Theologie – Wikipedia
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Theologie
lateinisch
theologia
griechisch
θεολογία
theología
, von
θεός
theós
‚Gott‘ und
λόγος
lógos
‚Wort, Rede, Lehre‘), älter auch
Gottesgelehrsamkeit
und
Gottesgelehrtheit
, bedeutet „die Lehre von
Gott
“ oder Göttern im Allgemeinen und die Lehren vom Inhalt eines spezifischen religiösen
Glaubens
und seinen Glaubensdokumenten im Besonderen.
Personifikation der christlichen
theologischen Fakultät
am Denkmal Kaiser
Karls IV.
vor dem Altstädter Brückenturm der Prager
Karlsbrücke
Historische Entwicklung des Begriffs
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Griechische Antike
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Der Begriff
theologia
trat in der
griechischen Antike
zu der dortigen polytheistischen Götterwelt auf. Dort bezeichnete er die „Rede von Gott“, das Singen und Erzählen (gr. μυθέεσθαι
mythéesthai
) von Göttergeschichten. (Später verstanden christliche Theologen wie zum Beispiel
Karl Barth
unter diesem Begriff „Gottes Rede zu den Menschen“.) Der älteste Beleg für dieses
mythische
Verständnis von Theologie findet sich in
Platons
Staat
(379a). Platon legt an die Göttermythen der kritisierten Theologie den kritischen Maßstab der Frage nach der
Wahrheit
als dem Einen, Guten und Unveränderlichen an. Bei
Aristoteles
zeigt sich eine Umprägung des Theologiebegriffs: Theologie als die oberste der theoretischen Wissenschaften richtet sich darin auf das Göttliche als das erste und eigentliche Prinzip (
Metaphysik (Aristoteles)
1064a/b). Die Theologie hat sich damit von der Mythologie hin zur
Metaphysik
gewandelt.
Christentum
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Im zweiten Jahrhundert wurde der Begriff von christlichen Autoren, den
Apologeten
, aufgegriffen, die ihn im Kontrast zur
mythologia
(Erzählen von Göttergeschichten) der
polytheistischen
heidnischen
Autoren verwendeten. Bei
Eusebius
(† 339/340) bedeutet der Begriff etwas wie „das christliche Verständnis von Gott“. Bei allen
patristischen
Autoren bezog sich der Begriff jedoch nicht auf die christliche Lehre im Allgemeinen, sondern nur auf die Aspekte von ihr, die sich direkt auf Gott bezogen. So wurden als einzige frühchristliche Autoren der Autor des
Johannesevangeliums
und
Gregor von Nazianz
spezifisch als „Theologen“ bezeichnet, weil Gott in ihrer Lehre im Mittelpunkt stand. Die Fragen nach dem Heilshandeln und der Heilsordnung Gottes für die Menschen wurden unter dem Begriff der
Ökonomie
(gr. οἰκονομία
oikonomía
) behandelt.
Thomas von Aquin
Theologen in der
Alten Kirche
waren häufig
Bischöfe
, im
Mittelalter
in der Regel
Mönche
. Mit der Entstehung der Universitäten als Ordenshochschulen im Mittelalter bildete die Theologie meist die erste
Fakultät
. Im Hochmittelalter bekam der Begriff bei
Peter Abaelard
Frühscholastik
) und
Bonaventura
Hochscholastik
) erstmals die allgemeinere Bedeutung „das Gebiet des
heiligen
Wissens“, das die gesamte christliche Lehre umfasste. Zum feststehenden Begriff in diesem Sinn wurde Theologie insbesondere aufgrund der
Summa theologica
von
Thomas von Aquin
, der Theologie in erster Linie als spekulative, theoretische Wissenschaft ansah.
Die
Reformatoren
betonten den praktischen Aspekt der Theologie wieder stärker. Damit steht
Martin Luther
auch in der Tradition der
monastischen
Verankerung der Theologie wie sie im Mittelalter zum Beispiel bei
Anselm von Canterbury
und
Bernhard von Clairvaux
wirksam war. Praktische Wissenschaft war die Theologie in dem Sinne, dass sie ganz auf die Zueignung des
Heils
durch Gott, also auf den praktischen Vollzug des Glaubenslebens bezogen war. In diesem Sinne bestimmten auch zahlreiche Vertreter der
lutherischen Orthodoxie
die Theologie als eine
scientia practica
, die allerdings in ihrer Durchführung auch Anleihen bei der theoretischen Wissenschaft machen müsse. Deshalb gewannen die theologischen Systeme der lutherischen Orthodoxie vielfach äußerlich einen ähnlichen Charakter wie die alten scholastischen Summen, waren inhaltlich aber anders angelegt und auch in ihrem systematischen Aufbau (der sich an den analytischen ordo des Aristoteles anlehnte) stärker auf die Glaubenspraxis hin ausgerichtet. Teilweise etablierte sich auch wieder ein stärker oder rein theoretisches Verständnis der Theologie.
Die Unterscheidung der Theologie als Wissenschaft von der Glaubenspraxis und der unmittelbaren Erkenntnis des Glaubens wurde zur Zeit der lutherischen Orthodoxie durch den Theologen
Georg Calixt
vorbereitet. In Ansätzen liegt sie auch bei
Abraham Calov
und
Johann Andreas Quenstedt
vor. Während diese allerdings die Theologie dem Glauben vorordnen, wird das Verhältnis in der
Aufklärung
umgekehrt: Die Theologie ist als Reflexionsform gegenüber dem Glauben beziehungsweise der Religion sekundär. Diese Verhältnisbestimmung tritt erstmals bei
Johann Salomo Semler
auf.
Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher
begriff die Theologie als eine positive Wissenschaft, die auf die Kirchenleitung bezogen ist. Während die Unterscheidung von Theologie und Glaube bis heute für den theologischen Diskurs maßgeblich ist, bleibt die Ausrichtung der Theologie auf die Kirchenleitung umstritten.
Christliche Theologie
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Hauptartikel
Christliche Theologie
Die verschiedenen Theologien im
Christentum
verstehen sich als
wissenschaftliche
Auseinandersetzungen mit den Quellen des Glaubens (
Biblische Theologie
und
Historische Theologie
) und der Glaubenspraxis (
Praktische Theologie
) sowie als systematische Analyse und Darstellung des Glaubens (
Systematische Theologie
, unter anderem
Fundamentaltheologie
Dogmatik
und
Ethik
). Im 20. Jahrhundert kam als Disziplin die
Interkulturelle Theologie
hinzu, die das Verhältnis der christlichen Theologie und Praxis im Kontext verschiedener Kulturen, Religionen und Gesellschaften untersucht und sich den Fragen des interkulturellen wie interreligiösen Miteinanders widmet.
Christliche Theologie bezieht sich meist auf eine bestimmte
Konfession
. Hierbei werden nicht nur die dargestellten Inhalte, sondern oft auch die Denkweisen und angewandten Methoden von der jeweiligen Konfession bestimmt. In der wissenschaftlich betriebenen Theologie wird diese Tatsache selbst noch einmal problematisiert und reflektiert.
Siehe auch
Wissenschaftstheorie der Theologie
Kritik innerhalb der Theologie
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Kritik begleitet die ganze Kirchengeschichte, denn Auseinandersetzungen zwischen der etablierten Kirche und abweichenden Strömungen sind stets mit Kritik (an den Ansichten der anderen) verbunden. Daneben gibt es von Beginn an auch ein selbstkritisches Hinterfragen des eigenen Verständnisses.
Paulus
mahnte: „Prüft alles und behaltet das Gute!“ (
1 Thess
5,21
EU
) und verwies auf die Vorläufigkeit unseres jeweiligen Erkenntnisstandes („unser Erkennen ist Stückwerk …“
1 Kor
13,9.12
EU
). Gegenwärtig betonen theologische Lexika die kritische Aufgabe der Theologie.
Für
Heinzpeter Hempelmann
ist Kritik „die einzig angemessene Antwort auf (einen) Offenbarungsanspruch“, denn die Spuren eines die menschliche Vernunft derart in Frage stellenden Ereignisses wie die
Menschwerdung Gottes
seien „unterscheidend und prüfend“ wahrzunehmen.
Das Thema Kritik im Bereich der christlichen Religion behandelt
Franz Graf-Stuhlhofer
grundsätzlich im Buch
Christliche Bücher kritisch lesen
sowie in der Studie
Facetten kritischen Denkens
Kritik an der Theologie
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Einige
Wissenschaftstheoretiker
sprechen jeder (christlichen) Theologie aufgrund ihrer Bekenntnisgebundenheit die Wissenschaftlichkeit ab und kritisieren ihre Präsenz und Finanzierung an staatlichen Universitäten in Form von
theologischen Fakultäten
Kritik an der Theologie richtet sich zum Beispiel gegen
eine fehlende
Ergebnisoffenheit
: „Gott“, „der Glaube“, „die
Offenbarung
“ und dergleichen würden vorausgesetzt und seien nicht
falsifizierbar
. Ein solcher Anspruch auf absolute Wahrheit sei in anderen Wissenschaften ausgeschlossen.
Mit Ausnahme einzelner Teildisziplinen gehe die Theologie in ihrer Gesamtheit ohne die Bejahung der
Glaubenswahrheiten
in
Philologie
Hebraistik
Geschichte
und Religionswissenschaft auf.
eine fehlende
Freiheit der Lehre
: Theologische Lehrstühle würden im Einvernehmen mit der Kirche besetzt und zumindest an katholischen Fakultäten sei eine
Lehrerlaubnis
erforderlich, die im Konfliktfall entzogen werden kann, siehe
Liste von katholischen Theologen, denen die Lehrerlaubnis entzogen wurde
. Damit sei eine Freiheit der Lehre bzw.
Forschungsfreiheit
nicht mehr garantiert.
eine Entfernung der dogmatischen Theologie von den Erfahrungen der Menschen, besonders von ihren Sehnsüchten, Ängsten und Nöten. Diese könne zu einem „Begriffsfetischismus“ herabsinken.
die parallele Existenz einer protestantischen und einer katholischen Theologie an Universitäten. Da sich beide auf dieselbe Tradition bezögen, widerspräche diese Trennung jeglichem Anspruch auf Wissenschaftlichkeit.
Auf diese Kritikpunkte gibt es verschiedene Reaktionen seitens der Theologen:
Manche Theologen sehen Gott nicht als unmittelbaren Gegenstand einer theologischen Wissenschaft; zum Beispiel sieht
Wolfhart Pannenberg
Gott als Gegenstand des
Glaubens
. Vertreter der
Natürlichen Theologie
dagegen argumentieren für die grundsätzliche Erkennbarkeit Gottes mithilfe der (natürlichen)
Vernunft
, also auch ohne Glauben bzw. Annahme von Offenbarungen; siehe auch
Gottesbeweis
Mitunter beruht Kritik an der Theologie auf einem spezifischen, z.
B. naturwissenschaftlich orientierten „objektiven“ Wissenschaftsbegriff, beispielsweise im Kontext des sogenannten
Logischen Empirismus
oder auch des
Kritischen Rationalismus
, z.
B. bei
Hans Albert
. Einwände gegen solche Wissenschaftsverständnisse und alternative Vorschläge, z.
B. in der Aufnahme von Ideen
Thomas S. Kuhns
, können daher die Grundlagen entsprechender Argumentationen verändern und den Raum öffnen, Theologie als Wissenschaft zu begreifen. Im Bereich der sogenannten
Analytischen Philosophie
wurden einerseits Argumente vorgebracht, die theologische Grundannahmen und Vorgehensweisen in Frage stellen, wie z.
B. von
John Leslie Mackie
. Andererseits gibt es viele einflussreiche analytisch geschulte Forscher, die sich als Philosophen oder als Theologen („Analytische Theologie“) verstehen, und die in ihren Beiträgen Grundbegriffe und Grundprobleme der Theologie konstruktiv zu bearbeiten versuchen.
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Theologie in anderen Religionen
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Konfessionell gebundene Fakultäten und Seminare gibt es in Deutschland nur für Christentum, Judentum und Islam. Es findet zwar im Rahmen der
Vergleichenden Religionswissenschaft
eine wissenschaftliche Beschäftigung mit vielen Religionen und ihren Inhalten statt, und es werden Studiengänge wie Judaistik und Islamwissenschaft angeboten, jedoch ist die Perspektive und Methodik hierbei deutlich von einer theologischen Herangehensweise unterschieden, und es gibt dabei auch keine konfessionelle Festlegung.
Judentum
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Hauptartikel
Jüdische Religion
Im Judentum gibt es keine allgemeinverbindlichen
Dogmen
und demzufolge auch keine Theologie im eigentlichen Sinne („Lehre von Gott“). Die
Hochschule für Jüdische Studien
in Heidelberg wird vom
Zentralrat der Juden
in Deutschland getragen. Sie widmet sich der
Wissenschaft des Judentums
. Auch gibt es an mehreren Universitäten Studiengänge für
Judaistik
, die unabhängig von der Religionszugehörigkeit besucht werden können.
Islam
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Wolfgang Schäuble
spricht sich 2009 anlässlich des
Theologischen Forums Christentum – Islam
für islamisch-theologische Zentren aus.
Die
islamwissenschaftlichen
Institute und Seminare der Universitäten beschäftigen sich mit der Geschichte und Praxis des
Islam
aus einer forschenden Außenperspektive. Im deutschen Sprachraum ist seit 2009, für die Religionspädagogik auch bereits zuvor, darüber hinaus eine
Islamische Theologie
als akademische Disziplin mit einer Innenperspektive wissenschaftlicher Forschung entstanden:
Im Jahr 2010 sprach sich der
Wissenschaftsrat
für eine Einrichtung von Zentren für theologisch orientierte
Islamische Studien
an mehreren Standorten in Deutschland aus.
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Seitdem wurden unter Förderung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) entsprechende Fachbereiche bzw. Zentren begründet an den Universitäten Erlangen-Nürnberg, Frankfurt, in Verbindung damit auch der Universität Gießen, in Münster, Osnabrück und Tübingen, seit 2019 auch an der Berliner Humboldt-Universität und der Universität Paderborn. Darüber hinaus gibt es Studienmöglichkeiten an den
Pädagogischen Hochschulen
in Freiburg im Breisgau, Karlsruhe und Ludwigsburg, vormals auch in Weingarten. Die Curricula führen klassische Studienstrukturen weiter wie die traditionellen Disziplinen
Ilm al-Kalam
Systematische Theologie
) oder Rechtswissenschaften
Fiqh
, schreiben diese auf neuere Fragestellungen und wissenschaftsmethodische Zugänge hin weiter und ergänzen zusätzliche Arbeitsschwerpunkte wie
Religionspädagogik
oder
Praktische Theologie
. Mehrere Standorte bieten auch Studiengänge mit spezifischen praxisbezogenen Schwerpunkten an, z.
B. für Kontexte von Schule, Seelsorge, Wohlfahrtsarbeit oder Sozialer Arbeit. Mit der Akademie für Islam in Wissenschaft und Gesellschaft (AIWG) wurde 2017 in Frankfurt am Main eine Vernetzungs- und Kommunikationsplattform begründet, die unterschiedliche Projekte initiiert und fördert wie z.
B. eine 2022 vorgestellte Studie zum Berufsfeld Islam.
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In Österreich gibt es an den Universitäten Wien und Innsbruck Fachbereiche der Islamischen Theologie.
13
In Fribourg wurde 2016 das
Schweizerische Zentrum für Islam und Gesellschaft
(SZIG)
an der Universität Fribourg als „Kompetenzzentrum für aktuelle gesellschaftliche Fragen zum Islam in der Schweiz mit Fokus auf einer islamischen Selbstreflexion“ eröffnet.
Das Verhältnis islamisch-theologischer Fachwissenschaft zur „muslimischen Glaubensgemeinschaft“ sieht Jan Felix Engelhardt in der Auswertung verschiedener Selbstbestimmungen als in fortwährender Aushandlung begriffen und von weitem Bezug, insofern „Problem- und Fragestellungen aus verschiedenen religiösen, ethischen, praktischen und Identität formierenden Bereichen von Musliminnen und Muslimen in Deutschland theologisch zu reflektieren“ sind; er beobachtet eine „Aufnahme (angenommener) glaubensgemeinschaftlicher Erwartungen und Bedürfnisse gegenüber der universitären Theologie in die Lehre und Forschung. Dabei werden allerdings mehrheitlich alle Musliminnen und Muslime weltweit als Angehörige dieser glaubensgemeinschaftlichen Bezugsgruppe definiert. […] Das Fach wird also nicht nach den Erwartungen eines religionsgemeinschaftlichen Adressatenkerns ausgerichtet, sondern nimmt alle Personen, die sich auf unterschiedliche Art und Weise als muslimisch identifizieren, in den Blick.“
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In einem Positionspapier von 2019 sprechen sich „FachvertreterInnen der Islamisch-Theologischen Studien“ dafür aus, „dass die inhaltlichen curricularen Vorgaben, die Berufung von akademischem Personal, wie auch die Generierung von Forschungsschwerpunkten nach genuin fachlichen Kriterien zu erfolgen hat, um die Fachautonomie zu wahren und nachhaltig forschen und lehren zu können. Die FachvertreterInnen verpflichten sich der genuin theologischen Aufgabe, die immanenten Wahrheitsansprüche, so wie sie sich aus den Grundlagen des Islams heraus artikulieren lassen, zu reflektieren und auf dieser Basis die Religionspraxis der Glaubensgemeinschaften sowie öffentliche und mediale Islamdiskurse kritisch zu begleiten.“
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Hinduismus
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Innerhalb des
Hinduismus
existiert keine einheitliche Theologie, da er keine zentralisierte Institution und kein dogmatisch festgelegtes Glaubenssystem kennt. Stattdessen umfasst der Hinduismus eine Vielzahl von philosophischen und theologischen Strömungen, die sich in ihren Auffassungen über das Universum, über das höchste Prinzip (häufig als
Brahman
Paramatma
Ishvara
oder Bhagavan bezeichnet) und über die individuelle Seele (
ātman
) deutlich unterscheiden. Die unterschiedlichen Sichtweisen werden traditionell als darśanas („Anschauungen“, „Sichtweisen“) bezeichnet.
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Der Begriff „
Hinduismus
“ selbst ist eine geografische Bezeichnung, die ursprünglich von den Eindringlingen und Kolonisatoren der Region verwendet wurde. Der Begriff leitet sich vom Fluss Indus ab (auf Sanskrit „Sindhu“) und wurde von Persern und später auch von den Briten verwendet, um die Religionen und
Philosophien
der Menschen jenseits des Indus-Flusses zu kategorisieren. Die Anhänger dieser Traditionen bezeichneten ihre eigenen Lehren hingegen traditionell als Sanātana Dharma, was „ewige Wahrheit“ oder „ewige Ordnung“ bedeutet. Diese Selbstbezeichnung spiegelt die Vorstellung wider, dass die spirituellen Praktiken und Prinzipien des Hinduismus jenseits der Zeit und des Raums bestehen, als universelle, unveränderliche Wahrheiten. Daher ist der Begriff „Hinduismus“ eher eine westliche Konstruktion und keine Begrifflichkeit, die von den Traditionen selbst verwendet wird.
Eine der einflussreichsten philosophischen Schulen ist der
Vedanta
, der sich in verschiedene Unterrichtungen aufspaltet, darunter Advaita Vedanta (Nicht-Dualismus), Vishishtadvaita (qualifizierter Nicht-Dualismus) und Dvaita (
Dualismus
). Diese Schulen unterscheiden sich vor allem in ihrer Auffassung über das Verhältnis von Gott, Welt und Seele:
Nach der Lehre des
Advaita Vedanta
(z. B. bei Shankara, 8. Jh. n. Chr.) ist
Brahman
das unbeschreibbare, unerschöpfliche, allwissende, allmächtige, nicht körperliche, allgegenwärtige, ursprüngliche, erste, ewige und absolute Prinzip. Es ist ohne Anfang und ohne Ende, in allen Dingen versteckt und die Ursache, die Quelle und das Material aller bekannten Schöpfung, selbst jedoch unbekannt und doch dem gesamten Universum
immanent
und
transzendent
. Anhand der
Upanishaden
beschreiben sie Brahman als das eine und unteilbare, ewige Universalselbst, das in allem anwesend ist und in dem alle anwesend sind.
Der
Vishishtadvaita Vedanta
(z. B. bei
Ramanuja
) sieht zwar ebenfalls Brahman als das höchste Prinzip, betont jedoch die qualitative Verschiedenheit zwischen Seele und Gott – sie sind nicht völlig identisch, sondern miteinander verbunden wie Körper und Seele.
Der
Dvaita Vedanta
(z. B. bei Madhva) vertritt eine streng dualistische Position: Gott (Vishnu) und die Seele sind für alle Ewigkeit voneinander verschieden.
Neben den vedantischen Schulen gibt es viele andere Theologien im Hinduismus, etwa im
Vaishnavismus
Shaivismus
und in den
Shakti
-Traditionen:
Die Vaishnava-Theologie hat über Jahrhunderte hinweg eine detaillierte und reichhaltige Lehre über die Gestalten Vishnus (wie Krishna oder Rama), ihre Erscheinungsformen (Avatāras) und ihre Beziehung zur Welt und zur Seele entwickelt.
Im Shaivismus werden Shiva und seine Manifestationen als höchstes Prinzip verehrt. Die theologischen Richtungen reichen hier von dualistischen bis zu nicht-dualistischen Formen.
In den Shakti-Traditionen wird die Göttin (Devi oder Shakti) als höchste Wirklichkeit verehrt. Auch hier existieren sowohl philosophisch-theologische als auch rituell-mystische Ausprägungen.
Viele hinduistische Traditionen lehren eine Vielzahl von göttlichen Wesen (Devas), die als Aspekte, Kräfte oder Funktionen des höchsten Prinzips verstanden werden. Die konkrete Ausprägung hängt jedoch stark von der jeweiligen theologischen Ausrichtung ab. Die Devas werden in manchen Schulen als weltliche Manifestationen eines höchsten Herrn (
Ishvara
) verstanden, in anderen hingegen als eigenständige göttliche Entitäten. Moderne Institutionen wie das
Oxford Centre for Hindu Studies
oder das
Bhaktivedanta College
fördern heute das akademische Studium dieser theologischen Vielfalt auch im westlichen Raum.
Wicca und Neopaganismus
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Hauptartikel
Wicca
und
Paganismus
So wie auch im Judentum, gibt es im Wicca keine Dogmen und demzufolge kein einheitliches theologisches Verständnis. Von den meisten Anhänger des Wicca werden die
große Göttin
und der
gehörnte Gott
nicht als real-existente Wesenheiten, sondern vielmehr als
Sinnbilder
für alle
Aspekte des Seins
verstanden, deren Verständnis zu einem erfüllten Leben führen soll.
17
18
Gemeinsam haben alle
Traditionen des Wicca
und auch sonstige Religionen des Neopaganismus, dass sie die
Natur
als heilig betrachten und häufig so genannte
Magie
als rituelle Komponente eingesetzt wird.
19
20
21
Pagane Theologie, bzw.
Pagan Studies
, ist international bereits an vielen Universitäten und Seminaren (siehe auch:
Cherry Hill Seminary
) ein anerkanntes Studienfach.
22
23
Die älteste Erwähnung von paganer Theologie findet sich im Werk
De Natura Deorum
von
Marcus Tullius Cicero
(45 v. Chr.).
24
Siehe auch
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Liste theologischer Fachbibliotheken
Liste von theologischen Nachschlagewerken
Angewandte Theologie
Literatur
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Auswahlliteratur zur
Christlichen Theologie
findet sich im dortigen Hauptartikel
Oswald Bayer
Theologie. Handbuch Systematische Theologie.
Band 1. Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 1994,
ISBN 3-579-04911-9
Gerhard Ebeling
u.
a.:Art.
Theologie.
In:
Die
Religion in Geschichte und Gegenwart
3. Auflage. Band 6, J. C. B. Mohr, Tübingen 1962,
ISBN 3-16-145098-1
, S. 754–781.
Lloyd P. Gerson
God and Greek Philosophy.
Routledge, London 1990.
Mohammad Gharaibeh, Esnaf Begic,
Hansjörg Schmid
, Christian Ströbele (Hrsg.):
Zwischen Glaube und Wissenschaft: Theologie in Christentum und Islam.
(=
Theologisches Forum Christentum – Islam
. Band 10). Pustet, Regensburg 2015,
ISBN 978-3-7917-2671-7
Otto Kallscheuer
Die Wissenschaft vom Lieben Gott. Eine Theologie für Recht- und Andersgläubige, Agnostiker und Atheisten
. Piper, München und Zürich 2008,
ISBN 978-3-492-25221-8
Christoph Schwöbel
: Art.
Theologie.
In:
Religion in Geschichte und Gegenwart.
4., völlig neu bearbeitete Auflage. Band 8, Tübingen 2005,
ISBN 3-16-146948-8
, S. 255–306.
Matthias Viertel (Hrsg.):
Wörterbuch Theologie
, CD-ROM,
Directmedia Publishing GmbH
, Berlin 2006,
ISBN 978-3-89853-548-9
Henning Wrogemann
Theologie Interreligiöser Beziehungen.
Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2015,
ISBN 978-3-579-08143-4
Barbara Davy:
Introduction to Pagan Studies
. AltaMira Press, Lanham 2006,
ISBN 978-0-7591-0819-6
Weblinks
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Wiktionary: Theologie
– Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Commons
: Theologie
– Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikiquote: Theologie
– Zitate
Wikiversity: Fachbereich Religionswissenschaften und Theologie
– Kursmaterialien
Wikisource: Zeitschriften (Theologie)
– Quellen und Volltexte
Literatur von und über Theologie
im Katalog der
Deutschen Nationalbibliothek
→ Für Weblinks zu den Theologien bestimmter Religionen vgl. jeweiligen Nachbarartikel, z.
B. den Hauptartikel
Christliche Theologie
Einzelnachweise
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Henning Wrogemann, Interkulturelle Theologie und Hermeneutik, Gütersloh 2012; H. Wrogemann, Theologie Interreligiöser Beziehungen, Gütersloh 2015.
Manfred Marquardt sieht „die Aufgabe der Theologie“ in der „Prüfung (= Kritik) kirchlicher Verkündigung und Lehre“, im Art.
Kritik
, II.
Theologisch.
In:
Theologische Realenzyklopädie
, Band 20, 1990, S. 77–81.
Heinzpeter Hempelmann: Art.
Kritik/Kritizismus.
In:
Evangelisches Lexikon für Theologie und Gemeinde
, Band 2, 1993, S. 1185 f.
Franz Graf-Stuhlhofer:
Christliche Bücher kritisch lesen. Ein Lehr- und Arbeitsbuch zum Trainieren der eigenen Urteilsfähigkeit anhand von Auszügen aus konservativen evangelischen Sachbüchern
(Theologisches Lehr- und Studienmaterial, 26). VKW, Bonn 2008.
Franz Graf-Stuhlhofer:
Facetten kritischen Denkens.
In:
Zeitschrift für Theologie und Gemeinde
Band 19, 2014, S. 32–44.
Vgl. etwa:
Rudolf Weth
, Christof Gestrich, Ernst Lüder Solte:
Theologie an staatlichen Universitäten?
Kohlhammer, Stuttgart, Berlin, Köln, Mainz 1972. – Patrick Becker, Thomas Gerold (Hrsg.):
Die Theologie an der Universität. Versuch einer Standortbestimmung
. Lit, Münster 2005.
Heinz-Werner Kubitza:
Die verführte Jugend - Eine Kritik am Jugendkatechismus YouCat, Vernünftige Antworten auf katholische Fragen
, Tectum Wissenschaftsverlag (2011), Kapitel 78
Eugen Drewermann
Glauben in Freiheit oder Tiefenpsychologie und Dogmatik
, Band 1, Patmos, 1993.
Stefanie Rotermann:
Wozu (noch) Theologie an Universitäten?
, LIT Verlag Münster 2001,
ISBN 3-8258-5386-1
, Kapitel 2.1.2
Siehe z.
B. Georg Gasser, Ludwig Jaskolla, Thomas Schärtl (Hg.):
Handbuch für analytische Theologie
, Münster 2017,
ISBN 978-3-402-13279-1
; Klaus Viertbauer, Georg Gasser (Hg.):
Handbuch Analytische Religionsphilosophie: Akteure - Diskurse - Perspektiven
, J.B. Metzler 2019.
Vgl.
Empfehlungen zur Weiterentwicklung von Theologien und religionsbezogenen Wissenschaften an deutschen Hochschulen
, 2010.
Vgl.
Vgl.
Ednan Aslan
Islamische Theologie in Österreich. Institutionalisierung der Ausbildung von Imamen, SeelsorgerInnen und TheologInnen
, Peter Lang 2013.
Jan Felix Engelhardt:
Zwischen Tradition, Performanz und Autorität der Ich-Perspektive: Die Frage von Authentizität in den Islamisch-Theologischen Studien
, in: Abbas Poya, Farid Suleiman und Benjamin Weineck (Hg.):
Bildungskulturen im Islam. Islamische Theologie lehren und lernen
, De Gruyter, Berlin/Boston 2022, 115–134, 118 f.
Erklärung der FachvertreterInnen der Islamisch-Theologischen Studien (Islamische Theologie, Islamische Studien, Islamisch-Religiöse Studien, Islamische Religionspädagogik) an europäischen Universitäten und Hochschulen zur aktuellen Lage ihrer Fächer, Institute und Zentren
, Februar 2019.
Flood, Gavin D.
An Introduction to Hinduism.
Hrsg.: Cambridge University Press. 1996.
Patti Wigington:
Do Pagans Believe in God?
In:
Learn Religions.
1.
August 2019
abgerufen am 15.
Juni 2022
(englisch).
Anna-Lena Wulf:
Die große Göttin: Der Tanz der dreifaltigen Einen.
In:
Pfad der Hexen.
Archiviert
vom
Original
abgerufen am 15.
Juni 2022
Jan Fries
Der Kessel der Götter: Handbuch der keltischen Magick
. 1. deutsche Auflage. Edition Roter Drache, 2018,
ISBN 978-3-944180-32-8
Patti Wigington:
Basic Concepts of Wicca.
In:
Learn Religions.
4.
April 2019
abgerufen am 15.
Juni 2022
(englisch).
Patti Wigington:
Is Pagan Magic Real?
In:
Learn Religions.
2.
Juni 2018
abgerufen am 15.
Juni 2022
(englisch).
James R. Lewis et al.
The Oxford Handbook of New Religious Movements.
Oxford University Press, London / New-York 2004,
ISBN 0-19-514986-6
Barbara Davy
Introduction to Pagan Studies
. 1. Auflage. AltaMira Press, 2006,
ISBN 978-0-7591-0819-6
Arthur Stanley Pease
The Conclusion of Cicero's De Natura Deorum
. In:
Transactions and Proceedings of the American Philological Association
Band
44
. Johns Hopkins University, Baltimore 1913,
S.
25
37
Normdaten
(Sachbegriff):
GND
4059758-1
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LCCN
sh85134665
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