Geographie
Der Großteil des Staatsgebiets liegt auf der von Nordwest nach Südost gerichteten
Apenninhalbinsel
, die in ihrer Form an einen Stiefel erinnert. Die maximale Länge der weitenteils vom Gebirgszug des
Apennin
geprägten Halbinsel beträgt rund 1000
km, die maximale Breite rund 240
km.
25
Auf drei Seiten ist sie von Teilmeeren des
Mittelmeers
umgeben, nämlich vom
Ligurischen
Tyrrhenischen
Ionischen
und
Adriatischen Meer
. Im Mittelmeer liegen die zwei mit Abstand größten italienischen Inseln
Sardinien
und
Sizilien
sowie mehrere kleinere Inselgruppen. Die gesamte Küstenlänge beträgt 7600
km.
26
Nördlich schließt an die Halbinsel die
Po-Ebene
an, die den Hauptteil der dicht besiedelten
Norditalienischen Tiefebene
ausmacht. Den nördlichen Abschluss findet das Staatsgebiet in den
Alpen
, wo es teilweise den
Alpenhauptkamm
erreicht.
Intern wird Italien häufig in
Ober-
Mittel-
und Unter-/
Süditalien
(auch
Mezzogiorno
genannt) gegliedert.
Angrenzende Staaten sind
Frankreich
(Länge der gemeinsamen Staatsgrenze: 488
km), die
Schweiz
(734,2
km),
Österreich
(430
km),
Slowenien
(232
km) sowie die
Enklaven
San Marino
(39
km) und die
Vatikanstadt
(3
km). Die Landesgrenzen haben eine Gesamtlänge von etwa 2000
km. Italien besitzt mit der Gemeinde
Campione d’Italia
eine von der Schweiz umgebene
Exklave
. Zu
Kroatien
besteht eine
Seegrenze
Morphologie
Die
Marmolata
in den
Dolomiten
Landschaft im zentralen
Apennin
mit den
Sibillinischen Bergen
Italien ist größtenteils gebirgig. Der
Apennin
durchzieht die nach ihm benannte Halbinsel entlang der Längsachse und erreicht mit
2912
s.l.m.
seine größte Höhe im
Gran Sasso
. Im Norden gehört ein großer Teil der
Alpen
zu Italien: Höchster Gipfel ist der
Mont Blanc
(Monte Bianco) mit 4805,59
Meter, welcher an der Grenze zu Frankreich liegt. (Der
Grenzverlauf auf dem Mont Blanc
ist allerdings umstritten. Nach französischer Auffassung ist der
Mont Blanc de Courmayeur
mit seinen
4748
s.l.m.
der höchste Gipfel Italiens.) Das höchste Bergmassiv, das vollständig auf italienischem Boden steht, ist der
Gran Paradiso
mit
4061
s.l.m.
in den
Grajischen Alpen
Die italienischen Küsten sind speziell auf der Westseite durch zahlreiche Buchten gegliedert, darunter den
Golf von Neapel
Die
Po-Ebene
(ital.
Pianura Padana
) im Norden ist mit einer Fläche von 50.000
km² die mit Abstand größte
Ebene
Italiens.
Erdbeben und Vulkane
Aufgrund der geologischen Verhältnisse kommt es häufig zu
Erdbeben in Italien
. Das heftigste Beben des 20.
Jahrhunderts mit einer Stärke von 7,2 auf der Richterskala ereignete sich
im Jahr 1908 in Messina und Reggio Calabria
. Es starben bis zu 120.000 Menschen. 1915 forderte
ein Erdbeben bei Avezzano
in den Abruzzen etwa 30.000 Menschenleben. Die süditalienische Region
Irpinia
wurde 1980 von mehreren starken Beben getroffen, deren Ausläufer von
Portici
bei Neapel bis nach
Potenza
in der
Basilikata
reichten; dabei starben 3.000 Menschen. Am 31.
Oktober 2002 kam es zu einem starken Beben in
San Giuliano di Puglia
(Region
Molise
): 30 Menschen, davon 27 Kinder, wurden in den Trümmern eines eingestürzten Schulgebäudes verschüttet. Das
Erdbeben im Friaul 1976
forderte 965 Menschenleben. Am 6.
April 2009 ereignete sich in
L’Aquila
ein
schweres Erdbeben
mit einer Stärke von 5,9 auf der Richterskala, das 308 Opfer forderte,
27
im August 2016 folgte im Gebiet von
Amatrice
ein ähnlich folgenreiches Beben.
Eruption des
Ätna
2002, fotografiert aus der
ISS
Neben dem 1281
Meter hohen
Vesuv
, der sich seit dem letzten Ausbruch 1944 in einer Ruhephase befindet, und den
Phlegräischen Feldern
mit ihren zahlreichen
Thermalquellen
und
Fumarolen
auf dem Festland, stehen auf den Inseln mehrere weitere Vulkane. Bekannt sind vor allem der 3403
Meter hohe aktive
Ätna
auf Sizilien sowie der 926
Meter hohe ständig aktive
Stromboli
. Italien ist das Land mit den
meisten aktiven Vulkanen
auf dem europäischen Kontinent.
28
Klima
Das Klima in Italien ist
subtropisch
mit teilweise sehr deutlichen Unterschieden in den verschiedenen Regionen. Norditalien wird von den Alpen und dem toskanisch-emilianischen Apennin umsäumt; dort herrscht aufgrund der Höhenlagen ein meist kaltes
Gebirgsklima
, die Sommer dort sind überwiegend mild. Die Winter sind kühl; in den Städten der
Po-Ebene
kommt es mitunter zu leichtem Frost, gelegentlich kann Schnee fallen, der über Nacht oder wenige Tage liegen bleiben kann. Von November bis Januar gibt es in der Po-Ebene häufig langanhaltende Perioden mit
dichtem Nebel und Windstille
. Die Sommer sind lang und heiß; die
Luftfeuchtigkeit
ist vielerorts hoch.
Mittelitalien hat durch den Einfluss des Mittelmeeres mildere Winter und trockene, warme bis heiße Sommer. Etwa südlich des 45.
Breitengrades gibt es verbreitet wilde
Pinienbestände
. Diese typische mediterrane Baumart verträgt kaum Temperaturen unter 0
°C und beginnt darunter bald, von unten her abzusterben, was davon zeugt, dass in diesen Gebieten fast keine Fröste auftreten.
Mediterrane Landschaft auf Sizilien
Süditalien und die
italienischen Inseln
haben ein nahezu ganzjährig warmes
mediterranes Klima
. Der Herbst setzt spät ein. Die Winter sind feucht, kurz und mild mit Tagestemperaturen von 10 bis 15
°C. Die
Mandelblüte
beginnt vielerorts Ende Januar. Im Sommer kann es sehr heiß werden, oftmals werden Temperaturen von über 40
°C erreicht. Wegen der geringen Niederschlagsmengen in den Sommermonaten sind Dürreperioden ein häufiges Problem in Süditalien.
Die mittlere jährliche Sonnenscheindauer beträgt im Norden rund 1250
Stunden, in der Mitte etwa 1700
Stunden (Rom etwa 1680
Stunden) und steigt bis auf über 2000
Stunden ganz im Süden und auf Sizilien.
29
Auf der
Pala di San Martino
im Trentino wurde im Dezember 2010 mit −48,3
°C ein neuer italienischer Kälterekord gemessen. Die Höchsttemperatur von 48,5
°C wurde am 10.
August 1999 an der Wetterstation Catenanuova in der Provinz Enna auf Sizilien festgestellt. Dies ist zugleich die höchste bisher in Europa registrierte Temperatur.
Die seit 1980 beschleunigte
globale Erwärmung
trifft den Mittelmeerraum überdurchschnittlich stark, auch in Italien.
30
Für fünf weit gefasste und miteinander verbundene Wirkungsbereiche (Wasser, Ökosysteme, Ernährung, Gesundheit und Sicherheit) weisen aktuelle Veränderungen und Zukunftsszenarien auf zunehmende Risiken in den kommenden Jahrzehnten hin.
30
In großen Teilen des Landes regnet es weniger als früher, die Temperaturen sind gestiegen und Extremwetterereignisse haben zugenommen.
31
Besonders sichtbar sind die Folgen der Veränderungen in den Alpen. Auch in der Landwirtschaft zeigen sich die Folgen.
32
Die
Klimakrise
bedroht zudem das kulturelle Erbe Italiens: 13 von 15 UNESCO-Welterbestätten in Italien sind von Erosion und steigendem Meeresspiegel bedroht, weil sie in der niedrig gelegenen Küstenregion liegen.
33
Bevölkerung
Bevölkerungsdichte in Italien im Jahr 2011
Bevölkerungspyramide 2016
Die Bevölkerung Italiens im Jahre 1861 wurde auf etwa 22 Millionen geschätzt. 1961 lag die Einwohnerzahl bei etwa 51
Millionen. Im Juni 2020 hatte Italien etwa 60
Millionen Einwohner
und rangiert damit in der Weltrangliste auf Platz 23, innerhalb der Europäischen Union liegt das Land auf dem dritten Rang hinter Deutschland und Frankreich. Mit einer
Bevölkerungsdichte
von knapp 200
Einwohnern pro
km² zählt es innerhalb der
Europäischen Union
zu den Ländern mit einer hohen Bevölkerungsdichte.
36
Zu Beginn des 21. Jahrhunderts wuchs die Bevölkerung Italiens nur noch sehr langsam.
Die
COVID-19-Pandemie in Italien
hat demografische Auswirkungen: 2020 starben 746.146 Menschen, etwa 100.000 mehr als im Durchschnitt der Jahre 2015 bis 2019 (
Übersterblichkeit
). Die Auswanderung hat zugenommen und die Immigration abgenommen. Das
ISTAT
beziffert den Bevölkerungsrückgang auf 384.000 Menschen. Noch nie seit Gründung Italiens wurden so wenige Kinder geboren wie 2022 (392.598 Kinder). Bis Mai 2023 gab es über 3.000 weniger Geburten als im Vorjahr.
37
38
Bevölkerungsentwicklung
39
Jahr
Einwohnerzahl
Jahr
Einwohnerzahl
1861
22.182.377
1951
47.515.537
1871
27.303.509
1961
50.623.569
1881
28.953.480
1971
54.136.547
1901
32.965.504
1981
56.556.911
1911
35.845.048
1991
56.778.031
1921
39.943.528
2001
56.995.744
1931
41.651.000
2011
59.433.744
1936
42.943.602
2019
60.244.639
Stadt- und Landbevölkerung
Im Jahr 2023 lebten 72
% der Einwohner Italiens in Städten.
40
Vor allem von 1950 bis 1960 herrschte eine starke
Landflucht
. Seit den 1980er Jahren hat sich dieser Trend zu Gunsten der Vororte und
Kleinstädte
umgekehrt (
Suburbanisierung
). In der Zeit von 1951 bis 1974 kam es darüber hinaus zu einer starken
Binnenwanderung
nach Norditalien: Etwa vier
Millionen Süditaliener wanderten in die Industriezentren im Norden ab.
41
Lebenserwartung und Gesundheit, ärztliche Versorgung
Universitätsklinikum Careggi in
Florenz
Die
Lebenserwartung
der Einwohner ab der Geburt, eine der höchsten der Welt, lag 2020 bei 82,3 Jahren
42
(Frauen: 84,7
43
, Männer: 80,1
44
). Ungefähr 19
% der Italiener waren älter als 65
Jahre und damit gehörten sie einer der ältesten Gesellschaften der Welt an. Die Anzahl der Geburten pro Frau lag 2020 statistisch bei 1,2, einem der niedrigsten Werte in der Europäischen Union.
45
Zum Bevölkerungsrückgang im Jahr 2020 trug ein Sterbeüberschuss (Geburtenziffer: 6,8 pro 1000 Einwohner
46
vs. Sterbeziffer: 12,6 pro 1000 Einwohner
47
) bei.
Die Sterblichkeit durch Herz- und Kreislauferkrankungen lag 2006 bei 33 pro 10.000 Einwohnern; sie lag bei den Männern bei 40,5, bei den Frauen bei 27,7.
48
Dies ist eine der niedrigsten Raten in ganz Europa. Knapp dahinter folgen Krebserkrankungen. 2006 lagen diese Werte bei 26,6, wobei Männer (37,3) deutlich häufiger daran starben als Frauen (19,4).
49
Extremwerte wiesen
Vibo Valentia
(19,4) und
Lodi
(33,6) auf. Auch liegen die Metropolen über dem Durchschnitt, vor allem Neapel (29); dann folgen Mailand (28,9), Rom (27,9), Genua (27,9) und Turin (27,2). Bei den Männern lag die Rate besonders hoch im
Aostatal
und in der Region
Friaul-Julisch Venetien
, bei den Frauen im
Trentino
Die Kindersterblichkeit lag in Italien 2018 bei 3,0
Promille
(OECD: 6,8
Promille).
50
Bei der Kindersterblichkeit konnte die Rate seit Mitte der 1990er Jahre auf 3,4 Tote auf 1000 Geborene innerhalb des ersten Jahres halbiert werden. Der Durchschnitt in Europa lag in diesem Jahr 2006 bei 4,7. Finnland, die Schweiz, Slowenien und Luxemburg lagen zwischen 2,6 und 1,8, Rumänien hingegen bei 11. Innerhalb Italiens hatte die
Provinz Enna
(7,4) den höchsten Wert, das
Aostatal
(0,8) den niedrigsten.
51
Auch in Italien lässt sich, wie in nahezu allen OECD-Staaten, ein Anstieg des Anteils
fettleibiger
Menschen beobachten. So stieg dieser Wert von 7,0
% im Jahr 1994 auf 9,9
% im Jahr 2005 (in Deutschland lag diese Quote im selben Jahr bei 13,6
%).
52
2019 hatten 53
% der erwachsenen EU-Bürger einen
Body-Mass-Index
(BMI) von 25 oder mehr; in Italien waren es 46
% (37
% Frauen und 55
% der Männer).
53
Der Anteil täglicher Raucher sank im Vergleichszeitraum 1990 bis 2005 von 27,8
% auf 22,3
% (OECD: 24,3
Prozent).
52
Seit 10.
Januar 2005 gilt ein generelles
Rauchverbot
in allen öffentlich zugänglichen Gebäuden. Auch der
Alkoholkonsum
ging zurück (siehe auch
Liste der Länder nach Alkoholkonsum
).
Italien verzeichnete seit dem Höhepunkt im Jahr 2002 einen Rückgang der Zahl der Ärzte pro 100.000 Einwohner. 2004 waren es noch 416,7 Ärzte, 2007 waren es nur noch 363,5. Nur in Ligurien stieg ihre Zahl von 514,7 auf 581,9, womit dort die Versorgung am dichtesten war. Mit 511,1 Ärzten folgte Latium. Im Süden lag nur Sizilien mit 425 über dem nationalen Durchschnitt.
54
Schulwesen und Bildung
Hauptgebäude der
Scuola Normale Superiore
in
Pisa
Universität Bologna
, Europas älteste Universität, gegründet im 11. Jahrhundert
Universität La Sapienza
in Rom, eine der größten Universitäten Europas
Das
Schulwesen
Italiens ist – was den Aufbau und die Gliederung betrifft
– durch große Einheitlichkeit gekennzeichnet. Die wesentlichen Bestimmungen für Unterricht und Erziehung sind in
Mailand
nicht anders als in
Palermo
. Unterschiede gibt es lediglich im Bereich der beruflichen Bildung, die zum Kompetenzbereich der einzelnen Regionen gehört. Das Schulsystem gliedert sich in folgende Stufen:
Vorschule
scuola dell’infanzia,
vormals
scuola materna,
drei Jahre, 3 bis 6),
Grundschule
scuola primaria,
vormals
scuola elementare,
fünf Jahre, 6 bis 11),
Mittelschule
scuola secondaria di primo grado,
vormals
scuola media inferiore,
drei Jahre, 11 bis 14) und
Oberschulen
scuola secondaria di secondo grado,
vormals
scuola media superiore,
fünf Jahre, 14 bis 19). Die staatlichen Oberschulen gliedern sich in Gymnasien, Fachoberschulen und Berufsfachschulen. Im Bereich der Gymnasien gibt es einen humanistischen, einen naturwissenschaftlichen und einen neusprachlichen Zweig (
liceo classico, scientifico, linguistico
) sowie das sogenannte Kunstgymnasium (
liceo artistico
). Die Fachoberschulen (
istituto tecnico
), die zur allgemeinen Hochschulreife und auch zu einem berufsqualifizierenden Abschluss führen, untergliedern sich in mehrere Ausbildungsrichtungen, in denen wiederum zahlreiche Spezialisierungen angeboten werden. Den Bereich der beruflichen Ausbildung decken einerseits die staatlichen Berufsfachschulen (
istituto professionale
) ab, an denen nach drei Jahren ein berufsqualifizierender Abschluss erlangt werden kann, nach zwei weiteren Jahren die Hochschulreife. Auf der anderen Seite stehen die von den
italienischen Regionen
unterhaltenen oder beaufsichtigten Berufsausbildungszentren (
centro di formazione professionale
).
Die
Schulpflicht
in Italien ist eine
Bildungspflicht
55
geworden, die schrittweise angehoben wurde. In der Vergangenheit betrug sie acht Jahre (6 bis 14), womit die Grund- und Mittelschule zur Pflichtschule (
scuola dell’obbligo
) wurde. Ende der 1990er Jahre erfolgte eine Anhebung auf neun Jahre. 2004 wurde dann eine zwölfjährige Schul- und Berufsausbildungspflicht eingeführt. Diese kann nach Abschluss der Mittelschule entweder durch den Besuch der staatlichen Oberschulen oder der regionalen Berufsschulen erfüllt werden. Alternativ kann auch eine betriebliche Ausbildung durchgeführt werden, wobei auch Kurse an regionalen Berufsschulen zu absolvieren sind. Werden die Ausbildungsgänge an regionalen Berufsausbildungszentren mit einer Staatsprüfung abgeschlossen, steht der Weg zum beruflichen Abitur frei. Wer vor Vollendung des 18. Lebensjahres einen ersten berufsqualifizierenden Abschluss erreicht, ist von der zwölfjährigen Schul- und Ausbildungspflicht freigestellt.
Italien hat in der Fremdsprachenausbildung bedeutende Fortschritte gemacht: Englisch wird bereits in der Grundschule unterrichtet, eine zweite lebende Fremdsprache kann ab der Mittelschule (ab dem 6.
Schuljahr) zusätzlich erlernt werden. Die fünfjährigen Gymnasien sehen daneben in der Regel Lateinunterricht vor, beim altsprachlichen
Liceo Classico
kommt noch Altgriechisch dazu.
Die
PISA-Studien
erteilten der italienischen Schule insgesamt ein relativ schlechtes Zeugnis. 2009 erreichte Italien in der Lesekompetenz 486 Punkte, in Mathematik 483 und in den Naturwissenschaften 489 Punkte. Allerdings besteht in Italien auch im Schulwesen ein scharfes Nord-Süd-Gefälle: So erreichte die Region
Lombardei
in den Naturwissenschaften 526 Punkte,
Kalabrien
hingegen nur 443. Im Jahr 2012 konnte sich Italien unwesentlich verbessern, die regionalen Unterschiede blieben jedoch weiterhin fast unverändert. Die
PISA-Ergebnisse
an deutschsprachigen Schulen in Südtirol in Lesekompetenz (503), Mathematik (513) und Naturwissenschaften (530) waren überdurchschnittlich.
56
Im Hochschulbereich gibt es, anders als in den deutschsprachigen Ländern, keine eigenständigen Fachhochschulen. In der Folge ist die Quote der Menschen mit Hochschulabschluss geringer als anderswo in der Europäischen Union und liegt bei etwa 15
Prozent.
57
Mit dem
Bologna-Prozess
entstand auch an italienischen Universitäten die Unterteilung in ein dreijähriges Bachelorstudium (
laurea triennale
oder
laurea breve
) mit nachfolgendem zweijährigem Masterstudiengang (
laurea magistrale,
vormals
laurea specialistica).
Jura wird als fünfjährige
laurea magistrale
angeboten. Was die Hochschuleinrichtungen angeht, kann man folgende Unterscheidungen treffen:
Università:
Universitäten im klassischen Sinn;
Politecnici:
Technische Universitäten;
Scuole superiori:
Spitzenuniversitäten
, die begabte Studierende fördern. Die bekannteste ist die
Scuola Normale Superiore
in Pisa, meist nur
Normale
genannt, die von Napoleon gegründet wurde;
Istituti di alta formazione artistica e musicale:
Kunst- und Musikhochschulen, die keine eigentlichen Universitäten sind, aber zur höheren Bildung gehören;
Istruzione e formazione tecnica superiore:
das höhere Berufsbildungswesen.
67 der 95 Universitäten
58
in Italien sind staatlich.
59
Bekannteste Privat-Universitäten sind die
Università Commerciale Luigi Bocconi
in Mailand und die
Libera Università Internazionale degli Studi Sociali
in Rom. Die
Universität Bologna
ist die älteste Hochschule der Welt, sie wurde im Jahr 1088 gegründet. Insgesamt sind 1.809.186 Studenten an italienischen Hochschulen eingeschrieben.
60
1960/61 waren es nur 217.000. Die
Universität La Sapienza
in Rom ist mit nahezu 114.000 Studierenden eine der größten Universitäten Europas.
Relativ neu ist auch der Ausbau der Alten- und
Volkshochschulen
(università per la terza età).
Religionen
Eine repräsentative Umfrage im Auftrag der Europäischen Kommission im Rahmen des
Eurobarometers
ergab 2020, dass für 50
Prozent der Menschen in Italien Religion wichtig ist, für 34
Prozent ist sie weder wichtig noch unwichtig und für 15
Prozent ist sie unwichtig.
61
Christentum
Die
Kathedrale von Florenz
gilt als eines der bedeutendsten Bauwerke der Renaissance und ist heute Sitz des
Erzbistums Florenz
Die
Lateranbasilika
ist die Bischofskirche und eine der vier
Papstbasiliken
Roms
Italien ist ein
römisch-katholisch
geprägtes Land, das eine hohe Dichte an römisch-katholischen Institutionen aufweist. Im Jahr 2000 bestanden 227 Diözesen, es amtierten 252 Bischöfe, davon 224 Orts- und 26 Weihbischöfe. Artikel 7 der
Verfassung Italiens
regelt das Verhältnis zwischen Staat und römisch-katholischer Kirche.
62
Die
römisch-katholische Kirche in Italien
ist traditionell einflussreich, was früher mit einer hohen Zahl an Priestern korrelierte. Im Jahr 2002 gab es 34.300
Diözesanpriester
und 21.450
Ordenspriester
63
Seit langem sinkt die Zahl der Priester. Lag sie 1871 noch bei 109.688,
64
so sank sie allein zwischen 1991 und 2004 von 57.200 auf 51.600, die der Ordensmänner von 5.000 auf 3.500, die der Ordensfrauen von 125.800 auf 102.300.
65
51
Millionen (85
Prozent) der in Italien lebenden Menschen bekannten sich 2008 zum römisch-katholischen Glauben. Die zweitgrößte christliche Glaubensgemeinschaft war demnach die
Orthodoxe Kirche
mit 1.187.130 Anhängern. Deren Anteil ist durch die Einwanderung von
Rumänen
deutlich gestiegen. Die drittgrößte christliche Religionsgemeinschaft stellen die
Zeugen Jehovas
mit über 251.000 aktiven (missionierenden, auch „Verkündiger“ genannten) Mitgliedern und knapp 2900 Versammlungen (Gemeinden) dar.
66
Sie ist zugleich die größte Gemeinde Europas dieser christlichen
Sondergemeinschaft
67
Zu protestantischen Religionsgemeinschaften (u.
a.
Waldenser
und
Baptisten
) fühlten sich circa 550.000 Menschen zugehörig.
In Italiens Hauptstadt Rom befindet sich die
Enklave
des Staates
Vatikanstadt
, die das Zentrum der römisch-katholischen Kirche ist. Der
Papst
ist zugleich dessen Staatsoberhaupt, das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche und der
Bischof von Rom
. Der
Heilige Stuhl
als nichtstaatliches, eigenständiges, vom Staat Vatikanstadt zu unterscheidendes
Völkerrechtssubjekt
vertritt den
Zwergstaat
auf internationaler Ebene.
Weitere
Unter den Nichtchristen waren
Muslime
, zum großen Teil Einwanderer aus muslimischen Ländern, mit 1.293.704 die größte Glaubensgemeinschaft (siehe auch
Islam in Italien
).
Zudem lebten in Italien 197.931
Buddhisten
und 108.950
Hindus
Die
jüdische Gemeinschaft
68
zählt etwa 45.000, als unmittelbare Angehörige einer Gemeinde galten 2009 allerdings nur 24.400 Mitglieder.
69
Vier Millionen Menschen bekannten sich 2008 zu keiner Konfession.
70
Sprachen und Dialekte
Die
italienische Sprache
weltweit:
Muttersprache
Verwaltungssprache
Zweit- oder
Verkehrssprache
Italophone Minderheit
Neben der staatlichen Amtssprache
Italienisch
gibt es die regionalen Amtssprachen
und
Ladinisch
in
Trentino-Südtirol
Französisch
im
Aostatal
sowie
Slowenisch
in
Friaul-Julisch Venetien
Darüber hinaus sieht ein staatliches Gesetz aus dem Jahr 1999
71
den Schutz folgender Minderheitensprachen vor:
Bisher ist dieses Gesetz bis auf einige Ausnahmen nicht umgesetzt worden. Die Einrichtung von mehrsprachigen Ämtern, der muttersprachliche Schulunterricht und die Förderung von Radio- und Fernsehprogrammen, wie sie das Gesetz vorsieht, sind nicht verwirklicht worden. Nur in der Ortsnamensgebung sind einige Fortschritte gemacht worden: So tragen zahlreiche Verkehrsschilder im Friaul auch die furlanische Bezeichnung, während auf Sardinien neben dem italienischen gegebenenfalls auch der sardische Ortsname steht. In den Schulen des Friauls ist es zudem möglich, Unterricht in furlanischer Sprache zu nehmen.
Fersentalerisch
und
Zimbrisch
sind bairische Mundarten, die in einigen Sprachinseln in Nordostitalien verbreitet sind. Im
Trentino
werden sie als Minderheitensprachen geschützt. In einigen Alpentälern im Nordwesten wird der höchstalemannische Dialekt der
Walser
gesprochen, der in der autonomen Region
Aostatal
anerkannt ist und gefördert wird.
Darüber hinaus werden in Italien zahlreiche Dialekte des
Italienischen
gesprochen. Diese können in drei große Dialektgruppen unterschieden werden, die zum Teil als eigenständige Sprachen eingestuft werden:
72
Die Anerkennung der Dialekte als eigenständige Sprachen ist in der Sprachwissenschaft umstritten, ebenso in der Politik. Die Verkehrsbeschilderung einiger Gemeinden, besonders jener, die von der
Lega Nord
verwaltet sind, ist zum Beispiel um die mundartliche Bezeichnung des Ortes erweitert worden.
Einwanderung
Die Anzahl der in Italien wohnhaften Ausländer nimmt seit den 1990er Jahren konstant zu. Laut dem nationalen Statistikinstitut
ISTAT
waren zum 31.
Dezember 2021 5.030.716 ausländische Staatsbürger in Italien wohnhaft, was ca. 8,5
Prozent der Gesamtbevölkerung ausmacht.
Zudem leben in Italien rund 120.000
Roma
, von denen 70.000 Staatsbürger sind.
Die
illegalen Einwanderer
sind in der Statistik nicht berücksichtigt. Die
OECD
rechnet mit 500.000 bis 750.000, die
Caritas
geht davon aus, dass sich eine Million Ausländer ohne Aufenthaltsberechtigung im Land befinden.
74
Damit würden sich in Italien bis zu sechs Millionen Ausländer aufhalten.
Die meisten Einwanderer sind im Norden und im Zentrum Italiens angesiedelt, dort machen sie einen Anteil von 10,1
Prozent bzw. 9,7
Prozent an der Bevölkerung aus. In den süditalienischen Regionen liegt der Ausländeranteil bei 2,9
Prozent.
75
Die Städte mit dem größten Anteil an Ausländern waren im Jahr 2009: Rom (242.725), Mailand (181.393), Turin (114.710), Genua (42.744), Florenz (40.898), Bologna (39.480), Verona (34.465), Brescia (31.512), Padua (25.596), Neapel (24.384), Reggio Emilia (24.401), Prato (24.153), Venedig (23.928) und Modena (22.857).
76
Die Zahl der
Araber in Italien
wird auf 692.201 beziffert.
Italiener im Ausland
Zwischen 1876 und 1915 war Italien von einer
der größten Auswanderungswellen
betroffen. Schätzungsweise 14
Millionen Bürger verließen das Land, um hauptsächlich in Amerika
– in den Vereinigten Staaten als Arbeiter, in Argentinien und Brasilien als Landwirte
– ihr Glück zu suchen. Bei einer Einwohnerzahl zur Jahrhundertwende von 33
Millionen entspricht dies fast einem Drittel der Bevölkerung. 1913 war das Jahr mit der höchsten aufgezeichneten Auswanderungszahl: Über 870.000 Italiener verließen ihre Heimat.
77
Die faschistische Diktatur versuchte der Auswanderung entgegenzuwirken, konnte aber nicht verhindern, dass weitere 2,6
Millionen Italiener das Land verließen. Vor allem Argentinien und Frankreich waren zwischen den Weltkriegen bevorzugte Auswanderungsländer, zumal die Vereinigten Staaten und Brasilien strengere Einwanderungsregeln eingeführt hatten.
Nach dem Zweiten Weltkrieg richtete sich die Auswanderung zunehmend in Richtung europäischer Staaten. Viele, die vorübergehend als
Gastarbeiter
nach Belgien, Deutschland, Frankreich, in die Schweiz gegangen waren, ließen sich auf unbestimmte Zeit in ihren Gastländern nieder.
Im konsularischen Personenregister sind nach wie vor 4.106.640 Auslandsitaliener registriert. Die folgende Tabelle weist jene Länder (außer Italien) aus, in denen die meisten
italienischen Staatsbürger
wohnhaft sind.
Im Ausland wohnende italienische Staatsbürger dürfen bei den Parlamentswahlen in Italien wählen und sind durch zwölf Abgeordnete und sechs Senatoren vertreten. Zudem dürfen sie an den
nationalen Volksabstimmungen
teilnehmen.
Geschichte
Ur- und Frühgeschichte
Matera
zählt mit den bereits in der Jungsteinzeit besiedelten
Sassi
zu den ältesten Städten der Welt
90
Chimäre von Arezzo
, eines der bekanntesten Beispiele
etruskischer Kunst
(5. Jahrhundert v.
Chr.)
Die Geschichte Italiens im Sinne einer
hominiden
Besiedlung der
Apenninhalbinsel
und der sie umgebenden Inseln lässt sich 1,3 bis 1,7
Millionen Jahre zurückverfolgen, wobei der
moderne
Mensch
vor etwa 43.000 bis 45.000
Jahren in Italien auftrat und noch mehrere Jahrtausende neben dem
Neandertaler
lebte. Bis ins 6.
Jahrtausend v.
Chr. bildeten Jagd, Fischfang und Sammeln die Grundlagen der Existenz.
Etwa 6100 v. Chr. brachten erste Gruppen von außerhalb der Halbinsel, wohl über See aus Süd
kleinasien
und dem
Nahen Osten
, die
Landwirtschaft
mit, die
Jäger und Sammler
verschwanden. Im 2.
Jahrtausend setzte eine Entwicklung ein, die aus den Dörfern frühe stadtähnliche Siedlungen machte, und die Gesellschaften wiesen erstmals deutliche Spuren von
Hierarchien
auf.
Die durch
Schriftquellen
belegte Geschichte Italiens beginnt erst nach der Besiedlung durch
italische Völker
. Neben ihnen erlebte die Kultur der
Etrusker
, deren Herkunft ungeklärt ist, um 600 v.
Chr. ihre Blütezeit. Im 8.
Jahrhundert v.
Chr. hatte die
griechische Kolonisation
des süditalienischen Festlandes und
Siziliens
begonnen, an der Westküste der Insel siedelten
Phönizier
. Diese Kolonien gehörten später zu
Karthago
Antike
Kolosseum
in Rom; erbaut 80 n.
Chr.
Das Römische Reich um 117 n.
Chr.
Schon in vorrömischer Zeit war Italien, vor allem Mittel- (
Etrurien
) und Süditalien (
Magna Graecia
), ein wichtiges mittelmeerisches
Kulturzentrum
. Ab dem 4.
Jahrhundert v.
Chr. setzte die Expansion
Roms
ein, 146 v.
Chr. wurden
Korinth
und Karthago zerstört, die Eroberung des Mittelmeerraums, später auch von Teilen Mittel- und Nordeuropas brachte kulturelle Einflüsse und Menschen aus dem gesamten Reich und den angrenzenden Gebieten nach Italien. 41 v.
Chr. wurde das italische Kernland, das zuvor bis zum
Rubikon
bei Rimini gereicht hatte, um die Provinz
Gallia cisalpina
erweitert. Sizilien und Sardinien (sowie Korsika) wurden erst im Zuge von Kaiser
Diokletians
Gebietsreform dem Mutterland Italien
Dioecesis Italiae
angegliedert. Die Halbinsel bildete das Zentrum des
Römischen Reiches
und blieb es mit Einschränkungen bis zum Untergang Westroms um 476. Im 4.
Jahrhundert setzte sich das Christentum als Staatsreligion durch.
Dabei verwandelte sich die agrarische Wirtschaftsbasis, die anfangs aus Bauern bestanden hatte, zu einem System weiträumiger
Latifundien
auf der Basis von
Sklavenarbeit
. Ein dichtes
Straßennetz
verband die expandierenden Städte, dank dessen der Warenaustausch, aber auch die Abhängigkeit von externen Gütern, wie Weizen und
Olivenöl
aus Nordafrika, anwuchsen.
In der
Spätantike
erschienen neben der Sklaverei und den freien Bauern auf dem Land Formen der zwangsweisen Bindung an den Boden, wie das
Kolonat
, wenngleich noch um 500 zwischen freien und unfreien Kolonen unterschieden wurde (
Kolonenedikt des Anastasius
). Mit dem Schrumpfen der Städte, dem Rückgang der Bevölkerungszahlen sowie dem Verfall des Straßensystems wurden die Flüsse und das Meer zu den wichtigsten Handelswegen.
Mittelalter
Eiserne Krone der Könige von Italien
Piazza San Marco
in
Venedig
Nach dem Einfall der
Goten
und der
Langobarden
(410 bzw. 568) zersplitterte das Land in eine Reihe von Herrschaftsgebieten, die Bevölkerungszahlen gingen drastisch zurück, nur wenige größere Städte, darunter die Hauptstadt
Pavia
, bewahrten ihren urbanen Charakter. Dabei trugen die zunächst arianischen Langobarden, die schließlich katholisiert wurden, erheblich zur Entstehung eines neuen Eigenbewusstseins bei.
Im 8. und 9. Jahrhundert, besonders unter Pippin und Karl dem Großen, dominierten die Franken, doch entwickelte sich unter den Nachfolgern Karls ein eigenes Königreich Italien. Seit
Otto dem Großen
gehörte Italien überwiegend zum
Heiligen Römischen Reich
Reichsitalien
), der Süden blieb dabei lange
byzantinisch
. Jedoch eroberten zunächst
Araber
ab dem Jahr 827
Sizilien
und Teile Süditaliens.
Im 11. Jahrhundert erfolgte über einen Zeitraum von mehreren Jahrzehnten die
normannische Eroberung Süditaliens
. Durch den Aufschwung von Handel und Verkehr gewannen insbesondere die Städte Norditaliens im 11.
Jahrhundert zunehmende Selbstständigkeit. Die
Normannen
und zahlreiche Städte Oberitaliens unterstützten während des
Investiturstreits
zwischen 1076 und 1122 den Papst.
Mit dem Untergang der Dynastie der
Staufer
scheiterten 1268 deren Versuche, die schwindende Reichsgewalt in Italien zu erneuern, obwohl
Heinrich
VI.
das unteritalienische Normannenreich durch Heirat gewonnen hatte. Den Süden beherrschte ab 1268 die französische Dynastie der
Anjou
. Der Norden zerfiel in eine Reihe von formal dem Heiligen Römischen Reich zugehörigen, im Übrigen jedoch selbstständigen Städten mit ihrem Umland.
Renaissance
Im Italien des späten 14. Jahrhunderts liegen die Anfänge der
Renaissance
; als Kernzeitraum gilt das 15. und 16.
Jahrhundert. Das wesentliche Charakteristikum ist die Wiedergeburt antiken Geistes, der
Humanismus
war die prägende Geistesbewegung. Hinzu kam eine Neuorientierung in der Wissenschaft, wo das
theozentrische
Weltbild des Mittelalters durch eine stärker
anthropozentrische
Sicht der Dinge abgelöst wurde.
Italien um 1494
Im 14. und 15. Jahrhundert entstanden Mächte mit enormem wirtschaftlichem und kulturellem Vorsprung. Dies galt vor allem für die selbstständigen Mächte Italiens, also das
Herzogtum Mailand
, die Republiken
Venedig
und
Florenz
, das
Königreich Neapel
und den
Kirchenstaat
, aber auch für die Höfe von
Ferrara
oder
Mantua
. Die Städte teilten sich in wechselnden Koalitionen politische Macht und Ressourcen der
Apenninhalbinsel
und boten relativ große politische Freiheit, die zu neuen wissenschaftlichen und künstlerischen Wegen anregten. Die großen Vermögen, die durch den Handel entstanden, machten es möglich, große öffentliche und private Kunstprojekte in Auftrag zu geben. Zudem erlebte die Entwicklung zur pragmatischen Schriftlichkeit bereits im frühen 13. Jahrhundert einen Aufschwung, der Schriftverkehr der Kaufleute vertiefte und verbreiterte die Literalität, so dass die Zahl der Alphabetisierten zunahm.
Im 15. Jahrhundert gehörte Italien zu den am stärksten
urbanisierten
Regionen Europas.
Neuzeit
Erster Weltkrieg, Faschismus und Zweiter Weltkrieg
Alpini
während des
Guerra Bianca
im Ersten Weltkrieg, 1915
Das faschistische Italien mit seinen Kolonien in Europa und Afrika (in grau; 1939)
Italien trat
– obwohl Mitglied des
Dreibunds
(mit dem
Deutschen Reich
und
Österreich-Ungarn
– 1915 der
Triple Entente
bei. Nachdem die Entente im
Londoner Geheimvertrag
territoriale Zugewinne zugesagt hatte (siehe
Italiens Kriegsziele
), konnte das Königreich auf der Seite der Siegermächte
Julisch Venetien
, Istrien, das
Trentino
sowie das deutschsprachige
Südtirol
annektieren.
Im Oktober 1922 übernahmen
Benito Mussolini
und seine Gefolgsleute
Fascisti
nach dem
Marsch auf Rom
die Macht. Schritt für Schritt wandelte Mussolini das Königreich in einen
totalitären Staat
um und setzte sich selbst als
Duce
(Führer) an die Spitze des Staates.
Am 3. Oktober 1935
überfiel Italien das
Kaiserreich Abessinien
(heute
Äthiopien
) und annektierte das Land. Diese völkerrechtswidrige Besetzung war Teil von Mussolinis erklärtem Ziel, das antike
Römische Reich
wieder aufleben zu lassen. Durch verschiedene Abkommen verbündete Mussolini sich mit dem
Deutschen Reich
und
Adolf Hitler
, (z.
B. im sogenannten
Stahlpakt
, Mai 1939). Schließlich trat Italien am 10. Juni 1940 auf der Seite Deutschlands und Japans
(Achse Berlin-Rom-Tokio)
in den
Zweiten Weltkrieg
ein.
Britische Soldaten bei
Calvi Risorta
während des
Italienfeldzuges
, 1943
Am 10. Juli 1943 begann der
Italienfeldzug
der Westalliierten; unter dem Eindruck schwerer Niederlagen wurde Mussolini vom Faschistischen Großrat am 25.
Juli 1943 mit einfacher Mehrheit abgesetzt und gefangen genommen. König
Viktor Emanuel III.
übernahm den Oberbefehl über die Streitkräfte und beauftragte
Marschall
Pietro Badoglio
, eine Militärregierung zu bilden. Badoglio erklärte die
faschistische Partei
und ihre Gliederungen per Gesetz für aufgelöst. Am 8.
September schloss die
Regierung Badoglio
mit den Alliierten den
Waffenstillstand von Cassibile
. Italien trat aus dem
Dreimächtepakt
aus. Der Krieg hatte Italien seit 1940 etwa 198.500 Menschenleben gekostet.
91
Die folgende
deutsche Besetzung Italiens
(„
Fall Achse
“) stieß auf den Widerstand der
Resistenza
. Das Deutsche Reich versuchte, die Faschisten wieder an die Macht zu bringen, und ließ dazu Mussolini am 12.
September 1943 im
Unternehmen Eiche
befreien. Norditalien wurde bis nach Rom von deutschen Truppen besetzt und in diesem Gebiet eine Regierung unter Mussolini eingesetzt, die die
Italienische Sozialrepublik
(Republik von Salò)
proklamierte. Diese Parallelregierung blieb mit Deutschland verbündet, erklärte ihrerseits dem von den Alliierten besetzten Teil Italiens den Krieg und führte in Norditalien Krieg gegen italienische
Partisanen
In der Folge wurde vor allem Mittelitalien durch schwere Kämpfe entlang der vorrückenden Front verwüstet. Die Zivilbevölkerung wurde Ziel deutscher Repressalien (→
Deutsche Kriegsverbrechen in Italien
). Daraufhin erklärte die
Regierung Badoglio
Deutschland am 13.
Oktober 1943
den Krieg
, der sich die letzten 18
Monate bis zum Ende des Krieges hinzog. Als sich die deutschen Verbände im Juni 1944 bis zur
Gotenlinie
im
Apennin
zurückzogen und italienische Partisanen ihre Überfälle auf deutsche Soldaten verstärkten, kam es zu weiteren Massakern an der Zivilbevölkerung (z.
B. dem
Massaker von Sant’Anna di Stazzema
, dem
Massaker von Marzabotto
) und weiteren schweren Kriegsverbrechen durch die deutschen Besatzer und Truppen der faschistischen Sozialrepublik. Nach der alliierten
Frühjahrsoffensive
und dem Zusammenbruch der deutschen Front in Oberitalien kapitulierte die
Heeresgruppe C
am 29.
April 1945 vor den
Westalliierten
. Bereits am 25. April hatte die Resistenza zum allgemeinen Aufstand gegen die deutschen Besatzer und die faschistische Sozialrepublik aufgerufen. Drei Tage später war der auf der Flucht befindliche Mussolini von der Resistenza verhaftet und am 29.
April hingerichtet worden. Mit Inkrafttreten der Kapitulation am 2.
Mai 1945 war der Zweite Weltkrieg in Italien beendet.
Gegenwart
Anfang der 1990er Jahre wurde die politische Elite des Landes vom Korruptionsskandal
Tangentopoli
und den Aufklärungsmaßnahmen der juristischen Untersuchungen der
Mani pulite
ausgetauscht.
Von etwa 1994 bis Ende 2011 wurde die Politik Italiens von Parteienbündnissen um
Silvio Berlusconi
sowie wechselnden Mitte-links-Koalitionen bestimmt. 2011 wurde
Mario Monti
sein Nachfolger, insbesondere infolge der seit 2009 schwelenden
Eurokrise
und der
als zu hoch kritisierten Staatsverschuldung Italiens
, und bildete ein Kabinett von parteilosen Fachleuten (
Kabinett Monti
). Ihm folgte das
Kabinett Letta
(28.
April 2013 bis zum 22.
Februar 2014) und diesem das
Kabinett Renzi
unter
Matteo Renzi
92
Im Jahr 2015 kulminierte die
Flucht und Migration über das Mittelmeer
zu einer
Flüchtlingskrise in Europa 2015/2016
, von der insbesondere Italien betroffen war und in dem Zusammenhang unter anderem wegen chaotischer Zustände auf der Insel
Lampedusa
in die Schlagzeilen geriet. Spätestens seit 2015 ist Italien für nach Europa ziehende afrikanische Migranten beliebtes Ziel- und
Transitland
Eine von Renzi angestrebte Verfassungsänderung wurde am
4.
Dezember 2016
durch das Volk in einem Referendum abgelehnt, infolgedessen trat Renzi zurück. Neuer Ministerpräsident wurde
Paolo Gentiloni
93
Nach den
Wahlen 2018
wurde eine Koalitionsregierung der Parteien
Movimento 5 Stelle
und
Lega Nord
unter dem parteilosen Ministerpräsidenten
Giuseppe Conte
gebildet, die am 1. Juni 2018 ihr Amt antrat. Nachdem die Lega Nord aus der Koalition ausgeschieden war, bildete Conte sein
Kabinett
um, das neben dem MoVimento
5 Stelle von
Partito Democratico
Liberi e Uguali
Italia Viva
und dem
Movimento Associativo Italiani all’Estero
unterstützt wurde. Im Januar 2021 verließ Italia Viva das Regierungsbündnis und Conte erklärte seinen Rücktritt.
Staatspräsident
Sergio Mattarella
sprach sich gegen Neuwahlen während der
COVID-19-Pandemie in Italien
aus und beauftragte
Mario Draghi
, den früheren Präsidenten der Europäischen Zentralbank und früheren Gouverneur der italienischen Zentralbank, eine
Regierung
zu bilden, die am 13. Februar 2021 vereidigt wurde. Diese
Regierung der nationalen Einheit
wurde insbesondere von den Parteien Movimento
5 Stelle,
Partito Democratico
Lega
und
Forza Italia
getragen. Nach einer Vertrauensabstimmung, die Draghi zwar gewann, bei der aber mit der Fünf-Sterne-Bewegung, Lega und Forza Italia drei Regierungsparteien nicht teilnahmen, reichte Draghi seinen Rücktritt ein und Präsident Mattarella löste am 21. Juli 2022 beide Parlamentskammern auf.
94
Aus den
vorgezogenen Parlamentswahlen vom 25.
September 2022
ging die rechtsnationale Partei
Brüder Italiens
unter Führung von
Giorgia Meloni
als stärkste Partei hervor und konnte mit den Koalitionspartnern
Lega
und
Forza Italia
eine Regierung bilden. Giorgia Meloni wurde am 22.
Oktober 2022 als Ministerpräsidentin vereidigt, womit zum ersten Mal in der Geschichte Italiens seit der Staatsgründung 1861 eine Frau dieses Amt bekleidet.
Politik
Staatsgründung
Alcide De Gasperi
, erster
Ministerpräsident
der Italienischen Republik und einer der
Gründerväter
der Europäischen Union
Am 2. Juni 1946 wurden die
Italiener
zum
Referendum
über die Staatsform und zu den Wahlen zur Verfassunggebenden Versammlung aufgerufen.
Wahlberechtigt waren 28.005.449 italienische Bürger, von denen 24.946.878 zur Wahl gingen, was 89,1
% der Wahlberechtigten entsprach. Zum ersten Mal durften auch
Frauen wählen
95
Das amtliche Ergebnis wurde am 18.
Juni 1946 vom Kassationsgerichtshof verkündet: 54,27
% der Stimmen für die
Republik
, 45,73
% für die
Monarchie
sowie 1.509.735 ungültige Stimmen (davon 1.146.729 leere Stimmzettel).
96
Hinsichtlich der regionalen Mehrheitsverhältnisse war Italien praktisch in zwei Lager gespalten: Im Norden hatte die Republik mit 66,2
% gewonnen, im Süden dagegen kam die Monarchie auf 63,8
%.
Politisches System
Italien ist seit 1946 eine
parlamentarische
Republik
. Die
italienische Verfassung
97
Originalbezeichnung
La Costituzione della Repubblica Italiana
, wurde am 22.
Dezember 1947 beschlossen, trat am 1.
Januar 1948 in Kraft und ist geprägt durch einen Kompromisscharakter, der aus der unmittelbaren Nachkriegsgeschichte herrührt: Aus der Erfahrung des gemeinsamen Widerstandskampfes gegen den
Faschismus
Resistenza
) entschlossen sich die im „Nationalen Befreiungskomitee“ zusammengeschlossenen
antifaschistischen
(liberale, sozialistische, kommunistische und katholisch geprägte)
Parteien
, gemeinsam die neue Verfassung auszuarbeiten.
Besonderheiten der italienischen Verfassung sind die zentrale Rolle, die dem
Parlament
Zweikammersystem
bicameralismo perfetto
) zugestanden wird, die vergleichsweise geringen formalen Einflussmöglichkeiten des
Ministerpräsidenten
, die starke Betonung
plebiszitärer
Elemente (Verfassungsänderungen müssen eventuell durch
Referendum
bestätigt werden, außerdem besteht für die Bürger die Möglichkeit, von
Volksabstimmungen
und Gesetzesinitiative Gebrauch zu machen), der mächtige Verfassungsgerichtshof und die Dezentralisierung im Zuge von Reformen in den 1990er und Anfang der 2000er Jahre.
Italien ist Mitglied in mehreren überstaatlichen
Organisationen
. Mit dem 4.
April 1949 erfolgte der Beitritt zur
NATO
. Seit dem 14.
Dezember 1955 gehört Italien den
Vereinten Nationen
an. Zudem ist das Land Gründungsmitglied der
Europäischen Union
am 1.
Januar 1952.
Staatsoberhaupt
Amtierender italienischer Staatspräsident
Sergio Mattarella
Staatsoberhaupt
ist in Italien der
Staatspräsident
(eigentlich: Präsident der Republik,
italienisch
Presidente della Repubblica
). Laut Verfassungsnorm nimmt er vorwiegend repräsentative Funktionen wahr, beteiligt sich an der Regierungsbildung und ist
Oberbefehlshaber
über die
Streitkräfte
. In der
Verfassungswirklichkeit
kommt ihm nicht selten eine entscheidende Rolle bei der Bewältigung von Regierungskrisen zu, die in der Italienischen Republik in der zweiten Hälfte des
20. Jahrhunderts
wesentlich häufiger waren als in anderen europäischen Ländern.
Seine wichtigste Befugnis ist die Auflösung des Parlaments (einer Kammer oder beider). Er darf diese aber in den letzten sechs Monaten seines Mandats nicht ausüben, es sei denn, sie stimmen mit den letzten sechs Monaten der Legislaturperiode zur Gänze oder zum Teil überein.
Eine weitere wichtige Funktion steht ihm in Zusammenhang mit der Gesetzgebung vor. Da jedes Gesetz vor seiner Verkündung die Unterzeichnung des Staatspräsidenten benötigt, kann er zumindest vorläufig dessen Inkrafttreten verhindern. Wenn das Parlament das Gesetz nämlich erneut billigt, zwingt ihn die italienische Verfassung, dieses zu unterzeichnen. Ein echtes Veto-Recht besitzt er also nicht.
Der Staatspräsident wird von den vereinigten Kammern des Parlaments (
parlamento in seduta comune
) und Vertretern der 20 Regionen gewählt: drei pro Region, mit Ausnahme des
Aostatals
, das nur einen Vertreter entsenden darf. Die Wahl des Präsidenten findet durch geheime Abstimmung mit Zweidrittelmehrheit der Versammlung statt. Nach dem dritten Wahlgang genügt die absolute Mehrheit. Gewählt werden kann jeder Staatsbürger, der das 50. Lebensjahr vollendet hat. Der Amtssitz des Staatspräsidenten ist der
Quirinalspalast
in Rom. Amtierender Präsident der Italienischen Republik ist seit dem 3.
Februar 2015
Sergio Mattarella
Exekutive
Amtierende italienische Ministerpräsidentin
Giorgia Meloni
Offiziell heißt die Regierung
Ministerrat
(italienisch:
consiglio dei ministri
oder einfach nur
consiglio
), der
Ministerpräsident
firmiert als
Präsident des Ministerrats
, auf Italienisch also
presidente del consiglio (dei ministri)
. Spricht man nur vom „Präsidenten“, kann damit also sowohl der Staatspräsident als auch der Ministerpräsident gemeint sein.
Die Minister sind gemeinsam für die Handlungen des Ministerrates und einzeln für die Handlungen ihres Geschäftsbereiches verantwortlich. Die Minister werden auf Vorschlag des Ministerpräsidenten vom Staatspräsidenten ernannt. Der Ministerpräsident hat nicht die Befugnis, Minister selbständig zu ernennen oder zu entlassen.
Der Ministerpräsident bestimmt die allgemeine Politik der Regierung und übernimmt dafür die Verantwortung. Er wahrt die Einheitlichkeit der Ausrichtung in Politik und Verwaltung, indem er die Tätigkeit der Minister fördert und koordiniert. Wegen der Abhängigkeit von den oft instabilen politischen Mehrheitsverhältnissen wird der Ministerpräsident als „Vorsitzender des Ministerrates“ oft nur als
primus inter pares
betrachtet.
Als Kollegialorgan nimmt der Ministerrat im italienischen Verfassungssystem hingegen eine herausragende Rolle insbesondere im
Gesetzgebungsprozess
ein:
er bereitet
Gesetzentwürfe
vor,
er erlässt Gesetzesdekrete, die anschließend vom Parlament in Gesetze umgewandelt werden müssen, damit die Gesetzesdekrete ihre Wirksamkeit behalten,
er wird durch Ermächtigungsgesetze vom Parlament mit der Ausarbeitung von Gesetzen innerhalb bestimmter Rahmenbedingungen beauftragt und kann insoweit sog. Gesetzesvertretende Dekrete erlassen.
Der Amtssitz des italienischen Ministerpräsidenten ist der
Palazzo Chigi
in
Rom
. Dort unterstützt ihn das
Ministerratspräsidium
. Amtierende Ministerpräsidentin von Italien ist seit dem 22. Oktober 2022
Giorgia Meloni
Legislative
Das italienische
Parlament
besteht aus zwei Kammern: dem
Senat
Senato della Repubblica
) und der
Abgeordnetenkammer
Camera dei deputati
). Beide Kammern sind im Gesetzgebungsverfahren absolut gleichberechtigt und unterscheiden sich nur hinsichtlich Anzahl, Zusammensetzung und Wahlmodus ihrer Mitglieder. Beide Kammern tagen unabhängig voneinander. In jeder Kammer gibt es ständige Ausschüsse und Sonderkommissionen, die ebenfalls unabhängig voneinander sind.
Die
Abgeordnetenkammer
ist die größere Parlamentskammer, deren 400
Abgeordnete
(darunter 8 Vertreter der
Auslandsitaliener
) alle fünf Jahre gewählt werden.
Dem
Senat der Republik
gehören 200 gewählte Senatoren an (darunter 4 Vertreter der
Auslandsitaliener
). Sie werden ebenfalls (gleichzeitig mit den Abgeordneten) auf fünf Jahre gewählt, allerdings nicht auf nationaler Ebene, sondern auf regionaler Basis. Jede der 20
Regionen
stellt eine festgelegte Anzahl an Senatoren, die je nach Bevölkerungszahl in der Region variiert.
Hinzu kommen maximal fünf vom Staatspräsidenten ernannte
Senatoren auf Lebenszeit
. Zudem sind auch die Staatspräsidenten nach dem Ende ihrer Amtszeit von Rechts wegen Senatoren auf Lebenszeit. Zurzeit (Oktober 2022) sitzen im Parlament sechs Senatoren auf Lebenszeit, davon fünf vom Staatspräsidenten ernannte Senatoren und ein ehemaliger Staatspräsident.
Wahlrecht
Das allgemeine aktive Wahlrecht für Männer galt schon seit 1919.
100
Im Geist feministischer Reformen stimmte das Unterhaus (
Camera dei deputati
) 1919 mit 174 zu 55 Stimmen auch für das aktive
Frauenwahlrecht
, aber der Senat (
Senato del Regno
) weigerte sich, die Maßnahme zu befürworten.
101
Am 15.
Mai 1925 erschien
Mussolini
persönlich im Parlament, um einen Gesetzentwurf zu unterstützen, der Frauen das lokale Wahlrecht verschaffen sollte. Noch im selben Jahr aber schaffte er alle Lokalwahlen ab.
102
1945 brachten die Christdemokraten und die Kommunisten einen Gesetzentwurf für die Einführung des allgemeinen Wahlrechts ein. Alle anderen Parteien unterstützten ihn und er wurde am 1. Februar 1945 Gesetz. Im folgenden Jahr wurde gewählt.
102
Gemäß Artikel 3 des Dekrets 23 vom 30.
Januar 1945 waren aber
sichtbare Sexarbeiterinnen
(also die, die ihr Gewerbe außerhalb genehmigter Bordelle ausübten) vom Wahlrecht ausgeschlossen, sodass das Wahlrecht für Frauen eingeschränkt war.
103
Das passive Frauenwahlrecht wurde ebenfalls am 1.
Februar 1945 eingeführt,
104
es galten die Einschränkungen wie beim aktiven
Frauenwahlrecht
. Artikel 7 des Dekrets 74 vom 10. März 1946 bestätigt die Wählbarkeit von Bürgerinnen und Bürgern, die am Wahltag 25 Jahre alt sind, also ohne Beschränkungen.
103
105
106
Gesundheitssystem
Das
Gesundheitssystem
in Italien ist auf regionaler Ebene strukturiert. Die lokalen Sanitätsbetriebe (
Aziende Sanitarie Locali
) unterstehen den jeweiligen Regionalregierungen. Die regionale Ausprägung führt dazu, dass die Qualität der Dienstleistungen von Region zu Region sehr unterschiedlich ist. Es ist ein scharfes Nord-Süd-Gefälle zu verzeichnen, das einen starken Gesundheitstourismus, vor allem in Richtung Venetien, Lombardei und Emilia-Romagna verursacht.
Die ausgezeichneten Leistungen dieser Regionen haben die
WHO
im Jahr 2000 dazu veranlasst, Italien nach Frankreich auf den zweiten Platz in der Weltrangliste der Gesundheitssysteme zu stellen.
112
Als negativ werden die langen Wartezeiten (oft mehrere Monate) auf stationäre Behandlung gesehen.
Hausärzte erhalten in Italien eine Kopfpauschale für die Patienten, die in einer Liste registriert wurden. Zahnärztliche Leistungen müssen überdies von den Bürgern vollständig selbst getragen werden.
Die gesamten Gesundheitsausgaben betrugen im Jahr 2024 6,2
Prozent
113
des
Bruttoinlandsprodukts
und sind damit unter dem OECD-Durchschnitt von 9,2
114
. Der überwiegende Anteil dieser Ausgaben (75
Prozent) wird vom öffentlichen Sektor getragen (OECD: 71,7
Prozent).
115
116
Polizei und Nachrichtendienste
Berittene
Carabinieri
in
Mailand
Das italienische Polizeiwesen ist mehrgliedrig und teilweise militärisch organisiert. Die einzelnen Polizeiorganisationen unterstehen verschiedenen Ministerien oder den unteren Gebietskörperschaften. Dieses althergebrachte System hat sich aus Gründen der Tradition erhalten, aber auch, um zu verhindern, dass zu viel polizeiliche Gewalt in einer Hand bzw. in einem Ministerium gebündelt wird. Auf der nationalen Ebene gibt es die zivile
Polizia di Stato
(Staatspolizei), die dem Innenministerium unterstellt ist. Sie übernimmt hauptsächlich polizeiliche Aufgaben innerhalb der großen Städte.
Die Staatspolizei wird ergänzt durch die
Carabinieri
, einer
Gendarmerietruppe
, die dem Verteidigungsministerium untersteht und nach Weisung des Innenministeriums Polizeidienst versieht, vor allem auch auf dem Land. Vergleichbare Strukturen finden sich auch in Frankreich (
Gendarmerie nationale
) und in Spanien (
Guardia Civil
). Daneben verfügt das italienische Finanzministerium über die
Guardia di Finanza
(Finanzwacht), eine Finanz- und Zollpolizei, die auch Grenzschutzaufgaben übernimmt. Auf lokaler Ebene gibt es unter anderem die
Gemeindepolizeien
Polizia Municipale
), die sich vorwiegend um den örtlichen Straßenverkehr kümmern.
In Italien ist der Ministerpräsident seit 2007 unmittelbar für die Nachrichtendienste verantwortlich und legt in Zusammenarbeit mit dem interministeriellen Steuerungskomitee
Comitato interministeriale per la sicurezza della Repubblica
(CISR) deren operative Prioritäten fest. Das dem Regierungschef unterstellte
Dipartimento delle Informazioni per la Sicurezza
(DIS) koordiniert die Arbeit des Auslandsnachrichtendienstes
Agenzia Informazioni e Sicurezza Esterna
(AISE) und des Inlandsnachrichtendienstes
Agenzia Informazioni e Sicurezza Interna
(AISI). Daneben gibt es noch den beim
Generalstab
angesiedelten militärischen Fachdienst
Centro Intelligence Interforze
(J2). Die Nachrichtendienste werden seit 1977 von einem besonderen parlamentarischen Ausschuss kontrolliert.
Militär
Heraldisches Wappen der italienischen Streitkräfte
Italienische Gebirgsjäger
(Alpini)
Die italienische Sicherheitspolitik ruht unverändert auf der Einbindung in
NATO
EU
und
UN
. Italien sieht sich als der Hauptakteur in der erweiterten Mittelmeerregion („mediterraneo allargato“). Die italienische Marine wird als
Hochseemarine
eingestuft und ist in der Lage weltweit zu operieren. Sicherheitspolitisch stehen für Italien die Lage in Libyen und die Flüchtlingskrise im Mittelpunkt. Italien setzt sich im Bereich Abrüstung für die weltweite Beachtung der Verträge ein, so auch für das Verbot von Streubomben. Es unterstützt die Initiative zur Schaffung einer atomwaffenfreien Welt.
120
Die italienischen Streitkräfte bestehen aus den Teilstreitkräften
Esercito Italiano
Heer
),
Marina Militare
Marine
) und
Aeronautica Militare
Luftwaffe
) sowie aus den
Carabinieri
. Derzeit (2021) dienen rund 163.000 Soldaten in den Streitkräften, dazu kommen rund 110.000 Carabinieri und etwa 30.000 zivile Mitarbeiter.
121
Die allgemeine
Wehrpflicht
ist in Italien seit dem 1.
Juli 2005 ausgesetzt. Bei der Umstellung auf eine
Berufs- und Freiwilligenarmee
wurde der Personalumfang von Heer, Marine und Luftwaffe auf insgesamt 190.000 Soldaten festgelegt. Wegen der folgenden Finanz- und Wirtschaftskrise mussten auch im Bereich der Streitkräfte Kürzungen und Verkleinerungen vorgenommen werden. Im Jahr 2021 beliefen sich die Verteidigungsausgaben auf rund 25
Milliarden Euro, was 1,41
Prozent des Bruttoinlandsprodukts entsprach.
122
Bis 2024 soll die Personalstärke der Streitkräfte (ohne Carabinieri) auf 150.000 Soldaten und 20.000 zivile Mitarbeiter sinken.
123
Die Ausrichtung der Streitkräfte auf Auslandseinsätze im Rahmen der EU, der NATO und der Vereinten Nationen wurde mit dem
Verteidigungsweißbuch
2015 etwas eingeschränkt.
124
Der Bestand an US-amerikanischen
Kernwaffen
auf italienischem Territorium wurde seit dem Ende des Kalten Krieges deutlich verringert. Die Vereinigten Staaten lagern in
Aviano
noch Atombomben, weitere sind im Rahmen der
Nuklearen Teilhabe
einem italienischen Geschwader in
Ghedi
zugeteilt.
Außen- und Sicherheitspolitik
Italien ist sowohl Gründungsmitglied der Europäischen Union als auch des
Europarates
. Als EU-Mitglied ist die Italienische Republik 1990 auch der
Europäischen Währungsunion
beigetreten und Teil des
Europäischen Binnenmarktes
. Neben wirtschaftlichen Interessen ist man auch auf weiteren Politikfeldern der EU aktiv, so ist Italien Teil des
Schengenraums
, der justiziellen und polizeilichen Zusammenarbeit in Europa mithilfe von
Europol
und
Eurojust
. Italien gehört zu den besonders integrationsfreundlichen Mitgliedstaaten der EU. Der Prozess der EU-Erweiterung um neue Mitglieder (besonders der westlichen Balkanländer und der Türkei) wird von Italien aktiv unterstützt. Italien setzt sich für eine weitere Vertiefung der europäischen Union ein. Ein besonderes europapolitisches Anliegen Italiens ist die Etablierung eines tragfähigen, auf dem Solidaritätsprinzip beruhenden Mechanismus zur nachhaltigen Bewältigung der Flüchtlingskrise.
Zu den regionalen Schwerpunkten der italienischen Außenpolitik zählen die Mittelmeerregion, der Westliche Balkan, der Nahe Osten, das Horn von Afrika mit besonderem Fokus auf die ehemaligen Kolonien, daneben Lateinamerika mit seiner hohen Zahl italienischer Emigranten und deren Nachfahren (Argentinien, Brasilien, Uruguay, Venezuela). Aufgrund seiner zentralen Lage versteht sich Italien zudem als Brücke zwischen Europa und den südlichen Mittelmeeranrainern, namentlich zu Libyen, Ägypten und Tunesien. Große Sorge bereitet Italien dabei die große Zahl von Flüchtlingen, die zumeist über Libyen Italien und die EU erreichen.
125
Italien hatte bisher dreizehnmal den
Vorsitz
im
Rat der Europäischen Union
inne,
126
zuletzt im
zweiten Halbjahr 2014
Italien ist Truppensteller von
UN-Friedensmissionen
und gehört zu den größten Beitragszahlern.
Politische Gliederung
Italien ist politisch in
20 Regionen
regioni
) mit jeweils eigener
Regierung
gegliedert. Diese Regionen sind in insgesamt
90 Provinzen
province
) und 15
Metropolitanstädte
(città metropolitane)
unterteilt. Provinzen und Metropolitanstädte untergliedern sich in insgesamt 7904
Gemeinden
(comuni)
127
Regionen
Die italienischen Regionen verfügen über eine als Statut bezeichnete Landesverfassung. Fünf Regionen haben ein Sonderstatut (
statuto speciale
), das ihnen einen unterschiedlichen Grad an Autonomie gewährt; diese sind in der folgenden Liste mit einem Stern (*) markiert.
Die Gemeinden, Provinzen und Regionen Italiens (Stand 2026)
Städte
Nachfolgend sind die zehn bevölkerungsreichsten Städte aufgelistet.
Bevölkerungsreichste Städte (Stand: 31. Dezember 2017)
128
Rang
Siedlungsgebiet
Einwohner
Stadt
Einwohner
Agglomeration
Fläche in km²
1.
Rom
2.872.800
4.355.725
5.351
2.
Mailand
1.366.180
3.234.658
1.575
3.
Neapel
966.144
3.101.002
1.171
4.
Turin
882.523
2.269.120
6.830
5.
Palermo
668.405
1.260.193
4.992
6.
Genua
580.097
844.957
1.839
7.
Bologna
389.261
1.011.291
3.702
8.
Florenz
380.948
1.013.260
3.514
9.
Bari
323.370
1.257.520
3.821
10.
Catania
311.620
1.109.888
3.552
Rom
Mailand
Neapel
Turin
Palermo
Genua
Provinzen und Metropolitanstädte
Satellitenaufnahme von Neapel; unbesiedelte Gebiete sind rot gefärbt
Die zehn größten
Metropolregionen
129
Rang
Metropolregion
Bevölkerung
(2007)
Fläche
in km²
Einwohner
je km²
1.
Mailand
8.047.125
8.362,1
965,6
2.
Neapel
4.996.084
3.841,7
1.300,5
3.
Rom
4.339.112
4.766,3
910,4
4.
Venedig
Padua
Verona
3.267.420
6.679,6
489,2
5.
Bari
Tarent
Lecce
2.603.831
6.127,7
424,9
6.
Rimini
Pesaro
Ancona
2.359.068
5.404,8
436,5
7.
Turin
1.997.975
1.976,8
1.010,7
8.
Bologna
Piacenza
1.944.401
3.923,6
495,6
9.
Florenz
Pisa
Siena
1.760.737
3.795,9
629,8
10.
Messina
Catania
Syrakus
1.693.173
2.411,7
702,1
Die Provinz Sassari (
Sardinien
) ist mit 7.678
km² die flächenmäßig größte Provinz Italiens.
Die Provinzen Bozen (
Südtirol
) und Trient (
Trentino
) nehmen in der Verfassung eine Sonderstellung ein. Sie sind Autonome Provinzen und den italienischen Regionen gleichgestellt.
Wirtschaft und Finanzen
Mailand
ist die führende Wirtschafts- und Industriestadt Italiens
Italien ist Teil des
Europäischen Binnenmarkts
. Zusammen mit 20 anderen EU-Mitgliedstaaten (blau) bildet es eine Währungsunion, die
Eurozone
Italien ist ein
Industriestaat
mit einer vormals stark
gelenkten Volkswirtschaft
: Der staatliche Konzern
IRI
(1933–2002) unterhielt zwischenzeitlich 1000 Tochtergesellschaften und zählte bis zu 500.000 Beschäftigte.
130
Im Laufe der 1990er Jahre wurden die Staatsunternehmen nach und nach
privatisiert
, auch um die Schulden der öffentlichen Hand zu bedienen, die Märkte wurden geöffnet und
dereguliert
Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) Italiens betrug im Jahr 2019 (vor der
COVID-19-Pandemie
) insgesamt 1,8
Billionen Euro.
131
Dies entspricht rund 30.000 Euro
pro Kopf
132
Damit war Italien hinter
Deutschland
und Frankreich die drittgrößte Volkswirtschaft der EU (ohne Großbritannien) und die
achtgrößte
Volkswirtschaft der Welt.
Das Wirtschaftswachstum Italiens hat über die Jahrzehnte stetig abgenommen: Zwischen 1970 und 1979 wuchs das BIP um 40
Prozent, zwischen 1980 und 1989 um 25
Prozent, zwischen 1990 und 1999 um 13
Prozent. Von 2000 bis 2009 wuchs das BIP nur noch um 1,2
Prozent.
133
Die
Große Rezession
bzw.
Eurokrise
haben zu einem Rückgang des BIP geführt (−5,3
Prozent 2009; −3,0
Prozent 2012; −1,8
Prozent in 2013), das höchste Wachstum zwischen 2010 und 2019 wurde mit 1,7
Prozent jeweils 2010 und 2017 erzielt. Im Rahmen der COVID-19-Pandemie ging das BIP Italiens 2020 um 8,9
Prozent zurück.
134
Italien war 2022 die
siebtgrößte
Exportnation der Welt und die drittgrößte in Europa.
135
Wichtigster Handelspartner ist Deutschland, mit einem Exportanteil von 12,7
Prozent und einem Importanteil von 15,9
Prozent, gefolgt von Frankreich, mit 11,2
Prozent bzw. 8,5
Prozent. Zu den wichtigsten Ausfuhrmärkten für italienische Produkte gehören auch Spanien (6,5
Prozent), die Vereinigten Staaten (6,2
Prozent) und das Vereinigte Königreich (5,2
Prozent). Die meisten Einfuhren bezieht Italien des Weiteren aus China (6,2
Prozent), den Niederlanden (5,3
Prozent), Libyen (4,6
Prozent) und Russland (4,2
Prozent).
136
Im
Global Competitiveness Index
, der die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes misst, belegt Italien Platz 30 von 141 Ländern (Stand 2019).
137
Der
Index für wirtschaftliche Freiheit
2024 des Landes war der 80. höchste von 176 Ländern.
138
Die
Schattenwirtschaft
ist in Italien hoch. Das Ministerium für Wirtschaft und Finanzen schätzt einen Anteil von 9,5
Prozent des BIP (2021).
139
Entwicklung des
Bruttoinlandsprodukts
(BIP) und anderer Kennzahlen
Jahr
2010
2015
2016
2017
2018
2019
2020
2021
2022
2023
2024
BIP in Mrd. USD
(Kaufkraftparität)
2.280
2.392
2.445
2.529
2.610
2.787
2.641
2.984
3.351
3.499
3.612
BIP pro Kopf in USD
(Kaufkraftparität)
38.205
39.677
40.638
42.097
43.539
46.594
44.285
50.377
56.759
59.314
61.254
BIP-Wachstum
(real)
1,5
0,9
1,2
1,6
0,8
0,4
−8,9
8,9
4,8
0,7
0,7
Inflation
(in Prozent)
1,6
0,1
−0,1
1,3
1,2
0,6
−0,1
1,9
8,7
5,9
1,1
Staatsverschuldung
(in Prozent des BIP)
119
135
134
134
134
134
154
146
138
135
135
Wirtschaft
Energieversorgung
Schaubild zur italienischen Energieversorgung seit 1883
Die Energieversorgung Italiens ist durch eine sehr hohe Importabhängigkeit gekennzeichnet, ca. 79 Prozent des Energiebedarfs wird importiert.
142
Pumpspeicherkraftwerk Entracque
im
Piemont
2011 wurden in Italien 334,6 TWh Strom verbraucht.
143
Mehr als 10
Prozent wurde durch
Wasserkraft
produziert.
Bruttostromerzeugung nach Energieträgern in Italien im Jahr 2014
Heute produziert Italien seinen Strom vor allem in thermischen Kraftwerken, wobei 64,4
Prozent davon mit
Erdgas
, der Rest mit Erdöl und weiteren Brennstoffen produziert wird. Das größte Kraftwerk
Alessandro Volta
liegt in
Montalto di Castro
und hat eine Leistung von 3600
MW
. Das Kraftwerk lief 2009 aber nur noch an 2000 bis 3000
Stunden (von 8760 möglichen), weil der produzierte Strom zu teuer ist.
144
2023 erreichte die installierte
Photovoltaikleistung
30,30
GW, ihre Jahresproduktion 2023 war 30,70
TWh (2017: 19,7
TWh, 2022: 28,12
TWh). Die Windkraftanlagen (vor allem in
Apulien
und dem restlichen Süden) lieferten 2017 rund 10
TWh. Geothermische Energie wird insbesondere in Mittelitalien, zum Beispiel in
Larderello
, gewonnen und brachte 4,3
TWh. Im Jahre 2011 lieferte Italien unter den
Mitgliedstaaten der Europäischen Union
mit seiner Wasserkraft einen erheblichen Anteil zur Versorgung aus erneuerbaren Energiequellen: Es wurden 45,2
TWh erzeugt – das entsprach damals rund 15
Prozent der insgesamt in den EU-Ländern erzeugten Energie aus Wasserkraft.
145
Italien hatte seit 1982
drei aktive Kernkraftwerke
(zwei alte mit je einem kleinen Kernreaktor und das
Kernkraftwerk Caorso
mit einem 860-MW-
Siedewasserreaktor
). Nach der
Tschernobyl-Katastrophe
in der
Ukraine
(April 1986) fand am 8.
November 1987 eine Volksabstimmung statt; Italien stieg aus der Kernenergie
aus
Nach der
Nuklearkatastrophe von Fukushima
in Japan beschloss das
italienische Kabinett
im März 2011, einen Wiedereinstieg in die Kernenergie ein weiteres Jahr auszusetzen;
146
am 12. und 13.
Juni 2011 lehnten bei einer Volksabstimmung mit 57
Prozent
Wahlbeteiligung
94,1
Prozent der Abstimmenden den Wiedereinstieg ab.
147
148
149
Italien ist heute der größte Stromnettoimporteur der Welt, in der ersten Hälfte 2014 wurden etwa 15
Prozent des Bedarfs importiert (22,3
TWh
bei einem Gesamtbedarf von 153
TWh); ein Großteil davon stammt aus französischen Atomkraftwerken.
150
Im Jahre 2012 wurden netto insgesamt 43,104
Mrd.
kWh
importiert, davon 24,668
Mrd. aus der Schweiz und 11,37
Mrd. aus Frankreich.
151
Die Strompreise in Italien sind für Industriekunden mit die höchsten in der EU.
152
153
Die größten Energieproduzenten sind
Eni
Enel
Edison
ERG
A2A
und
Sorgenia
, während für das Verteilungsnetz
Terna
zuständig ist.
Landwirtschaft, Industrie und Dienstleistungen
Wein- und Olivenanbaugebiet in der
Toskana
Die Landwirtschaft spielt zwar volkswirtschaftlich nur noch eine geringe Rolle (ca. 2
Prozent),
154
bringt jedoch einige wichtige Erzeugnisse hervor. Bedeutend sind neben dem
Weinbau
—Italien ist mit rund 49
Millionen Hektolitern vor Frankreich der größte Weinproduzent der Welt (Stand: 2015)
155
—auch die
Käseherstellung
Parmesan
Mozzarella
Pecorino
oder
Ricotta
) sowie die Erzeugung von
Olivenöl
. Italien ist hier der weltweit zweitgrößte Produzent (nach Spanien), mit 442.000
Tonnen im Jahr 2013.
156
Auch werden
Zitrusfrüchte
wie
Orangen
und
Zitronen
Nachtschattengewächse
wie
Tomaten
und
Auberginen
Kürbisgewächse
wie
Zucchini
Wasser-
und
Honigmelonen
Salatpflanzen
wie
Rucola
und
Radicchio
sowie
Hülsen-
und
Nussfrüchte
angebaut und exportiert.
Eine Stärke der italienischen Wirtschaft liegt im
verarbeitenden Gewerbe
, vor allem in kleinen und mittelständischen familiengeführten Unternehmen. Laut zentralem
Statistikinstitut ISTAT
zählen 95,2
Prozent zu den Kleinstunternehmen mit weniger als 10 Beschäftigten.
157
Von allen Ländern
Europas
hatte Italien im Jahr 2022 mit 1,7 Prozent (nach Deutschland mit 4,6
Prozent und Russland mit 1,8
Prozent) den dritthöchsten Weltmarktanteil im verarbeitenden Gewerbe (Spitzenreiter waren China und die Vereinigten Staaten mit 31,2 bzw. 16,3
Prozent).
158
Im Jahr 2021 verzeichnete Italien innerhalb der
Europäischen Union
mit 16
Prozent den zweithöchsten Wert der verkauften Industrieproduktion (nach Deutschland mit 27
Prozent und vor Frankreich mit 11
Prozent, Spanien mit 8
Prozent und Polen mit 6
Prozent).
159
Die Automobilindustrie zählt zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen Italiens. Ein
Fiat 500e
von
Fiat
Zu den wichtigsten Industrien zählen der
Maschinen-
Luftfahrzeug
- (
Leonardo
),
Schiff
- (
Fincantieri
) und
Automobilbau
Alfa Romeo
Ferrari
Fiat
Iveco
Lamborghini
Lancia
Maserati
Pagani
Piaggio
und der Reifenhersteller
Pirelli
), die
Chemieindustrie
Mapei
),
Baustoffe
Buzzi Unicem
) und
Kabel
Prysmian
). Die
Textilindustrie
ist sehr stark vertreten und steht mit ihren bekannten Markennamen (
Armani
Dolce & Gabbana
Gucci
Prada
oder
Versace
) für den Inbegriff des
Made in Italy
Luxottica
ist der weltgrößte Brillenhersteller. Zu den wichtigsten italienischen Exportgütern zählen auch die Erzeugnisse der Nahrungsmittelindustrie (
Barilla
Campari
Cremonini
Ferrero
Lavazza
Parmalat
).
160
Die italienischen Unternehmen mit den höchsten
Umsätzen
sind der Öl- und Gaskonzern
Eni
und der Energiekonzern
Enel
Im Dienstleistungssektor ist Italien vor allem durch Großbanken wie
Intesa Sanpaolo
und
Unicredit
international vertreten. Die
Assicurazioni Generali
ist eine der größten
Versicherungsgesellschaften
der Welt,
Nexi
einer der größten Anbieter für bargeldlosen Zahlungsverkehr.
Die
Tourismusbranche
gehört seit Jahrzehnten zu den bedeutenden Einnahmequellen Italiens. Italien gehört zu den klassischen Reisezielen der Welt. Beliebte Ziele sind die
Alpen
, die Küstengebiete am Ligurischen und
Adriatischen Meer
, zahlreiche historische Städte, Museen, archäologische Ausgrabungsstätten und traditionelle Bräuche wie der
Karneval in Venedig
Palio di Siena
oder
Calcio storico
Italien, das in den 1970er Jahren noch das meistbesuchte Land der Welt war, befindet sich heute mit seinen rund 65
Millionen Touristen (2019) an fünfter Stelle (hinter Frankreich, Spanien, den Vereinigten Staaten und China).
Arbeitsmarkt
Von 1970 bis 1998 stieg die Arbeitslosenquote von 5,4
% auf 12,1
%, worauf ein Rückgang der Arbeitslosenzahlen bis Mitte der 2000er folgte (Tiefstand 6,1
% in 2007).
161
Nach dem Ausbruch der
Großen Rezession
und der darauffolgenden
Eurokrise
stieg die
Arbeitslosenquote
Italiens aufgrund der Wirtschaftskrise an und markierte 2014 mit 12,7
% einen Höchststand.
161
Seitdem ist die Quote gesunken und lag 2021 bei 9,5
%. Die
Jugendarbeitslosigkeit
liegt um ein Vielfaches höher bei 23,1
% im Juni 2022.
162
Die OECD hat darüber hinaus festgestellt, dass die Erwerbseinkommen zu den niedrigsten unter den industrialisierten Ländern gehörten. Auf nur 19.861 Dollar belief sich das durchschnittliche Nettoeinkommen der Italiener, die somit auch von Griechen und Spaniern überholt werden. Der OECD-Schnitt liegt bei 24.660
Dollar (Daten aus 2007).
163
Die Selbstständigenquote ist in Italien umso höher. Sie liegt bei etwa 33
Prozent der Erwerbspersonen (zum Vergleich 17
Prozent in Spanien und 10
Prozent in Deutschland).
164
Die Gesamtzahl der Erwerbstätigen wird für Ende 2023 auf 23,7 Millionen geschätzt.
165
Die
Beschäftigungsquote
lag 2023 bei 62,1
%.
166
2022 arbeiteten 3,8
% aller Arbeitskräfte in der Landwirtschaft, 26,9
% in der Industrie und 69,3
% im Dienstleistungssektor.
167
Regionale Unterschiede
Nord-Süd-Gefälle
Wirtschaftskraft italienischer Regionen im Jahr 2015
168
Region
NUTS
2013)
BIP
(Mio. €)
BIP
pro Kopf
(in €)
BIP
KKP
(Mio. €)
BIP
pro Kopf
KKP
(in €)
Index
(EU 28 = 100)
Nordwestitalien
536.602
33.300
550.832
34.200
118
Piemont
127.365
28.900
130.743
29.600
103
Aostatal
4.374
34.200
4.490
35.100
122
Ligurien
47.663
30.200
48.927
31.000
107
Lombardei
357.200
35.700
366.672
36.600
127
Nordostitalien
376.925
32.300
386.919
33.200
115
Südtirol
21.488
41.300
22.058
42.400
147
Trentino
18.608
34.600
19.102
35.500
123
Venetien
151.634
30.800
155.655
31.600
110
Friaul-Julisch Venetien
35.669
29.100
36.615
29.900
104
Emilia-Romagna
149.525
33.600
153.490
34.500
119
Mittelitalien
355.006
29.400
364.419
30.200
104
Toscana
110.332
29.400
113.257
30.200
105
Umbrien
21.438
24.000
22.007
24.600
85
Marken
40.593
26.200
41.670
26.900
93
Latium
182.642
31.000
187.486
31.800
110
Süditalien
255.557
18.100
262.333
18.600
64
Abruzzen
32.592
24.500
33.456
25.200
87
Molise
6.042
19.300
6.202
19.800
69
Kampanien
100.544
17.200
103.210
17.600
61
Apulien
72.135
17.700
74.048
18.100
63
Basilicata
11.449
19.900
11.752
20.400
71
Kalabrien
32.795
16.600
33.664
17.100
59
Inseln
119.864
17.800
123.042
18.200
63
Sizilien
87.383
17.200
89.700
17.600
61
Sardinien
32.481
19.600
33.342
20.100
70
Italien gesamt
1.645.439
27.100
1.689.072
27.800
96
EU gesamt
14.714.029
28.900
14.714.029
28.900
100
Unterschiedliche Wirtschaftskraft der Regionen Italiens (Brutto
inlandsprodukt nach Kaufkraft
parität in Euro im Jahr 2015)
Charakteristisch für Italien ist die wirtschaftliche Zweiteilung des Landes. Der stark industrialisierte Norden steht dem unterentwickelten Süden gegenüber.
Mit dem
Nachkriegsboom
bildete sich in Nordwestitalien das Industriedreieck Mailand, Turin und Genua heraus (
triangolo industriale
). In der Folge weitete sich der Boom auf Nordostitalien und Mittelitalien mit ihren traditionell stark vernetzten und verstädterten Strukturen aus: In Abgrenzung von Nordwestitalien („erstes Italien“) und von Süditalien („zweites Italien“) wurden die
Industriedistrikte
in diesem Gebiet unter dem Fachterminus „
Drittes Italien
“ zusammengefasst. Inzwischen sind das erste und das dritte Italien zusammengewachsen
169
und auch die Grenzen des Industriedreiecks haben sich verschoben (Mailand – Bologna – Treviso).
170
Der gesamte oberitalienische Raum verfügt über einen gut entwickelten Dienstleistungssektor und gehört als Teil der sogenannten
Blauen Banane
zu den wirtschaftlich starken Gebieten Europas.
Mittelitalien verfügt über eine Wirtschaft, die auf Unternehmen im Textil-, Schuh- und Möbelsektor und besonders auf Tourismus basiert. Zudem ist Rom Sitz sämtlicher Verwaltungen, vieler Großunternehmen wie
Eni
(Erdöl und Gas),
Enel
(Energieversorgung),
Leonardo
(Rüstung),
Poste Italiane
(Logistik),
TIM
(Telekommunikation),
Unicredit
(Bankwesen),
Mundys
Ferrovie dello Stato Italiane
und
Autostrade per l’Italia
(Infrastruktur),
Webuild
(Bauwirtschaft) und Organisationen (
FAO
) sowie Herz der italienischen Filmindustrie (
Cinecittà
).
Der Süden des Landes, auch
Mezzogiorno
genannt, gehört zu den strukturschwächeren Regionen Europas. Dies geht einher mit einer erhöhten Kriminalitätsrate und dem
organisierten Verbrechen
, das insbesondere in
Kampanien
Kalabrien
und auf
Sizilien
in vielen Wirtschaftszweigen Einfluss ausübt.
Die wirtschaftliche Teilung des Landes schlägt sich auch in den Arbeitslosenzahlen nieder: 2021 lag die Arbeitslosenquote in Nordwestitalien bei 6,6
%, in Nordostitalien bei 5,4
% (Südtirol 3,9
%), in Mittelitalien bei 8,8
%, in Süditalien (einschließlich Inseln) bei 16,7
%.
171
Soziale Unterschiede
Italien ist ein Land, das nicht nur von starken lokalen Unterschieden geprägt ist, sondern auch eine relativ ungleiche
Einkommensverteilung
aufweist. In der
Liste der Länder nach Einkommensverteilung
liegt Italien mit einem
Gini-Koeffizient
von 35,9 an 97.
Stelle. Zum Vergleich liegt Deutschland an 139., Österreich an 149. und die Schweiz an 135.
Stelle (je höher die Stelle, desto geringer die Ungleichheit).
172
Italien war, laut einer Studie der Bank
Credit Suisse
aus dem Jahre 2017, das Land mit dem siebtgrößten
nationalen Gesamtvermögen
weltweit. Der Gesamtbesitz der Italiener an Immobilien, Aktien und Bargeld belief sich auf insgesamt 10.853
Milliarden US-Dollar. Das Vermögen pro erwachsene Person beträgt 223.572
US-Dollar im Durchschnitt und 124.636
US-Dollar im
Median
(Deutschland: 203.946 bzw. 47.091
US-Dollar). Der
Gini-Koeffizient
bei der Vermögensverteilung lag 2016 bei 71,9 was auf eine mittlere Vermögensungleichheit hindeutet.
173
Außenhandel
Entwicklung des Außenhandels (GTAI)
174
in Mrd. Euro und seine Veränderung gegenüber dem Vorjahr in Prozent
2020
2021
2022
Mrd. $
% gg. Vj.
Mrd. $
% gg. Vj.
Mrd. $
% gg. Vj.
Einfuhr
426,5
−10,2
568,2
+33,2
695,2
+22,4
Ausfuhr
498,8
−7,2
615,9
+23,5
659,4
+7,1
Saldo
72,3
47,7
−35,8
Haupthandelspartner Italiens (2022)
174
Export (in Prozent) nach
Import (in Prozent) von
Deutschland
Deutschland
12,4
Deutschland
Deutschland
13,6
Vereinigte Staaten
Vereinigte Staaten
10,4
China Volksrepublik
Volksrepublik China
8,8
Frankreich
Frankreich
10,1
Frankreich
Frankreich
7,3
Spanien
Spanien
5,2
Niederlande
Niederlande
5,6
Schweiz
Schweiz
5,0
Spanien
Spanien
4,7
Vereinigtes Konigreich
Vereinigtes Königreich
4,4
Russland
Russland
4,1
Belgien
Belgien
3,7
Belgien
Belgien
3,9
sonstige Staaten
48,8
sonstige Staaten
52,0
Finanzen
Staatsfonds
Mit der
Cassa Depositi e Prestiti
verfügt der italienische Staat über eine Investitionsbank, die
Staatsfonds
-ähnliche Züge besitzt und oft auch zu dieser Klassifizierung gezählt wird.
Staatshaushalt
Italienische Zentralbank
in Rom
Während des Zweiten Weltkriegs und unmittelbar danach konnte Italien seine Staatsschulden durch sehr hohe Inflation stark reduzieren, was 1947 zum Tiefstand der Schulden im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) bei 25,8
% führte. Nach Inkrafttreten der republikanischen Verfassung 1948 entwickelte sich die italienische Staatsverschuldung wie folgt:
175
Zeitraum
1948–1962
1963–1970
1971–1980
1981–1991
1992–1999
2000–2007
2008–2015
Staatsverschuldung
in
% des BIP (Durchschnitt)
31,2
32,4
53,2
81,7
112,4
102,1
120,5
Bis Anfang der 1960er Jahre ermöglichte eine Kombination aus zeitweise hohem Wirtschaftswachstum im Zusammenhang mit der Kontrolle der Staatsausgaben bzw. in den 1970er Jahren eine Kombination aus Steuererhöhungen und hoher Inflation, die Staatsverschuldung unter Kontrolle zu behalten. In diesem Zeitraum war die
Bank von Italien
zudem verpflichtet, am Markt nicht gezeichnete Staatsanleihen aufzukaufen. Im Jahr 1981 wurde diese Verpflichtung aufgehoben (sog.
divorzio
, d.
h. Scheidung zwischen Notenbank und Staatshaushalt). Seitdem ist bei hohen Staatsausgaben und geringen Inflationsraten ein stetiger Anstieg der Staatsverschuldung zu verzeichnen, die nach einem Zwischenhoch von 120,1
% im Jahr 1994 bis zum Ausbruch der
Großen Rezession
bzw.
Eurokrise
etwas zurückgefahren werden konnte. Seit 2008 hat sich der prozentuale Schuldenstand auch wegen des niedrigen bzw. negativen Wirtschaftswachstums wieder erhöht und erreichte im Rahmen der
COVID-19-Pandemie
ein neues Allzeithoch mit 154,3
% (2020):
Staatshaushalt Italiens
176
177
Jahr
2008
2009
2010
2015
2016
2017
2018
2019
2020
2021
2022
2023
Staatsverschuldung
in
% des BIP
105,8
116,1
118,7
134,7
134,2
133,7
134,1
133,8
154,3
145,7
138,3
134,8
Haushaltssaldo
in
% des BIP
−2,6
−5,1
−4,2
−2,5
−2,4
−2,5
−2,2
−1,5
−9,4
−8,9
−8,1
−7,2
Die Tragfähigkeit der immer höheren Schuldenlast wird auch durch die seit der Eurokrise betriebenen
Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB)
sichergestellt, mit der Staatsanleihen wieder aufgekauft werden (diesmal im Rahmen des Eurosystems): So hatte die EZB gegen Ende 2018 360
Milliarden Euro italienische Staatspapiere erworben (zum Vergleich deutsche Staatsanleihen im Wert von mehr als 515
Milliarden Euro, da sich die Käufe nach dem Kapitalschlüssel richten, also dem Kapitalanteil, den die Euro-Länder an der EZB halten).
178
Der
Staatshaushalt Italiens
umfasste im Jahr 2023 Ausgaben von 1.144
Milliarden Euro und Einnahmen von 992
Milliarden Euro.
179
Der Anteil der Staatsausgaben (in Prozent des BIP) betrug in folgenden Bereichen laut Weltbank:
Öffentliche Einnahmen, Steuern, Abgaben
Der Anteil Steuern und Beiträge zu den Sozialversicherungen in Relation zum Bruttoinlandsprodukt liegt bei 42,4
Prozent (Stand 2019); zum Vergleich: Deutschland 38,8
Prozent.
Die Steuerquote liegt bei 29,2
Prozent (Stand 2019); zum Vergleich: Deutschland 24,1
Prozent.
183
Wichtigste Steuern sind (Stand 2021):
184
185
die IRPEF (Einkommensteuer für natürliche Personen), die in 5 verschiedenen Sätzen von 23
Prozent bis 43
Prozent reicht;
die IRES (Körperschaftssteuer), mit einem Einheitssatz von 24
Prozent;
die IRAP (die regionale Wertschöpfungssteuer), deren Regelsatz bei 3,9
Prozent liegt und in etwa mit der
deutschen Gewerbesteuer
vergleichbar ist;
die IVA (Umsatzsteuer), die im Regelfall 22
Prozent, ausnahmsweise 10
Prozent, 5
Prozent oder 4
Prozent beträgt.
Verkehr
Straßenverkehr
Autobahnnetz in Italien (2009)
Alle Italienischen Straßen, mit Ausnahme der
Autobahnen
, sind Eigentum der öffentlichen Hand. Man unterscheidet zwischen Staats-, Regional-, Provinzial- und Kommunalstraßen. Das Autobahnnetz in Italien umfasst 2025 8.006 Kilometer. Der größte Autobahnbetreiber ist mit 2.855
Autostrade per l’Italia
188
Die meist befahrenen Autobahnen sind die
A1
von
Mailand
nach
Neapel
, die
A4
von
Turin
über Mailand und
Verona
nach
Venedig
, die
A14
von
Bologna
bis
Tarent
und auch die
Brennerautobahn
A22
, die von
Modena
bis zur Grenze mit
Österreich
führt.
Nach vier Jahren Bauzeit wurde 2013 die
A34
zwischen
Görz
und
Villesse
in Slowenien fertiggestellt. Sie hat eine Länge von 17
Kilometern und ersetzt die alte R17.
Der Straßenverkehr des Landes gilt als sicher. 2024 wurden in Italien 173.364
Straßenunfälle
registriert, dabei wurden 233.853 Personen verletzt und 3.030 Menschen starben. Damit sind die Zahlen der Verletzten und der Toten im Vergleich zu 2019 stark rückläufig (−3,1 und −4,5
%), die Zahl der Unfälle stieg dabei leicht an (+0,7
%). Damit kamen in Italien 2024 5,14 Verkehrstote auf 100.000 Einwohner
189
. Zum Vergleich: In Deutschland waren es im selben Jahr 3,3 Tote pro 100.000 Einwohner
190
. Das Land hat im weltweiten Vergleich eine hohe Motorisierungsrate. 2016 kamen im Land 707 Kraftfahrzeuge auf 1.000 Einwohner (in Deutschland waren es im Vergleich 610 Fahrzeuge).
191
Schienenverkehr
FS Frecciarossa 1000
, italienischer Hochgeschwindigkeits
zug
Die Länge des Schienennetzes betrug im Jahr 2023 rund 25.000
km, von denen etwa die Hälfte elektrifiziert war. Sowohl das Netz als auch der Transport sind in den Händen des Staates, bis auf wenige Ausnahmen (vgl.
Vinschgaubahn
Ferrovia Trento–Malè
). Im Geschäftsjahr 2023 beschäftigte das Staatsunternehmen
Ferrovie dello Stato Italiane
rund 90.000 Mitarbeiter und erzielte 2,2
Milliarden Euro
Gewinn
192
193
Seit 2012 bietet auch die private Eisenbahngesellschaft
Italo
– Nuovo Trasporto Viaggiatori
Hochgeschwindigkeitsverbindungen zwischen einigen Großstädten an. Die Strecken werden fast ausschließlich vom Italienischen Staatsunternehmen
RFI-Rete Ferroviaria Italiana
unterhalten. Im Jahre 2023 wurde ein Gewinn von 196 Millionen Euro erzielt.
193
Mit der Eröffnung der letzten noch fehlenden Streckenabschnitte zwischen Novara und Mailand sowie zwischen Bologna und Florenz im Dezember 2009 verfügt Italien über eine gut 1000
Kilometer lange durchgehende
Schnellfahrstrecke
von Turin über Mailand, Bologna, Florenz, Rom und Neapel bis nach Salerno.
194
Neben der genannten Nord-Süd-Achse befindet sich eine West-Ost-Achse zwischen Genua, Mailand, Brescia, Verona, Venedig und Triest in Planung, wovon die Abschnitte Mailand-Brescia 2016
195
und Padua-Venedig 2007
196
fertiggestellt wurden, während die Eröffnung der Strecke Genua-Mailand für 2027
197
geplant ist. Für Süditalien sind mittelfristig Neu- und Ausbaustrecken zwischen Palermo, Catania und Messina sowie zwischen Neapel und Bari vorgesehen
198
199
Langfristig soll eine Verbindung zwischen Neapel und Kalabrien entstehen. Die ursprüngliche Planung mit einer Verbindung vom Festland nach Sizilien, wofür der Bau der
Brücke über die Straße von Messina
notwendig gewesen wäre, wurde aus finanziellen Gründen verworfen, ist jedoch weiterhin Gegenstand von Diskussionen. Außerdem sind verschiedene internationale Verbindungen nach Frankreich (
Mont-Cenis-Basistunnel
mit Anschluss an das TGV-Netz, Eröffnung voraussichtlich 2030)
200
sowie via Schweiz (
NEAT
) und via Österreich nach Deutschland (
Brennerbasistunnel
, Eröffnung voraussichtlich 2026) sowie nach Slowenien angedacht. Das
Regelgleis
befindet sich, wie in Frankreich, auf der linken Seite.
In einem Vergleich von 27 Bahngesellschaften in Europa landete die italienische Zuggesellschaft Trenitalia auf Platz eins. Dies ergab eine Studie der
Nichtregierungsorganisation
Transport and Environment (T&E), die im Dezember 2024 veröffentlicht wurde.
201
Die
Mailänder U-Bahn
bietet mit einer Streckenlänge von 98,6
km
202
das am besten ausgebaute U-Bahn-Netz Italiens. Weitere U-Bahn-Systeme befinden sich in
Rom
Neapel
Turin
Genua
Catania
und
Brescia
Schifffahrt
Der
Hafen Genua
, der größte Seehafen Italiens
Die Gesamtlänge der schiffbaren Wasserwege beträgt 2400
km.
Den höchsten Passagierfluss verzeichnen die Häfen von
Messina
und
Reggio Calabria
, zumal es sich um die wichtigste Verbindung zwischen Sizilien und dem Festland handelt, aber auch
La Spezia
. Sämtliche Verbindungen im Mittelmeer werden von der Reederei
Tirrenia di Navigazione
mit Sitz in Neapel gewährleistet. Italien verfügt über ein ausgedehntes Containerhafennetz, wobei der Hafen
Gioia Tauro
2007 rund 3.445.337 Container beförderte.
203
Neben diesen sind die Häfen
Genua
Triest
und
Tarent
weiter wichtig, wobei letzterer sich auf den Eisenhandel spezialisiert hat.
Die wichtigsten
Marinearsenale
befinden sich in
Augusta
Brindisi
, La Spezia und Tarent.
Von
Triest
Bari
und
Ancona
gibt es direkte Verbindungen zur
albanischen
Hafenstadt
Durrës
(ital.
Durazzo
).
204
205
206
Ebenfalls gibt es eine direkte Verbindung von
Brindisi
nach
Vlorë
(Valona)
in Südalbanien.
207
Luftfahrt
Der
Flughafen Rom-Fiumicino
, nach Passagieraufkommen der achtgrößte Flughafen Europas
Die zehn größten Flughäfen Italiens 2019 nach Anzahl der Passagiere
208
Rang
Flughafen
Region
Code
(IATA)
Anzahl Passagiere
Veränderung
Prozent
(vs. 2018)
1.
Rom-Fiumicino
Latium
FCO
43.532.573
+1,3
2.
Mailand-Malpensa
Lombardei
MXP
28.846.299
+16,7
3.
Bergamo-Orio al Serio
Lombardei
BGY
13.857.257
+7,1
4.
Venedig-Tessera
Venetien
VCE
11.561.594
+3,4
5.
Neapel-Capodichino
Kampanien
NAP
10.860.068
+9,3
6.
Catania-Fontanarossa
Sizilien
CTA
10.223.113
+2,9
7.
Bologna-Borgo Panigale
Emilia-Romagna
BLQ
9.405.920
+10,6
8.
Palermo-Punta Raisi
Sizilien
PMO
7.018.087
+5,9
9.
Mailand-Linate
Lombardei
LIN
6.570.984
−28,8
10.
Rom-Ciampino
Latium
CIA
5.879.496
+0,7
ITA Airways
, mit Sitz in Rom, ist die größte italienische Fluggesellschaft
Größte Fluggesellschaft ist die
ITA Airways
, ihre beiden
Drehkreuze
befinden sich an den Flughäfen
Rom-Fiumicino
und
Mailand-Linate
. Auch die Lufthansa ist auf dem italienischen Flugmarkt tätig:
Air Dolomiti
, eine Tochter der deutschen Fluggesellschaft, bedient hauptsächlich Flüge zwischen Norditalien, München und Frankfurt.
Kultur
Der italienische Beitrag zum kulturellen und historischen Erbe Europas und der Welt ist beachtenswert. Als Kreuzweg der Zivilisationen des Mittelmeerraumes, Zentrum des
Römischen Reiches
, Sitz des
Papsttums
und Wiege der
Renaissance
spielte Italien eine entscheidende Rolle und wurde zum Ausgangsland der europäischen Kunst, Kultur und Forschung.
Die Auswanderung zahlreicher
Italiener
im 19. und 20.
Jahrhundert trug auch dazu bei, die italienische Kultur zu etablieren.
Italien hat insgesamt schätzungsweise 100.000 Denkmäler jeglicher Art (Museen, Schlösser, Statuen, Kirchen, Galerien, Villen, Brunnen, historische Häuser und archäologische Funde).
209
Es ist das Land mit den meisten
Welterbestätten der UNESCO
(60), darunter 54 Stätten des Weltkulturerbes und sechs Stätten des Weltnaturerbes.
Die in Italien befindlichen Welterbestätten reichen von einzelnen Gebäuden über ganze Kernstädte bis zu thematisch übergreifenden Gruppen wie den
Felsbildern des Valcamonica
, prähistorischen
Pfahlbauten
, den mit der Herrschaft der
Langobarden
verbundenen Orten oder einer Gruppe
spätbarocker Städte
Die Zuständigkeit für die staatliche Kulturförderung hat das Ministerium für Kulturgüter, kulturelle Aktivitäten und Tourismus
(Ministero dei Beni e delle Attività Culturali e del Turismo)
. Die Schwerpunkte der italienischen auswärtigen Kulturpolitik sind die kulturelle Programmarbeit (geleistet durch 83 staatliche Kulturinstitute weltweit) und die Förderung der italienischen Sprache (durch die weltweit 489 Zweigstellen der Dante-Alighieri-Gesellschaft, davon 401 im Ausland und 88 in Italien).
210
Traditionen und Folklore
Palio di Siena
(2008)
In Italien gibt es zahlreiche historische und
folkloristische
Traditionen verschiedener Art, die auch international bekannt und berühmt sind. Erwähnenswert sind hier das Pferderennen
Palio di Siena
, der
Calcio storico
in Florenz und die
Regata storica
in Venedig. Die Karnevalsfeste in
Venedig
, Viareggio, Ivrea, Mamoiada, Acireale, Sciacca, Florenz und Rom. Die Riten der
Heiligen Woche
in einigen Gemeinden sowie verschiedene Traditionen wie der
Infiorata di Genzano
, das
Giostra del Saracino
in Arezzo, das
Festa dei Ceri
in Gubbio und das
Giostra della Quintana
in Foligno.
Die UNESCO zählt die Prozessionen mit Schulter-Turmschreinen (
Macchina di Santa Rosa
in
Viterbo
Varia di Palmi
in
Palmi
Gigli di Nola
in
Nola
und
Faradda di li Candareri
in
Sassari
) seit 2013 und das
Sizilianische Marionettentheater
seit 2001 zum
immateriellen Kulturerbe der Menschheit
211
Küche
Pizza
Margherita
Trofie
mit
Pesto
alla genovese
Die italienische Küche (
Cucina italiana
) gilt als eine der einflussreichsten Landesküchen der Welt.
International bekannte Produkte sind zum Beispiel italienisches
Olivenöl
Pesto
Speiseeis
Panettone
Tiramisu
, diverse Käsesorten wie
Parmesan
Mozzarella
oder
Gorgonzola
, Wurst und Fleischerzeugnisse wie
Mortadella
Salami
San-Daniele-Schinken
oder
Parmaschinken
und natürlich
Pasta
und
Pizza
. Dazu kommt das reichhaltige einheimische
Weinangebot
wie
Chianti
und
Barolo
Das Essen ist in Italien ein wichtiger Aspekt des täglichen Lebens und die Pflege der Küche ein unverzichtbarer Bestandteil der nationalen Kultur. Die
Italienische Küche
wurde 2010 als
immaterielles Weltkulturerbe
von der UNESCO anerkannt.
212
213
1953 wurde in Mailand die
Accademia Italiana della Cucina
gegründet. Diese möchte das Wissen um die italienische Küche und Tischkultur bewahren und an die folgenden Generationen weitergeben. Hierzu organisiert sie Versammlungen und Tagungen, hat das Studienzentrum
Franco Marenghi
eingerichtet und verleiht Preise sowie Auszeichnungen. Die Akademie gibt die monatlich erscheinende Zeitschrift
Civiltà della Tavola
heraus.
214
Ein weiteres Projekt, um zunächst unter anderem die italienische Kochkunst zu erhalten, die
Associazione
Slow Food
, wurde 1986 in
Bra
von
Carlo Petrini
gegründet.
215
Die italienische Küche galt bei einer 2013 durchgeführten Umfrage des
Goethe-Instituts
nach Ansicht von 42
Prozent der Teilnehmer als die beste Küche Europas. Die in 24 Sprachen und 30 Ländern durchgeführte Umfrage stand unter der Überschrift „Was bedeutet Europa persönlich für Sie?“.
216
217
Gelegentlich wird die hohe Lebenserwartung auf die
mediterrane Kost
zurückgeführt, die beispielsweise viel
Fisch
Olivenöl
Obst
und
Gemüse
enthält. Die italienische Küche besteht aus einer Vielzahl von
Regionalküchen
und kann auf eine Vielzahl von Zutaten und Spezialitäten zurückgreifen.
Wissenschaftsgeschichte
Vitruvianischer Mensch
Leonardo da Vinci
, um 1492
Der vielleicht berühmteste Universalgelehrte und
Humanist
in der Geschichte,
Leonardo da Vinci
, hat mehrere Beiträge zu einer Vielzahl von Bereichen wie
Malerei
Bildhauerei
Architektur
Anatomie
Mechanik
Ingenieurwissenschaften
und
Naturphilosophie
geleistet. Einer der wichtigsten Begründer der neuzeitlichen exakten
Naturwissenschaften
Galileo Galilei
war
Astronom
Physiker
Mathematiker
Ingenieur
Kosmologe
Philosoph
und setzte eine wissenschaftliche Revolution in Gang.
Weitere namhafte italienische Wissenschaftler der Renaissance waren
Leon Battista Alberti
, Schriftsteller, Mathematiker,
Kunst-
und
Architekturtheoretiker
sowie Architekt und
Medailleur
Pietro Bembo
, wegweisend war seine Theorie der italienischen Literatursprache. Sie trug dazu bei, dass der „Sprachenstreit“ um die Frage, welche Variante des Italienischen sich am besten als Literatursprache eigne, zugunsten des Toskanischen entschieden wurde.
Von oben links im Uhrzeigersinn:
Volta
Galilei
Marconi
und
Fermi
Hier ein kurzer Überblick über weitere namhafte Persönlichkeiten der Wissenschaft: der Astronom und Mathematiker
Giovanni Domenico Cassini
; der Physiker
Alessandro Volta
, Erfinder der elektrischen Batterie und Mitbegründer der Elektrizitätslehre, die Mathematiker
Lagrange
(geborener Giuseppe Lodovico Lagrangia),
Fibonacci
und
Cardano
Guglielmo Marconi
, Nobelpreisträger für Physik, Miterfinder des Radios; der Physiker
Enrico Fermi
, ebenfalls Nobelpreisträger, bekannt für die Nuklearforschung; der Seefahrer
Christoph Kolumbus
, der im Jahr 1492 Amerika entdeckte;
Luigi Luca Cavalli-Sforza
, Populationsgenetiker und Begründer des
Human Genome Projects
(HGP).
Zwischen 995 und 1087 entwickelte sich mit der
medizinischen
Lehr- und Forschungsanstalt
Schola Medica Salernitana
, eine der ersten und wichtigsten medizinischen Einrichtungen des Mittelalters.
218
Mit der Sammelhandschrift
Trotula
wird im 12. Jahrhundert die systematische Frauenheilkunde begründet.
Erwähnenswerte medizinische Wissenschaftler und Entdeckungen der folgenden Jahrhunderte: im 16. Jahrhundert beschreibt
Gabriele Falloppio
die Struktur der Eileiter; 1665 beschreibt
Marcello Malpighi
, der als Begründer der
Pflanzenanatomie
und vergleichenden
Physiologie
sowie mikroskopischen Anatomie gilt, den
Kapillarkreislauf
, die Theorie der Funktionsweise der Lungen und der Struktur der Nierenkörperchen;
Giovanni Battista Morgagni
, Begründer der modernen
Pathologie
Giovanni Maria Lancisi
, zu dessen wissenschaftlichen Leistungen Erkenntnisse zur
Hygiene
Grippe
Rinderpest
und vor allem
Malaria
zählen; 1854 entdeckt
Filippo Pacini
das Bakterium
Vibrio cholerae
als Erreger der
Cholera
; 1893 isoliert
Bartolomeo Gosio
aus einem Schimmelpilz das erste
Antibiotikum
; sowie
Lazzaro Spallanzani
, dessen wegweisende Entdeckungen auf dem Gebiet der Physiologie liegen.
Im 20. und 21. Jahrhundert wurden namhafte Mediziner wie
Camillo Golgi
(Entdecker des nach ihm benannten
Golgi-Apparats
),
Daniel Bovet
Salvador Luria
Renato Dulbecco
Rita Levi-Montalcini
und
Mario Capecchi
mit dem
Nobelpreis für Physiologie oder Medizin
ausgezeichnet.
Literatur
Porträt des
Dante Alighieri
Sandro Botticelli
, um 1495
Der
Hymnus
Sonnengesang
von
Franz von Assisi
gilt als ältestes Zeugnis italienischer Literatur. Der Florentiner
Dante Alighieri
schuf mit seinem Werk die
Göttliche Komödie
die Grundlagen der modernen
italienischen Sprache
und eines der größten Werke der
Weltliteratur
. Der Dichter
Francesco Petrarca
war der eigentliche Begründer des
Renaissance-Humanismus
und machte das
Sonett
als Gedicht-Form bekannt. Er verfasste zahlreiche lateinische Werke. Sein in italienischer Sprache verfasster Gedichtzyklus
Canzoniere
, gilt als die bedeutendste nachantike Gedichtsammlung der europäischen Literatur.
Giovanni Boccaccio
schrieb das
Decamerone
, eine Sammlung von 100
Novellen
, die in eine Rahmenhandlung eingebettet sind. Diese drei, nämlich Dante, Petrarca und Boccaccio, wurden auch als die drei Florentiner Kronen (
Le tre corone fiorentine
) bezeichnet.
Die
Enciclopedia Italiana di scienze, lettere ed arti
(kurz
Enciclopedia Italiana
oder
Enciclopedia Treccani
genannt) wurde in erster Auflage, bestehend aus 35 Textbänden und einem Indexband, zwischen 1929 und 1937 vom
Istituto dell’Enciclopedia Italiana
herausgegeben und ist eine mehrbändige
Universalenzyklopädie
in italienischer Sprache. Der 1925 gegründete Verlag ist auch Herausgeber der
Nationalbiografie
Dizionario Biografico degli Italiani
Zu den großen Literaten Italiens zählen auch
Ludovico Ariosto
Giambattista Basile
Umberto Eco
Carlo Goldoni
Giacomo Leopardi
Alessandro Manzoni
Giambattista Marino
Torquato Tasso
und
Emanuele Tesauro
Italienische
Literaturnobelpreisträger
sind der Dichter
Giosuè Carducci
(1906), die Schriftstellerin
Grazia Deledda
(1926), der Theaterautor
Luigi Pirandello
(1936), die Dichter
Salvatore Quasimodo
(1959) und
Eugenio Montale
(1975) sowie der Satiriker, Theaterautor und -schauspieler
Dario Fo
(1997).
Bildende Kunst
Mona Lisa
(La Gioconda)
, Leonardo da Vinci, 1503–1506
Die italienische Malerei genoss über Jahrhunderte eine wichtige Stellung in Europa, von der romanischen zur gotischen Epoche, von der
Renaissance
bis zum
Barock
In der Malerei der
Gotik
nahm Italien eine Sonderstellung ein, da dort die Architektur große Wandflächen erhielt. Den Höhepunkt der
Fresken
in der Gotik lieferte
Giotto di Bondone
mit seinem vorher noch nie da gewesenen
Naturalismus
. Später blieb für lange Zeit die Buchmalerei vorherrschende Form der Malerei und nahm so großen Einfluss auch auf die Entwicklung der
Tafelmalerei
. Auch hier nahm Italien wiederum eine Sonderrolle ein, da dort die Tafelmalerei schon zu Beginn der Gotik eine Vorrangstellung innehatte. Die Gotik in ihrem reinsten Stil verkörperte in Italien
Simone Martini
mit seiner höfischen Eleganz. Seit der zweiten Hälfte des 14.
Jahrhunderts nahm die Tafelmalerei durch den Einfluss der Italiener auch nördlich der Alpen eine vorrangige Stellung zu der Buchmalerei ein, nicht zuletzt durch Martini, aber auch wegen des weitgereisten
Gentile da Fabriano
und
Pisanellos
Die Malerei der Renaissance hat ihren Ursprung in den Arbeiten einiger ungewöhnlich begabter Vorläufer im Italien des späten 13.
Jahrhunderts und setzte in der
Frührenaissance
um 1420 in
Florenz
ein, erreichte ihren Höhepunkt in der
Hochrenaissance
zu Anfang des 16.
Jahrhunderts und wirkte in ihrer Spätzeit neben dem um 1520 aufkommenden
Manierismus
fort. Zu den bedeutendsten Malern der Renaissance zählen
Fra Angelico
Bellini
Botticelli
Giotto
Mantegna
Masaccio
Michelangelo
Raffael
Tintoretto
Tizian
und
Leonardo da Vinci
In der Malerei des Barocks gingen die Anregungen ebenso von Italien aus. Die Gebrüder
Agostino
und
Annibale Carracci
Michelangelo Merisi da Caravaggio
Guido Reni
und in der Kunst der Fresken- und Deckenmalerei u.
a.
Pietro da Cortona
Luca Giordano
Andrea Pozzo
Giovanni Battista Piazzetta
und der auch in Deutschland wirkende
Giovanni Battista Tiepolo
gehören zu den Hauptmeistern.
Mit dem Ende des Barock erlebte die Malerei in Italien einen empfindlichen Niedergang. Erst im 20.
Jahrhundert mit dem
Futurismus
konnte Italien wieder in die künstlerische Avantgarde vorstoßen, vor allem durch die Werke von
Giacomo Balla
Umberto Boccioni
Carlo Carrà
und
Gino Severini
Giorgio de Chiricos
Pittura metafisica
gilt zudem als Vorläufer des
Surrealismus
Museen
Aufgrund seines kulturellen Reichtums besitzt Italien die weltweit höchste Museumsdichte.
219
Die
Museen
bilden eine wichtige Grundlage für den Tourismus. Seit 1974 besteht das
Ministerium für Kulturgüter und -aktivitäten
unter wechselnden Namen. Dem Ministerium sind 157
Staatsarchive
, 298 archäologische Stätten, 58 Bibliotheken, 244 Museen, insgesamt 1052 staatliche Institutionen zugeordnet, hinzu kommen 2119 nicht-staatliche (Stand: 26.
Februar 2012).
220
Einige der Museen sind Nationalmuseen. Zu diesen zählen das
Archäologische Nationalmuseum in Ferrara
sowie die von
Florenz
, das
von Rom
, das
von Neapel
und
von Tarent
sowie das
Museo Nazionale Alinari della Fotografia
in Florenz. Hinzu kommen das
Museo Archeologico Nazionale di Reggio Calabria
in Reggio, das
Museo Nazionale G. A. Sanna
auf Sardinien ebenso wie das
Nationalmuseum der Kunst des 21. Jahrhunderts
in Rom. Allerdings ist die Bezeichnung „Nationalmuseum“ nicht genau abgegrenzt, so dass zahlreiche weitere, überregional bedeutende staatliche Museen mitzurechnen sind.
Eine jährlich vom italienischen Touring Club herausgegebene Studie zu den Besucherzahlen der 30 meistbesuchten Museen berechnete für diese insgesamt etwa 23
Millionen Besucher für das Jahr 2008. Dies entspricht rund einem Viertel aller Besucher der rund 3800 öffentlichen Museen und 1800 archäologischen Stätten in Italien.
221
Musik
Von oben links im Uhrzeigersinn:
Verdi
Vivaldi
Pavarotti
und
Puccini
Das
Teatro San Carlo
in Neapel ist vor dem
Teatro alla Scala
in Mailand das älteste noch genutzte Opernhaus der Welt
Italien zählt auch namhafte Komponisten:
Palestrina
und
Monteverdi
in der Renaissance,
Scarlatti
Corelli
und
Vivaldi
im Barock,
Paganini
und
Rossini
in der Klassik,
Verdi
und
Puccini
in der Romantik sowie
Einaudi
und
Albanese
im Neoklassizismus.
Italien ist weithin bekannt als Geburtsort der
Oper
. Aus der Feder von
Rossini
Bellini
Donizetti
Verdi
und
Puccini
stammen mit die berühmtesten Opern überhaupt, die heute weltweit aufgeführt werden, unter anderem an der
Scala
in Mailand. Klassische Interpreten wie
Enrico Caruso
Alessandro Bonci
Beniamino Gigli
Luciano Pavarotti
und
Andrea Bocelli
haben sich um die Oper verdient gemacht.
Zu den bekanntesten italienischen Sängern der populären Musik gehören
Domenico Modugno
Adriano Celentano
Gigliola Cinquetti
Paolo Conte
Toto Cutugno
Lucio Dalla
Gianna Nannini
und
Eros Ramazzotti
. Auch in weniger frequentierten Genres wie
Power Metal
Rhapsody
) und
Punkrock
Vanilla Sky
oder
Evolution So Far
) sind die Italiener vertreten. Das
Sanremo-Festival
ist Italiens größter Musikwettbewerb und wird seit 1951 jährlich in der ligurischen Stadt
Sanremo
abgehalten.
Film
Zeitgenössisches Filmplakat zum Film
Cabiria
von 1914
Die italienische
Filmindustrie
nahm bereits zwischen 1903 und 1908 konkrete Formen an. Während des Faschismus wurde das Kino auch zu Zwecken der Regime-Propaganda eingesetzt. Im Südosten Roms wurde sogar eine eigene Filmstadt errichtet,
Cinecittà
Bedeutende Regisseure der Nachkriegszeit sind
Vittorio De Sica
Roberto Rossellini
Luchino Visconti
Michelangelo Antonioni
Federico Fellini
Pier Paolo Pasolini
Sergio Leone
und
Bernardo Bertolucci
. Unter den Schauspielern haben insbesondere
Anna Magnani
Sophia Loren
Claudia Cardinale
Monica Vitti
Marcello Mastroianni
Giulietta Masina
und
Vittorio Gassman
internationale Anerkennung erlangt. Zu den bekanntesten italienischen Filmproduktionen gehören
Fahrraddiebe
Rom, offene Stadt
Der Leopard
La Strada – Das Lied der Straße
Das süße Leben
sowie die
Italowestern
Spiel mir das Lied vom Tod
und
Zwei glorreiche Halunken
In den letzten drei Jahrzehnten haben italienische Filme nur noch vereinzelt internationale Aufmerksamkeit bekommen, etwa
Cinema Paradiso
von
Giuseppe Tornatore
Der Postmann
mit
Massimo Troisi
oder
Das Leben ist schön
von und mit
Roberto Benigni
Die 1932 begründeten
Internationalen Filmfestspiele Venedig
Mostra internazionale d’arte cinematografica di Venezia
) sind Teil der
Biennale
für zeitgenössische Kunst und finden jedes Jahr von Ende August bis Anfang September auf dem
Lido
in
Venedig
statt. Die Filmfestspiele sind das älteste
Filmfestival
der Welt und gehören bis heute zu den bedeutendsten internationalen Filmfestspielen.
Mode und Design
Italienische Mode hat eine lange Tradition. Mailand ist Italiens wichtigste Modemetropole, auch Rom, Turin, Neapel, Genua, Bologna, Venedig und Vicenza sind bedeutende Zentren. Zu den großen italienischen Modemarken gehören u.
a.
Armani
Benetton
Brioni
Dolce & Gabbana
Ermenegildo Zegna
Fendi
Ferragamo
Gucci
Max Mara
Missoni
Moschino
Prada
Valentino
und
Versace
Italien ist auch führend im Bereich Design, insbesondere Innenarchitektur.
Gio Ponti
und
Ettore Sottsass
sind in diesem Zusammenhang erwähnenswert.
Medien
Rundfunk
Seit der Umstellung auf
DVB-T
und der Abschaltung der Analogsignale im Jahr 2011 verfügt Italien über ein vielfältiges, frei empfangbares Fernsehangebot.
223
Neben den drei nationalen
Radioprogrammen
und den herkömmlichen Fernsehsendern
Rai Uno
Rai Due
und
Rai Tre
strahlt die staatlich kontrollierte
Radiotelevisione Italiana
siebzehn weitere Sender aus.
223
Daneben existiert eine Vielzahl an
Privatsendern
, die ihre Stationen in fast jeder größeren Stadt haben. Diese finanzieren sich durch
Werbung
, das Programm besteht zu großen Teilen aus
Musik
und
Shows
. Dabei gibt es große qualitative Unterschiede. Einige wenige etablierte Sender schlossen sich zu einem großen Sendernetz zusammen, andere hingegen beschränken sich auf die Ausstrahlung von
Filmen
. Insgesamt existieren in Italien rund 1700 Fernsehsender, die rund 30
Millionen Zuschauer erreichen.
223
Der Mediaset-Turm in
Cologno Monzese
bei Mailand
Unter dem Namen
Mediaset
sind die
Privatsender
Canale 5
Italia 1
und
Rete 4
zusammengefasst. Sie erreichen täglich ein Millionenpublikum und strahlen populäre Sendeformate wie
Fernsehserien
Spielfilme
Dokumentarfilme
Reality-Shows
und Sportübertragungen aus. Durch die Umstellung auf DVB-T sind zehn weitere frei empfangbare Mediaset-Programme hinzugekommen.
223
Darüber hinaus gibt es mit
Sky Italia
ein sehr umfangreiches Bezahlfernsehen, das im Juli 2016 4.740.000 Abonnenten zählte.
224
Internet
Im Jahr 2023 nutzten rund 87 Prozent der Einwohner Italiens das Internet.
225
Sport
Sport hat in Italien einen hohen Stellenwert.
228
Das faschistische Italien nutzte diesen, um durch die Siege bei den Fußballweltmeisterschaften 1934 und 1938 sowie den Olympischen Sommerspielen 1932 nationales und internationales Prestige zu erlangen.
229
Das
Comitato Olimpico Nazionale Italiano
, das dem deutschen
DOSB
entspricht, wurde 1942 gegründet.
Italien war Austragungsort der Fußball-Weltmeisterschaften
1934
und
1990
sowie der Fußball-Europameisterschaften
1968
und
1980
In Italien fanden mehrmals
Olympische Spiele
statt: die
Sommerspiele
1960
in Rom sowie die
Winterspiele
in
Cortina d’Ampezzo 1956
und
Turin 2006
. Die
Winterspiele 2026
sollen in
Mailand
und
Cortina d’Ampezzo
stattfinden.
Special Olympics Italien
wurde 1983 gegründet und nahm mehrmals an
Special Olympics Weltspielen
teil.
Radsport
Des Weiteren gilt Italien auch als
Radsportland
. Der
Giro d’Italia
gilt nach der
Tour de France
als zweitbedeutendstes Radrennen der Welt. Wichtige Eintagesrennen, die zu den
Klassikern
gerechnet werden, sind
Mailand–Sanremo
und die
Lombardei-Rundfahrt
. Zu den wichtigsten Radsportlern gehören unter anderem
Vincenzo Nibali
und
Mario Cipollini
bzw. in der Radsportgeschichte
Gino Bartali
Alfredo Binda
Ottavio Bottecchia
Giovanni Brunero
Fausto Coppi
Luigi Ganna
Carlo Galetti
Felice Gimondi
Costante Girardengo
Fiorenzo Magni
Gastone Nencini
Marco Pantani
und
Giovanni Valetti
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