Books by Sigrid Nieberle

https://www.transcript-verlag.de/reihen/kulturwissenschaft/diversity-in-culture/?f=12320, 2023

Johanna Spyris Heidi-Romane von 1880/1881 zählen zweifellos zum Kanon der westlichen Kinder- und ... more Johanna Spyris Heidi-Romane von 1880/1881 zählen zweifellos zum Kanon der westlichen Kinder- und Jugendliteratur. Sie wurden in ca. 70 Sprachen übersetzt und für zahlreiche Medienformate wie Spielfilm, Fernsehserie, Anime-Serie, Comic, Audiobook, Musical, Ballett oder Briefmarkenedition adaptiert. Um ihrer großen Popularität auf die Spur zu kommen, befragen die Beiträger*innen die Romane auf ihre Aktualität hin und interpretieren sie unter Gesichtspunkten der Diversity Studies neu. Was können wir zu Kindheit und Alter, Naturbegriff und Tierhaltung, Bildung und Verwandtschaft, zur Bedingtheit von Behinderung und zum Verhältnis von gender, race und class heute daraus lernen?

Einführungen Germanistik, 2013

In den letzten fünf Jahrzehnten haben sich die Women's und Gender Studies in vielen Bereichen von... more In den letzten fünf Jahrzehnten haben sich die Women's und Gender Studies in vielen Bereichen von Forschung und Lehre etabliert. Auch in den Literaturwissen­schaften ist der Begriff„Gender" längst zu einem produktiven Konzept avanciert.
Diese Einführung beschreibt die Möglichkeiten gender-orientierter Arbeitsweisen in der Auseinandersetzung mit literarischen Texten und erklärt die metho­dischen Voraussetzungen und Konsequenzen der Geschlechterforschung. Der Schwerpunkt der Einführung liegt auf anschaulichen Textbeispielen und -analysen, deren Fokus die neuere deutsche Literaturgeschichte seit der Aufklärung bildet. Neueste Entwicklungen der Geschlechterforschung werden unter den Stichworten Hybridität und Diversität sowie Postcolonial und Queer Studies ver­handelt und auf ihre Relevanz überprüft.

The first biopics of poets were shown in cinemas in the USA in 1909 and in Germany in 1912. Since... more The first biopics of poets were shown in cinemas in the USA in 1909 and in Germany in 1912. Since these early beginnings, a constant and rich tradition has developed of biopics of figures from literary history. This study is the first to carry out a longitudinal and lateral study of the genre. "Poet films" as they are called not only provide differing notions of authorship, but they also help write a history of literature as narrated in film. A filmography furnishes information on 180 feature films with themes from the history of the West European and US literary canons.

Research paper thumbnail of FrauenMusikLiteratur. Deutschsprachige Schriftstellerinnen im 19. Jahrhundert

2., verbesserte Auflage, 2002

»Die Musik gehört der weiblichen Seele zu«, schreibt Jean Paul 1806 und formuliert damit prägnant... more »Die Musik gehört der weiblichen Seele zu«, schreibt Jean Paul 1806 und formuliert damit prägnant die für das ganze 19. Jahr­hundert gültige Verknüpfung der ›anderen Sprache‹ mit dem ›anderen Geschlecht‹. Dieses Buch fragt nach dem Zusammenhang von Musik und Geschlechterdifferenz in Texten von deutschsprachigen Autorin­nen, die sich an den musikästhetischen, -didaktischen und -lite­rarischen Diskursen der Zeit beteiligt haben. Der gender-orien­tierte Blickwinkel der Studie fokussiert hauptsächlich Lehrbriefe, (Brief)Romane und Erzählungen. Im Mittelpunkt stehen aus­gewählte Texte von heute zum Teil vergessenen ebenso wie sehr bekannten Autorinnen, u.a. von Nina d'Aubigny von Engel­brunner, Dorothea Schlegel, Caroline Auguste Fischer, Bettine von Arnim, Annette von Droste-Hülshoff, Fanny Lewald, Johan­na Kinkel, Elise Polke und Marie von Ebner-Eschenbach. Deren fundierte musikalische Ausbildung führte meist nicht zu einer professionellen Musikausübung, sondern mündete in eine litera­rische Produktivität, die hier unter interdisziplinären literatur-­ und musikwissenschaftlichen Aspekten erstmals systematisch untersucht wird.

Die Beiträge dieses Bandes untersuchen narrative Strukturen und narratologische Konzepte in ihrer... more Die Beiträge dieses Bandes untersuchen narrative Strukturen und narratologische Konzepte in ihrer Relevanz für die Konstitution von Geschlecht. Erzählen wird dabei als eine Form des doing gender verstanden, das medienübergreifend in zahlreichen Diskursen und Epistemen wirksam ist. Der analytische Blick auf Aspekte des Performativen richtet sich dabei auf das Verhältnis von Narration und Geschlecht in Literatur, Film und Fernsehen wie auch in wissenschaftlichen Diskursen, die – insofern sie sich auf zeitliche und räumliche Strukturen sowie Handlungsabläufe beziehen – ebenfalls Schauplätze des Narrativen sind. Hierbei ergeben sich sowohl theoretische Schnittstellen mit einer kulturwissenschaftlich orientierten Narratologie als auch spezifische Neuansätze in medialen und epistemischen Fragen.

https://www.transcript-verlag.de/978-3-8376-2534-9/unlaute/, 2017

Kultur, Medien, Wissenschaften sind maßgeblich von Geräuschen bestimmt. Als Interferenzen und »no... more Kultur, Medien, Wissenschaften sind maßgeblich von Geräuschen bestimmt. Als Interferenzen und »noise« sind un-intendierte, un-sinnige, un-erwünschte Laute traditionell das Gegenteil von sprachlicher und musikalischer Sinnstiftung-auch in jüngerer Forschung. Doch das konzentrierte interdisziplinäre ›Hin-Hören‹ auf solche negierten Laute, also Un-Laute, lässt bisher unerkannte Strukturen zutage treten, deren Analysepotenzial für die Kulturwissenschaften derzeit kaum zu überschätzen ist.

Research paper thumbnail of weiter schreiben, wieder schreiben. Deutschsprachige Literatur der fünfziger Jahre

https://www.iudicium.de/katalog/762-9.htm, 2004

Die 25 literaturwissenschaftlichen Beiträge dieses Bandes widmen sich den 1950er Jahren – einer D... more Die 25 literaturwissenschaftlichen Beiträge dieses Bandes widmen sich den 1950er Jahren – einer Dekade, deren literarische Bandbreite sich zwischen Restauration und Neubeginn, Kontinuität und Diskontinuität, Erinnerungsarbeit und Zukunftsperspektivierung aufspannen läßt. Dabei rücken sowohl Anthologien, Liederbücher und Zeitschriften in den Blick als auch einzelne Romane, Erzählungen, Gedichte und Dramen von Autoren und Autorinnen, die heute bereits zum literarhistorischen Kanon gezählt werden, zum Teil jedoch von der Forschung bisher weitgehend übergangen wurden. Zentrale Fragestellungen eröffnen sich in den Bereichen der Rezeption und Literaturkritik, der Bedingungen literarischer Produktion sowie der poetologischen Konzepte. Die Formulierung eines Verhältnisses zu Nationalsozialismus und Zweitem Weltkrieg, aber auch zu den Entwicklungen in den beiden jungen deutschen Staaten dominiert diese Literatur zwischen ästhetischen und politisch-historischen Diskursen.

Odysseen 2001. Fahrten − Passagen − Wanderungen

https://www.fink.de/edcollbook/title/41911, 2003

Die Odyssee gehört zu den wirkungsmächtigsten Erzählungen der abendländischen Literatur und Kultu... more Die Odyssee gehört zu den wirkungsmächtigsten Erzählungen der abendländischen Literatur und Kultur. Als Modell für Reise, Entdeckung und Heimkehr, aber auch für Migration und Exil beeinflußte das Epos zahllose Texte, in denen literarisch, filmisch, philosophisch die Abenteuer des Protagonisten um- und fortschrieben wurden. Die in diesem Band versammelten 12 interdisziplinären Beiträge (u.a. aus der Altphilologie, Anglistik, Anthropologie, Germanistik und aus den Film und Gender Studies) nehmen die Fährten auf – von der Antike bis in die jüngste Film- und Fernsehgeschichte – und machen sich auf die Suche nach einer Wirkungsgeschichte der Odyssee, die spätestens mit Stanley Kubricks „2001 – A Space Odyssey“ neue Impulse aus der Ankunft in der Zukunft erhalten hat.

https://www.esv.info/978-3-503-04991-2, 2001

Book Chapters by Sigrid Nieberle

Research paper thumbnail of Zur Poetik der Selbstverpflichtung. Vielfalt im Kontext von Rhetorik und politischer Praxis

Zur Poetik der Selbstverpflichtung. Vielfalt im Kontext von Rhetorik und politischer Praxis

Julika Griem, David Kaldewey & Il-Tschung Lim (ed): „Die Poesie der Reformen“. Zur Karriere des Diversity Management an Hochschulen in Deutschland, 2024

Die wertschätzende Rhetorik soziokultureller Diversität wird bisweilen einem weitgehend folgenlos... more Die wertschätzende Rhetorik soziokultureller Diversität wird bisweilen einem
weitgehend folgenlosen woke capitalism und seinem Diversitätsimperativ zugeschlagen, meist jedoch im Modus der Selbstverpflichtung kommuniziert. Unternehmen und Institutionen bekennen sich zu ambitionierten diversitätsorientierten Managementkonzepten, die eine spezifische »Poesie der Reform« (Luhmann) hervorbringen. Daher lohnt es sich, die Poetik dieser Selbstverpflichtung mit semiotischem Instrumentarium näher zu
untersuchen und in historische wie rhetorische Kontexte einzuordnen. Besonders relevant erscheint die Frage, wie ein solcher pragmatischer Text ausgestaltet sein muss, damit ein gemeinsamer Sprechakt institutionell organisierter Kollektive gelingen kann. Am Beispiel der »Charta der Vielfalt« tritt die nötige Balance zwischen sprachlicher Materialität, poetischer Gestaltung und gesellschaftspolitischer Aussage zutage.

Research paper thumbnail of Gipfelklänge. Soundscapes in Johanna Spyris Heidi-Romanen

Wiedersehen mit Heidi. Polyperspektivische Lektüren der Heidi-Romane von Johanna Spyri, 2023

Die Schriftenreihe Diversity in Culture stellt in Auseinandersetzung mit dem Paradigma der Vielfa... more Die Schriftenreihe Diversity in Culture stellt in Auseinandersetzung mit dem Paradigma der Vielfalt die Theorien und Konzepte der Diversity Studies auf den Prüfstand der kulturwissenschaftlichen Praxis. Die Forschungsansätze zu »Diversity in Culture« tragen maßgeblich zur Beschreibung gesamtgesellschaftlicher Transformationsprozesse in Richtung Vielfalt, Diversität und Inklusion bei, indem sie danach fragen, wie interdependente Unterschiede in modernen Gesellschaften imaginiert und kommuniziert werden. Wie und unter welchen Bedingungen wurde und wird über Unterschiede an den Schnittstellen ästhetischer und soziokultureller Kommunikation geschrieben und gesprochen? Welche Bewertungen und Konsequenzen wurden und werden daraus abgeleitet? Die Reihe wird herausgegeben von Carolyn Blume, Gudrun Marci-Boehncke, Barbara Mertins und Sigrid Nieberle.

Research paper thumbnail of Beethoven aus der Ferne: Vermächtnis und Zerstreuung

Beethovens Vermächtnis: Mit Beethoven im Exil , 2022

Das Vermächtnis steht zum Erbe in einem komplexen Verhältnis. Beide Begriffe sind mit ideologisch... more Das Vermächtnis steht zum Erbe in einem komplexen Verhältnis. Beide Begriffe sind mit ideologischen Hinterlassenschaften metaphorisch überfrachtet. Die Formulierung, dass Menschen, die von Flucht, Verfolgung, Exil, Vertreibung betroffen waren, sich ihrer Herkunft vergewissern, indem sie ihr „kulturelles Erbe" mitnehmen und weiterpflegen, geht einem zwar leicht von der Zunge, zumal im europäischen Kontext zwischen Erbe und Vermächtnis bzw. heritage, inheritance und legacy nicht genauer differenziert wird. Aus einer spezifisch deutschsprachigen Perspektive ist das Erbe hingegen mit zwei histo­rischen Schwergewichten belastet: Zum einen stellt die nationalsozialistische Auffassung des kulturellen Erbes eine immense ideologische Überfrachtung dar, weil sie an rassis­tische Theorien gebunden und in staatlichen Institutionen wie in der 1935 von Hein­rich Himmler gegründeten Forschungsgemeinschaft „Ahnenerbe e.V" programmatisch ausgearbeitet worden war. Dort wurden nicht nur immaterielle Zugänge zum „arisch­germanischen" Kulturerbe gesucht – etwa von Philologen und Historikern –, sondern auch medizinische Gewaltverbrechen begangen. Zum anderen denkt man in der jün­geren Geschichte an die Kulturpolitik der DDR und insbesondere der SED und deren Auseinandersetzung mit dem „Kulturellen Erbe", die wiederum – trotz der rigiden anti­faschistischen Diskurspolitik – unter dem Stichwort der „Erbe-Diskussion" zusammen­gefasst und aus westdeutscher Sicht kritisch revidiert wurde.

Research paper thumbnail of Wie geschaffen werden. Identitätsdiskurse des Intersexuellen

Sakralisierung des Selbst. Praktiken und Traditionen der Subjektivierung, 2021

»Wie von der Natur geschaffen« oder »wie von Gott geschaffen«: Natur und Gott wurden lange als gl... more »Wie von der Natur geschaffen« oder »wie von Gott geschaffen«: Natur und Gott wurden lange als gleichbedeutende Instanzen der Kreatürlichkeit eingesetzt. Erst mit der Naturgesetzlichkeit der Frühen Neuzeit und später mit dem Darwinismus hat sich das Primat der ›Natur‹ mit dem damit verbundenen Naturalisierungsdiskurs (im Kontrast zur Künstlichkeit) gegenüber dem religiösen Narrativ der Schöpfung durchgesetzt. Derzeit ist in Identitätsfragen ein vermehrter Rückgriff auf diese Diskurse der Naturalisierung und Kreatürlichkeit zu beobachten. Daraus entsteht eine aporetische Situation, in der der Mensch nicht gemäß der Genesis als Frau oder Mann geschaffen wurde, sondern sich erst jetzt – in unserer Gegenwart – zu einem von Gott geschaffenen Wesen performativ erschaffen will oder dazu von anderen gemacht wird. Zwar wurden historisch gesehen zwischengeschlechtliche Personen die längste Zeit beobachtet, diagnostiziert, stigmatisiert und manipuliert; erst im Zuge moderner Anerkennungspolitik werden sie als Gruppe wahrgenommen, deren Interessen von selbstgewählten repräsentativen Personen im öffentlichen Diskurs zu vertreten sind.

Research paper thumbnail of Geschliffene Biographeme. Paarkonstellationen im autobiographischen Musikerinnennachlass am Beispiel von Margarethe Quidde und Aline Valangin

Paare in Kunst und Wissenschaft, 2021

Paarkonstellationen im autobiographischen Musikerinnennachlass am Beispiel von Margarethe Quidde ... more Paarkonstellationen im autobiographischen Musikerinnennachlass am Beispiel von Margarethe Quidde und Aline Valangin Mit einem Ding Der US-amerikanische Spielfilm Cast Away (Robert Zemeckis, USA 2000) erzählt von einer ungewöhnlichen Paarkonstellation. Chuck, gespielt von Tom Hanks, strandet als einziger Überlebender eines verunglückten Frachtflugzeugs an einer einsamen Insel. Dieser postmoderne Crusoe organisiert sein Überleben, indem er weder resigniert noch die soziale Isolation akzeptiert. Stattdessen freundet er sich mit Wilson, einem alten Volleyball, an, dem er ein Gesicht gegeben hat, mit dem er sich unterhält und der-jenseits einer sexuellen Fetischisierung-sein verlässlicher Partner in den vielen Jahren der Einsamkeit werden soll. Wilson jedoch fällt von jenem Floß, mit dem Chuck letztlich seiner Rettung entgegenschwimmt. Die tragische Abschiedsszene der beiden wird mit aufwändigen filmischen Mitteln gestaltet; Schnittfrequenz und-tempo wachsen an. Der point of view, von dem aus das Publikum das Unvermeidliche betrachtet, ist bemerkenswert gewählt, denn der Bildausschnitt wird halb unterhalb und halb oberhalb der Wasseroberfläche verortet, als würden die Zuschauer die Perspektive Wilsons übernehmen können. Die geschliffene optische Linse der Kamera wird auch deshalb wahrnehmbar, weil sich die glitzernde Wasseroberfläche darin bricht. Diese Kameraeinstellung provoziert die Reflexion der eignen Zuschauerposition, denn das geschliffene Glas der Linse ermöglicht die unmögliche Teilhabe am Untergang. Es handelt sich zum einen um den viel zitierten »Schiffbruch mit Zuschauer«,1 von dem diese Filmsequenz erzählt, und zum anderen um die intensive Beziehung zwischen einem Menschen und einem anthropomorphisierten Dingobjekt. Was die fiktionale Erzählung im Spielfilm als eine tragische Geschichte des Scheiterns mit allen verfügbaren ästhetischen Codes inszeniert, lässt sich als abstrakte Aussage im Diskurs auch in historischem Archivmaterial finden: Paarkonstellationen jenseits bürgerlicher Geschlechterrollen, die erst durch die Dis

Research paper thumbnail of Zwischen Experiment und Exzess: Melodrama

Gattung und Geschlecht. Konventionen und Transformationen eines Paradigmas, 2021

Noch vor 25 oder 30 Jahren spielte das Melodrama eine sehr kleine Rolle in den deutschsprachigen ... more Noch vor 25 oder 30 Jahren spielte das Melodrama eine sehr kleine Rolle in den deutschsprachigen Literaturwissenschaften. Auch in den Fächern der Theater­ und Musikwissenschaften konnten Studierende kaum etwas über das Melodrama im Alltag akademischer Lehre erfahren. Und wenn der Begriff doch einmal fiel, wirkte er wie ein Schibbôleth, ein Wort, das Türen der Zugehörigkeit öffnet. ,Melodrama‘ war das Codewort für die Kennerschaft des Trivialen und Hybriden, eine terminologische Prätention der in den Sumpf der Unterhaltungskultur Hinabgestiegenen, die mit dem Begriff leicht erklären konnten, was die Studie­renden der ,reinen Gattungslehre‘ und des akademischen Kanons niemals erfahren werden. Melodrama war – wie die Operettenrevue der 1930er Jahre – nicht nur aus der Mode der Bühnenpraxis gekommen, sondern auch aus dem Radar der Geisteswissenschaften. verschwunden. Seither hat sich Vieles verändert, denn mit der wachsenden Bereitschaft zur Medienreflexion und der aufkommen­den Performanztheorie zum Anfang der 1990er Jahre füllte sich die Leerstelle langsam auch für die deutschsprachigen Kulturwissenschaften. Mittlerweile gilt das Melodrama als ein zentrales Genre des 19. Jahrhunderts, das auch für die deutschsprachige Literatur in seiner Bedeutung kaum überschätzt werden kann.

Augenblicksaufzeichnung – Momentaufnahme. Kleinste Zeiteinheit, Denkfigur, mediale Praxis, 2020

Verfilmte Autorschaft. Auftritte von Schriftsteller*innen in Dokumentationen und Biopics, 2020

Kaum ein Medium bringt seinen Gegenstand verlässlicher zum Verschwinden als der Film. Zwar ersche... more Kaum ein Medium bringt seinen Gegenstand verlässlicher zum Verschwinden als der Film. Zwar erscheint die Figur eines Autors und einer Autorin als wahrnehmungspsychologischer Effekt der Filmprojektion, je nach Bildfrequenzrate im Kino, Fernsehen oder Streaming Service. Genauso rasch verschwindet diese Gestalt aber wieder. Sie entzieht sich dem Publikum, wie sie sich ihm zeigt. Seit dem frühen Kino haben sich die Framing-Raten stark ausdifferenziert und variieren von 16 bis zu 100 Bildern pro Sekunde, die inzwischen auch die Kamera eines handelsüblichen Mobiltelefons erzeugen kann. Mit dieser Bandbreite korrespondieren die vielfältigen Dispositive, die den Autor und die Autorin derzeit ins filmische Bild setzen.

Kooperation und Konkurrenz im Wissenschaftsbetrieb. Perspektiven aus der Genderforschung und -politik, 2020

Literatur in der Medienkonkurrenz. Medientranspositionen 1800 – 1900 – 2000, 2018

In der charakteristischen Knappheit der englischen Sprache lassen sich für eine künftige Medienku... more In der charakteristischen Knappheit der englischen Sprache lassen sich für eine künftige Medienkulturwissenschaft zwei Künste in einem Begriff zusam­menbringen, die fast nicht dichter zueinander stehen könnten: Literatur und Film gehen in der Bezeichnung Litpic (literary-induced picture) eine enge Bindung ein. Die Literatur determiniert den Film hier per definitionem, wohingegen bekanntlich der Film um 1900 mit der Literatur zu konkurrieren und sie im populärkulturellen Bereich zu dominieren begann. Das Akronym Litpic ist von Genrebezeichnungen wie z.B. Biopic (biographical picture) abgeleitet; als Sammelbegriff umfasst es zunächst alle filmischen Genres, die literarisch-induzierte Erzählungen vermitteln: Literaturverfilmung, Campus Pic, Biopic, Fan Pic, Doku, Dokufiction und dergleichen mehr.

Unlaute: Noise/Geräusch in Kultur, Medien und Wissenschaften seit 1900, 2017

Kultur, Medien, Wissenschaften sind maßgeblich von Geräuschen bestimmt. Als Interferenzen und »no... more Kultur, Medien, Wissenschaften sind maßgeblich von Geräuschen bestimmt. Als Interferenzen und »noise« sind un-intendierte, un-sinnige, un-erwünschte Laute traditionell das Gegenteil von sprachlicher und musikalischer Sinnstiftung – auch in jüngerer Forschung. Doch das konzentrierte interdisziplinäre ›Hin-Hören‹ auf solche negierten Laute, also Un-Laute, lässt bisher unerkannte Strukturen zutage treten, deren Analysepotenzial für die Kulturwissenschaften derzeit kaum zu überschätzen ist.
Die Beiträge des Bandes konzentrieren sich besonders auf das 20. Jahrhundert, seit die technischen Möglichkeiten der Schallaufzeichnung spezifische Dispositive hervorgebracht haben.