Volapük – Wikipedia
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Dieser Artikel behandelt die Sprache; zum Schiff namens
Volapük IV
siehe
Deutschland (Schiff, 1895)
Volapük
Projektautor
Johann Martin Schleyer
Jahr der Veröffentlichung
1879/1880
Sprecher
Unbekannt.
Linguistische
Klassifikation
Konstruierte Sprache
Plansprache
Welthilfssprache
Volapük
Besonderheiten
Erste verbreitete und praktisch verwendete Plansprache.
Sprachcodes
ISO 639
-1
vo
ISO 639
-2
vol
ISO 639
-3
vol
Volapük-Symbole
Logo
Flagge
Johann Martin Schleyer (1888)
Gedenkinschrift in
Litzelstetten
Volapük
(Volapük für „Weltsprache“) ist eine gemischte
Aposteriori
Plansprache
, die 1879/80 von dem Pfarrer
Johann Martin Schleyer
geschaffen und vorgestellt wurde.
Geschichte
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Vorläufer
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Nach
Solresol
1817 bzw. 1856 war Volapük die zweite
Plansprache
überhaupt, die nennenswerte Verbreitung fand. Wie Solresol bildet sie in ihren Aspekten einen Forschungsgegenstand der
Interlinguistik
Entstehung
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Schleyers Idee zum Volapük wird einmal durch einen Traum, ein anderes Mal durch eine fehlerhafte englischsprachige Anschrift erklärt, durch die ein Brief nicht angekommen war. Zunächst versuchte Schleyer, aus sechs europäischen Sprachen – Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch und Russisch – eine gemischte Sprache zu konstruieren. Dieser wollte er den Namen „Völkerdolmetsch“ geben. Weil aber eine gemeinsame Verständigung unter den verschiedenen Völkern eine gemeinsame Schreibung voraussetzt, versuchte es Schleyer zunächst mit der Aufstellung eines „Weltalphabets“ (18. Januar 1878).
Erfolge
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Gedenktafel am ehemaligen Wohnhaus Schleyers in Konstanz, Schottenstraße 37 im Stadtteil Paradies
Die ersten Versuche, Volapük der Öffentlichkeit zu präsentieren, finden sich in der von Schleyer herausgegebenen
Sionsharfe: Monatsblätter für katholische Poesie
. Zuerst (März 1879) gab Schleyer darin Proben seines Weltalphabets. Im Mai desselben Jahres erschien als Beilage der
Entwurf einer Weltsprache und Weltgrammatik für die Gebildeten aller Völker der Erde
. Dieser Entwurf brachte die Grundsätze und die ersten Wörter. Der erste Probesatz lautete:
Ko God beginobsöd dinis valik!
‚Lasst uns alle Dinge mit Gott beginnen!‘ – Wörtlich: Mit Gott lasst-uns-beginnen Dinge alle.
Anfangs war die Sprache recht erfolgreich. Es bildeten sich Volapük-Gesellschaften in Europa, die sich nach Nord- und Südamerika und sogar einigen Teilen von Asien ausbreiteten. Bereits nach wenigen Jahren hatte Volapük angeblich über 100.000 Anhänger – ob diese jedoch die Sprache wirklich beherrschten, ist ungewiss. Es gab laut
Rupert Kniele
aber Ende 1888 immerhin 885 diplomierte Volapük-Lehrer.
Der Stenograf
Karl Lenze
aus
Eisleben
wurde Schleyers erster Schüler und erhielt das erste Diplom als Weltsprachelehrer.
Menad(e) bal – Pük(i) bal!
Anzeige für das Erlernen von Volapük von 1889
1880 erschien die erste Grammatik mit Wörterbuch. Die neue Sprache erhielt jetzt den Namen
Volapük
, gebildet aus den englischen Wörtern
world
und
speak
Volapük
bedeutet also „Sprache der Welt“ oder „Weltsprache“. In der Februarnummer der
Sionsharfe
, die anfangs als Organ für Volapük diente, erschien als erster Vers die Devise „Eine Menschheit – eine Sprache“:
„Menade bal
Püki bal!“
Ein Jahr nach der Erfindung des Volapük erschien in
Sigmaringen
die Grammatik unter dem Titel
Volapük, die Weltsprache. Entwurf einer Universalsprache für alle Gebildete der ganzen Erde. Verfasser: J. M. Schleyer, Redakteur der „Sionsharfe“
. Diese Grammatik enthielt auch ein Wörterbuch mit 2780 Wörtern. Einflussreiche Zeitungen veröffentlichten empfehlende Artikel. Das
Luxemburger Wort
verglich die Bedeutung der sogenannten „
Weltsprache
“ für die ganze Menschheit mit der Bedeutung der
Weltpost
und schließt mit der folgenden Ermahnung:
„Möge die gesamte civilisirte Menschenwelt es als eine ihrer wichtigsten, vernünftigsten und großartigsten Aufgaben, ja als eine ihrer schönsten Ehrensachen betrachten, Schleyers Weltsprache ungesäumt sich anzueignen, sie allgemein zu verbreiten und einzuführen!“
Volapükabled („Weltspracheblatt“)
Schleyer entschloss sich bald zur Herausgabe eines eigenen Weltspracheblattes. Ab dem 1. Januar 1881 erschien das
Weltspracheblatt Volapükabled
. Die erste Nummer enthielt Grammatisches, einen Brief, eine Anzahl von Firmen, Gewerben, Anstalten, die empfohlen wurden, dann vergleichende Sätze in 20 verschiedenen Sprachen mit Text in Volapük daneben.
Otto Büchler aus
Öhringen
hielt in einer humanistischen Lehrerversammlung in
Heilbronn
einen Vortrag, der als der erste Vortrag über Volapük gilt, und schloss mit dem Ausdruck der Freude darüber, dass es ein Deutscher sei, der den Anstoß zu einer Weltsprache gegeben habe.
„Die Kunst schnell Volapük zu lernen“
1882 fing Kamerer J. Hyberg im schwedischen
Ankarsrum
an, Volapük zu lernen, und gründete einen Verein unter dem Namen
Första svenska verldsspråkkluben „Volapükaflens svedik
“ mit neun Mitgliedern, der aber keine weiteren Fortschritte machte, obwohl er sich viel Mühe gab, Volapük in Schweden einzuführen.
Der erste Weltspracheverein wurde im selben Jahr von
Rupert Kniele
im Dorf
Alberweiler
bei Biberach gegründet. Das Jahr 1884 kann als das Jahr der Versammlungen betrachtet werden. Schleyer war um diese Zeit sehr krank und suchte ein Volapükwort für „Neid“, das es damals noch nicht gab. Er sagte zu Rupert Kniele, der ihn besuchte:
„Ach davon mag ich gar nichts wissen, wollte Gott, wir brauchten gar kein solches Wort; ich bilde dasselbe nicht, machen Sie es.“
Kniele schuf daraufhin das Wort „glöt“.
Vom 25. bis zum 28. August 1884 fand die erste Generalversammlung im Kursaal der Bodenseestadt
Friedrichshafen
statt.
Das Wort „Volapük“ wurde von dieser Versammlung zum Neutrum erklärt, während man bisher „die Volapük“ gesagt hatte. Im März 1885 wandte sich Schleyer gegen die sogenannten „Verbesserer“, die er als Quelle für alle Differenzen ansah.
Anfang 1887 schrieb der
Düsseldorfer Anzeiger
„Wenn Schleyer selbst jetzt der Volapükbewegung Einhalt gebieten wollte, so würde es erfolglos sein. Denn Hunderttausende haben den Gedanken in sich aufgenommen und treten für ihn ein, wie für ihre eigene Sache.“
Wissenschaftliche Autoritäten wie der Linguist
Friedrich Max Müller
und der Geograf
Alfred Kirchhoff
sprachen sich nun für Volapük aus. Das französische Blatt
Le Temps
schrieb am 16. Januar 1887:
Si jamais une langue universelle a quelque chance de s’imposer au monde commercial, c’est assurément celle-là (volapük).
„Wenn jemals eine universelle Sprache eine Chance hatte, sich in der Wirtschaftswelt durchzusetzen, dann ist es diese (volapük).“
Die
Kölnische Volkszeitung
schrieb am 11. Februar 1887 gar:
„Wir erfahren, daß an leitenden Stellen in Deutschland der weltsprachlichen Bewegung mit Ernst und Teilnahme gefolgt wird.“
Im Mai 1887 hielt die „Association française“ internationale Prüfungen ab, an denen sich über 300 Personen aus allen Erdteilen beteiligten. Das erste Diplom als „plofed“ (Professor der Weltsprache) erhielt der Direktor der Handelsschule in Bukarest. Vom 6. bis zum 9. August fand der 2. Kongress aller Weltsprachefreunde in München statt.
Anfang 1888 sah sich Schleyer veranlasst, seine Rechte als Erfinder zu bekräftigen. Schleyer führte den Namen „cifal“, als der er auch von der 2. Generalversammlung in München anerkannt wurde. Sein Wohnsitz galt als Zentralpunkt für alle Volapükisten der Erde. Die einheitliche Leitung geschah durch Schleyers monatlich erscheinendes Organ, das
Volapükabled zenodik
(„Zentralblatt der Weltsprache“). Der Wohnsitz des Erfinders in
Konstanz
galt als
Zentralbureau der Schleyer’schen Weltsprache
Dem
cifal
standen die Senatoren
(senätans)
zur Seite. Diese Senatoren wählte sich Schleyer nach seinem Ermessen aus. Insgesamt wollte er 100 Senatoren auswählen.
Im selben Jahr 1888 wurde Volapük auch in
China
und
Japan
eingeführt.
Am Ende des ersten Jahrzehnts (1888) gab es 885 Weltsprachelehrer, 190 Oberlehrer
(löpitidel)
, 50 Professoren
(plofed)
. Weltweit wurde die Zahl der Volapük-Anhänger auf 1 bis 2 Millionen geschätzt. Kurse wurden an 272 Orten erteilt und es gab 253 Vereine, die sich für Volapük engagierten (laut Kniele,
S. 69).
Der britische Philologe
Alexander Ellis
erwähnt in seinen Schriften ein Chicagoer Mädchen namens Corinne Cohn, das mit Volapük aufwuchs. Es war die Tochter des Volapük-Aktivisten Henry Cohn und 1888 sechs Jahre alt. Es gibt aber keine weiteren Berichte von ihm.
Niedergang
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Mit der Zeit erwies sich Volapük als zu schwer erlernbar, um sich dauerhaft durchsetzen zu können. Der Wortschatz wurde zwar verschiedenen europäischen Sprachen entnommen, allerdings wurden die einzelnen Wörter zum Teil so stark verändert, dass sie kaum noch zu erkennen waren.
Eine weitere Bürde für die Entstehung eines lebendigen Volapük war, dass Schleyer versuchte, die Kontrolle über seine Sprache zu behalten und die Volapük-Akademie autokratisch zu beherrschen. So behielt er sich beispielsweise als
Datuval
(= „Großer Erfinder“) die Einführung neuer Vokabeln sowie ein absolutes Vetorecht vor.
Nachdem die 1889 auf dem 3. Volapük-Kongress in Paris gegründete Volapük-Akademie einige Reformen gefordert hatte, die Schleyer ablehnte, begann der rasche Niedergang des Volapük. Reformversuche wie das
Idiom Neutral
fanden keinen Zulauf.
Bereits ab Mitte der 1880er Jahre verließen immer mehr Volapük-Anhänger die Weltsprachbewegung, wodurch Volapük schnell an Bedeutung verlor.
Arie de Jong
In der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg begann der Niederländer
Arie de Jong
mit einer kompletten Durchsicht von Wortschatz und Grammatik. 1929 traf er sich mit Mitgliedern der noch immer bestehenden Volapük-Akademie und dem Volapük-Präsidenten, dem sogenannten
Cifal
. Nachdem diese revidierte Fassung akzeptiert wurde, veröffentlichte er zu Beginn der 1930er Jahre eine neue Leitgrammatik sowie ein modellhaftes Wörterbuch Volapük–Deutsch und Deutsch–Volapük.
Bedeutung
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Zurzeit gibt es nur noch wenige Menschen, die Volapük beherrschen. Die Bedeutung des Volapük liegt darin, dass zum ersten Mal eine neue Sprache nicht ein bloßes Projekt blieb, sondern von einer
Sprachgemeinschaft
angewandt wurde.
Volapük hat die
ISO-639
-Kürzel
vo
und
vol
Chronologie
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Johann Martin Schleyer
, undatiert
1879
Johann Martin Schleyers
Konzept einer Welthilfssprache
1880 Veröffentlichung des ersten Volapük-Lehrbuchs in Sigmaringen
1884 Erster Weltkongress in Friedrichshafen
1887 Zweiter Weltkongress in München – Gründung der Volapük-Akademie
1889 Dritter Weltkongress in Paris
1889 Präsident der Volapük-Akademie
Auguste Kerckhoffs
, Streit mit Schleyer
1902 Veröffentlichung des völlig anderen Sprachprojektes
Idiom Neutral
durch die ehemalige Volapük-Akademie unter
Waldemar Rosenberger
1931 Veröffentlichung des revidierten Volapük durch
Arie de Jong
nach Billigung durch Akademie und Cifal
Cifals
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Cifal
“ (Chef) war der Titel, den sich Schleyer als Oberhaupt der Volapük-Bewegung geben ließ. Der Titel „Cifal“ wurde in ununterbrochener Reihenfolge von Schleyer bis in die Gegenwart fortgeführt. Seine Nachfolger bis heute waren oder sind:
Johann Martin Schleyer 1879–1912
Albert Sleumer
1912–1948
Arie de Jong
(kommissarisch) 1947–1948,
1951–1957
Jakob Sprenger
1948–1950
Johann Schmidt
1950–1977
Johann Krüger 1977–1983
Brian Reynold Bishop 1984–2014
Hermann Philipps 2014 bis heute
Auf Grund der geringen Sprecherzahl hatte Brian Bishop zuerst Schwierigkeiten, einen Nachfolger zu finden. 2012 wurde der Deutsche Hermann Philipps aus
Bonn
als Vize-Cifal („Vicifal“) bestimmt.
Rezeption
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Der Schwede
Paul Nylén
beschrieb seinen Eindruck vom Volapük, nachdem er sich einem anderen Plansprachenprojekt angeschlossen hatte, rückblickend wie folgt:
„Es war im Jahr 1891, glaube ich. Ich war Gymnasiast in Norrköping. Volapük befand sich in seiner Blütezeit; auch ich lernte es, korrespondierte darin mit einigen Fremden, und versuchte mich bis zur Begeisterung für die Grobheiten zu erwärmen, die der Abt Schleyer vorgestellt hatte – eine Begeisterung, deren natürliches Ziel die Idee einer internationalen Hilfssprache selbst war, doch deren konkretes Objekt nicht geeignet war, um diese Begeisterung langfristig zu nähren“
Adalbert Baumann, der Urheber von
Weltdeutsch
, übt in seinem Buch
Wede: Die Sprache der Zentralmächte und ihrer Freunde
(1915) scharfe Kritik an den bestehenden Sprachprojekten, auch an Volapük:
„Sein [Schleyers] auf 20.000 Wörter gebrachtes Wörterbuch lässt jedes Gefühl für Wortklang vermissen und bietet infolge der Fremdartigkeit der Wörter der Aneignung des erforderlichen Wortschatzes größte Schwierigkeiten, die noch eine Steigerung erfahren durch die auf die Spitze getriebene Vorliebe für einsilbige Wörter, die sich nur durch
einen
Buchstaben unterscheiden und zu Tausenden auftreten wie ‚bim, bin, bol, bil, bod, böd, bud‘ usw. All diesen Wörtern fehlt es an einem charakteristischen Merkmal, genauso wie bei der Bildung der Zeitformen. Und je größer deren Zahl, desto leichter ist ihre Verwechslung. […] Dazu ist Volapük mit höchst überflüssigen Zeitformen (Konjunktiv, Aorist) ausgestattet. Die Umgestaltung der benutzten Wortwurzeln geht zu weit. Ein weiterer bedeutsamer Mangel war die üppige Häufigkeit der Umlaute ä ö ü, die sich nur im Französischen lautlich finden, sonst sind sie in den romanischen Sprachen nirgends vorhanden. Es herrscht eben überall Laune und Willkür, es fehlt jede sprachgesetzliche und natürliche Grundlage und jede wissenschaftliche Begründung; Schleyer war ein ‚Sprachdichter‘, wie er treffend bezeichnet worden ist.“
Volapük-Alphabet
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Das Volapük-Alphabet besteht aus 27 Buchstaben:
Buchstabe
IPA
oder
tʃ
oder
dʒ
Buchstabe
IPA
oder
Buchstabe
IPA
oder
Buchstabe
IPA
[ks]
oder
[gz]
ts
oder
dz
Schleyers Entwurf für die Umlaute
Durch den Ausschluss von „q“ und „w“ enthält das Volapük-Alphabet nur 24 der 26 Nicht-Umlaute des deutschsprachigen Alphabet plus die drei
Umlaute
, in Summe also 27.
Die meisten Buchstaben werden wie im Deutschen ausgesprochen. Abweichungen gibt es nur bei:
= stimmloses tsch [tʃ] (oder stimmhaftes dsch [dʒ]):
cil
[tʃil] = Kind (aus dem Englischen „child“ [tʃaɪld])
= stimmloses sch [ʃ] (oder stimmhaftes sch [ʒ]):
jad
[ʃad] = Schatten (aus dem Englischen „shadow“ [ˈʃædəʊ])
= w [v]:
vin
[vin] = Wein (aus dem Englischen „wine“ [waɪn]; [v] < [w])
= j [j]:
yag
[jag] = Jagd
Ursprünglich ging Schleyer von 26 Buchstaben aus („Unser Weltalfabet“).
Eingerechnet sind dabei das ħ – entsprechend dem englischen th – sowie die Partikel ' als h-Anlaut wie im Griechischen, die beide später abgeschafft wurden. Noch nicht berücksichtigt in seiner Liste von 1880 sind die drei Umlaute ä, ö und ü. In dieser Phase sieht Schleyer diese noch als bloße Varianten der Stammvokale, die durch „einen starken 4ekigen Punkt inmitten derselben“ erzeugt werden. Er entwickelt dann sogar eine eigene Typografie, aber schon 1880 benutzt er auch das
Trema
zur Darstellung der Umlaute.
Beispiele
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Volapük ist eine
agglutinierende
Sprache, das heißt Wörter bekommen durch das Anhängen von Vorsilben und Nachsilben unterschiedliche Bedeutungen:
pük = Sprache
pük
ön
= sprechen (-ön ist die Infinitiv-Endung)
pük
el
= Redner
ne
pük = Schweigen (ne- ist die verneinende Vorsilbe)
Beispielsätze
Odelo ovisitobs flenis obas. (Morgen besuchen wir unsere Freunde.)
Lif ela Schleyer äbinon vemo nitedik. (Schleyers Leben war sehr interessant.)
Givob ole bukis tel. (Ich gebe dir zwei Bücher.)
Das „Vaterunser“ auf Volapük
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Siehe auch
Vaterunser
Siehe
O Fat obas
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Volapük-Hymne
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Volapükahüm
Siehe
Hüm Volapüka
bei Wikisource
Anfang des Johannes-Evangeliums
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Siehe auch
Johannes-Evangelium
Primo vöd ädabinon, e vöd äbinon in God, e vöd äbinon God.
Si! vöd äbinon primao in God;
val edavedon dub on, e nen on nos edavedon uta, kel edavedon.
In on lif äbinon, e lif äbinon lit menas.
Lit stralon ini dag, e dag no elasumon oni.
Grammatik
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Im Zwölften Band von
Pierer’s Konversations-Lexikon
aus dem Jahr 1883 wird unter dem Stichwort „Volapük“ eine kurze Einführung in die Grammatik dieser Plansprache gegeben:
„Volapük
v. dem Pfarrer Joh. Martin Schleyer in Konstanz erfunden. Nachdem die v. Leibniz unter anderem gemachten Versuche, eine Weltsprache (s. d.) zu begründen, erfolglos geblieben waren, versuchte Schleyer dasselbe Ziel durch die Benutzung des Englischen zu erreichen. Das heute gesprochene Englisch erklärte er möglichst vereinfachen zu wollen; demgemäß macht er aus world (die Welt) vol u. aus speech (die Sprache) pük, zusammengesetzt volapük, Weltsprache. Aehnlich vereinfachte er die Grammatik, in der Flexionslehre: nur eine Deklination, nur eine Konjugation sollte in der Weltsprache vorhanden sein. Der Genitiv soll durch das Suffix a (daher vol-a-pük), der Dativ durch das Suffix e, der Akkusativ durch -i gebildet werden; im Plural wird hierzu noch das Suffix -s gefügt. Demgemäß heißt Vater, engl. father, im V. fat, Gen. fata, Gen. Plur. der Väter fatas, den Vätern fates. Das Adjektivum väterlich, engl. fatherly, wird durch Anhängung der Silbe -ik gebildet: fatik. Die persönlichen Fürwörter lauten im Singular ob (ich), ol (du), om (er), also im Pural: obs, ols, oms. Die Konjugation des Verbums besteht in Anfügung dieser Pronomina, vorgesetztes ä bildet das Präteritum, o das Futurum, vorgesetztes p das Passiv, zum Beispiel pälöfol, du wurdest geliebt.“
10
Kasus
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Siehe auch
Kasus
Deklination
Singular
Plural
Nominativ
vol
(die Welt)
vols
(die Welten)
Genitiv
vola
(der Welt)
volas
(der Welten)
Dativ
vole
(der Welt)
voles
(den Welten)
Akkusativ
voli
(die Welt)
volis
(die Welten)
Wortbildung
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Bei zusammengesetzten Wörtern (Komposita) steht das Grundwort am Ende:
pokamon
= Taschengeld
monapok
= Geldtasche
Adjektive
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Eigenschaftswörter (
Adjektive
) enden immer auf
ik
Substantiv
IPA
Bedeutung
Adjektiv
IPA
Bedeutung
Herkunft
gret
[gret]
Größe
gretik
[greˈtik]
groß
Englisch „great“ [gɹeɪt]
smal
[smal]
Kleinheit
smalik
[smaˈlik]
klein
Englisch „small“ [smɔːl]
pöf
[pøf]
Armut
pöfik
[pøˈfik]
arm
Französisch „pauvre“ [povʀ], „ö“ < „[o]“ und „f“ < „v“
gud
[gud]
Güte
gudik
[guˈdik]
gut
Englisch „good“
bad
[bad]
das Böse
badik
[baˈdik]
böse
Englisch „bad“ [bæd]
Substantive
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Substantive beginnen und enden immer mit einem
Konsonanten
Substantiv
IPA
Bedeutung
Herkunft
cem
[tʃem]
Zimmer
Englisch „chamber“ [ˈtʃeɪmbə]
yad
[jad]
Hof
Englisch „yard“ [jɑːd]
völ
[vøl]
Wand
Englisch „wall“ [wɔːl], [v] < [w]
böd
[bød]
Vogel
Englisch „bird“ [bɜːd]
log
[log]
Auge
Lateinisch „oculus“ („log“ = „l“ + „og“ („og“ o[
] < „oc“ o[
]) <
oc
-u
us)
lil
[lil]
Ohr
Englisch „ear“ [
ɪə
], „an ear is“ [ən
ɪəɹ
ɪz] – „lil“ = „l“ + „il“ („il“ < „ir“)
Von den Substantiven Auge und Ohr sind die Verben
logön
[loˈgøn] (= sehen) und
lilön
[liˈløn] (= hören) abgeleitet.
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Zitat aus dem Artikel: "männlichen Substantiven [...] weibliche Substantive"
Zitat von Johann Martin Schleyer:
Volapük. Die Weltsprache. Entwurf einer Universalsprache für alle Gebildete der ganzen Erde.
Sigmaringen 1880, S. 4: "33. Sie [= die Weltsprache Volapük] kennt (wie die
engl.
Sprache) in der Grammatik keine 3 Geschlechter. Sie ist hirin gänzlich indifferent."
Bitte hilf mit, ihn zu
verbessern
, und entferne anschließend diese Markierung.
Von männlichen Substantiven abgeleitete weibliche Substantive werden durch die Vorsilbe ji gekennzeichnet, zum Beispiel tidel = Lehrer, jitidel = Lehrerin. Das Geschlecht von männlichen Tieren wird mit der Vorsilbe om, das von weiblichen Tieren durch die Vorsilbe ji gekennzeichnet, zum Beispiel omdog = Rüde, jidog = Hündin.
11
Grundzahlen
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Die
Grundzahlen
beginnen und enden auf einem Konsonanten mit einem Vokal. Endkonsonant ist stets ein „
“. Man beachte die Reihenfolge der Vokale (a, e, i, o, u, ä, ö, ü); nur bei „7“ ist wieder ein „
“ eingeschoben. Im schleyerschen Volapük wurden die Zehner mit dem Plural-s gebildet: 10 bals, 20 tels, 30 kils usw. 11 balsebal, 12 balsetel, 13 balsekil usw. Erst in der großen Volapükreform durch Arie de Jong wurde mit Einführung des Wortes „deg“ ein eigenes Wort für zehn und zur Bildung der Zehnerreihe eingeführt.
Volapük
Ziffer
Beispiel
bal
eins
degbal = 11
tel
zwei
teldegtel = 22
kil
drei
tumteldegkil = 123
fol
vier
teldegfol = 24
lul
fünf
telmil kiltumfoldeglul = 2.345
mäl
sechs
tummäl = 106
vel
sieben
veldeg = 70
jöl
acht
jölmil = 8.000
zül
neun
zülbalion = 9.000.000
bals
deg
10
zehn
teldeg = 20
Weitere Zahlen
tum
= 100
mil
= 1.000
degmil
= 10.000
milion
balion
= 1.000.000 (Million)
miliád
telion
= 1.000.000.000 (Milliarde)
bilion
= Bilion,
kilion
= Trillion,
folion
= Quadrillion
folbalion jöltumveldegmälmil kiltumteldegzül = 4.876.329
„Fünf große Bäume“ heißt in Volapük „bims gretik lul“.
Verbformen
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Die
Passivformen
der Verben werden durch Voransetzen des Konsonanten „
“ und eines Vokals gebildet. Hier aufgezeigt anhand des
Verbs
löf
“ (=
lieben
, abgeleitet vom englischen Wort „love“):
Passivformen
Grundform
Tempus
Form
Übersetzung
pa
Präsens
pa
löfob
ich werde geliebt
pä
Imperfekt
pä
löfob
ich wurde geliebt
pe
Perfekt
pe
löfob
ich bin geliebt worden
pi
Plusquamperfekt
pi
löfob
ich war geliebt worden
po
Futur I
po
löfob
ich werde geliebt werden
pu
Futur II
pu
löfob
ich werde geliebt worden sein
Kritik
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Die bedeutungstragenden Unterschiede sind oft sehr gering, so dass viele Wörter nur schwer auseinanderzuhalten sind.
12
Laute
Die Umlaute ö (
) und ü (
) sind für einen großen Teil der Menschen schwer auszusprechen.
Das „gerollte“ Zungenspitzen-R (
) eliminierte der Projektautor Johann Martin Schleyer aus seiner Plansprache, um den Chinesen den Zugang zu Volapük zu erleichtern. Was von Volapük blieb, wurde in den 1920er Jahren von dem Niederländer Arie de Jong reformiert, der den Buchstaben R wieder einführte. Er begründete diesen Schritt damit, dass die Japaner mit dem L Schwierigkeiten hätten.
Wortschatz
Internationalismen
fehlen oder sind so entstellt, dass sie nicht mehr wiederzuerkennen sind. Obwohl ein großer Teil des Wortschatzes dem Englischen entnommen ist, sind doch gerade für Muttersprachler des Englischen viele Wörter (zum Beispiel „pük“) auf Grund der darin enthaltenen Umlaute nur schwer auszusprechen.
Auch wird der Muttersprachler des Englischen nicht ohne Hinweis darauf kommen, dass zum Beispiel das Wort „flen“ für Freund vom englischen Wort „friend“ abgeleitet ist.
Übertragene Begriffsverwendung
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Im
Dänischen
wird das Wort
volapyk
heute synonym für (absichtlich) Unverständliches (
Fachchinesisch
, elitäres
Kauderwelsch
) benutzt – oder auch im Sinne von ‚
Quatsch
‘:
Det er det rene volapyk
wörtl.
: ‚Das ist das reinste Volapük‘) bedeutet so viel wie ‚
Ich verstehe nur Bahnhof
‘.
13
Ähnlich hat es
Erich Kästner
in seinem sarkastischen Gedicht
Sogenannte Klassefrauen
verwendet.
Im
Esperanto
wird
volapukaĵo
(„in Volapük Abgefasstes“) auch in der Bedeutung „Unverständliches“ verwendet.
14
In
Kurt Tucholskys
Satire
Der Löw’ ist los
(1929)
15
wird Russisch als das Volapük der Tiere bezeichnet. Es wird nicht näher darauf eingegangen, was darunter genau zu verstehen ist.
In dem Werk
Der „Linke Radikalismus“, die Kinderkrankheit im Kommunismus
von
Lenin
mokiert sich der Autor über den „spintisierenden Eifer“ des „linken“ Kommunismus (ergo der KPD) in Deutschland. Unter anderem heißt es: „Das alles sind Binsenwahrheiten. Das alles ist einfach und klar. Wozu bedurfte es statt dessen eines Kauderwelsch, eines neuen Volapüks?“
Mit dem Namen
Wolapjuk
russisch
кодировка „волапюк“,
kodirowka „wolapjuk“
= ‚Kodierung „Volapük“‘;
englisch
„Volapuk“ encoding
) bezeichnet man heute im slawischen Sprachraum auch die (inoffizielle)
Transkription
kyrillischer
Buchstaben über Computersysteme mit westlichem
Lateinalphabet
, basierend auf deren Option, etwa bei
Chat
oder
Instant messaging
, z.
B. in folgender Form: СОВЕТСКИЙ СОЮЗ (kyrillisch) = COBETCKNÑ CO1O3 (lateinisch).
In dieser Bedeutung spielt Volapük auch in
William Gibsons
„Quellcode“ eine Rolle.
Literatur
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Philipp Engert und Leonard Schwägerl (Hrsg.): Schleyer und Volapük – Geschichte und Linguistik. Seminarkurs 2012/2013 Martin-Schleyer-Gymnasium, Lauda-Königshofen. Verlag tredition GmbH Hamburg 2013;
ISBN 978-3-8495-7238-9
Hans-Dieter Kuhn:
Die Plansprachen Volapük und Esperanto in Konstanz. Geschichte und lokale Ereignisse
; Hartung-Gorre Verlag Konstanz 2010;
ISBN 978-3-86628-357-2
Jürgen Oellers:
Sprachenverwirrung in Friedrichshafen. Der erste Volapük-Kongress im Jahre 1884.
In: Leben am See. Jahrbuch, Jahr unbekannt, S. 26–37.
Weblinks
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Commons
: Volapük
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Wiktionary: Volapük
– Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Wikipedia auf Volapük
Wikisource: Volapük
– Quellen und Volltexte
(oldwikisource)
Wikisource: Deutsche Texte über Volapük
– Quellen und Volltexte
Wikisource: Volapük – Grammatica e Lessicologia
– Quellen und Volltexte
(italienisch)
Video-Inteview mit dem derzeitigen Cifal Hermann Philipps
Zur Geschichte von Volapük
(englisch)
Volapük-Linksammlung
(englisch)
Volapük-Grammatik
(englisch)
Flenef bevünetik Volapüka
(englisch)
Volapük-Kurs v. Johann Schmidt
Volapük-Yahoo-Group
Literatur auf und über Volapük
in der
Plansprachensammlung der ONB
Exponate zu Volapük in der virtuellen Ausstellung „Konstruierte Sprachen“
der Bayerischen Staatsbibliothek
Dossier mit Zeitungsartikeln zu den Sprachen Volapük und Esperanto
Einzelnachweise
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Rupert Kniele:
Das erste Jahrzehnt der Weltsprache Volapük.
Überlingen 1889. S. 69
Jürgen Oellers:
Sprachenverwirrung in Friedrichshafen. Der erste Volapük-Kongress im Jahre 1884.
In:
Leben am See.
Jahrbuch, Jahr unbekannt, S. 26.
volapük.com
volapük.com
Detlev Blanke:
Interview mit Cifal Hermann Philipps.
(PDF)
Gesellschaft für Interlinguistik,
2014
abgerufen am 21.
November 2022
Volapük.com.
Abgerufen am 11.
April 2026
Ulrich Matthias:
Esperanto – Eine Chance für Europa.
Adalbert Baumann:
Wede, die Sprache der Zentralmächte und ihrer Freunde, die neue Welthilfssprache.
Diessen 1915, S. 30.
Johann Martin Schleyer:
Volapük. Die Weltsprache. Entwurf einer Universalsprache für alle Gebildete der ganzen Erde
. Sigmaringen 1880
Joseph Kürschner (Hrsg.):
Pierer’s Konversations-Lexikon.
Deutsche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 1893, S. 899.
Jürgen Oellers:
Sprachenverwirrung in Friedrichshafen. Der erste Volapük-Kongress im Jahre 1884.
In: Leben am See. Jahrbuch, Jahr unbekannt, S. 26–37.
Wegen der Ähnlichkeit der Wörter muss man „auf eine gut artikulierte Aussprache viel Mühe verwenden“ und sie sind „durch ihre geringe lautliche Differenziertheit schwer einprägsam“ laut Heinz F. Wendt (Hrsg.):
Das Fischer Lexikon Sprachen.
Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 1977, S. 357.
Langenscheidt
Taschenwörterbuch Dänisch.
2007,
ISBN 978-3-468-11103-7
, S. 521.
Erich-Dieter Krause
Großes Wörterbuch Esperanto-Deutsch
. Buske, Hamburg 1999, S. 873.
Kurt Tucholsky:
Der Löw’ ist los!
– Volltext bei
Wikisource
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