin
ist die weltweit führende Tourismusmesse. Zudem gibt es in Deutschland die größte Dichte an
Festivals
Finanzwirtschaft
Die
Wertpapierbörse
der deutschen Volkswirtschaft ist die
Deutsche Börse
in Frankfurt mit dem Leitindex
DAX
. Derzeit verzichtet der deutsche Staat im Altersvorsorgesystem auf
Kapitaldeckung
und damit auf Pensionsfonds. Einen klassischen allgemeinen
Staatsfonds
gibt es bisher ebenso nicht; jedoch wurde mit dem
Fonds zur Finanzierung der kerntechnischen Entsorgung
(KENFO) der erste deutsche Staatsfonds und die größte
öffentlich-rechtliche Stiftung
in Deutschland errichtet.
Verkehr
Verkehrs
wege
bündelung
im europäischen Korridor
konzept
Der von der
Weltbank
erstellte
Logistics Performance Index
2018 weist Deutschland als das Land mit der weltweit besten
Infrastruktur
aus.
249
Aufgrund der dichten Besiedlung und zentralen Lage in Europa besteht in Deutschland ein sehr hohes Verkehrsaufkommen. Insbesondere für den
Güterverkehr
stellt es ein wichtiges
Transitland
dar. Durch das Konzept der
Transeuropäischen Netze
wird Deutschland als Transferraum zwischen dem ersten europäischen
Kernwirtschaftsraum
, der sogenannten
Blauen Banane
, und dem Kernwirtschaftsraum in
Ostmitteleuropa
gefördert. Wichtige Projekte in diesen Netzen sind die Eisenbahnachsen Lyon/Genua–Rotterdam/Antwerpen,
POS
(Paris–Ostfrankreich–Südwestdeutschland),
PBKA
(Paris–Brüssel–Köln–Amsterdam),
Berlin–Palermo
und die
Magistrale für Europa
. Ferner ist Deutschland der westliche Ausgangspunkt einiger
Paneuropäischer Verkehrskorridore
2005 wurde eine
Autobahnmaut
für Lastkraftwagen eingeführt. Die Kohlendioxid-Emissionen des Straßengüterverkehrs stiegen in Deutschland von 1995 bis 2017 um 20 Prozent.
250
2024 wurden in Deutschland rund 9,8 Mrd. Fahrgäste im ÖPNV befördert (nach 9,4 Mrd. im Jahr 2023), begünstigt durch das im Mai 2023 eingeführte
Deutschlandticket
251
Straßenverkehr
Auf einer
Römerstraße
basiert die
Elisabethenstraße
, hier im Verlauf der heutigen
3018
bei
Kriftel
. Die Fortsetzung gen Horizont ist Teil der
66
Bereits die Römer legten
gepflasterte Straßen
in Deutschland an, die wieder verfielen. Die ersten
Chausseen
wurden im 18. Jahrhundert erbaut. Die Erfindung des Automobils gab dem Straßenbau neue Impulse. Die erste Autobahn der Welt, die
AVUS
, wurde 1921 in Berlin eröffnet. Der
Straßenverkehr
hat in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts die
Eisenbahn
als wichtigsten Verkehrsträger abgelöst. Deutschland besitzt eines der dichtesten
Straßennetze
der Welt. Im Jahr 2012 umfasste das
Bundesfernstraßennetz
12.845 Kilometer
Autobahnen
und 40.711 Kilometer
Bundesstraßen
. Weiterhin umfasste das überörtliche Straßennetz 86.597 Kilometer
Landesstraßen
, 91.520 Kilometer
Kreisstraßen
und die
Gemeindeverbindungsstraßen
Am 1. Januar 2020 waren in Deutschland 47,7 Millionen
Personenkraftwagen
zugelassen. Der Fahrzeugbestand aller
Kraftfahrzeuge
und
Anhänger
betrug 65,8 Millionen.
252
Von 1995 bis 2017 sind die absoluten Kohlendioxid-Emissionen des Straßengüterverkehrs in Deutschland um 20 Prozent gestiegen.
253
Um die Gefahren und Belastungen durch den Straßenverkehr zu verringern, wurden in vielen deutschen Städten
Fußgängerzonen
verkehrsberuhigte Zonen
und
Tempo-30-Zonen
eingerichtet. Die Anzahl der
im Straßenverkehr Getöteten
nahm seither kontinuierlich ab; 2015 waren es 3459 Menschen, 2019 noch 3046.
254
Der
Radverkehr
spielt eine zunehmende Rolle, sein Ausbau wird politisch etwa durch den
Radverkehrsplan
unterstützt.
Siehe auch
Liste der Bundesautobahnen in Deutschland
Schienenverkehr
Regional- und Fernverkehr vor
Köln Hauptbahnhof
(v.
l. n.
r.
DB Regio
National Express
ICE 3
der
DB Fernverkehr
, DB Regio)
Am 7. Dezember 1835 wurde mit der
Ludwigseisenbahn
die erste Eisenbahnstrecke in Deutschland eröffnet, in den folgenden Jahrzehnten wuchs das Schienennetz auf mehr als 18.000 Kilometer im Jahr 1870 an. Der Eisenbahnausbau beschleunigte auch das industrielle Wachstum im 19. Jahrhundert.
Deutschlands
Eisenbahnnetz
ist heute etwa 39.200 Kilometer lang
255
und wird täglich von bis zu etwa 41.500 Personen- und Güterzügen befahren.
256
Im Rahmen der
Bahnreform
wurden die
Staatsbahnen
Deutsche Bundesbahn
(West) und
Deutsche Reichsbahn
(Ost) zum 1. Januar 1994 in das privatwirtschaftliche Unternehmen
Deutsche Bahn AG
überführt. Es organisiert den Großteil des Eisenbahnverkehrs in Deutschland. Rund 350 weitere
Eisenbahnverkehrsunternehmen
befahren das deutsche Eisenbahnnetz. Während sich der Staat aus dem operativen Betrieb zurückgezogen hat, finanziert er den Großteil des Netzunterhalts und -ausbaus sowie (über
Regionalisierungsmittel
) weitgehend den Regionalverkehr.
Regional-
Regionalbahn
(RB),
Regional-Express
(RE) und
S-Bahnen
(S)) und
Fernverkehr
Intercity
(IC),
Eurocity
(EC) und
Intercity-Express
(ICE)) fahren weitgehend nach
Taktfahrplan
. Für
Fernzüge
stehen
Schnellfahrstrecken
in einer Gesamtlänge von etwa 3.000 Kilometern zur Verfügung.
Die
Verkehrsleistung
im Eisenbahnverkehr lag 2023 im Nah- und Fernverkehr bei insgesamt 104,2 Milliarden
Personenkilometern
und erreichte damit einen Rekordwert.
257
2024 stieg dieser Wert noch einmal auf 109,8 Milliarden Personenkilometer.
258
Siehe auch
Geschichte der Eisenbahn in Deutschland
und
Liste benannter Eisenbahnstrecken in Deutschland
Nahverkehr
Straßenbahn
(Tram) und
Bus
in
Jena
am
Paradies
1881 eröffnete
Werner von Siemens
in
Lichterfelde
bei Berlin die erste elektrische Straßenbahn der Welt. Dieses Verkehrsmittel dominierte in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts den
öffentlichen Nahverkehr
der größeren Städte in Deutschland. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden vor allem in Westdeutschland viele stillgelegt, andere zu
Stadtbahnen
mit innerstädtischen Tunnelstrecken umgebaut. Ersetzt wurden sie durch
Omnibus
-Verkehr, der auch auf dem Land flächendeckend vorhanden ist und nahezu jeden Ort erschließt. Allerdings wurden die Busnetze durch den Bevölkerungsrückgang im ländlichen Raum ausgedünnt und häufig durch
Rufbus
-Systeme ersetzt. In den größten Städten wurden im 20. Jahrhundert
U-Bahnen
angelegt und mit
S-Bahnen
zu einem Schnellbahnnetz für Stadt und Umland kombiniert. Die administrative Abwicklung erfolgt über
ÖPNV-Aufgabenträger
. Zur
Dekarbonisierung
fördert der Bund seit 2021 großflächig die Beschaffung
batterieelektrischer Stadtbusse
259
Seit den 1980er-Jahren wurden
Radwegnetze
in den Städten und auf dem Land angelegt und ausgebaut, sodass heute das Fahrrad wieder eine zunehmende Rolle im Nahverkehr spielt. Nach Ergebnissen der bundesweiten Mobilitätserhebung
MiD
2023 entfallen in Deutschland 11
% aller Wege auf das Fahrrad.
260
Im internationalen Vergleich ist der öffentliche Nahverkehr in den größeren Städten Deutschlands durch hohe Effektivität und Flächendeckung gekennzeichnet. Im internationalen Vergleich liegt der Anteil von Bussen/Überlandbussen am Personenverkehr in Deutschland (gemessen in Personenkilometern) unter dem EU-Durchschnitt.
261
Luftverkehr
Karte der Flughäfen in Deutschland
Mit rund 700
Flugplätzen
verfügt Deutschland über eine der größten Dichten an Start- und Landebahnen weltweit.
Der
Flughafen Frankfurt Main
ist nach Passagieren (2023: 59,35 Millionen)
262
der größte Deutschlands, der fünftgrößte Europas und gemessen am Frachtaufkommen (2023: 1,87 Millionen Tonnen)
262
der größte Flughafen Europas
. Die größte deutsche Fluggesellschaft
Lufthansa
betreibt in Frankfurt und auf dem zweitgrößten deutschen
Flughafen in München
interkontinentale Drehkreuze. Der Bund und die Länder Berlin und Brandenburg sind alleinige Gesellschafter der
Flughafen Berlin Brandenburg GmbH
, die den
Flughafen Berlin Brandenburg
„Willy Brandt“ betreibt.
Einen eigenen
Weltraumbahnhof
(bzw. Raumhafen) für den Verkehr über die
Kármán-Linie
(100
km) hinaus bis in den
Weltraum
besitzt Deutschland nicht. Die
Raumfahrt
des
Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt
nutzt deshalb meist den
CSG
-Raumhafen in
Französisch-Guayana
oder das russisch betriebene
Kosmodrom Baikonur
Siehe auch
Liste der Verkehrsflughäfen in Deutschland
und
Liste deutscher Flugplätze
Schiffsverkehr
Die
Landungsbrücken
am Hamburger Hafen
Aufgrund des hohen
Außenhandelsanteils
ist Deutschland besonders auf den Seehandel angewiesen. Es verfügt über eine Anzahl moderner
Seehäfen
, wickelt aber auch große Anteile seines Handels nach
Übersee
über die Häfen von Nachbarländern, vor allem in den Niederlanden, ab. Die drei
umschlagsstärksten
Seehäfen in Deutschland sind
Hamburg
Wilhelmshaven
und die
Bremer Häfen
. Der
JadeWeserPort
in Wilhelmshaven ist der einzige
Tiefwasserhafen
in Deutschland. Die wichtigsten Ostseehäfen sind
Rostock
Lübeck
und
Kiel
Rostock-Warnemünde
ist der meistfrequentierte
Kreuzfahrthafen
Deutschlands.
Die wichtigsten
Seeschifffahrtsstraßen
sind
Unterelbe
und
Unterweser
. Der
Nord-Ostsee-Kanal
ist die meistbefahrene künstliche Seeschifffahrtsstraße der Welt,
263
264
vor der deutschen Ostseeküste liegt mit der
Kadetrinne
die meistbefahrene Schiffsroute der Ostsee.
Es gibt ein gut ausgebautes Netz von
Wasserstraßen
für die
Binnenschifffahrt
. Die wichtigsten schiffbaren Flüsse sind
Rhein
Main
Mosel
Weser
und
Elbe
. Bedeutende Binnenkanäle sind der
Mittellandkanal
, der
Dortmund-Ems-Kanal
, der
Rhein-Herne-Kanal
und der
Elbe-Seitenkanal
. Der
Main-Donau-Kanal
überwindet die
europäische Hauptwasserscheide
und ermöglicht so einen direkten Schifffahrtsweg von der Nord- und Ostsee zum
Schwarzen Meer
. Der Komplex der
Duisburg-Ruhrorter Häfen
ist der umschlagsstärkste
Binnenhafen
Deutschlands und gilt als größter Binnenhafen Europas. Ebenfalls beginnt bzw. endet dort auch die
Neue Seidenstraße
ein Infrastrukturprojekt der Volksrepublik China, die an alte
Handelsrouten
anknüpfen will.
265
266
Der
Masterplan Binnenschifffahrt
wurde 2019 beschlossen.
Kultur
Hauptartikel
Kultur Deutschlands
J. W. von Goethe
, 1786
(Vorrede aus
Faust
Die deutsche Kunst- und Kulturgeschichte, deren Wurzeln bis in die Zeit der
Kelten
Germanen
und
Römer
zurückreichen, hat seit dem Mittelalter stil- und epochenprägende Persönlichkeiten hervorgebracht. In den verschiedensten Disziplinen wurden deutschsprachige Kulturschaffende Wegbereiter neuer geistiger Strömungen und Entwicklungen. Einige der einflussreichsten deutschen Künstler zählen zu den Protagonisten der
westlichen Zivilisation
267
Die staatlichen Zuwendungen für Kultur (Theater, Museen, Kunsthochschulen etc.) durch die Bundesregierung, Landesregierungen sowie Gemeinden in Deutschland betrugen im Jahr 2017 über elf Milliarden Euro.
268
269
Die deutsche Kultur hat sich, da Deutschland lange nicht als
Nationalstaat
existierte, über Jahrhunderte vor allem über die gemeinsame Sprache definiert; auch über die Reichsgründung 1871 hinaus ist Deutschland häufig als
Kulturnation
verstanden worden. Durch die Verbreitung von
Massenmedien
im 20. Jahrhundert hat die
Populärkultur
in der deutschen Gesellschaft einen hohen Stellenwert erhalten. Die Verbreitung des
Internets
im 21.
Jahrhundert hat zu einer Differenzierung der Kulturlandschaft geführt und die mannigfaltigen
Nischenkulturen
in ihren Ausprägungen verändert.
270
Der Verbreitung der deutschen Sprache und Kultur in der Welt dienen die
Goethe-Institute
. Mit insgesamt 150 Standorten, inklusive Verbindungsbüros, ist das Institut im Jahr 2025 in 99 Ländern vertreten.
271
Laut einer Umfrage in 22 Staaten für die
BBC
im Jahr 2013 genoss Deutschland international zum sechsten Mal in Folge seit dem Jahr 2008 das höchste Ansehen unter 16 untersuchten Ländern. Durchschnittlich bewerteten 59 Prozent der Befragten Deutschlands Einfluss und politisches Wirken als positiv, 15 Prozent hatten ein negatives Bild.
272
Das
Filmstudio Babelsberg
in Potsdam ist einer der traditionsreichsten und renommiertesten Filmstandorte der Welt
Für spezielle Bereiche der deutschen Kultur siehe:
Deutschsprachige Literatur
Deutsche Philosophie
Musik in Deutschland
Deutscher Film
Fernsehen in Deutschland
Architektur in Deutschland
Welterbe in Deutschland
Museen in Deutschland
Feiertage in Deutschland
Deutsche Küche
Modedesign in Deutschland
Deutsche Trachten
Sport
Die
deutsche Fußballnationalmannschaft
nach ihrem Sieg im Endspiel bei der
WM 2014
in
Brasilien
, ihrem vierten Weltmeistertitel
In Deutschland ist die Mehrheit der Sportvereine im
Deutschen Olympischen Sportbund
(DOSB) organisiert. Ihm gehörten im Jahr 2023 etwa 27,8 Millionen Mitglieder in 86.000 Turn- und Sportvereinen an.
273
Die am häufigsten betriebene und von Zuschauern verfolgte Sportart in Deutschland ist
Fußball
. Rund 6,8 Millionen Mitglieder und ungefähr 172.000 Mannschaften waren 2012 im
Deutschen Fußball-Bund
organisiert,
274
der die
Fußball-Weltmeisterschaften
1974
und
2006
sowie die
Fußball-Europameisterschaften
1988
und
2024
ausrichtete und weltweit einer der größten und erfolgreichsten Sportfachverbände ist. Die
deutsche Fußballnationalmannschaft
der Männer wurde 1954, 1974, 1990 und 2014
Weltmeister
. Deutschland ist das einzige Land, das im Fußball sowohl bei den
Frauen
als auch bei den Männern Europa- und Weltmeister werden konnte. Das größte Stadion, ausgelegt für internationale Begegnungen, ist das
Olympiastadion Berlin
mit 74.475 Plätzen. Der
Signal Iduna Park
in Dortmund ist für Fußballspiele auf Bundesliga-Ebene mit über 80.500 Plätzen das Stadion mit der größten Zahl genehmigter Zuschauerplätze.
Die
Handball-Bundesliga
wird oft als die beste Spielklasse der Welt angesehen, die Herren-Nationalmannschaft wurde 2007 zum dritten Mal
Weltmeister
. Etwa 760.000 aktive Mitglieder gehören rund 4.400 Vereinen an (Stand 2016).
275
Dachverband ist der
Deutsche Handballbund
Volleyball
und die Variante
Beachvolleyball
wurden in den 1990er-Jahren zum beliebten
Breitensport
. Der
Deutsche Volleyball-Verband
zählte im Jahr 2016 rund 430.000 Mitglieder.
276
Die
deutschen Volleyball-Meister
der Frauen und Männer werden jährlich ermittelt, die europäische
Volleyball Champions League
wurde mehrfach von deutschen Vereinen gewonnen, die DDR–Männermannschaft wurde 1970
Volleyball-Weltmeister
Basketball
und
Eishockey
wachsen bei Zuschauerzahlen und Medienpräsenz stetig. Rekordmeister der
Deutschen Eishockey Liga
sind die
Eisbären Berlin
. Im Basketball war
Dirk Nowitzki
, der 2007 zum
wertvollsten Spieler
der nordamerikanischen Profiliga
NBA
gewählt wurde und 2011 als erster Deutscher mit den
Dallas Mavericks
den NBA-Titel gewann, einer der besten Spieler der Welt. Die
Basketball-Bundesliga
gibt es seit 1966, Rekordmeister sind die
Bayer Giants Leverkusen
. Seit 2007 gibt es die
ProA
- und
ProB
-Liga. Bei der
Basketball-Weltmeisterschaft 2023
wurde Deutschland erstmals Weltmeister.
Beim
Motorsport
richtet sich das öffentliche Interesse besonders auf die
Formel 1
und die
DTM
, in denen deutsche Fahrer und Konstrukteure Spitzenerfolge erzielen konnten.
Michael Schumacher
ist mit sieben Weltmeistertiteln der erfolgreichste aller Formel-1-Rennfahrer und
Sebastian Vettel
der jüngste Weltmeister in der Formel-1-Geschichte, weiterer Weltmeister ist
Nico Rosberg
. Im
Rallyesport
gelangte Weltmeister
Walter Röhrl
zu Weltruhm. Der
Motorradsport
, in dem sich das Augenmerk auf die
Straßen-WM
bzw.
MotoGP
richtet, hat deutsche Weltmeister wie
Anton Mang
Dirk Raudies
Stefan Bradl
und
Sandro Cortese
hervorgebracht.
Zu den herausragenden
Boxern
des 20. Jahrhunderts gehören
Max Schmeling
und
Henry Maske
, im frühen 21. Jahrhundert
Felix Sturm
Robert Stieglitz
Sebastian Sylvester
Jürgen Brähmer
Regina Halmich
und die
Kickboxerin
Christine Theiss
. Die ukrainischen Brüder
Vitali
und
Wladimir Klitschko
sowie die armenischstämmigen
Arthur Abraham
und
Susianna Kentikian
wurden mehrfache Weltmeister in ihren Gewichtsklassen und durchlebten ihre Profikarrieren vollständig in deutschen
Boxställen
Wintersport hat eine lange Tradition in Deutschland. Im
Bobsport
Rennrodeln
Biathlon
Langlauf
und
Eisschnelllauf
konnten deutsche Sportler regelmäßig Medaillen bei Welt- und
Europameisterschaften
sowie bei den Olympischen Spielen gewinnen. Weitere populäre Wintersportarten sind das
Skispringen
, mit
Sven Hannawald
Jens Weißflog
und
Severin Freund
als besonders erfolgreichen Sportlern, sowie verschiedene
alpine Skisportarten
Katarina Witt
zählt mit zwei Olympiasiegen im
Eiskunstlauf
zu den größten Sportlern ihrer Disziplin.
Olympiapark in München
mit den zentralen Austragungsorten der
Olympischen Sommerspiele 1972
, der letzten Olympischen Spiele in Deutschland
Das Deutsche Reich war 1936 Austragungsort der
Olympischen Sommerspiele 1936
in
Berlin
und der
Winterspiele
in
Garmisch-Partenkirchen
, die Bundesrepublik Deutschland für die
Sommerspiele 1972
. Im
ewigen Medaillenspiegel
der
Olympischen Spiele
nimmt Deutschland mit 613 Goldmedaillen den zweiten Platz ein (2026).
Tennis
erlebte vor allem seit den 1980er- und 1990er-Jahren durch die Erfolge der deutschen Sportler
Boris Becker
Steffi Graf
und
Michael Stich
große Popularität. Im frühen 21.
Jahrhundert gewannen
Tommy Haas
und
Angelique Kerber
einige Titel.
Die Beliebtheit des
Straßenradsports
hing von den aktuellen Erfolgen deutscher Fahrer ab.
Rudi Altig
(in den 1960er-Jahren),
Jan Ullrich
(1996–2005/07) und
André Greipel
(2010er) zählen zu den erfolgreichsten Radsportlern ihrer Zeit. Im
Hallenradsport
ist Deutschland nach der Anzahl der Weltmeistertitel die führende Nation. Mit über 70 Prozent der gewonnenen WM-Titel ist Deutschland – die DDR eingeschlossen – führend in den Disziplinen
Radball
und
Kunstradfahren
Der
Deutsche Schützenbund
hat etwa 1,4 Millionen Mitglieder, deutschlandweit gibt es rund sechs Millionen
Sportschützen
277
Im
Deutschen Schachbund
sind 2024 knapp 95.000 Mitglieder in rund 2250 Vereinen organisiert.
278
Von 1894 bis 1921 war der Deutsche
Emanuel Lasker
der zweite Schachweltmeister. Heute ist Deutschland in der Weltspitze mit
Vincent Keymer
vertreten.
Große Erfolge konnten deutsche Sportler auch in weiteren Sportarten wie
Fechten
Reiten
Ringen
Rudern
Kanusport
, im
Hockey
, in der
Leichtathletik
und im
Schwimmsport
erreichen. Im Tischtennis gehören
Timo Boll
und
Dimitrij Ovtcharov
, im
Golf
Stephan Jäger
Bernhard Langer
und
Esther Henseleit
zu den besten Spielern der Welt. Der
Deutsche Golf-Verband
zählt mit 680.000 Golfspielern im Jahr 2023 zu den zehn größten Verbänden des deutschen Sports.
273
Zu den wichtigsten
Marathonläufen
der Welt zählt der seit 1974 durchgeführte
Berlin-Marathon
279
Medien
Hauptartikel
Medien in Deutschland
In Deutschland werden 352
Zeitungen
, 27
Wochenzeitungen
, 7
Sonntagszeitungen
, 2450
Publikums-
und 3753
Fachzeitschriften
regelmäßig publiziert.
280
Einen Teil dieser Medien geben die großen Konzerne
Axel Springer SE
Bauer Media Group
Bertelsmann
Hubert Burda Media
und die
Funke Mediengruppe
heraus. Es gibt 18 Nachrichtenagenturen, von denen die
Deutsche Presse-Agentur
(dpa) und das
Redaktionsnetzwerk Deutschland
(RND) die bedeutendsten sind. Die auflagenstärksten überregionalen
Tageszeitungen
(Stand 2020) sind die
Bild
(Aufl. 1,27
Mio.), die
Süddeutsche Zeitung
(Aufl. 0,3
Mio.), die
Frankfurter Allgemeine Zeitung
(Aufl. 0,2 Mio.) und das
Handelsblatt
(Aufl. 0,14
Mio.). Die mit Abstand auflagenstärkste Wochenzeitung ist
Die Zeit
(Aufl. 0,55
Mio.). Daneben gibt es politische Magazine wie
Der Spiegel
und auf populäre Themen ausgerichtete Magazine wie
Stern
und
Focus
In Deutschland gibt es 145
Fernsehsender
281
Im Fernsehen gibt es
öffentlich-rechtliche Sender
wie
Das Erste
und
ZDF
und privat finanzierte Vollprogramme, vor allem
RTL
Sat.1
Pro7
RTL Zwei
Kabel Eins
und
Vox
. In den letzten Jahren sind viele regionale Sender und Spartenprogramme hinzugekommen.
Der Hörfunk in Deutschland ist dual organisiert und vor allem regional geprägt. Er teilt sich auf in den öffentlich-rechtlichen Hörfunk, der sich durch den
Rundfunkbeitrag
finanziert, und private Radioanbieter, die ihre Erlöse überwiegend aus Werbung erzielen. Ende 2016 waren weit über 300 Rundfunkanbieter registriert, davon rund 290 kommerzielle und mehr als 60 öffentlich-rechtliche Programme der
ARD
, überwiegend über
UKW
ausgestrahlt, aber zunehmend auch über
DAB
. Von großer Bedeutung für die Entwicklung sind zwei Urteile des Bundesverfassungsgerichts von 1981 und 1986, welche die Organisation und die Rahmenbedingungen festlegten.
Als Onlinemedien werden
Spiegel Online
(wöchentliche Reichweite: 15
%),
T-Online
(wöchentliche Reichweite: 14
%) und die Nachrichtenportale der ARD (wöchentliche Reichweite: 13
%) am häufigsten genutzt. Die aktive und passive Mediennutzung beträgt täglich rund 9 Stunden (Stand 2018).
282
Gesellschaft
Kindergarten
-Gruppe in
Ladenburg
, Baden-Württemberg
Laut
World Values Survey
werden in Deutschland, das sich auf die
pluralistische
Tradition der
Aufklärung
stützt,
säkular
rationale
Werte und
persönliche Selbstentfaltung
geschätzt. Die Bevölkerung nennt in den Bereichen Bildung,
Work-Life-Balance
, Beschäftigung, Umwelt, Sozialbeziehungen, Wohnen, Sicherheit und subjektives Wohlbefinden Zufriedenheitswerte über dem Durchschnitt der entwickelten Industrienationen und liegt nur bei Gesundheit darunter. Insgesamt lag Deutschland 2015 beim
OECD Better Life Index
mit 7 von 10 Punkten über dem OECD-Schnitt (6,5; Griechenland 5,5, Schweiz 7,6).
283
Im
World Happiness Report
2025 der UN belegte Deutschland Platz 22 von 147 Ländern.
284
Soziales
Deutschland hat eine lange Tradition des gesetzlich beförderten sozialen Ausgleichs. Laut
Gini-Index
gilt das Land im internationalen Vergleich als Gesellschaft mit geringer Einkommensungleichheit. Der deutsche Staat bietet seinen Bewohnern umfangreiche rechtliche Ansprüche auf Familienförderung und soziale Absicherung. Die
Geschichte der Sozialversicherung
begann im Kaiserreich. Spätere Regierungen haben sie nach und nach erweitert und um zusätzliche soziale Transferleistungen ergänzt, wodurch heute ein großer Teil des
Staatshaushalts
für Soziales aufgewendet wird.
Die Bundesrepublik Deutschland ist ein
kooperativ-föderalistischer
Bundesstaat
285
mit einer
sozialen Marktwirtschaft
Bundesratsgebäude
in Berlin)
Für Arbeitnehmer besteht eine Pflichtmitgliedschaft in der
Sozialversicherung
, die aus fünf Säulen besteht:
Kranken-
Unfall-
Renten-
Pflege-
und
Arbeitslosenversicherung
. Die soziale Grundsicherung wird in erster Linie durch Beiträge der Versicherten finanziert, Defizite werden durch Steuergelder ausgeglichen.
Im Jahr 2010 hatten in Deutschland 830.000 Euro-
Millionäre
(1
% der Bevölkerung) ein Gesamtvermögen von 2.191 Milliarden Euro, während rund 12,4 Millionen Menschen (15,3
% der Bevölkerung) in
relativer Armut
lebten oder als armutsgefährdet galten.
286
2016 waren 19,7 Prozent der Bevölkerung von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht (EU: 23,5
%).
287
2024 beklagte der
Europarat
, dass die soziale Ungleichheit in Deutschland im Wachsen begriffen sei, und forderte die Regierung auf, mehr gegen Armut und Wohnungsnot zu unternehmen.
288
289
Zu den innerstaatlichen
Transferleistungen
zählt der
Länderfinanzausgleich
, der Bundesländer mit hohem
Steueraufkommen
dazu verpflichtet, einen Teil ihrer Einnahmen an schlechter gestellte Länder abzugeben, damit die Lebensverhältnisse in Deutschland nicht zu weit auseinandergehen. Der auf die Einkommensteuer erhobene
Solidaritätszuschlag
soll teilungsbedingte Lasten in den neuen Ländern mildern.
Das
Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz
soll Benachteiligungen aufgrund von
Geschlecht
Rasse
, der
ethnischen
Herkunft, der
Religion
oder
Weltanschauung
, einer
Behinderung
, des
Alters
oder der
sexuellen Identität
(etwa
Homosexualität
) verhindern.
Siehe auch
Liste von Gewerkschaften in Deutschland
Gesundheit
Hauptartikel
Gesundheitssystem Deutschlands
Das
Universitätsklinikum Mannheim
Das deutsche Gesundheitswesen ist hoch entwickelt, wie die sehr niedrige Rate der
Säuglingssterblichkeit
von etwa 3,5 Jungen und 3,0 Mädchen bei 1000 Geburten
290
und eine hohe
Lebenserwartung
deutlich machen, die im Jahr 2016 bei 78,2 Jahren für Männer und bei 83,1 für Frauen lag.
291
Dabei hatten 2015 arme Männer eine Lebenserwartung von 70,1, wohlhabende von 80,9 Jahren (Frauen: 76,9 und 85,3 Jahre).
292
2015 ergab eine Studie der
Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
, Patienten in Deutschland hätten kurze Wartezeiten, geringen eigenen Finanzaufwand und viel Auswahl. Die
Vorbeugung
sei hingegen verbesserungswürdig, was eine hohe Zahl von Krankheiten wie
Herz-Kreislauf-Erkrankungen
und
Diabetes
zeige. Die Qualität zeige sich aber unter anderem dadurch, dass ein
Schlaganfall
häufig überlebt werde. Die Zahl an Krankenhausaufenthalten und Operationen liege international in der Spitzengruppe, aber auch die Kosten für Medikamente; 2013 machten die Gesundheitsausgaben 11 Prozent des BIP aus (OECD-Schnitt: knapp 9
%).
293
Das
Gesundheitssystem
umfasst die Leistungserbringer wie Ärzte, Apotheker und Pflegepersonal, den Staat (
Bund
, Länder und
Gemeinden
), die
Kranken-
, Unfall-, Pflege- und Rentenversicherungen, die
Kassenärztlichen Vereinigungen
, die Arbeitgeber- und Arbeitnehmerverbände, weitere Interessenverbände sowie die
Patienten
, zum Teil vertreten durch Verbände und
Selbsthilfeorganisationen
Krankenhäuser
werden häufig in gemeinnütziger Trägerschaft geführt, zunehmend jedoch privatisiert. Weitere Versorgungsleistungen werden weitgehend privat von Freiberuflern erbracht (niedergelassene Ärzte und Apotheker und Unternehmen, beispielsweise der pharmazeutischen und medizintechnischen Industrie). Der Staat beteiligt sich als Leistungserbringer nur nachrangig mit Gesundheitsämtern, kommunalen Krankenhäusern und Hochschulkliniken.
Der Großteil der Bevölkerung gehört der
gesetzlichen Krankenversicherung
(GKV) an, deren Beiträge sich hauptsächlich an der Einkommenshöhe orientieren. Familienmitglieder ohne eigenes Einkommen sind oft beitragsfrei mitversichert. Der Leistungsanspruch ist unabhängig von der Beitragshöhe. Etwa 10,8 Prozent der Versicherten waren 2017
privat krankenversichert
294
Bildung
Hauptartikel
Bildungssystem in Deutschland
und
Schulsystem in Deutschland
Die
Universitätsbibliothek Heidelberg
ist das Wahrzeichen der
Universität Heidelberg
, der
ältesten Universität Deutschlands
, gegründet im Jahr 1386. Sie ist seit 2007 Teil der
Exzellenzinitiative
Das heutige deutsche Bildungswesen hat seine Wurzeln unter anderem im weltweit einstmals vorbildhaften
humboldtschen Bildungsideal
und den
preußischen Bildungsreformen
. Seine Ausgestaltung liegt in der Verantwortung der Länder („
Kulturhoheit
“), wird jedoch durch bundesweite Konferenzen der
Kultusminister
koordiniert, die auch gemeinsame
Bildungsstandards
setzen. Je nach Bundesland gibt es
Vorschulzeiten
und es besteht eine neun- bis dreizehnjährige
Schulpflicht
. Der Besuch der
allgemeinbildenden Schulen
dauert mindestens neun Jahre. Danach können
weiterführende Schulen
bzw.
berufsbildende Schulen
besucht werden. Die meisten deutschen Bundesländer haben ein
gegliedertes Schulsystem
mit
Hauptschule
Realschule
und
Gymnasium
, es gibt jedoch Tendenzen zu mehr
Gesamtschulen
und
Ganztagsschulen
. Die
Hochschulreife
wird – je nach Bundesland – nach zwölf oder dreizehn Schuljahren erworben.
Praktisch alle jungen Erwachsenen besuchen nach der Schule eine weiterführende Bildungseinrichtung.
Auszubildende
in Betrieben besuchen in der Regel an ein oder zwei Tagen in der Woche die
Berufsschule
, was als Erfolgsmodell der
dualen Ausbildung
weltweit bekannt ist. Das duale Ausbildungssystem wird regelmäßig an neue technologische Entwicklungen angepasst und gegebenenfalls um neue Ausbildungsberufe erweitert. Ein Beispiel ist der erst seit 2023 anerkannte Ausbildungsberuf zum
Gestalter für immersive Medien
295
Die akademische Entsprechung ist das
duale Studium
Studierende
können zwischen
universitären
und anwendungsorientierten
Hochschulen
Fachhochschulen
) wählen. Die
Akademikerquote
stieg seit den 1970er-Jahren stetig an.
Bildungsgänge
im
deutschen Bildungssystem
Auch die berufliche Weiterbildung spielt eine große Rolle. Für Arbeitslose stellt die
Bundesagentur für Arbeit
Weiterbildungsgutscheine bereit. Vor ihrer beruflichen Ausbildung können Jugendliche außerdem sogenannte Freiwilligendienste, wie ein
Freiwilliges Soziales Jahr
(FSJ) oder ein
Freiwilliges Ökologisches Jahr
(FÖJ), absolvieren. Weitere populäre Übergangsaktivitäten sind der
Freiwillige Wehrdienst
und Auslandsaufenthalte, etwa in Form von
Work & Travel
oder
Jugendaustausch
Bei
Schulleistungsuntersuchungen
schneidet Deutschland im weltweiten Vergleich häufig nur mittelmäßig oder sogar unterdurchschnittlich ab. In den letzten
PISA-Studien
konnte Deutschland sich verbessern: Im PISA-Ranking von 2015 erreichten deutsche Schüler Platz 16 von 72 in Mathematik, Platz 15 in Naturwissenschaften und Platz 10 beim Leseverständnis. Die Leistungen deutscher Schüler lagen damit in allen drei Kategorien über dem
OECD
-Durchschnitt.
296
297
Die OECD kritisiert allerdings in den PISA-Studien die deutsche
Bildungspolitik
, da insbesondere die Schulerfolge von Kindern mit sozial- oder bildungsschwachem Elternhaus und mit Migrationshintergrund unter dem Durchschnitt lägen. Entgegen den Reformbemühungen der letzten Jahrzehnte ist es weiterhin statistisch signifikant unwahrscheinlicher, dass
Arbeiterkinder
das
Abitur
(Allgemeine Hochschulreife) oder einen
Hochschulabschluss
erreichen als Kinder aus den
Mittel-
oder
Oberschichten
. Zudem würde es an individueller
Differenzierung
und Förderung sowohl bei leistungsstarken als auch -schwachen Schülern mangeln. Die Ausgaben für Bildung (4,6
% des Bruttoinlandsprodukts) liegen im OECD-Vergleich unter dem Durchschnitt. Die schulische Förderung im Grundschulalter gilt als verbesserungswürdig, insbesondere was Betreuungsmöglichkeiten und gezielte Förderung schwächerer Schüler angeht.
Von der erwerbsfähigen Bevölkerung galten 2011 etwa 2,3 Millionen (4
%) als vollständige und 7,5 Millionen als funktionale
Analphabeten
298
Siehe auch
Liste der Hochschulen in Deutschland
Wissenschaft
Albert Einstein
(1921), Physiker und
Nobelpreis
träger
Deutschland ist ein international bedeutender Technologie- und Wissenschaftsstandort. Seit der
industriellen Revolution
waren deutschsprachige Forscher bei der Gründung empirischer Wissenschaften maßgeblich beteiligt. Insbesondere die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit verschiedenster Industrien und der
Wissenstransfer
in die Praxis wurden durch die kreative Arbeit von Ingenieuren vorangetrieben. Rund 8
Prozent aller weltweit gemäß
PCT
angemeldeten
Patente
im Jahr 2016 kamen aus Deutschland; damit rangierte Deutschland auf Platz 4 hinter den USA, Japan und China.
299
In Deutschland sind
Universitäten
Technische Universitäten
und
Fachhochschulen
Einrichtungen der Forschung und wissenschaftlichen Lehre. Die (Technischen) Universitäten sind zu
Promotions
- und
Habilitationsverfahren
berechtigt. Beide Verfahren sollen Bildung nachweisen und wissenschaftliche Erkenntnisse enthalten. Mit der Einführung internationaler Abschlussbezeichnungen im Zuge des
Bologna-Prozesses
wird im
akademischen Bildungsbereich
die bisherige Trennung der Abschlüsse zwischen Fachhochschulen und Universitäten aufgeweicht. Einzelne
Hochschuleinrichtungen
bilden überhaupt nicht im tertiären Bildungsbereich aus, sondern sind zur postgradualen Bildung oder ausschließlich zur Promotion und Habilitation eingerichtet. Die meisten deutschen Hochschulen sind in öffentlicher Trägerschaft, werden aber in ihrer Forschung über Drittmittel finanziert (
Deutsche Forschungsgemeinschaft
Stiftungen
, Unternehmen und andere).
Alexander von Humboldt
(1769–1859)
Neben den Universitäten gibt es eine größere Anzahl von Forschungsorganisationen, die deutschlandweit und darüber hinaus tätig sind. Dabei wurde in Deutschland zum einen ein System der Arbeitsteilung der Universitäten untereinander und zum anderen eines zwischen den Universitäten und den außeruniversitären Forschungseinrichtungen geschaffen. Die
Max-Planck-Gesellschaft
verpflichtet sich der
Grundlagenforschung
. Sie führt 79 Institute in Deutschland und besitzt ein Jahresbudget von 1,8 Milliarden Euro. Die
Helmholtz-Gemeinschaft
ist die größte wissenschaftliche Gesellschaft in Deutschland und betreibt 15 sogenannte Großforschungszentren, die fächerübergreifend an wissenschaftlichen Komplexen arbeiten. Die
Fraunhofer-Gesellschaft
ist die größte Organisation der
angewandten Forschung
. Sie greift in ihren 56 Instituten Ergebnisse der Grundlagenforschung auf und versucht sie wirtschaftlich zu erschließen. Sie stellt der Wirtschaft die Dienstleistung der Auftragsforschung bereit. Weltweite Bekanntheit erlangte sie durch die Entwicklung des
MP3
-Audioformats. Sie gehört zu den wichtigsten
Patentanmeldern
und -besitzern in Deutschland. Die
Leibniz-Gemeinschaft
ist ein Verbund eigenständiger Forschungseinrichtungen, die sowohl in der Grundlagenforschung als auch in der angewandten Forschung arbeiten.
Europäisches Raumflugkontrollzentrum
(ESOC), Kontrollraum der
ESA
in
Darmstadt
. Deutschland leistet den größten Beitrag zum
europäischen Raumfahrtprogramm
Die Ausgaben der staatlichen Universitäten und Hochschulen in Deutschland (auch als
tertiärer Bildungsbereich in Deutschland
bezeichnet) betrugen im Jahr 2020 über 64
Milliarden Euro (im Jahr 2005: 30,9 Milliarden Euro), die vor allem aus Steuereinnahmen des Bundes und der Länder finanziert sind.
300
An den Universitäten und Hochschulen in Deutschland studierten im Jahr 2020 etwa 2,9 Millionen Studenten.
301
Davon waren etwa 14
% ausländische Studenten.
302
Weitere 15,6 Milliarden Euro erhielten außeruniversitäre Institute wie die Fraunhofer-Gesellschaft, die Helmholtz-Gemeinschaft, die Leibniz-Gemeinschaft, die Max-Planck-Gesellschaft oder die Akademien der Wissenschaften.
303
Die gesamten Ausgaben für Bildung, Forschung und Wissenschaft betrugen im Jahr 2020 etwa 334 Milliarden Euro in Deutschland.
304
Aus Deutschland stammen zahlreiche Forscher aus allen Bereichen der modernen Wissenschaften. Mehr als 100
Nobelpreisträger
werden dem Land zugeordnet.
Albert Einstein
und
Max Planck
begründeten mit ihren Theorien wichtige Säulen der
theoretischen Physik
, auf denen beispielsweise
Werner Heisenberg
und
Max Born
weiter aufbauen konnten.
Wilhelm Conrad Röntgen
, der erste Physik-Nobelpreisträger, entdeckte und untersuchte die nach ihm benannte
Röntgenstrahlung
, die noch heute eine wichtige Rolle unter anderem in der medizinischen Diagnostik und der Werkstoffprüfung spielt.
Heinrich Hertz
schrieb bedeutende Arbeiten zur elektromagnetischen Strahlung, die für die heutige
Telekommunikationstechnik
maßgeblich sind. Die Entwicklungen von
Karl von Drais
Nicolaus Otto
Rudolf Diesel
Gottlieb Daimler
und
Carl Benz
haben das Verkehrswesen revolutioniert, die nach ihren Erfindern benannten
Bunsenbrenner
und
Zeppeline
sind weltweit ein Begriff. Die
deutsche Raumfahrt
leistete entscheidende Pionierarbeit im Bereich der Raumfahrt und der
Weltraumforschung
und besitzt heute mit dem
Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt
(DLR) eine leistungsfähige Raumfahrtagentur; zudem ist Deutschland das am meisten zur
Europäischen Weltraumorganisation
(ESA) beitragende Mitgliedsland.
305
Die chemische Forschung wurde unter anderem von
Carl Wilhelm Scheele
Otto Hahn
und
Justus von Liebig
mitgeprägt. Mit ihren erfolgreichen Erfindungen sind Namen wie
Johannes Gutenberg
Werner von Siemens
Wernher von Braun
Konrad Zuse
und
Philipp Reis
Bestandteile der technologischen Allgemeinbildung. Auch viele bedeutende Mathematiker wurden in Deutschland geboren, so zum Beispiel
Adam Ries
Friedrich Bessel
Richard Dedekind
Carl Friedrich Gauß
David Hilbert
Emmy Noether
Bernhard Riemann
Karl Weierstraß
und
Johannes Müller (Regiomontanus)
. Weitere wichtige deutsche Forscher und Wissenschaftler sind der Astronom
Johannes Kepler
, der Archäologe
Heinrich Schliemann
, die Biologin
Christiane Nüsslein-Volhard
, der Universalgelehrte
Gottfried Wilhelm Leibniz
, der Naturforscher
Alexander von Humboldt
, der Religionsforscher
Max Müller
, der Historiker
Theodor Mommsen
, der Soziologe
Max Weber
und der Medizinforscher
Robert Koch
Siehe auch
Liste deutscher Erfinder und Entdecker
Siehe auch
Portal: Deutschland
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Literatur von und über Deutschland
im Katalog der
Deutschen Nationalbibliothek
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Bundesverwaltung
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– Portal der Bundesverwaltung als zentraler Zugang zu elektronischen Ausschreibungen und Stellenangeboten von Bund, Ländern und Kommunen
deutschland.de
– crossmediales, mehrsprachiges Deutschland-Portal
Länderprofil
vom
Statistischen Bundesamt
Nationalatlas aktuell
– Überblick über die gesellschaftliche Situation,
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für Länderkunde (IfL)
Datenbank inhaltlich erschlossener Literatur zur gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Situation in Deutschland
Linkkatalog zum Thema Deutschland
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(Statistischer Beleg für die muslimische Bevölkerung in Deutschland; dokumentiert die Differenzierung zwischen verschiedenen Strömungen wie Aleviten und Ahmadiyya sowie die Gesamtschätzungen auf Basis der Herkunftsländer).
Religionen & Weltanschauungsgemeinschaften in Deutschland: Mitgliederzahlen – Buddhismus.
Religionswissenschaftlicher Medien- und Informationsdienst (REMID)
abgerufen am 10.
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(Statistischer Beleg für die buddhistische Bevölkerung in Deutschland; dokumentiert die Verteilung zwischen ca. 130.000 Menschen asiatischer Herkunft und etwa 120.000 „westlichen“ Buddhisten).
Religionen & Weltanschauungsgemeinschaften in Deutschland: Mitgliederzahlen – Judentum.
Religionswissenschaftlicher Medien- und Informationsdienst (REMID)
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(Statistischer Beleg für die jüdische Bevölkerung in Deutschland; dokumentiert die Mitgliederzahlen der Gemeinden (ca. 105.000 im Jahr 2011) sowie die signifikante Zuwanderung aus der ehemaligen Sowjetunion seit 1990).
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Zur komplexen Forschungslage der Völkerwanderung (eines problematischen Forschungsbegriffs, da in diesem Zusammenhang faktisch nie einheitliche „Völker“ migrierten, sondern zumeist recht heterogene Verbände) und der Auflösung Westroms (beschleunigt durch innerrömische Bürgerkriege) siehe nun vor allem
Mischa Meier
Geschichte der Völkerwanderung. Europa, Asien und Afrika vom 3. bis zum 8. Jahrhundert.
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Vgl. Peter Stachel:
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Überblick bei Henning Börm:
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Zur Entstehung dieser post-römischen Nachfolgereiche siehe etwa Mischa Meier:
Geschichte der Völkerwanderung. Europa, Asien und Afrika vom 3. bis zum 8. Jahrhundert.
München 2019; Chris Wickham:
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Herwig Wolfram
Das Römerreich und seine Germanen: Eine Erzählung von Herkunft und Ankunft.
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Umfassender Überblick etwa bei
Johannes Fried
Der Weg in die Geschichte. Die Ursprünge Deutschlands bis 1024.
Berlin 1994.
Zu den unterschiedlichen Forschungsansätzen siehe
Joachim Ehlers
Die Entstehung des Deutschen Reiches.
4. Auflage, München 2012; vgl. allgemein auch Hagen Keller, Gerd Althoff:
Die Zeit der späten Karolinger und der Ottonen.
Stuttgart 2008; Johannes Fried:
Der Weg in die Geschichte.
Berlin 1994, speziell S. 9 ff. und 853 ff. Grundlegend ist
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Vgl. Joachim Ehlers:
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Der staatszentrierte Föderalismus zwischen Ewigkeitsgarantie und Divided Government. Genese, Ausprägung und Problemhorizonte des Bundesstaatsprinzips.
In: dies. (Hrsg.):
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Ehemalige Länder:
(Süd-)Baden
Württemberg-Baden
Württemberg-Hohenzollern
Politische Gliederung
Europas
Mitgliedstaaten der
Vereinten Nationen
und Vatikanstadt:
Albanien
Andorra
Belarus
Belgien
Bosnien und Herzegowina
Bulgarien
Dänemark
Deutschland
Estland
Finnland
Frankreich
Griechenland
Irland
Island
Italien
Kasachstan
Kroatien
Lettland
Liechtenstein
Litauen
Luxemburg
Malta
Moldau
Monaco
Montenegro
Niederlande
Nordmazedonien
Norwegen
Österreich
Polen
Portugal
Rumänien
Russland
San Marino
Schweden
Schweiz
Serbien
Slowakei
Slowenien
Spanien
Tschechien
Türkei
Ukraine
Ungarn
Vatikanstadt
Vereinigtes Königreich
Abhängige Gebiete:
Färöer
Gibraltar
Guernsey
Isle of Man
Jersey
Umstrittene Gebiete:
Kosovo
Transnistrien
Liegt größtenteils in
Asien
Hat zusätzliche Gebiete außerhalb Europas.
Europaische Union
Mitgliedstaaten
der
Europäischen Union
Belgien
Bulgarien
Dänemark
Deutschland
Estland
Finnland
Frankreich
Griechenland
Irland
Italien
Kroatien
Lettland
Litauen
Luxemburg
Malta
Niederlande
Österreich
Polen
Portugal
Rumänien
Schweden
Slowakei
Slowenien
Spanien
Tschechien
Ungarn
Zypern
G7-Staaten
G6:
Deutschland
Frankreich
Vereinigtes Königreich
Italien
Japan
Vereinigte Staaten
G7:
Kanada
(G8:
Russland
– Mitgliedschaft suspendiert)
Mitgliedstaaten der
Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
(OECD)
Australien
Belgien
Chile
Costa
Rica
Dänemark
Deutschland
Estland
Finnland
Frankreich
Griechenland
Irland
Island
Israel
Italien
Japan
Kanada
Kolumbien
Lettland
Litauen
Luxemburg
Mexiko
Neuseeland
Niederlande
Norwegen
Österreich
Polen
Portugal
Schweden
Schweiz
Südkorea
Slowakei
Slowenien
Spanien
Tschechien
Türkei
Ungarn
Vereinigtes
Königreich
Vereinigte
Staaten
Teilnehmerstaaten der
Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa
(OSZE)
Teilnehmerstaaten:
Albanien
Andorra
Armenien
Aserbaidschan
Belarus
Belgien
Bosnien und Herzegowina
Bulgarien
Dänemark
Deutschland
Estland
Finnland
Frankreich
Georgien
Griechenland
Heiliger Stuhl
Irland
Island
Italien
Kanada
Kasachstan
Kirgisistan
Kroatien
Lettland
Liechtenstein
Litauen
Luxemburg
Malta
Moldau
Monaco
Mongolei
Montenegro
Niederlande
Nordmazedonien
Norwegen
Österreich
Polen
Portugal
Rumänien
Russland
San Marino
Schweden
Schweiz
Serbien
Slowakei
Slowenien
Spanien
Tadschikistan
Tschechien
Türkei
Turkmenistan
Ukraine
Ungarn
Usbekistan
Vereinigtes Königreich
Vereinigte Staaten
Zypern
Partnerstaaten:
Afghanistan
Australien
Ägypten
Algerien
Israel
Japan
Jordanien
Marokko
Tunesien
Südkorea
Thailand
Mitgliedstaaten der
NATO
Albanien
Albanien
Belgien
Belgien
Bulgarien
Bulgarien
Danemark
Dänemark
Deutschland
Deutschland
Estland
Estland
Finnland
Finnland
Frankreich
Frankreich
Griechenland
Griechenland
Island
Island
Italien
Italien
Kanada
Kanada
Kroatien
Kroatien
Lettland
Lettland
Litauen
Litauen
Luxemburg
Luxemburg
Montenegro
Montenegro
Niederlande
Niederlande
Nordmazedonien
Nordmazedonien
Norwegen
Norwegen
Polen
Polen
Portugal
Portugal
Rumänien
Rumänien
Schweden
Schweden
Slowakei
Slowakei
Slowenien
Slowenien
Spanien
Spanien
Tschechien
Tschechien
Turkei
Türkei
Ungarn
Ungarn
Vereinigtes Konigreich
Vereinigtes Königreich
Vereinigte Staaten
Vereinigte Staaten
Normdaten
(Geografikum):
GND
4011882-4
GND Explorer
lobid
OGND
AKS
LCCN
n80125931
NDL
00561571
VIAF
1168897875656720002
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Deutschland
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Mitgliedstaat der Europäischen Union
G7
Mitglied des Europarats
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Mitgliedstaat der Vereinten Nationen
Mitgliedstaat der OECD
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